Moonfare: Wie gut ist Berlins bestfrisiertes Fintech wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Es gibt hierzulande Fintechs, die strampeln seit Jahren – und kommen doch nicht aus dem Quark. Es gibt aber auch solche, die wie Kai aus der (Sand-)Kiste hüpfen – und wo es dann plötzlich heißt: 25 Mio. Euro Funding- Bäm! 100 Mio. Euro verwaltetes Vermögen: Bäm!

Und dann geht man auf die Website, klickt auf den Reiter „Who we are“ und denkt: „What the f***?“. Wo kommen denn die ganzen Mitarbeiter alle her? Und warum sind die teilweise so hammermäßig gut frisiert?

Und schließlich fällt einem ein, dass Finanz-Szene.de ja nicht gegründet wurde, um die Gel-Dichte, sondern um die Zahlen von Deutschlands Banken und Fintechs zu hinterfragen. Lesen Sie also hier unsere kleine Analyse: Wie gut ist Berlins neuer Fintech-Darling Moonfare wirklich?

1.) Was genau macht Moonfare?

Das Berliner Fintech hat es sich zur Aufgabe gemacht, wohlhabenden, aber nicht wirklich reichen Menschen den Zugang zu Private-Equity-Fonds zu ermöglichen und an den Gebühren zu verdienen. Traditionell ist es so, dass – wer bei den KKRs, Permiras oder Carlyles dieser Welt investieren möchte – mindestens eine siebenstellige, eher aber noch eine achtstellige Summe mitbringen muss. Moonfare dagegen steht Anlegern schon ab 100.000 Euro, in Deutschland ab 200.000 Euro offen. Über eine Plattform-Lösung werden diese Summen gepoolt und dann en bloc in ausgewählte Private-Equity-Fonds investiert.

2.) Wer steht hinter Moonfare?

Gründer sind der frühere KKR-Direktor Steffen Pauls und ein weiterer ehemaliger KKR-Mann, nämlich der Grieche Alexander Argyros. Pauls firmiert als Chairman, Argyros als CEO von Moonfare. Zusammen mit einigen Frühphasen-Investoren stehen die beiden zudem hinter einem Luxemburger Vehikel namens „SP Global Partners“. Dieses hielt laut Handelsregister zuletzt knapp 70% an der Moonfare GmbH – wobei der Anteil im Zuge der jüngsten Finanzierungsrunde auf rund 50% gesunken sein soll. Das Funding erstreckte sich über zwei Phasen und summierte sich auf zusammen 25 Mio. Euro. Das Geld soll von rund 100 verschiedenen Geldgebern gekommen sein, darunter der frühere KKR-Partner Henrik Kraft und Thomas Ebeling, ehemaliger Chef des Medienkonzerns ProSieben Sat1 (der ja mal Permira und  KKR gehörte). Kurzum: Moonfare scheint kein klassisches, über institutionelle VCs finanziertes Startup zu sein, sondern mutet – jedenfalls für den Moment – eher wie ein Rich-Boys-Netzwerk-Fintech an. Interessant: Unter den 34 namentlich auf der Website aufgeführten „Shareholdern“ ist keine einzige Frau.

3. Was an Moonfare ist neu oder gar disruptiv?

Naja, es ist nicht so, als wäre aus der „alten Welt“ noch nie jemand auf die Idee gekommen, die Einstiegshürden für Private-Equity-Investments zu senken. Zumal die Politik (für alle Connaisseure: gemeint ist das Stichwort „Eltif“-Verordnung) die traditionellen Banken und Asset Manager durchaus in genau diese Richtung drängt. Die Deutsche Bank etwa bietet gemeinsam mit der Partners Group ein entsprechendes Produkt an, auch der Asset Manager Muzinich & Co. hat bereits einen „Eltif“-Investmentfonds gelauncht. Und bevor wir’s vergessen:  Im Graumarkt für geschlossene Fonds gibt es schon seit Ewigkeiten Private-Equity-Beteiligungen auch für kleinere Anlagesummen.

Gleichwohl: Soweit wir’s überblicken, ist das Moonfare-Modell zumindest am deutschen Fintech-Markt neu – auch wenn das Angebot des Berliner Edel-Robos  Liqid in eine ähnlich Richtung geht. Laut „Reuters“ kommen die Vorbilder von Moonfare unterdessen aus den USA. Dort hätten die Anbieter ICapital Network und Artivest bis Ende 2018 beide schon jeweils mehr als 5 Mrd. Dollar für ihre Kunden verwaltet.

Was das technische (und regulatorische …) Setup angeht, heißt es derweil in einer vergangene Woche von Moonfare versandten Pressemitteilung:

„Moonfare [bietet] einen sicheren, vollständig digitalen End-­to-­
End-­Investmentprozess, bei dem sich interessierte und qualifizierte Investoren in weniger als 15 Minuten registrieren, ihre Identifikation bestätigen, Fondsdokumente einsehen, Zuteilungsanträge stellen und Anlagedokumente unterzeichnen können.“

Ob’s wirklich so schnell geht, sei mal dahingestellt. Spannender ist die Stoßrichtung: Moonfare will nicht nur die finanziellen Eintrittsbarrieren senken, sondern den Investmentprozess als solchen soweit verschlanken, dass sich in „Alternative Assets“ genauso relativ simpel investieren lässt wie über einen Robo Advisor in den Aktienmarkt.

4. Wie sind die bislang von Moonfare kommunizierten Zahlen einzuordnen?

Mit der zweigeteilten Series-A-Runde in Höhe von 25 Mio. Euro sortiert sich Moonfare Pi mal Daumen unter den deutschen Top-20-Fintechs ein. Und was die verwalteten 100 Mio. Euro angeht: Die sind durchaus ein Wort, wenn man bedenkt, dass von den vielen Robo Advisorn hierzulande gerade mal sechs die 100-Mio.-Euro-Grenze ebenfalls schon durchbrochen haben (falls Sie noch zwei Vergleichsgrößen wünschen: Der 2017 gestartete Lenny-Fischer-Kai-Diekmann-Fonds steht bei 16 Mio. Euro, die drei im selben Jahr aufgelegten ETF-Dachfonds der ING Diba kommen aggregiert auf 35 Mio. Euro).

Gleichwohl:  Bereits per August 2018 war Moonfare bei knapp 50 Mio. Euro Assets under Management, lässt sich aus damaligen Interviews ableiten. Als Ziel für Ende 2019 wurden seinerzeit 350 Mio. Euro genannt. Wenn Moonfare nun also per Pressemitteilung vom  22. Mai mitteilt, die Marke von 100 Mio. Euro „überschritten“ zu haben – dann lässt sich so ganz grob ableiten: In den nächsten sieben Monaten müssten die Berliner etwas fünfmal so viel Geld einsammeln wie in den zurückliegenden rund neun Monaten, um die Zielvorgabe zu erreichen. (Hinweis: Im Gespräch mit Finanz-Szene.de präzisierte CEO Argyros am Freitag, man habe die 100-Mio.-Euro-Marke tatsächlich schon „vor ein paar Wochen“ erreicht. Dadurch verändert sich unsere Rechnung also leicht. Hinter das „exponentielle“ AuM-Wachstum, von dem in der Pressemitteilung die Rede ist, würden wir trotzdem ein ganz kleines Fragezeichen machen).

Mindestens ebenso spannend wie die Höhe des verwalteten Vermögens ist aus unserer Sicht die Frage, von wem das Geld kommt. Denn: Plausiblerweise darf man davon ausgehen, dass viele Mitglieder des beschriebenen Rich-Boys-Zirkels nicht nur ins Unternehmen, sondern auch ins Anlageprodukt investiert haben.  Wie viel Geld kommt also schon von „echten“ Kunden in dem Sinne, dass sie eben nicht der Friends&Family-Sphäre rund ums Moonfare-Netzwerk angehören? Oder anders gefragt: Inwieweit ist das Berliner Fintech – Stand heute – schon mehr als ein digitaler Investmentklub?

An dieser Stelle zeigt sich das Unternehmen eher wortkarg, gibt Journalisten aber immerhin ein paar Beispielrechnungen an die Hand, die darauf hinauslaufen: Die gut 100 Mio. Euro sollen sich in jedem Fall auf mehr als 200 Einzelinvestoren verteilen – vielleicht sind es aber auch schon deutlich mehr. Auch hier zur Einordnung: Mitte August 2018 wurde eine Zielvorgabe von 2000 Kunden bis Ende 2019 ausgegeben.

5. Was ist die Vision von Moonfare?

Bis 2021 soll das verwaltete Vermögen mindestens 1 Mrd. Euro betragen. Auf Sicht sollen Anleger über die Plattform über Private Equity hinaus auch in weitere alternative Assetklassen wie Infrastruktur oder Venture Capital investieren können.

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Ist Visas Debitkarte wirklich so neu, wie Visa tut?

Von Heinz-Roger Dohms

Zu unseren liebsten (weil kundigsten) Lesern gehören Herr K., der bei einer großen deutschen Bank arbeitet, und Herr S., der bei einem bekannten deutschen Fintech arbeitet.

Nachdem wir (genauso wie einige andere deutsche Medien) vergangene Woche vermeldet hatten, dass Visa im nächsten Jahr erstmals mit einer Debitkarte auf den deutschen Markt kommt (und zwar mit einer Debitkarte, mit der man, anders als mit der Girocard, z.B. auch online shoppen kann), schrieb uns Herr K. eine Mail, in der es sinngemäß hieß:

„Die Visa-Karte, die ich als Kunden zum Beispiel der DKB oder der ING Deutschland erhalte, ist seit jeher eine Debitkarte. Und mit der kann ich auch im Internet bezahlen, und sie verfügt auch über einen NFC-Chip.“

Diese Darstellung forderte uns insofern heraus, als wir a) selber mal wieder gar keine Ahnung hatten und b) wir uns fragten: Wenn stimmt, was Herr K. schreibt, worin besteht dann überhaupt der Unterschied zur neuen Visa-Debitkarte? Und warum macht Visa überhaupt so einen Bohei um den Launch?

Um uns aufzuschlauen, wandten wir uns an Herrn S. – denn: Der hat einen ziemlich krassen Payment-Tick, sodass es eigentlich keine Payment-Frage gibt, zu der Herr S. nicht die Antwort wüsste. Also Herr S., was ist denn nun Sache in Sachen Visa/Debit?

Da Herr S. nicht nur ein Nerd zum Quadrat, sondern auch ein quellenfester Mensch ist, las er uns erst einmal die Produktbeschreibung von der ING-Website vor:

„Mit Ihrer VISA Card können Sie in allen Euro-Ländern kostenlos Bargeld abheben, im Internet shoppen und im Ausland bezahlen. Die Buchungen sehen Sie bereits nach 2 Tagen in Ihrem Internetbanking.“

Sodann führte Herr S. aus, dass der entscheidende Satz der letzte sei, also der mit den zwei Tagen. Denn, so Herr S.:

„Die VISA-Karten von ING Deutschland, Comdirect, DKB und anderen sind keine richtigen Debitkarten, wohl aber sozusagen halbe Debitkarten. De facto handelt es sich um Kreditkarten mit einem sehr kurzen Kreditrahmen. Die richtige Debitkarte haben VISA und Mastercard zB. schon seit Jahrzehnten in den USA. Das ist es wie unsere Girocard (oder halt Maestro und Vpay), sprich: Direkte Autorisierung gegen das Konto. Kein Kreditrahmen, keine Stand-In-Services, wenn das Issuer-System nicht erreichbar ist.“

Ganz Recht hat Herr K. also nicht. Aber immerhin halb.

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Das Zitat, das von der Coba-HV in Erinnerung bleiben wird

Normalerweise ist Commerzbank-Chef Martin Zielke ein friedliebender Mensch. Einen kleinen (oder sagen wir ruhig: mittelgroßen) Seitenhieb auf die Deutsche Bank und ihren CEO Christian Sewing hat er sich bei der gestrigen Coba-Hauptversammlung trotzdem nicht verkneifen können:

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Bafin stellt Fintech-Bank N26 öffentlich an den Pranger

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die Auseinandersetzung zwischen der Bafin und N26 eskaliert. Gegen 15 Uhr heute Nachmittag hat die Finanzaufsicht auf ihrer Website eine Anordnung veröffentlicht, in der sie der Berliner Smartphone-Bank unter anderem aufträgt, eine nicht näher genannte Zahl von Bestandskunden neu zu identifizieren. Darin wird N26 angewiesen, „Rückstände im EDV-Monitoring“ abzuarbeiten, Arbeitsabläufe zu optimieren und den Personalbestand aufzustocken. Das Dekret trägt die Überschrift: „N26 Bank GmbH: Anordnung zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ .

Dazu muss man wissen: Wenn die Bafin den Managern eines Geldinstituts etwas mitzuteilen hat, tut sie das normalerweise hinter verschlossenen Türen – und nicht coram publico mit einer veröffentlichungspflichtigen Anordnung. Das Vorgehen darf man darum als Indiz dafür werten, dass der Bonner Behörde im Umgang mit N26 (wenn wir uns mal ein bisschen landläufig ausdrücken dürfen) die Hutschnur geplatzt ist.

[Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Veröffentlichung der Anordnung sei ein ungewöhnlicher Vorgang. Das war falsch. Die Anordnung ist veröffentlichungspflichtig. Ungewöhnlich ist lediglich, dass die Bafin überhaupt zur Maßnahme einer veröffentlichungspflichtigen Anordnung greift.]

Zum Hintergrund: Im vergangenen Sommer rückte die Bafin zu einer Sonderprüfung bei N26 an – angeblich mit einer Truppe von zehn bis zwölf Leuten (so wurde es uns jedenfalls von Insidern berichtet). Bekannt wurde die Bafin-Prüfung allerdings erst deutlich später, nämlich im April dieses Jahres. Da berichtete zunächst das „Handelsblatt“ (mutmaßlich gefüttert von der Bafin selbst) über die Vorgänge. Tenor des Artikels (Paywall): N26 gerät ins Visier der Finanzaufsicht +++ Bafin stellt bei Smartphone-Bank viele Mängel fest +++ Aufseher mahnen Reformen an.

Warum schon dieser Rüffel mehr als nur Formsache war, hatten wir Ihnen damals in einer Kurzanalyse aufgedröselt …

Warum der Bafin-Rüffel für N26 mehr als nur eine Formsache ist

Was folgte, war eine ganze Reihe von großen Zeitungs-Interviews, in denen N26-Chef Valentin Stalf nicht nur Besserung gelobte – sondern auch immer wieder betonte, sein Unternehmen habe viele der von der Bafin geforderten Schritte bereits angepackt oder sogar umgesetzt.

Seit heute Nachmittag weiß man: In Bonn wird das ein bisschen anders gesehen. Die Auseinandersetzung zwischen der deutschen Finanzaufsicht und dem wichtigsten Fintech des Landes hat eine neue Qualität bekommen.

Leser Sie hier, was genau in der Bafin-Anordnung steht. Weiter unten kommt dann noch eine erste Stellungnahme seitens N26:

Die BaFin hat am 20. Mai 2019 gegenüber der N26 Bank GmbH zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung angeordnet, angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und Allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten. Die Anordnung ergeht auf Grundlage der § 6 Absatz 8 und § 51 Absatz 2 Satz 1 Geldwäschegesetz (GwG).

Im Einzelnen wird angeordnet, dass die N26 Bank GmbH Rückstände im EDV-Monitoring abarbeiten muss, Prozessbeschreibungen und Arbeitsabläufe verschriftlichen muss, eine vorgegebene Anzahl von Bestandskunden neu zu identifizieren hat. Diese Maßnahmen müssen jeweils innerhalb einer festgelegten Frist umgesetzt werden. Des Weiteren hat die N26 Bank GmbH eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen sicherzustellen.

Die Veröffentlichung erfolgt aufgrund § 57 GwG. Der Bescheid ist seit dem 20. Mai 2019 bestandskräftig. (Original hier)

Und hier Auszüge aus der Stellungnahme von N26:

[…] Wir nehmen diese Anordnung sehr ernst und haben schon im Vorfeld die notwendigen Maßnahmen und Fristen zur Umsetzung eng mit der BaFin abgestimmt. Unabhängig davon hat unser Team zur Bekämpfung von Geldwäsche bereits seit längerer Zeit Maßnahmen zur Verbesserung der Vorbeugung von Finanzkriminalität ergriffen. Deswegen sind wir uns sicher, dass wir alle Vorgaben noch vor der von der BaFin vorgegebenen Frist umsetzen werden.

So arbeiten wir mit Hochdruck sämtliche noch unbearbeitete Fälle von Transaktionen ab, die von unseren Systemen als unregelmäßig oder auffällig identifiziert wurden. Derzeit haben wir bereits rund 90 Prozent dieser ausstehenden Fälle bearbeitet und werden alle noch offenen Fälle bis Ende nächster Woche finalisieren. 

Wir werden unsere bereits bestehenden Prozessbeschreibungen und Arbeitsabläufe zur Umsetzung des Geldwäschegesetzes entsprechend der Anforderungen der BaFin verbessern. Zusätzlich werden wir auch weiterhin, wo notwendig, eine erneute Identitätsverifizierung von Kunden durchführen. 

Unser wichtigstes Ziel ist es, unseren Kunden immer den bestmöglichen Service zu bieten und dabei alle regulatorischen Vorgaben zu erfüllen. Deswegen vergrößern wir kontinuierlich unsere Personalausstattung. Allein im letzten Jahr haben wir  unser Team verdoppelt und werden unser Personal bis Ende des Jahres um weitere 50 Prozent auf über 1500 Mitarbeiter aufstocken. Auch unser Team zur Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität haben wir massiv ausgebaut. […]

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Finleap vs. Check24: Clash zwischen zwei Fintech-Welten

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Dass Finleap auch jetzt schon eine hübsche Story ist, wird niemand ernsthaft bestreiten. Seit der Gründung 2014 hat der Berliner Company-Builder mehr als ein Dutzend Fintechs hervorgebracht, darunter so verheißungsvolle Startups wie die Solarisbank, der B2B-Versicherer Element oder der Private-Banking-Digitalisierer Elinvar (das ist die Bude, bei der neulich erst Goldman Sachs eingestiegen ist …). Vergleichbare Player gibt es in Europa keine. Auch das war ein Grund, warum der chinesische Versicherungsgigant Ping An auf der Suche nach einem europäischen Brückenkopf im vergangenen Jahr auf Finleap verfiel – und im Herbst satte 40 Mio. Euro in den Fintech-Brutkasten investierte.

Indes, so hübsch Finleap auch dastehen mag: Ein Asset sucht man im Portfolio des Berliner Inkubators bislang vergeblich – nämlich einen breitbeinigen B2C-Challenger, der die Finanzbranche nicht nur aus dem Schatten heraus zu disruptieren versucht, sondern dort, wo es jeder sehen kann, sprich: im Endkundengeschäft. Nun jedoch will Finleap mithilfe von Ping An einen solchen bauen, Gründerszene und Finanz-Szene.de gestern exklusiv aufgedeckt haben. Insidern zufolge geht es um den Aufbau eines Vergleichsportals 4.0 und damit eines direkten Konkurrenten zum Münchner Vergleichsriesen Check24.

Diese Geschichte ist mehr als einfach nur das nächste Finleap-Venture. Es ist: der Clash zwischen alter und neuer Fintech-Welt.

Tatsächlich kommt der Vorstoß aus Berlin weniger überraschend, als es auf den ersten Blick scheint. Check24 – gegründet 1999 als Vergleichsportal für Kfz-Versicherungen – ist so etwas wie das große deutsche Ur-Fintech. Während Startups wie N26, die Solarisbank oder eben Finleap gewissermaßen die Adepten sind. Eingeweihte berichten, bei der Entwicklung neuer Finleap-Unternehmen sei Check24 von Anfang an ein Fixpunkt gewesen.

  • Mit dem Launch des Online-Versicherungsmaklers Clark beispielsweise kam Finleap dem größten europäischen Vergleichsportal 2015 schon einmal auffällig nahe.
  • Der Einstieg beim Affiliate-Spezialisten FinanceAds wiederum zeigte: Finleaps disruptives Credo besteht nicht nur aus Technologie, sondern auch aus Marketing – der großen Stärke von Check24.
  • Und auch mit dem Aufbau des B2B-Kontowechsel-Spezialisten Finreach bewegte sich Finleap tendenziell in Richtung des B2C-Alles-Wechsel-Spezialisten Check24, selbst wenn zwischen den beiden Unternehmen kein unmittelbares Konkurrenz-Verhältnis besteht.

Und umgekehrt? Scheut sich Check24 im Zweifel auch nicht, von Finleap und Konsorten abzukupfern. So sagte Geschäftsführer Christoph Röttele vor zwei Jahren in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“: „Wir gehen jetzt genau in die Segmente hinein, die momentan noch von Fintechs besetzt sind.“ Bei einem des Tools, die Check24 damals startete, handelte es sich um einen sogenannten digitalen Versicherungsordner – eine direkte Replik auf die Gründung des Online-Maklers Clark durch Finleap.

Die nötigen Werkzeuge zum Angriff auf Check24 haben die Berliner beisammen. Dank Clark konnten sie Expertise im Maklergeschäft sammeln, mit FinanceAds spielen sie im europäischen Finance-Marketing ganz vorne mit. Nicht zu vergessen: Seit der Übernahme von Figo befindet sich unterm Finleap-Dach (neben der Kontowechsel-Expertise, die von Finreach kommt) auch originäre API-Schnittstellen-Kompetenz. Das kann nicht schaden, wenn es gilt, unterschiedlichste Finanzprodukte von unterschiedlichsten Anbietern in eigene Angebot zu integrieren.

Sonst nach was? Ach ja: Finleap-Topmanagerin Carolin Gabor war mal Geschäftsführerin von Toptarif, einem frühen Check24-Konkurrenten, der später von Verivox (also der Nummer zwei im deutschen Vergleichsmarkt) geschluckt wurde. Fehlt eigentlich nur noch das nötige Kleingeld, um in die vermutlich unausweichliche Marketingschlacht gegen Check24 einzusteigen. Doch dafür dürfte Ping An sorgen, Jahresumsatz zuletzt: umgerechnet 135 Mrd. Euro.

Die Frage ist: Reicht das alles, um 15 bis 20 Jahre Vorsprung auszugleichen? Zumal: Check24 ist beileibe nicht der einzige potente Konkurrent. Hinter Verivox steht der ProSieben-Sat.1-Konzern (mit entsprechender medialer Reichweite), in Teilbereichen des Vergleichsgeschäfts haben sich zudem ambitionierte Spezialplayer etabliert, etwa Finanzcheck und Smava bei Krediten. Diese Beispiele freilich zeigen auch: Check24 ist nicht unantastbar. Und: Es gibt eine Menge zu verteilen.

Ein paar Zahlen, die dies unterstreichen oder zumindest andeuten:

  • Die bislang konkretesten Zahlen zu Check24 lieferte vor gut zwei Jahren das „Manager Magazin“. Demnach wurden über die Vergleichsplattform im Geschäftsjahr 2015/16 Waren und Dienstleistungen im Wert von 15 bis 20 Mrd. Euro umgesetzt, bei Check24 blieb echter Umsatz (spricht: Provisionserträge) in Höhe von rund 500 Mio. Euro hängen. Angesichts eines jährlichen Wachstums von – zumindest damals noch – bis zu 50% wird klar: In diesem Markt geht es, anders als in einigen Fintech-Spezialsegmenten, um richtig viel Geld
  • Dass der Vergleichsmarkt, wenn man es richtig anstellt, auch schnelle Erfolge hergibt, bewies der Kreditvergleicher Finanzcheck (mit Check24 weder verwandt noch verschwägert). Gegründet 2012, wuchsen die Hamburger so rasch, dass die Gründer das Fintech letztes Jahr für rund 275 Mio. Euro an die Scout-Gruppe verkauften. Ein Initialinvestment in dreistelliger Millionenhöhe, wie es bei Finleap/Ping An im Raum steht, kann sich theoretisch also relativ bald amortisieren
  • Finanzcheck – das wurde im Zuge des Verkaufs bekannt – vermittelte 2017 Konsumentenkredite im Wert von 1,06 Mrd. Euro. In einer Marktanalyse schätzte „Finanz-Szene.de“ , dass Smava damals auf etwa 1,2 Mrd. Euro kam, Check24 auf etwa 2,5 bis 3 Mrd. Euro.  Dazu muss man nun aber wiederum wissen: Der gesamte Ratenkreditmarkt dürfte rund 90 Mrd. Euro schwer sein. Wenn die drei großen Vergleichsportale hiervon aber nur 6% bis 7% vermittelten (tatsächlich lag sogar der gesamte Online-Anteil laut Bankenfachverband ledglich bei rund 15%), dann zeigt das vor allem eines:  Das Marktpotenzial ist enorm, wenn man plausiblerweise davon ausgeht, dass der Online-Anteil in den nächsten Jahren weiter wachsen dürfte
  • Das gilt natürlich genauso für den Versicherungsmarkt, der – schaut man auf den Gesamtvertrieb, nicht nur auf online – immer noch ganz wesentlich von klassischen Playern wie DVAG oder AWD bestimmt wird. Auch das könnte sich im Laufe der nächsten Jahre allmählich ändern. Und auch dieses Potenzial hat Finleap natürlich im Blick.

Das heiß freilich nicht, dass die-Pläne zum Selbstläufer werden. Denn der Wettbewerb im Internetvertrieb ist knallhart – und der vielleicht wichtigste Spieler heißt nicht Check24, sondern der heißt: Google. Die Amerikaner sind in den vergangenen Jahren in einigen Ländern bzw. Segmenten immer tiefer ins Vergleichsgeschäft vorgedrungen. Doch selbst in Märkten, in denen sie das nicht tun, verdienen sie über ihre Werbesystem „GoogleAds“ kräftig mit. Beispiel: Laut Nielsen-Zahlen hat Check24 im vergangenen Jahr zwar satte rund 170 Mio. Euro für TV-Werbung ausgegeben – die Google-Spendings der Münchner allerdings sollen Insidern zufolge sogar noch höher sein.

Schon vor Jahren hieß es, dass im Herbst, wenn die Wechselsaison für KfZ-Policen ansteht, ein entsprechender Klick bei Google (z.B. bei einem Suchbegriff wie „Autoversicherung wechseln“) bis zu 10 Euro kosten kann. Einfache Rechnung: Bei einer realistischen Conversion Rate von 5% zahlten Vergleichsportale damals zu Hochzeiten also rund 200 Euro pro Kunde (20 Klicks à 10 Euro, um einen Kunden zu gewinnen …). Sie erhielten ihrerseits aber nur eine Provision von realistischerweise rund 100 Euro vom Versicherer. Und seitdem? „Sind die Akquisekosten über Google bei Finanzprodukten nochmal um sicherlich 50% gestiegen“, so ein Insider. „Das ist ein brutaler Wettbewerb, der da tobt.“

Kein leichtes Feld, dass sich Finleap da ausgesucht hat. Aber im Erfolgsfall auch ein sehr lukratives.

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Fintech-Coup des Jahres: Finleap plant Angriff auf Check24

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Keine Frage, bei Finleap tut sich was: Mehr als 30 Stellen hat der Berliner Company-Builder zuletzt für neue Fintech-Gründungen ausgeschrieben. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde steigt der Erfolgsdruck. „Solide“ reicht nicht mehr. Kritiker fragen, wo der „Big Bang“ bleibe, also gewissermaßen das Zalando für Finanzen.

Nach offiziellen Angaben stehen bei Finleap für diese Jahr zwei bis vier neue Ventures auf dem Plan. Unter den Jobanzeigen sind allerdings einige, die aus dem Raster fallen. Die dazugehörigen Beschreibungstexte deuten nämlich auf kein beliebiges neues Startup hin – sondern auf deutlich mehr. Auf etwas, das unter Insidern als Fintech-Projekt des Jahres gehandelt wird. Wörtlich heißt es:

„Wir bauen das nächste große B2C-Unternehmen im Bereich Finance und Versicherungen in Deutschland. Mit unserer Plattform möchten wir unseren Kunden ermöglichen, fundierte und auf ihren Bedarf ausgerichtete Entscheidungen zu treffen. (…) Mit unseren Produkten adressieren wir allein in Deutschland einen Multi-Milliarden-Euro-Markt. Um unsere Vision wahr werden zu lassen, haben wir bereits ein starkes Netzwerk an internationalen Investoren und Partnern an Bord geholt.“

Werden wir konkret. Recherchen von Gründerszene und Finanz-Szene.de zeigen: Finleap arbeitet an einer Art Vergleichsportal für Finanzprodukte – plant also den Angriff auf Check24, den digitalen Vertriebs-Giganten im hiesigen Banken- und Versicherungsmarkt. Dazu muss man wissen: Mit gewaltigen Werbeausgaben hat Check24 seine Marke bekannt gemacht, allein im vergangenen Jahr flossen 172 Mio. Euro in TV-Werbung (beim Rivalen Verivox sollen es übrigens ebenfalls weit mehr als 100 Mio. Euro gewesen sein). Sogar noch größer sind Marktkennern zufolge die Google-Spendings beider Unternehmen.

Wer dagegen anstinken will, braucht eine gewaltige Finanzkraft. Darum soll sich der Berliner Company-Builder unter der Führung von Gründer und CEO Ramin Niroumand nach Informationen von Gründerszene und Finanz-Szene.de die Unterstützung des chinesischen Milliardenkonzerns Ping An gesichert haben. Von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Finleap selbst will sich nicht zu diesen Informationen äußern, von Ping An an war bis gestern Abend keine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ping An ist bei Finleap schon jetzt ein wichtiger Geldgeber, mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 135 Mrd. Euro zählt das Unternehmen zu den größten Versicherern der Welt. Als strategischer Investor führte man die Finleap-Finanzierungsrunde Ende 2018 an – rund 40 Mio. Euro pumpte Ping An in das Berliner Unternehmen.

Ferner sollen angeblich drei weitere prominente Player bei dem Vorhaben involviert sein. McKinsey habe am Business-Plan mitarbeitet, ist zu hören. Auch die Namen der beiden Versicherungskonzerne Huk Coburg und Allianz fallen mehrfach. Ein Sprecher der Huk Coburg schreibt auf Nachfrage: „Aktuell gibt es keine Zusammenarbeit unseres Hauses mit Finleap.“ Zu Zukunftsprojekten will er hingegen nichts verraten. Die Allianz und McKinsey äußern sich auf Anfrage nicht.

Im Kreditbereich dominiert Check24 zusammen mit den Fintech-Rivalen Finanzcheck und Smava den Vergleichsmarkt – wobei Check24 allein etwa so viel Umsatz machen soll wie die beiden Wettbewerber zusammen. Sogar noch größer soll die Dominanz bei Autopolicen sein. Die Folge: Deutschlands größter Kfz-Versicherer, die Huk Coburg, liefert sich mit Check24 einen Dauerstreit vor Gericht. Die HuK-Produkte sind nicht auf der Vergleichsplattform gelistet. Die Allianz, Nummer zwei im Markt, vertreibt die Autoversicherung ihrer Hauptmarke ebenfalls nicht bei Check24.

2011 versuchte die Huk Coburg mit dem Einstieg beim Vergleichsportal Transparo einen Konkurrenten zu Check24 aufzubauen. Der Plan misslang. Drei Jahre später gingen die Domain und die Markenrechte an den Konkurrenten Verivox.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, mit welchem Konzept sich das neue Finleap-Unternehmen gegen Check24 behaupten will. Der Launch soll nach Gründerszene-Informationen im Oktober stattfinden. Szenekenner sind skeptisch, ob sich eine Marketingschlacht gegen Check24 gewinnen lässt. Wobei unklar ist, ob Finleap, Ping An & Co. wirklich ein klassisches Vergleichsportal planen – oder nicht doch eine neue Lösung.

Für Finleap hängt viel an dem Gemeinschaftsprojekt. In den vergangenen Jahren lag der Fokus stärker auf Geschäftsmodellen für andere Unternehmen (B2B), ein Beispiel ist die Solarisbank, die als Bankpartner für Fintechs und Digitalfirmen fungiert. Die Makler-App Clark ist das letzte verbleibende Venture, das sich an Endkunden richtet (B2C).

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Planen die Banken eine Auffang-Lösung für Paydirekt?

Von Heinz-Roger Dohms

Vor wenigen Tagen war für die Payment-Verantwortlichen in den deutschen Banken die Welt mal ausnahmsweise in Ordnung. Da veröffentlichte das EHI-Institut seine (als Goldstandard geltenden) neuen Statistiken für den hiesigen Zahlungsverkehrsmarkt – und der große Gewinner war: die bankeneigene Girocard. Um 3,8 Prozentpunkte ist deren Marktanteil 2018 gestiegen. Darüber hinaus prophezeien Deutschlands Einzelhändler der einstigen EC-Karte laut EHI-Umfrage für die kommenden Jahre sogar noch einen weiteren Bedeutungszuwachs.

Das Problem: An den grundsätzlichen Limitierungen des Girocard-Modells („rein national und rein offline“, wie der Payment-Blogger Jochen Siegert prägnant zusammenfasst) ändern die guten Zahlen wenig. Und darum verwundern auch Pläne nicht, über die die Kollegin Elisabeth Atzler vom „Handelsblatt“ (Paywall) heute Früh exklusiv berichtet. Sie schreibt, die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) – also die Dachorganisation der großen Bankenverbände – prüfe eine Bündelung ihrer verschiedenen Bezahlverfahren. Neben der Girocard sind das die Online-Dienste Paydirekt und Giropay, die  P2P-Payment-App Kwitt sowie alles, was unter „Instant Payment“ fällt. Das Pläne firmierten unter dem Projektnamen „#DK“, so Kollegin Atzler.

Tatsächlich geisterte durch die Branche seit langem das Gerücht, die Banken überlegten, Paydirekt mit Giropay zu verschmelzen. Der „Handelsblatts“-Bericht (dessen wesentliche Erkenntnisse uns gestern Abend von Insidern bestätigt wurden) deutet nun allerdings darauf hin, dass die Paydirekt/Giropay-Überlegungen offensichtlich in einen größeren Kontext überführt werden sollen.

Im Kern, so sagen unsere Quellen, gehe es zunächst einmal um die Etablierung eines einheitlichen Zugangspunkts für den Einzelhandel. Sprich: Händler müssten die unterschiedlichen Bezahlverfahren der Banken nicht mehr einzeln anbinden, sondern bekämen eine Paketlösung geliefert (wobei sogenannte Payment Service Provider genau diese Dienstleistung auch heute schon für die Händler erbringen). Die Frage ist: Geht es wirklich nur darum – oder ist die Vision eine größere? Geht es womöglich um das, was Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz jüngst als Idee für eine europäische Bezahllösung skizziert hat?

Dann fragt sich allerdings, welche der bankeneigenen Verfahren sich überhaupt für eine Europäisierung eignen.

  • Die Girocard? Ist zwar im Ausland einsetzbar, allerdings nur dank Visa (V-Pay) bzw. Mastercard (Maestro). Wollten die deutschen Banken die Girocard internationalisieren, müssten sie diese Funktionen (und die zugrundeliegende Infrastruktur) selber anbieten, eine Herkules-Aufgabe.
  • Paydirekt? Die deutschen Banken haben es trotz erheblicher Investitionen nicht geschafft, ihren 2014 gegründeten Paypal-Widersacher bei Händlern und Verbrauchern wirklich zu etablieren. Wie soll das dann europaweit funktionieren?
  • Giropay? Als online-basiertes Überweisungsverfahren wäre das Joint-Venture von Postbank, Sparkassen und Volksbanken dank PSD2 in der Theorie tatsächlich skalierbar (wie das geht, hat der Rivale Sofortüberweisung gezeigt). Bloß: Dass Giropay nach mehr als einem Jahrzehnt als Mauerblümchen plötzlich zum Payment-Schwert der deutschen Banken avanciert? Schwer vorstellbar.

Tatsächlich darf man sich von der „#DK“-Initiative vermutliche keine Wunderdinge erwarten. Ähnliche geartete Pläne in der Vergangenheit (Stichwort u.a.: Monet) scheiterten kläglich – und die ausländische Konkurrenz ist mittlerweile entweder weit voraus (Paypal) oder hat sich in eine strategisch vielversprechende Angriffsposition gebracht (Apple Pay). So wird man beim Blick auf die Gemengelage einen Verdacht nicht los: Geht es am Ende vielleicht doch darum, irgendeine Form von Auffang-Lösung für Paydirekt zu finden?

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Fintech-Bank N26 bekommt erstmals einen Deutschland-Chef

Von Heinz-Roger Dohms

Eine kleine, aber nicht uninteressante Nachricht von N26: Nach „Finanz-Szene.de“-Informationen (aber nicht exklusiv, in der FAZ steht’s auch …) steigt Georg Hauer, bislang Österreich-Chef der Berliner Neobank, zusätzlich zu deren Deutschland-Chef auf.

Was man hierzu wissen muss:

  1. Bislang gab es diese Position gar nicht, weil der deutsche Markt halt vom Berliner Headquarter aus miterledigt wurde. Hauers Berufung könnte also für eine Professionalisierung bzw. Konzernisierung der Strukturen stehen.
  2. Pro Kopf hat N26 im Nachbarland mehr Kunden als in Deutschland. Vielleicht waren die Obergurus Stalf/Tayenthal mit dem Wachstum hierzulande zuletzt ja nicht mehr gaaanz so zufrieden (wissen tun wir’s nicht, weil N26 seine Kundenzahlen nicht regional aufschlüsselt).

Aus dem Umfeld von N26 hieß es gestern, als eine seiner ersten Maßnahmen wolle der neuer General Manager (so der offizielle Titel) die Verfügbarkeit des Kundenservices in Deutschland auch auf Sonntage ausdehnen. Damit würde die Smartphone-Bank einen der Nachteile gegenüber Konkurrenten wie der ING Deutschland ausgleichen.

Georg Hauer kam im März 2018 als General Manager Österreich zu N26. Zuvor war er nach Angaben des  Berliner Fintechs beim Taxi-Dienst Uber für den Aufbau eines neuen Geschäftsmodells einschließlich des lokalen Kundenservices verantwortlich. Davor wiederum hatte Hauer viele Jahre als Strategieberater bei der Boston Consulting Group in Deutschland und Österreich gearbeitet, wo er für Projekte mit den Schwerpunkten Innovation digitale Geschäftsmodelle, Prozessoptimierung, Digitalisierung von Prozessen und große Transformationsprojekte zuständig war.

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Warum hat der „Robo“ der DKB 2,5 Jahre Verzug?

Von Heinz-Roger Dohms

„Robo Advice ist ein spannendes Thema. Wir gucken uns das an und haben auch schon Gespräche mit Anbietern geführt.“ So sagte es DKB-Chef Stefan Unterlandstättner bei der Bilanz-Pressekonferenz am 22. März 2017.

Danach? War von der zweitgrößten deutschen Onlinebank zum Thema Robo Advice nie mehr was zu hören. Bis gestern Früh. Da ließ sich Privatkunden-Vorstand Tilo Hacke in der „Börsen-Zeitung“ wie folgt vernehmen: Man habe sich „für eine Zusammenarbeit mit Elinvar [Anm.: Das ist das Fintech, bei dem Goldman einsteigt …] im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung entschieden, die wir noch im aktuellen Jahr für unsere Kunden anbieten“.

Noch im aktuellen Jahr? Dann wären zwischen Unterlandstättners Ankündigung und dem Produktstart Pi mal Daumen satte zweieinhalb Jahre vergangen. Wie kann das sein?

Ein kleines Lehrstück über die DKB und Robo Advice im Besonderen – sowie über die deutschen Banken und die Digitalisierung der Finanzbranche im Allgemeinen:

1. Akt: Die Bilanz-PK

Seit Digitalisierung und Fintech die alles überlagernden Buzzwords in der Branche sind, sehen sich viele Bankvorstände unter Druck, zumindest einmal jährlich (nämlich zur Bilanz-PK) irgendwas Digitales anzukündigen, auch wenn es noch nicht wirklich was anzukündigen gibt. Das gilt …

  • … inbesondere für die Chefs von Banken, die von der Öffentlichkeit als irgendwie besonders digital wahrgenommen werden, auch wenn sie soooooo digital dann doch nicht sind. Siehe z.B. auch die Ankündigung des „digitalen KMU-Kredits“ bei der ING-Diba-Bilanz-PK 2018 bzw. die Ankündigung eines „digitalen Finanzberaters“ bei der  ING-Diba-Bilanz-PK 2019.

Und es gilt …

  • … ganz besonders bei Themen, die gerade medial besonders gehypt werden, so wie das Anfang 2017 mit Robo Advice der Fall war

2. Akt: Zwischen Ankündigung und Wirklichkeit

In den Belegschaften stoßen derlei Ankündigungen gern mal auf Verwunderung. Motto: „Ich dachte, ich soll mich erstmal um Apple Pay kümmern …“ Nun gab es Anfang 2017 zwar noch kein Apple Pay in Deutschland, Verwunderung – so wurde uns berichtet – herrschte in der DKB aber trotzdem. Motto: „Robo? Wir?“

3. Akt: Die DKB sagt Hü

2018 nahm das Thema laut Informationen von „Finanz-Szene.de“ innnerhalb der DKB dann aber doch Fahrt auf. Der Erzrivale ING Diba war inzwischen mit seinem Robo-Partner Scalable Capital durchaus imposant gestartet, der Druck stieg also. Angeblich gab es damals sogar eine Art Ausschreibung und angeblich sogar einen Fintech-Partner, der bei dieser Ausschreibung das Rennen zu machen schien – nämlich besagtes Berliner Finanz-Startup Elinvar. Bei der DKB äußert man sich hierzu nicht.

4. Akt: Die DKB sagt Hott

Dann hörte „Finanz-Szene.de“ zum Jahreswechsel 2018/19 aus zuverlässigen und übereinstimmenden Quellen plötzlich jedoch von einer angeblichen neuen bzw. zweiten Ausschreibung. Diese soll so zugeschnitten gewesen sein, dass nun kein Digitalisierungs-Tüftler wie Elinvar gesucht wurde, sondern ein reinrassiger Robo Advisor wie zum Beispiel Scalable Capital, Quirion oder Investify (auch hierzu: aus Berlin kein Kommentar). Warum es zu dem Schwenk kam, das wissen wir nicht genau. Nach allem, was man hört, gab es innerhalb der DKB (die sich zuletzt mit bekannten Digitalköpfen verstärkt hat) aber unterschiedliche Ansichten zum Thema. Anders gesagt: Die Berliner wussten, dass sie einen Robo Advisor wollen – aber nicht, welchen.

5. Akt: Die DKB sagt doch wieder Hü

Nun hat sich letzten Endes also doch Elinvar durchgesetzt, was aus mehreren Gründen bemerkenswert ist:

  • Eine Robo-Lösung z.B. mit Scalable (so wie es die ING macht) oder mit Quirion (so wie es Deposit Solutions macht)  wäre im Normalfall ziemlich geradeaus gewesen: Die DKB hätte ihre Kunden an einen Robo Advisor weitergeleitet und im Gegenzug einen Anteil an den laufenden Erträgen erhalten. Branchenexperten sprechen von einem „kuratierten Ansatz“: Die Bank sagt ihrem Kunden, welchen Robo sie ihm empfiehlt – und  hält sich ansonsten weitgehend zurück.
  • Im Vergleich hierzu ist Elinvars Plattform-Modell komplexer (was leider auch heißt, dass wir hier von „Finanz-Szene.de“ es nicht so richtig verstehen) und irgendwie wohl auch gestaltbarer. Die DKB könnte über Elinvar zwar ebenfalls einen „kuratierten Ansatz“ fahren, heißt es. Denkbar sei aber auch, über die Elinvar-Plattform verschiedene Anbieter bzw. Produkte anzubieten (sofern wir wenigstens das richtig verstehen). Angeblich müssen die DKB und Elinvar in den nächsten Wochen aber erst noch konkretisieren, was sie dann in den nächsten Monaten eigentlich genau bauen wollen. Die Ankündingung von Herrn Hacke diente wohl auch dem Zweck, erst einmal ein Signal nach innen und außen zu setzen, dass die DKB das Thema nicht vergessen hat.
  • Elinvar ist in erster Linie ein digitaler Enabler – verfolgt also keine eigene Anlagestrategie, wie das Scalable oder Quirion tun. Da die DKB als produktschlanke Onlinebank aber nun ebenfalls kein „Chief Investment Office“ unterhält, braucht die DKB-Elinvar-Kombi nach unserem Verständnis noch einen dritten Partner. Vielleicht Warburg? (mit denen kooperiert Elinvar ja schon länger). Oder gar Goldman (also der neue Elinvar-Investor?)

Conclusio

Das Lustige ist nun wiederum, dass sich viele deutsche Banken zuletzt vom reinen Robo-Ansatz  mehr oder weniger wieder verabschiedet haben (siehe unsere Artikel vom 4. Oktober 2018  bzw. vom 7. Mai 2019). Wie zu hören ist, wurde diese Entwicklung auch in der DKB aufmerksam beobachtet – und könnte zu der Entscheidung, nun mit Elinvar einen Robo-Ansatz sui generis zu verfolgen, beigetragen haben. In diesem Fall hätten die Hauptstädter von ihrer mangelnden Agilität ironischerweise sogar profitiert.

Vielleicht lesen wir demnächst ja mal in einem dieser immer sehr langen „Handelsblatt“- oder „Börsen-Zeitung“-Interviews folgende Passage:

Herr Unterlandstättner, wie sieht Ihre digitale Agenda für die nächsten ein, zwei Jahre aus?

Unterlandstättner: „In den nächsten ein, zwei Jahren wollen wir erst einmal weiter beobachten, was sich da draußen so tut. Das ist auch das, was uns die Consultants empfehlen: ‚Nehmt mal ein bisschen Agilität raus.‘ Daran halten wir uns.“

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Goldman Sachs steigt bei Geheimtipp-Fintech Elinvar ein

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Es ist ein Ritterschlag für die Berliner Fintech-Szene: Die US-Großbank Goldman Sachs beteiligt sich an Elinvar. Bereits vergangene Woche hatten Finanz-Szene.de-Recherchen ergeben, dass sich der Fintech-Konzern für eine Funding-Runde aus der Deckung wagt.

Der Company Builder Finleap hatte das Startup Elinvar erst vor erst drei Jahren gestartet. Elinvar bietet eine digitale Plattform für Banken und Vermögensverwalter. Die bekannte Investmentbank solle bei der Internationalisierung „wertvolle Impulse“ bringen, so der Elinvar-Gründer Chris Bartz. Es ist eines der ersten Goldman-Sachs-Investments in Deutschland.

Zusammen mit den Altinvestoren der Versicherung Talanx und Finleap selbst sollen nach Informationen von Gründerszene und Finanz-Szene.de etwa 15 Millionen Euro in der Finanzierungsrunde geflossen sein. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörde Bafin stehe noch aus.

Über die Plattform von Elinvar können die Finanz-Unternehmen zum Beispiel ihr Portfoliomanagement und ihre Kundenkommunikation organisieren. Das Startup wird dabei an den Umsätzen der Partner beteiligt, im vergangenen Jahr lag der Umsatz von Elinvar im einstelligen Millionenbereich, heißt es auf Nachfrage.

Zu den Unternehmenskunden gehören die Privatbank Donner & Reuschel, die Fürstlich Castell’sche Privatbank und M.M. Warburg & Co. Wie nun bekannt wurde, arbeitet auch die DKB künftig mit Elinvar zusammen. Insgesamt 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Elinvar mittlerweile.

Mit dem Geld aus der Finanzierung soll das Team weiter ausbaut werden. Mithilfe der Investoren will Elinvar sein Angebot auch in anderen europäischen Ländern anbieten. „Elinvar ist eins der erfolgreichsten und vielversprechendsten Unternehmen in unserem Portfolio“, lässt sich Finleap-Chef Ramin Niroumand zitieren. Zu den weiteren Hoffnungsträgern gehören die Solarisbank und Pair Finance.

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Sorry, liebe Volksbanken – ist das Euer Ernst?

Über den neuen Werbespot der BayernLB, den wir diese Woche verlinkt hatten, kann man ja durchaus geteilter Meinung sein (waren wir in der Finanz-Szene.de-Redaktion übrigens auch …). Selbiges lässt ich vom neuen Werbespot der Volks- und Raiffeisenbanken  – bei aller genossenschaftlichen Verbundenheit – eher nicht behaupten. Doch sehen Sie selbst. Falls Sie sich trauen.

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Deutschlands Fintechs haben über eine Mrd. Euro Cash verbrannt

Von Heinz-Roger Dohms

Deutschlands Fintechs haben aggregiert schon mehr als 1 Mrd. Euro verbrannt. Das zeigen Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ auf Basis öffentlich zugänglicher Dokumente. Konkret schauten wir uns die Abschlüsse praktisch aller relevanten deutschen Finanz-Startups bis ins Jahr 2017 an. Allein hierbei ergaben sich kumulierte Verluste von mehr als 760 Mio. Euro – obwohl einige Fintechs mit mutmaßlich hohem Cashburn (Smava, Raisin …) ausweislich des Bundesanzeigers schon seit Jahren keine Abschlüsse mehr publizieren.

Zudem darf man plausiblerweise davon ausgehen, dass die Verluste 2018 nochmal ein höhere Niveaus erreicht haben als 2017, als es mehr als 230 Mio. Euro waren. Denn: Einige deutsche Fintechs nähern sich zwar langsam der Profitabilitätsschwelle; andere hingegen drehen – frisch versorgt mit frischen Fundings – gerade erst so richtig auf. Das gilt praktisch für den gesamten Insurtech-Sektor. Aber zum Beispiel auch für das Berliner Milliarden-Fintech N26, das laut seines 2017er-Abschlusses stark steigende Verluste für 2018 prognostizierte.

Doch bevor wir uns verquatschen: Hier nun die Tabelle, welches deutsche Fintech bis 2017 wieviel Geld verbrannt hat (sämtliche methodischen und sonstigen Anmerkungen – und das sind einige – finden Sie unterhalb der Tabelle). Angaben > 10 Mio Euro sind der Übersichtlichkeit halber auf ganze Zahlen gerundet.

Kreditech -193
N26 GmbH -56
Auxmoney -47
Finanzcheck -32
Lendico Deutschland GmbH* -28
Smava* -25
Solarisbank -25
Deposit Solutions -23
Orderbird -23
Simplesurance -23
Friendsurance (Alecto GmbH)* -20
Traxpay -19
Crosslend -18
Finleap -16
Ayondo GmbH -16
Finanzchef24 -13
Paymill GmbH (bis 2014)* -12
Raisin* -10
Barzahlen (Cash Paym. Sol. GmbH) -9,2
Scalable Capital -8,6
CollectAI -8,6
Wefox -8,5
Optiopay -8
Naga -7,8
Figo -7,6
Liqid -6,6
Mambu GmbH -6,5
Ottonova -6,3
Exporo -5,9
Getsafe* -5,6
Compeon -5,5
Bonify (Forteil GmbH) -5,4
Bergfürst -5,3
Stocard -4,9
Finiata -4,9
ID Now -4,7
Clark (FL Fintech E GmbH) -4,4
Gini -4
Payworks -3,8
Trustbills -3,8
Kapilendo -3,8
Elinvar -3,6
Givve -3,3
Volders -3,2
FintecSystems -2,1
Fincompare -2
Creditshelf -1,9
Billie -1,8
Cringle -1,8
WebID -1,7
Companisto GmbH -1,7
Authada -1,7
Savedroid -1,6
Funding Circle Deutschland GmbH* -1,6
Decimo -1,3
Fincite 0,8
Finstreet 0,8
Fino 1,8
Gesamt bis Ende 2017
-762,7

Disclaimer:

  • Wir glauben, mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet zu haben. Sollte uns trotzdem ein Fehler unterlaufen sein – geben Sie uns bitte Bescheid, dann korrigieren wir das.
  • Bei der Auswahl der Fintechs haben wir uns mehr oder weniger an der hochoffiziösen Fintech-Definition von „Finanz-Szene.de“ orientiert. Um einen klaren Schnitt zu machen, beschränkten wir uns dabei auf Finanz-Startups, die nach 2010 gegründet wurden – wobei wir hiervon zwei Ausnahmen gemacht haben. Denn: Smava und Auxmoney sind solch prototypische Fintechs, dass wir sie nicht außen vorlassen wollten, obwohl sie vor 2010 gegründet wurden.
  • Falls Sie Namen vermissen (und ganz sicher tun Sie das): Einige Fintechs haben noch gar keinen Jahresabschluss veröffentlicht, zum Beispiel, weil sie noch sehr jung sind. Bei anderen ist es so, dass wir sie nicht kennen oder uns ihr Name nicht einfiel. Oder: Sie haben irgendwelche in Luxemburg oder der Schweiz ansässige Holdings. Einige Fintechs haben wir zudem ausgeklammert, weil sie Teil größerer Strukturen sind oder waren (Paydirekt, Yapital) und darum nicht ersichtlich wird, wo die Verluste, die diese Firmen mit großer Sicherheit angehäuft haben, letztlich angefallen sind.
  • Ebenfalls rausgelassen haben wir die gut 27 Mio. Euro Miese, die die SumUp Services GmbH allein bis Ende 2016 verursacht hat. Weil: Wir wissen nicht, inwieweit diesen Verlusten womöglich Gewinne in anderen SumUp-Gesellschaften in UK und Luxemburg entgegenstehen
  • Dadurch, dass nicht nur Yapital, Paydirekt und Sumup fehlen, sondern durch den harten Schnitt „nach 2010 gegründet“ auch Unternehmen wie Sofort, Ratepay oder Billpay fehlen, ist der gesamte Beritt „Payment/Rechnung“ leider unterrepräsentiert
  • Nun zu den Fintechs mit Stern …
  • Smava: Der letzte veröffentlichte Abschluss stammt aus 2014. Zudem haben wir im Geschäftsbericht eines Gesellschafters einen Wert für 2015 gefunden, den wir einfach mal eingerechnet haben. 2016 und 2017 fehlen definitiv. Werden wir ergänzen, sobald uns endlich mal jemand (gern auch anonym) das IPO-Factsheet zukommen lässt. Wir warten sehnsüchtig.
  • Raisin: Der letzte einsehbare Abschluss stammt aus 2015
  • Friendsurance/Alecto: Hier fand sich im 2017er-Abschluss zwar der Verlustvortrag für Ende 2016 (also die 20 Mio. Euro), aber soweit für uns erkennbar keine Angabe, was 2017 noch dazugekommen ist
  • Getsafe: Auch hier fehlt uns der 2017er-Wert
  • Paymill: Hier haben wir die Verluste der „alten“, pleitegegangen Paymill GmbH bis einschließlich 2014 erfasst
  • Funding Circle Deutschland: Auch hier fehlt der 2017er-Wert. Zudem sind wir unsicher, inwiefern die Verluste der Vorgängerfirma Zencap in den Verlustvorträgen der „neuen“ Firma berücksichtigt sind
  • Lendico: Hier haben wir die Werte der alten (mittlerweile zur ING Deutschland) zählenden Lendico Deutschland GmbH genommen, sind aber aufgrund der komplexen Lendico-Struktur und mindestens einer Umbenennung nicht sicher, ob das die letztgültige Summe ist, die wir da erwischt haben

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Geheimtipp-Fintech Elinvar kommt aus der Deckung

Von Heinz-Roger Dohms

„Kann es sein, dass Elinvar ein möglicher Hidden Champion im Portfolio des Berliner Fintech-Imperiums Finleaps ist? Oder vielleicht sogar: der Hidden Champion.“

So fragte es „Finanz-Szene.de“ im November im zweiten Teil unseres großen „Finleap-Venture-Checks“. Nun, ein halbes Jahr später, verdichten sich die Anzeichen, dass der Vermögensverwaltungs-Digitalisierer (Kunden: z.B. Warburg und Castell-Bank) tatsächlich ziemlich ambitioniert unterwegs ist draußen.

Das sieht man bei Linkedin, wo mittlerweile 60 Elinvar-Mitarbeiter notiert sind (im November waren es 49). Man sieht es im Jobportal von Finleap selbst, wo Elinvar inzwischen Mitarbeiter für 29 offene Stellen sucht (im November: 21). Vor allem aber sieht man es: im Handelsregister. Denn wenn uns nicht alles täuscht, dann ist Elinvar momentan dabei (vermuten wir jedenfalls), so richtig fett zu funden.

Konkret: Aus einer im Handelsregister einsehbaren Urkunde von Mitte März geht hervor, dass die beiden großen Elinvar-Gesellschafter (neben Finleap ist das der Versicherungskonzern Talanx) ihre Anteile an dem 2016 gegründeten B2B-Fintech aufgestockt haben. So wurde das Grundkapital von rund 31.000 auf rund 38.000 Anteile erhöht. Dabei übernahm Finleap interessanterweise einen größeren Batzen als die Talanx-Tochter Ampega (über die der in Hannover beheimatete Großversicherer seine Elinvar-Beteiligung hält). Die Berliner halten ausweislich eines Handelsregister-Eintrags vom 14. März gut 49,64% der Anteile, Talanx verfügt über 38,03% – nachdem es ja früher immer geheißen hatte, die beiden Investoren seien pari-pari investiert. Die restlichen 12,33% verteilen sich dem Dokument zufolge auf die drei Gründer Chris Bartz, Marco Neuhaus und Sebastian Böttner.

Unklar ist, wie viel Geld im Zuge der Transaktion in Elinvar floss. Hierzu steht nichts in den öffentlich zugänglichen Dokumenten – und auf Anfrage schweigt sich das Berliner Startup aus. Angesichts der (auch verglichen mit anderen B2B-Fintechs) enormen Summen, die Elinvar momentan in die Erweiterung seines Teams investiert, wäre ein zweistelliger Mio.-Betrag allerdings nicht überraschend.

Interessant in diesem Zusammenhang: Im Bundesanzeiger ist seit Kurzem der 2017er-Jahresabschluss einzusehen. Daraus geht hervor, dass Finleap und Talanx das Startup quasi vom Start weg mit einer Kapitalrücklage von rund 6 Mio. Euro versorgt hatten – ziemlich ordentlich für ein soeben erst gegründete Fintech. Der Fehlbetrag in jedem Jahr belief sich auf 2,9 Mio. Euro. Auch diese für ein B2B-Finanz-Startups stattliche Summe illustriert, dass die Berliner sehr forsch unterwegs sind (wobei hinzugefügt werden muss: Elinvar erhielt 2017 eine Finanzdienstleister-Lizenz durch die Bafin, was normalerweise einiges an Aufwand verursacht).

Ganz nebenbei bemerkt werfen die Vorgänge bei Elinvar auch ein Schlaglicht auf die strategische Entwicklung bei Finleap. Der Berliner Company-Builder hat seit seinem Start 2014 mehr als ein Dutzend Fintechs hervorgebracht – ein Geschäftsmodell, das eigentlich auf der Idee basiert, dass Finleap seine Ventures entwickelt, um die Anteile später mit ordentlichem Gewinn zu verkaufen.

Zuletzt hatte es aber den Anschein, als würde Finleap – im Dezember erst ausgestattet mit einer 41-Mio.-Euro-Spritze des chinesischen Versicherers Ping An – innerhalb seines bestehenden Portfolios eher investieren als deinvestieren. So injizierte Finleap im Zuge der Fusion seines Ventures Finreach mit dem Hamburger Fintech Figo frisches Geld frisches Kapital in das neu entstandene Gemeinschafts-Unternehmen; zudem stärkte Finleap seine Tochter Beesy durch den Zukauf des Berliner Konto-Spezialisten Penta.

Will Finleap also auch bei Elinvar dauerhaft aufstocken, gar wieder die Mehrheit übernehmen? Das ist nicht gesagt. Denn dass die jüngste Kapitalerhöhung nicht nach außen kommuniziert wurde, könnte darauf hindeuten, dass bei Elinvar sogar noch mehr im Schwange ist, als das Handelsregister bislang dokumentiert.

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Wie Deutschlands Banken ihre Robo Advisor absaufen lassen

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die Volksbank Deisslingen glaubt an den Robo Advisor. Vor wenigen Wochen ist das schwäbische Genossenschaftsinstitut eine Kooperation mit dem 2017 gegründeten Münchner Robo-Anbieter Solidvest eingegangen. Weil, so sagt es Vorstand Christoph Groß: „Die Welt wird immer digitaler, dieser Entwicklung tragen wir Rechnung.“ Und weil, so sagt es sein Kollege Robert Gavanocic: „Wir wollen unser gutes Angebot im Interesse des Kunden noch besser machen.“

Was man dazu wissen muss: Die Voba Deisslingen hat gut 3000 Kunden, etwa 23 Mio. Euro Eigenkapital und rund 250 Mio. Euro Bilanzsumme – sie ist eine der kleinsten deutschen Banken überhaupt. Erster Gedanke: Wenn jetzt sogar schon die Voba Deisslingen auf Robo-Advice setzt – ist die Idee der digitalen Vermögensverwaltung dann überhaupt noch aufzuhalten?

Dummerweise ist der erste Gedanke jedoch falsch. In Wahrheit nämlich stellen sich die Dinge im Frühjahr 2019 und damit rund fünf Jahre nach Gründung der ersten digitalen Vermögensverwalter hierzulande eher so dar: Die Volksbank Deisslingen, so scheint es, ist fast die einzige Bank, die überhaupt noch auf Robo-Advice setzt.

Glauben Sie nicht?

  • Dann fragen Sie doch mal nach bei der Deutschen Bank, wieviel Geld ihr digitaler Vermögensverwalter Robin anderthalb Jahre nach dem Start verwaltet. Haben wir gemacht. Aber keine Antwort bekommen. Unsere Recherchen legen nahe: viel mehr als 150 Mio. Euro werden’s nicht sein.
  • Andere Idee: Fragen Sie doch mal nach bei der Deka, wie viel Geld ihr soft Mitte 2017 (Unternehmensangaben: April 2018) gestartete Bevestor verwaltet, der immerhin in jeder zweiten deutschen Sparkasse angeboten wird. Haben wir gemacht. Ehrliche Antwort: 6,5 Mio. Euro (und nein, wir haben weder das Komma falsch gesetzt noch Millionen mit Milliarden verwechselt).  Im Schnitt sind das gut 30.000 Euro Assets under Management (AuM) je beteiligter Sparkasse.
  • Natürlich haben wir auch bei der Union Investment nachgefragt, was Visualvest (im Filialvertrieb „Meininvest“ genannt) macht, also quasi der Bevestor der Genossen. Wir erhielten zwar eine Antwort, aber die fiel so aus, wie sie eben immer ausfällt, wenn es nichts Positives zu berichten gibt: Die Assets lägen „im erwarteten Bereich“, das verwaltete Vermögen wachse „kontinuierlich“. Aber genaue Zahlen? „Wir veröffentlichen leider keine AuM für Visualvest und Meininvest“.
  • Und wir haben bei der Commerzbank nachgefragt, wie viele ihrer Kunden (nachdem die Coba ihre eigenen Robo-Pläne eingestampft hat) sie denn an den Cominvest-Robo der Tochter Comdirect vermittelt hat. Auch hier – keine Antwort. Weil: Auch hier würde die Antwort vermutlich ähnlich trist ausfallen wie bei der Deka, deren Transparenz löblich ist.

Dabei galt Robo-Advice doch eigentlich mal als Anlagekonzept der Zukunft. Als die ersten Vaamos, Ginmons und Scalables das Licht der Öffentlichkeit erblickten, war der mediale Widerhall gigantisch. „Automatisch, günstig und für alle“, schrieb das Handelsblatt, „Digitale Vermögensverwalter sind günstiger und oft sogar besser als klassische Private Banker“, wusste das Manager Magazin, und wiederum das Handelsblatt erklärte seinen Lesern: „Die Newcomer in der Vermögensverwaltung stehen vor gewaltigen Zuwachsraten.“ Auch viele Berater schätzten die Zukunftsaussichten der digitalen Anlageberater anfangs regelrecht euphorisch ein: 2020 könnten die Assets under Management „schon bei 20 bis 30 Mrd. Euro liegen“, prognostizierte 2016 die deutsche Dependance der US-Consultingfirma Oliver Wyman. „Exponentielles Wachstum“ war das Schlagwort der Zeit.

Tatsächlich hörten die Banken die Signale. Es dauerte nicht lange, da begannen die großen Institute und Institutsgruppen, ihre eigenen Robo Advisor zu bauen. Die Sparkassen brachten den Bevestor an den Start, die Genossen launchten Visualvest, schließlich kam – nach einigen Irrungen und Wirrungen – die Deutsche Bank mit Robin an den Markt. Und wer nicht selber baute, aber trotzdem was auf sich hielt? Machte es wie die ING Diba, die deutsche Santander oder die Hamburger Sparkasse. Die Niederländer schlossen ein Bündnis mit Scalable Capital, die Spanier mit Vaamo, die Hanseaten mit Investify.

Indes: Zwei der drei vermeintlichen Vorzeige-Allianzen wurden mittlerweile wieder gelöst. Und selbst N26, die digitale Pin-up-Bank aus Berlin, hat ihre Robo-Kooperation kürzlich eingestellt. Wieso?

Tatsächlich ist der große Robo-Boom ausgeblieben. Nach Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ dürften die Assets under Management branchenweit – trotz langer Zeit haussierender Börsen – derzeit allenfalls bei 3 bis 4 Mrd. Euro liegen. Die Gründe? Sind vielfältig. Hier die wichtigsten:

  • Die Performance mancher Anbieter lässt gerade angesichts der laufenden Megarally zu wünschen übrig. Mit ein Grund: die Null- und Strafzinsen auf Cash und sicherer Anleihen haben auch die „Robos“ erwischt, da der eigentlich für den sicheren Teil vorgesehene Depotanteil kaum noch Zinsen einbringt und sich historische Portfoliorenditen nicht länger fortschreiben lassen
  • Die (regulatorisch bedingt) komplizierten Onboardingprozesse lassen viele Nutzer frustriert abspringen, wenn sie auf eigene Faust unterwegs sind – spätestens dann, wenn sie auch noch ihre Steuernummer und IBAN suchen und ausfüllen müssen. Auch beim Vorzeige-Fintech Scalable Capital zogen die Assets erst dann deutlich an, als die Vertriebskooperation mit der ING ein „Express-Onboarding“ ermöglichte – was zeigt, wie wichtig Niederschwelligkeit ist
  • Viele Robos mussten lernen, dass Deutschland immer noch ein Vertriebsmarkt ist und die Zielgruppe der „Selbstentscheider“ eher spitz
  • Und vor allem: Viele „Selbstentscheider“ – also eine Klientel, die eigentlich prädestiniert sein sollte für die Robo-Fintechs – überlegen dann doch, ob sie sich ihr ETF-Portfolio nicht selbst zusammenstellen sollen, um die Gebühren für die Maschine einzusparen. Inzwischen gibt es erstklassige ETFs/ Indexfonds in kostenloser Depotverwahrung für 0,1 Prozent Gebühr pro Jahr –“Robos“ nehmen das sechs- bis zehnfache für den „Wrap“.

Was aber vor allem auffällt: Die mehr oder weniger unabhängigen Robos, jedenfalls einige von ihnen, entwickeln sich bis dato gar nicht mal so schlecht. Scalable Capital (schätzungsweise knapp 2 Mrd. Euro AuM) dürfte den Durchbruch geschafft haben, Liqid (auf dem Weg zur 500-Mio.-Euro-Marke) befindet sich auf gutem Weg dorthin, Quirion (zuletzt rund 200 Mio. Euro) wächst kontinuierlich, wenn auch unspektakulär.

Die große Enttäuschung dagegen sind, siehe oben und mit Ausnahme der Comdirect (Cominvest lag zuletzt immerhin bei 400 Mio. Euro – bei allerdings schwacher Performance) – die Banken-Robos. Und immer deutlicher stellt sich die Frage: Können die Banken es nicht? Oder wollen sie es nicht?

Frankfurt, 22. Juni 2017, ein Nebengebäude der Union Investment, also des Fondsdienstleisters der Volks- und Raiffeisenbanken. Olaf Zeitnitz, Chef des Union-Robos Visualvest, nimmt sich Zeit für ein Interview. Anlass: Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hat in einem Produkt- und Servicetest festgestellt, dass Visualvest zu den drei besten deutschen Robo-Advisern überhaupt gehört.

Eigentlich eine tolle Nachricht für Zeitnitz. Eine Nachricht, die manchen Fintech-CEO einen Tag lang jubelnd durchs Büro laufen lassen würde. Denn sie bedeutet: Motivation fürs Team. Und kostenlose Werbung fürs Produkt. Doch was macht Zeitnitz? Er sagt, abgeschirmt vom Union-Pressesprecher, Sätze wie diesen: „Für uns geht es auch darum, mit Visualvest Erfahrungen zu sammeln, von denen andere Geschäftsbereiche profitieren.“

Warum so defensiv? Kann es sein, dass die Union damals gar nicht will, dass Visualvest reüssiert?

Hamburg, 4. Juli 2017, also knapp zwei Wochen nach dem Zeitnitz-Interview: Die Haspa verkündet den Beginn der Kooperation Investify, Jörg Ludewig, Generalbevollmächtigter Private Banking, lässt sich zitieren „Der Einsatz digitaler Technologien in der Vermögensanlage wird immer wichtiger.“ Und: „Wir möchten auf die steigenden Kundenbedürfnisse reagieren“.

Das klingt immerhin offensiver als bei Zeitnitz. Bloß – es dauert nicht lange, und Ludewig gerät innerhalb Haspa mächtig in die Defensive. Der Private-Banking-Mann, so erzählen es Insider, sei von der Robo-Idee ehrlich überzeugt gewesen, „der wollte seine Bank mit dem neuen Produkt ein Stück von innen disruptieren“.

Bald indes muss Ludewig feststellen: Seine Bank scheint gar kein Interesse zu entwickeln, sich von innen disruptieren zu lassen. Warum sollen die Retail-Leute in den ausgewählten Testfilialen ein Produkt verkaufen, dass a) vom Private-Banking-Chef kommt und b) allenfalls überschaubare Provisionen abwirft? Ein Jahr nach der Ankündigung des Kooperation werden die Branchenmedien berichten: „Ablauf der Testphase: Haspa und Investify beenden Zusammenarbeit.“

Der „Fall Haspa“ ist insofern ein besonderer, als ihre Robo-Versuche in aller Öffentlichkeit floppte. Ansonsten aber: Steht die Causa sinnbildlich für die Frage, die sich praktisch alle deutschen Banken stellen: Sollen sie ihre Robo-Angebote offensiv vertreiben? Oder kannibalisieren sie sich damit am Ende nur selber?

Ein paar Rechenbeispiele: Die einzige einigermaßen erfolgreiche Banken-Robo-Kooperation in Deutschland ist bislang die der ING Deutschland mit Scalable Capital (Schätzungen zufolge werden mehr als die Hälfte der Scalable-Assets wurden über die Oranje-Bank eingeflogen). Der Deal, den die beiden geschlossen haben, ist relativ simpel: Von 100 Euro verwaltetem Vermögen erhält der Robo 33 Cent jährlich, die Bank 42 Cent. Für die ING ist das durchaus lukrativ – schließlich spielt die größte deutschen Direktbank in der Vermögensverwaltung bislang kaum eine Rolle. Die von ihr angebotenen „Index-Portfolios“ – weder performant noch günstig – dämmern ohne nennenswertes Vermögen ihrer baldigen Schließung oder Umstrukturierung entgegen. Ihre Provisionserträge betrugen im letzten Quartal gerade einmal 65 Mio. Euro. Sie hat also, platt gesagt, gar nichts, was sie kannibalisieren könnte.

Wie hingegen sieht die Kalkulation bei einer Volksbank oder Sparkasse aus?

Bleiben wir da bei der Volksbank Deisslingen.

Berät die Volksbank den Kunden in Richtung des genossenschaftlichen Fonds-Verkaufsschlagers schlechthin, also des Mischfonds „Privatfonds Kontrolliert“ der hauseigenen Union, kassiert sie aktuell  0,60 bis 0,72 Prozent Beratungsvergütung pro Jahr.

Nun kommt also der Robo hinzu. Entscheidet sich für den Robo Meininvest, der hauseigenen, genossenschaftlichen White-Label-Lösung, kann sie 0,74 Prozent Servicegebühren (gleichwohl vor Kosten) vereinnahmen. Für den Kunden hinzu kommen dann aber noch Fondskosten hinzu, so dass für ihn der Kostenvorteil verschwimmt. Und es auch für die Bank keinen echten Anreiz gibt, dem Kunden das Produkt zu empfehlen.

Nun hat sich die Volksbank für das Produkt Solidvest entschieden, da Solidvest eine Vermögensauswahl auf Einzeltitelbasis anbiete – und die Union habe nun mal, auch über die Robos, nur ein fondsbasiertes Angebot.

Einzeltitel statt Fondsmantel – nun müsste das eigentlich die Gebühren schonen. Tatsächlich aber verlangt Solidvest bei Anlagen bis 100.000 Euro und mithin also einer üblichen Anlagegröße 1,4 Prozent des Anlagebetrags, zusammengesetzt auf 0,9 Prozentpunkten Verwaltungsgebühr und 0,5 Prozent Depotbankgebühr – zuzüglich 10 Prozent Gewinnbeteiligung. Das ist auf Augenhöhe mit klassischen Fonds samt Beratung aus Kundensicht.

Wenngleich nicht ganz aus Sicht der Bank. Umsonst soll die Volksbank Solidvest schließlich die Kunden nicht zuführen. Man erhalte eine laufende „Tippgebervergütung in Höhe von 50% der Verwaltungsgebühr von Solidvest“, mithin also (nur) 0,45% auf das Vermögen, heißt es auf der Seite der Volksbank.

Wie man es also dreht und wendet: Einen echten Anreiz, auf Robos zu setzen, haben die Banken nicht. Weshalb sie auch eher links liegen bleiben im Vertrieb.

Folge: Der Robo-Markt verharrt auf marginalem Niveau. Im klassischen Fondsgeschäft gingen 2018 dagegen knapp 22 Mrd. Euro netto an für Privatanleger konzipierte Publikumsfonds über den Tisch, davon knapp 80 Prozent aktiv verwaltet. Zur Einordnung: Selbst laut den lobbyfreien Daten der Bundesbank fließt damit aus dem Vermögen von Privathaushalten binnen zwei Monaten mehr in klassische Fonds, als jemals insgesamt in Robo-Lösungen geflossen sind.

Das exponentielle Wachstum – es lässt auf sich warten. Und solange die Banken ihre Haltung nicht ändern (oder ein Provisionsannahmeverbot sie dazu zwingt), dürfte sich daran nichts ändern.

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Finlab steigt bei Krypto-Startup Blockchain Helix ein

Von Heinz-Roger Dohms

Der Frankfurter Fintech-Investor Finlab steigt beim ebenfalls in der Mainmetropole ansässigen Krypto-Startup Blockchain Helix AG ein. Dies geht aus einem Vertrag hervor, auf den „Finanz-Szene.de“ im Handelsregister gestoßen ist (und zwar mit freundlicher Unterstützung unseres Recherche-Partners „startupdetector.de„, danke hierfür!). Dem Dokument zufolge geht es um einen Anteil von 14,9 Prozent, den Finlab allerdings nicht direkt, sondern über ein Joint-Venture namens „FinLab EOS VC Europe I GmbH“ erwirbt. Auf Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ bestätigte Finlab-Vorstand Stefan Schütze den Deal. Es gehe um ein Investment in siebenstelliger Höhe, sagte Schütze. Konkreter wollte der Manager nicht werden. Wir hier vermuten, dass irgendwas zwischen 1,5 Mio. und 2 Mio. Euro geflossen sein dürften.

Besonders spannend (jedenfalls für die Krypto-Community, für Lieschen Müller eher weniger …) ist nun, wer neben Finlab noch hinter der „FinLab EOS VC Europe I GmbH & Co. KG“ steht. Nämlich: das global agierende und einigermaßen berühmte Blockchain-Projekt „Block.One“, das vergangenes Jahr bei einem „Initial Coin Offering“ (kurz: bei einem ICO, also quasi einem Krypto-Börsengang) ungeheuerliche 4 Mrd. Dollar eingesammelt hat – und zwar echtes Geld. Einen Teil dieser Mittel investiert „Block-One“ nun über regionale Vehikel wie besagte „FinLab EOS VC Europe I GmbH & Co. KG“ in Blockchain-Startups. Dieses müssen sich im Gegenzug verpflichten, ihre jeweiligen Projekte in das  EOS genannten Blockchain-Ökosystem von „Block.One“ einzubinden.

Hinter Blockchain Helix steht die Frankfurter Startup-Größe Oliver Naegele, bekannt auch als Gründer des „Fintech Headquarters“. Die Idee von Helix ist es, Identifikations-Verfahren auf Blockchain-Basis zu entwickeln. Das passt insofern gut zum Portfolio von Finlab, als der börsennotierte Venture-Capital-Spezialist auch am KYC-Fintech Authada beteiligt ist. Daneben ist Finlab unter anderen an den Fintechs Deposit Solutions, Kapilendo, Nextmarkets und Cashlink beteiligt.

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