Kredit-Fintech Creditshelf kürzt seine Jahresprognose drastisch

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Das Frankfurter Kredit-Fintech Creditshelf hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr drastisch eingedampft und die Verlustprognose erhöht. War im Mai noch von Erlösen zwischen 4,5 Mio. und 5,5 Mio. Euro die Rede, geht die börsennotierte Finanzierungs-Plattform inzwischen nur mehr von rund 4 Mio. Euro aus – was einen Unterschied von 27% verglichen mit dem Best-Case-Szenario aus dem Frühjahr entspricht. In einer am Donnerstagmorgen verschickten Ad-hoc-Mitteilung wurden die schlechten Nachrichten mit dem „Wettbewerb im Bankensegment“ und dem „konjunkturellen Umfeld“ begründet.

Insgesamt setzte Creditshelf von Januar bis September 2,46 Mio. Euro um – nach 1,55 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei fällt auf: Das Volumen der über die Creditshelf-Plattform vermittelten Kredite stieg zwar um 72% auf 52 Mio. Euro; zugleich erhöhte sich das Volumen der angefragten Darlehen jedoch lediglich um 26% auf 945 Mio. Euro. Mit anderen Worten: Von 100 Euro angefragten Kreditvolumen werden inzwischen 5,50 Euro bewilligt, während es im Vorjahreszeitraum nur 4 Euro waren.

Mit einer Lockerung der Vergabestandards habe das aber nichts zu tun, sagte Finanzchef Fabian Brügmann auf eine entsprechende Anfrage von Finanz-Szene.de. Stattdessen führte er die höhere Konversionsrate unter anderem auf einen mittlerweile größeren Anteil von Bestandskunden zurück. Mittelfristig strebe Creditshelf sogar eine Konversionsquote von 10% an – von 100 angefragten Euro sollen also 10 Euro bewilligt werden. Darüber hinaus erklärte Brügmann: „Unser Management-Ansatz ist nicht Wachstum zu jedem Preis, sondern nachhaltige, risikoadjustierte Renditen für unsere Investoren zu erzielen.“

Neben der Umsatzprognose verschlechterte  sich auch die Verlustprognose markant. Zuletzt hatte Creditshelf in Aussicht gestellt, das Minus auf das untere Ende der Spanne 3,5 Mio bis 4,5 Mio. Euro begrenzen zu können. Stattdessen geht das Management nun von rund 5,0 Mio. Euro aus. Die Aktie verlor gestern  1% auf 52 Euro – eine milde Reaktion auf eine Umsatz- und Gewinnwarnung. Allerdings notiert sie damit auch schon nahe dem Tiefstkurs seit dem Börsengang im Juli 2018 von 49,80 Euro. Damals ging Creditshelf zu 80 Euro an die Börse.

Für das Segment der Finanzierungs-Fintechs bedeutet der Prognose-Schock bei Creditshelf den zweiten heftigen Rückschlag binnen weniger Monate. Zuletzt hatte bereits Funding Circle Deutschland eingestehen müssen, dass das Geschäft nur noch stagniert. Der hiesige Marktführer unter den KMU-Kreditplattformen reichte im ersten Halbjahr lediglich Kredite in Höhe von 53 Mio. Euro aus – nach 105 Mio. Euro im gesamten Vorjahr.

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Fundings für deutsche Neobanken: Wer wird das nächste N26?

Von Heinz-Roger Dohms

In der Hamburger Smartphone-Bank „Tomorrow“ (Geschäftsmodell: eine Mischung aus N26 und GLS Bank) konnte man bislang vielleicht ein „Fintech der Herzen“ sehen – aber noch nicht unbedingt einen ernstzunehmenden  Player am Markt. Mit dem gestrigen Tag dürfte sich die Wahrnehmung allerdings ändern.

Da nämlich verkündete die 2018 gestartete Öko-Neobank eine sehr ordentliche Serie-A-Runde (8,5 Mio. Euro) zu einer zumindest einigermaßen ordentlichen Bewertung (30,1 Mio. Euro nach Berechnungen von Finanz-Szene.de und „Startup-Detector“). Was dabei auffällt: Neben Tomorrow haben zuletzt auch andere N26-Klone gefundet, darunter Penta (Status: N26 für KMUs) und Bitwala (Status: N26 für Krypto).

Ist in Deutschland tatsächlich genug Platz für so viele Challenger-Banken? Hier ein Überblick über die wichtigsten Player, ihre USPs, ihre Bewertungen – und wie viele Kunden sie schon haben:

Tomorrow

Macht was? Dasselbe wie N26, nur mit ökologischem Anstrich

Hat eine Banklizenz? Nö (von Tomorrow kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Hamburg

Gibt’s seit wann? 2018

Kann was vorweisen? 16.000 Kunden (definiert als Kontoinhaber)

Hat wie viel Geld erhalten?  8,5 Mio. Euro (im November 2019)

Von wem? In der Pressemitteilung ist hochtrabend von „Impact Investoren“ die Rede. Schaut man sich im Handelsregister die Namen an, scheint es sich mehrheitlich um Geldgeber zu handeln, die man früher als „Business Angels“ und „semi-institutionell Investoren“ bezeichnet hätte. Keine Namen, die man kennen muss.

Wird jetzt wie hoch bewertet? Mit 30,1 Mio. Euro

Penta

Macht was? Dasselbe wie N26, allerdings für KMUs

Hat eine Banklizenz? Nö (von Penta kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2017

Kann was vorweisen? Mehr als 12.000 Kunden (definiert als „aktive Kontonutzer“)

Hat wie viel Geld erhalten? 8 Mio. Euro (im August 2019)

Von wem? Unter anderem von Holtzbrinck Ventures (wobei der Mehrheitseigner von Penta die Berliner Fintech-Schmiede Finleap ist)

Wird jetzt wie hoch bewertet? Nach eigenen Angaben mit „über 30 Mio. Euro“ (was sich anhand von Registerauszügen allerdings noch nicht nachvollziehen lässt).

Bitwala

Macht was? So was Ähnliches wie N26, allerdings mit starkem Fokus auf Krypto

Hat eine Banklizenz? Nö. (von Bitwala kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2015

Kann was vorweisen? „Assets under Management“ in Höhe von 5 Mio. Euro.

Hat wie viel Geld erhalten? 13 Mio. Euro (im Juli 2019)

Von wem? Unter anderem von Earlybird.

Wird jetzt wie hoch bewertet? Mit 30,0 Mio. Euro

Kontist

Macht was? Dasselbe wie Penta, aber für Freiberufler, Selbständige etc. pp.

Hat eine Banklizenz? Nö (von Kontist kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2016

Kann was vorweisen? Veröffentlicht keine Kundenzahlen.

Hat wie viel Geld erhalten?  Nach eigenen Angaben im Oktober 2018 „deutlich über 5 Mio. Euro“. Wie Finanz-Szene.de gestern (einigermaßen überrascht) festgestellt hat, ist das Geld aber gar nicht die direkt in die Kontist GmbH geflossen. Stattdessen hieß es auf Nachfrage, das Geld sei „in ein Mutterunternehmen“ investiert worden. Nun denn.

Von wem? Von der Haufe Gruppe („Lexware“)

Wird jetzt wie hoch bewertet? Keine Ahnung.

Dwins („Finanzguru“)

Macht was? Ist keine „Bank“ mit eigenem Konto, sondern eine App, über die Nutzer ihre Konten aggregieren kann

Hat eine Banklizenz? Nö. Braucht Dwins aber auch nicht (hat stattdessen eine Bafin-Zulassung als Kontoinformations-Dienstleister)

Sitzt wo? In Frankfurt bzw. Nürnberg

Gibt’s seit wann? 2015 (wobei „Finanzguru“ erst 2018 startete)

Kann was vorweisen? Rund 500.000 Nutzer (definiert als „mindestens ein Bankkonto in die Finanzguru-App integriert“)

Hat  wie viel Geld erhalten?  4 Mio. Euro (im Juli 2019)

Von wem? Unter anderem von der Deutschen Bank

Wird jetzt wie hoch bewertet? 19,7 Mio. Euro

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PKV-Fintech Ottonova hatte Ende 2018 gerade einmal 406 Kunden

Von Heinz-Roger Dohms

Irgendwann ist es Roman Rittweger dann zu bunt geworden: „Wir kommunizieren keine Kundenzahlen mehr“, beschied der Ottonova-Chef im Mai dieses Jahres einer Journalistin. Der Hintergrund:  Diverse Medien hatten in den Monaten zuvor immer wieder Spekulationen angestellt, wie viele Kunden das ambitionierte, mit insgesamt 40 Mio. Euro gefundete und 2016 gegründete Münchner Insurtech denn wohl schon gewonnen haben mag. Oder besser gesagt – wie wenige.

Jedenfalls: Ein halbes Jahr hat Rittweger seit einem Gelöbnis durchgehalten. Gestern Mittag musste er seine guten Vorsätze dann aber doch über den Haufen werfen. Da konfrontierte ihn Finanz-Szene.de nämlich mit der wasserdichten Information, dass Ottonova per Ende 2018 exakt 406 Kunden hatte. Eine Zahl, an der es nichts zu rütteln gibt – und die Rittweger dementsprechend auch brav bestätigte. Bevor er rasch hinzufügte: „Seit diesem Zeitpunkt haben wir unsere Kundenzahl allerdings mehr als verzehnfacht. Wir befinden uns nämlich mittlerweile auf steilem Wachstumskurs.“

Oha. Ende 2018 hatte Ottonova erst 400 Kunden. Und jetzt sollen es schon mehr als 4000 sein? Klingt im ersten Moment nicht eben glaubwürdig. Kann bei genauerer Betrachtung aber sehr gut sein.

Um das Ganze mal ein bisschen einzusortieren: Die 400 sind gemessen an Ottonovas selbst formulierten Zielen eine Enttäuschung. Ursprünglich hatte das Zwischenziel für 2018 nämlich „vierstellig“ gelautet. Und bis 2020 wollte das erste deutsche Krankenversicherungs-Fintech sogar bei stolzen 12.000 Kunden sein.

Wobei, und das ist wichtig. Die Planzahlen bezogen sich auf die sogenannten „Vollversicherten“. Heißt: auf Menschen, die sich nicht mehr gesetzlich, sondern komplett privat krankenversichern – und zwar bei Ottonova.

Bei den 406 Kunden per Ende 2018 handelte es sich tatsächlich größtenteils um ebensolche „Vollversicherte“. Inzwischen bietet Ottonova allerdings immer mehr private Zusatzpolicen für gesetzlich Versicherte an – darunter zum Beispiel eine Zahnzusatz-Versicherung, die kürzlich sogar einen Vergleichstest der Stiftung Warentest gewann. Hinzu kommt: Anders als ursprünglich geplant, vertreibt Ottonova seine Policen mittlerweile auch provisionsbasiert, selbst bei den einschlägigen Vergleichsportalen lässt sich das Fintech inzwischen listen.

Vor diesem Hintergrund ist plausibel, dass die Kundenzahl seit dem Jahreswechsel steil angestiegen sein soll. Wobei die entscheidende Frage mithin lautet: Bei wie vielen der mehr als 3500 Kunden, die seit Jahresbeginn bei Ottonova gelandet sein sollen, handelt es sich um „Vollversicherte“? Und wie viele haben lediglich eine Zusatzversicherung abgeschlossen?

Bei dieser Frage freilich schweigt Roman Rittweger dann doch. Gelöbnis ist Gelöbnis.

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Finanz-Szene.de hat jetzt 20.000 Abonnenten – und sagt „Danke“

Von  Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Liebe Leserinnen und Leser, Finanz-Szene.de hat diese Woche allen Ernstes die Marke von 20.000 (!) Newsletter-Abonnenten überschritten – ein Erfolg, zu dem viele Helfer, Partner, Freunde und Unterstützer beigetragen haben. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, uns bei einigen heute explizit zu bedanken. Und zwar …

  • bei der contend Digital Content Marketing GmbH, einer Frankfurter Agentur, die uns bei Technik, Vermarktung, SEO, Layout und 1000 anderen Dingen fantastisch unterstützt
  • bei unserem Analysten Thomas Borgwerth, dessen tiefes Bilanzverständnis (siehe der heutige Aufmacher) eine unschätzbare Hilfe ist
  • bei unserem Recherchepartner startupdetector.de, dessen Spitzfindigkeit uns in den zurückliegenden Monate so manchen „Scoop“ beschert hat
  • bei unseren Werbekunden und hier ganz speziell bei unseren Premium-Partnern Consileon, Crealogix, Deloitte und Oliver Wyman.

Daneben wollen wir uns aber auch bei Ihnen bedanken, liebe Leserinnen und Leser. Für Ihre Treue. Für Ihr Feedback. Und vor allem dafür, dass Sie diesen Newsletter nach allem, was uns berichtet wird, Tag für Tag unzählige Male weiterleiten bzw. weiterempfehlen. Dadurch verschaffen Sie uns, unseren Inhalten und unseren Werbepartnern zielgruppen-spezifische Netzwerk-Effekte, wie sie sich anderweitig niemals erreichen ließen. Machen Sie bitte, bitte weiter so!

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Die Raiffeisenbank, die 58% ihres Kapitals an einen Betrüger verlieh

Von Heinz-Roger Dohms

Die Raiffeisen Privatbank Wiesloch-Baiertal eG gehört zu den Wachstums-Champions der deutschen Bankenbranche. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich doch einfach mal die Entwicklung des Kreditbuchs über die vergangenen drei Jahren an:

  • 2016 schwollen die Kundenforderungen um 24% an.
  • 2017 waren es dann sogar 26%.
  • Und 2018 immerhin noch 20%.*

Nun mag man argumentieren, dass Kundenforderungen von 147,5 Mio. Euro trotzdem nicht die Welt sind. Indes: Welcher anderen deutschen Bank ist es denn bitteschön gelungen, den Umfang ihres Kreditbuch binnen drei Jahren mal eben annähernd zu verdoppeln? Eben!

Einen klitzekleinen Schönheitsfleck hat die Wachstumsstory des baden-württembergischen Genossenschaftsinstituts freilich trotzdem. Ein nicht ganz unerheblicher Teil des Zugewinns entfiel nämlich allem Anschein nach auf keine der vier angestammten Kundengruppen „mittelständische Unternehmen“, „Privatkunden“, „Gewerbetreibende“ und „Landwirte“. Sondern auf eine sozusagen fünfte Kundengruppe: „Kreditbetrüger“.

So jedenfalls ist es der „Rhein-Neckar-Zeitung“ und dem Internetportal „Kraichgau lokal“ zu entnehmen. Und hört man sich im genossenschaftlichen Lager um, ob die Geschichte denn wirklich stimmt, dann findet sich zumindest niemand, der sie dementiert. Im Gegenteil: Angeblich sind sogar noch mindestens zwei weitere Banken dem Betrüger aufgesessen. Doch der Reihe nach.

Folgt man der Darstellung in der „Rhein-Neckar-Zeitung“, dann begann die Liaison zwischen der Raiffeisen Privatbank Wiesloch-Baiertal eG und dem Mann, der sich später als Kreditbetrüger erweisen sollte, im Jahr 2016. Damals seien die ersten von insgesamt mindestens sechs Darlehen an den Kunden geflossen. Zunächst soll es bei den Engagements noch um kleinere Summen gegangen sein, die dann aber offenbar rasch größer wurden. Denn: Letzten Endes summierten sich die Kredite den Medienberichten zufolge auf rund 9 Mio. Euro. Zur Einordnung: Wenn der Betrag stimmt, dann waren das gut 11% gemessen am Forderungsbestands von Ende 2015. Es waren gut 6% des Forderungsbestands von Ende 2018. Und es waren rund 58% gemessen am bilanziellen Eigenkapital von Ende 2017. Krasse Zahlen.

Um (vermeintliche) Sicherheiten vorweisen zu können, so steht es jedenfalls in der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (die sich wiederum auf die Generalversammlung der Bank beruft), habe der Kunde Scheinkonten bei anderen Banken gegründet, Kontoauszüge sowie Stempel gefälscht und auf diese Weise „ein nicht existierendes Vermögen“ in offenbar erklecklicher Höhe vorgetäuscht. Nun sollte man davon ausgehen, dass sich eine Bank, bevor sie einem einzigen Kunden 6% ihres Kreditbuchs anvertraut, dessen Sicherheiten dann doch mal ein bisschen genauer anschaut. Laut „Rhein-Neckar-Zeitung“ verzichtete der Vorstand allerdings darauf, bei den anderen Banken nachzufragen, ob die vermeintlichen Vermögenswerte wirklich existieren. Angeblich gab es eine „Vereinbarung“ mit dem Kunden, in der sich der Vorstand verpflichtet haben soll, von ebensolchen Überprüfungen abzusehen.

Es klingt alles völlig unglaublich. Aber wie gesagt: Genauso steht es in dem Artikel. Und die Darstellungen werden nicht dementiert.

Es kam, wie es kommen musste: Im Frühjahr 2019 offenbarte sich der Kunde als Kreditbetrüger. Ende Oktober erfuhr die regionale Öffentlichkeit, dass sich die Raiffeisen Privatbank Wiesloch-Baiertal eG“ in gegenseitigem Einvernehmen“ von ihren beiden Vorständen getrennt habe. Und vergangene Woche stieg schließlich die Generalversammlung der Bank im katholischen Gemeindehaus Baiertal, das „bis auf den letzten Platz besetzt“ war, wie „Kraichgau lokal“ hinaus in die Welt funkte. Weil: Schon vor der Sitzung habe die „Gerüchteküche“ derart gebrodelt, dass sie „zum Überkochen tendierte“.

Die Anwesenden brauchten Ihr Kommen offenbar nicht zu bereuen. Denn schon bald war von einem „Wertberichtigungsbedarf erheblichen Ausmaßes“ die Rede. Und auf die Frage, ob das mit dem „Wertberichtigungsbedarf“ bedeute, dass das Geld weg sei, erhielten die Mitglieder laut „Rhein-Neckar-Zeitung“ folgende Antworten:

  • „Der Schaden tritt […] mit großer Wahrscheinlichkeit ein.“
  • Es sei zu vermuten, „dass eine Rückzahlung nicht erfolgt“.
  • Der Ausfall sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten“.
  • Es spreche „alles dafür, dass der Schaden bestehen“ bleibe, zumindest „in beträchtlichem Umfang“.

Sprich: 58% des bilanziellen Eigenkapitals – pfffffffffffffffffff.

Natürlich wirft der Fall noch deutlich mehr Fragen auf als die, ob das Geld nun weg ist – zum Beispiel die Frage nach der Rolle des genossenschaftlichen Prüfverbands.

Laut „Rhein-Neckar-Zeitung“ soll der BWGV (also der baden-württembergische Genossenschaftsverband) die Kredite „schon 2016 kritisch hinterfragt, aber im Prüfbericht 2017 auf eine Anmerkung verzichtet“ haben, weil zu diesem Zeitpunkt „vermeintliche Sicherheiten“ vorgelegen hätten.

Offenbar existiert inzwischen aber doch ein Prüfbericht des Verbands, der die Vorkommnisse bei der Raiffeisenbank als „schwerwiegende Verstöße gegen Gesetz oder Satzung“ werte, so die „Rhein-Neckar-Zeitung“. Die mangelnde Risiko-Identifikation der Raiffeisenbank werde in dem Report ebenso moniert wie das Risikocontrolling sowie die Überprüfung von Sicherheiten. Zudem habe der Prüfbericht „strukturelle Risiken im Kundenkreditgeschäft“ und „teilweise deutliche Überschreitungen der intern festgelegten Blankoeinzelgrenzen“ offengelegt.

Ob das Fiasko jenseits der einvernehmlichen Trennung von den beiden Vorständen irgendwelche Konsequenzen hat, ist trotzdem unklar. Dem Aufsichtsrat wurde in dem Prüfbericht bescheinigt, er sei „seinen Mitwirkungs- und Überwachungspflichten nachgekommen“. Die beiden demissionierten Vorstände wiederum holten gegenüber den Mitgliedern zum großen „Mea Culpa“ aus.  „Wir wurden alle getäuscht, es tut mir unendlich leid“, wird der eine Manager zitiert. Und der andere: „Wir hatten nie die Absicht, irgendwelche Risiken einzugehen, die die Bank nicht tragen kann.“

Bei den Mitgliedern verfing die Entschuldigung allem Anschein nach. Denn der Antrag des Aufsichtsrats, gegen die beiden Ex-Vorstände mögliche Schadensersatzansprüche geltend zu machen, wurde bei der Generalversammlung mit großer Mehrheit abgelehnt.

Bleibt noch das mutmaßliche Loch in der Bilanz. Wobei, nein, halt – auch das wurde offenbar gestopft. Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken habe eine Garantie für Kreditrisiken in Höhe von 5 Mio. Euro ausgestellt. Zudem sei ein „erheblicher Teil der stillen Reserven“ aufgelöst werden. Alles halb so wild also? Nur noch mal zu Einordnung: Die Raiffeisen Privatbank Wiesloch-Baiertal eG hat in den zurückliegenden zehn Jahren rund 2,5 Mio. Euro aggregiert verdient. Und nun – sind auf einen Schlag bis zu 9 Mio. Euro ausradiert.

*Die Bank hat die 2018 noch keinen Geschäftsbericht veröffentlicht; die Zahl findet sich aber in einer BVR-Statistik.

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Was haben unsere Banken vom Lobby-Sieg über Apple Pay?

Von Heinz-Roger Dohms

„Apple Pay hat gewonnen, die Sparkassen verloren.“ So lautete unsere Schlagzeile, als die deutschen Sparkassen Ende Juni mitteilten, ihren Kunden nun doch Apple Pay anbieten zu wollen. Nun, ein halbes Jahr später, hat das Tauziehen zwischen den hiesigen Banken und dem US-Technologiekonzern eine überraschende Wendung genommen: Der Finanzausschuss des deutschen Bundestags nahm gestern einen – öffentlich bis dato unbeachteten –  Gesetzentwurf an, der darauf hinauslaufen könnte, dass Apple sein iPhone künftig auch für konkurrierende Bezahl-Lösungen öffnen muss (siehe hierzu unsere Exklusiv-News von gestern Mittag).  Auf den ersten Blick ist das ein veritabler Paukenschlag. Auch auf den zweiten? Was steht in dem Gesetz, das heute Abend bereits den Bundestag passieren könnte, eigentlich genau? Kann Apple die Öffnung seiner sogenannten „NFC“-Schnittstelle womöglich noch verhindern? Und wenn nein – ist das Gesetz dann ein „Gamechanger“? Oder nicht doch eher ein symbolischer Akt, der an den Kräfteverhältnissen im Mobile-Payment-Markt wenig ändern wird? Ein erstes, noch sehr vorsichtiges FAQ:

Was ist da gestern eigentlich passiert?

Also, um uns ausnahmsweise mal sauber auszudrücken: Der Finanzausschuss hat gestern kein „Apple Pay“-Gesetz angenommen, sondern sich auf einen „Änderungsantrag“ verständigt, der das „Gesetz zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie“ betrifft. Es geht also, wenn wir das so laienhaft ausdrücken dürfen, lediglich um einen „Apple Pay“-Passus. Was nach unserem Verständnis allerdings materiell keinen Unterschied macht.

Was genau steht in dem „Apple Pay“-Passus?

Die entscheidende Passage (lesen Sie am besten nur die von uns gefetteten Satzteile) lautet: „Ein Unternehmen, das durch technische Infrastrukturleistungen zu dem Erbringen von Zahlungsdiensten oder dem Betreiben des E-Geld-Geschäfts im Inland beiträgt (Systemunternehmen), ist auf Anfrage eines Zahlungsdienstleister im Sinne des § 1 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 3 oder eines E-Geld-Emittenten im Sinne des § 1 Absatz 2 Satz 1 Nummern 1 oder 2 verpflichtet, diese technischen Infrastrukturleistungen gegen angemessenes Entgelt unverzüglich und unter Verwendung angemessener Zugangsbedingungen zur Verfügung zu stellen. Die Zurverfügungstellung im Sinne des Satzes 1 muss so ausgestaltet sein, dass das anfragende Unternehmen seine Zahlungsdienste oder E-Geld-Geschäfte ungehindert erbringen oder betreiben kann.“

Sind wir sicher, dass diese Passage darauf hinausläuft, dass Apple Pay seine NFC-Schnittstelle öffnen soll?

Nicht zu 1000%. Denn: Explizit so gesagt hat es (uns) niemand. Zugleich scheint uns dies allerdings die naheliegende Interpretation zu sein – siehe z.B. auch der  SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi, der meinte:

„Heute habe wir einen grossen (riesigen) Schritt in Richtung gerechter Plattform-Ökonomie gemacht. Apple muss in Zukunft auf den I-Phones die Bezahlung durch andere Zahlungsdienstleistern ermöglichen.“

Was hat „die Politik“ (genau genommen waren es die Regierungs-Fraktionen) dazu bewogen, diesen Passus ins Gesetz zu schreiben?

Naja, man darf davon ausgehen, dass die Lobby-Organisationen von Banken und Sparkassen ihr Scherflein beigetragen haben. Allerdings scheint auch jenseits solcher Einflussnahmen folgende Sichtweise in der Berliner Politik mehrheitsfähig zu sein: Wenn wir die Banken mittels PSD2 zwingen, sogenannten Drittanbietern (und also auch den Bigtechs) Zugriff auf Zahlungskonten zu gewähren – dann ist es nur gerecht, wenn umgekehrt Apple seines Devices auch für die „Mobile Payment“-Apps der Banken und Sparkassen öffnen muss. Wenn man so will, haben wir es also mit einer reziproken PSD2-Richtlinie zu tun. Zumindest von der Intention her.

Warum hat niemand etwas gewusst von dem Gesetz (bzw. von dem Passus)?

Also, „niemand“ ist natürlich übertrieben. Wer definitiv nichts gewusst hat, das waren bis gestern Früh (als uns eine Quelle den Gesetzentwurf schickte) die  Naivlinge von Finanz-Szene.de. Da wir aber zugleich am Mittag das erste Medium waren, das überhaupt über die Vorgänge berichtete, kann man ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass die anderen Medien auch nichts gewusst haben.

Selbiges lässt sich übrigens vom Digitalverband Bitkom (willkommen im Klub der Naivlinge!) sagen, dessen Fintech-Referent sich bei Twitter gestern Abend bitterlich über die eigene Ahnungslosigkeit beschwerte:

Ist Apple eigentlich Bitkom-Mitglied? Ja, oder? Und für so etwas zahlen die armen Amis dann brav ihre Mitgliedsbeiträge. Wenn man nicht alles selber macht …

Wusste denn Apple auch von nichts?

Also, nach allem, was man hört, wusste es Apple zwar ein bisschen früher als wir – aber nicht früh genug. Die Folge sollen heftige Last-Minute-Versuche gewesen sein, den „Änderungsantrag“ doch noch abzuwehren. Das soll dann sogar übers Kanzleramt gelaufen sein. Und unter Einbeziehung des US-Botschafters. Puuuuh. Bei den Berliner Parlamentariern indes scheint diese Form des Brachial-Lobbyismus eher zu einer parteiübergreifenden Solidarisierung mit dem „Änderungsantrag“ geführt zu haben. So sagte die Grünen-Finanzexpertin Lisa Paus:

„Um ein Haar wäre die wichtige parlamentarische Initiative am Widerstand Apples in letzter Minute gescheitert. Die zunehmende machtpolitische Verquickung von national-staatlichen und Unternehmensinteressen ist besorgniserregend.“

Wird Apple denn jetzt „unverzüglich“ seine NFC-Schnittstelle öffnen (müssen)?

Gemach. Branchenexperten, mit denen wir uns gestern unterhalten haben, sehen drei mögliche Verteidigungslinien (mit deren Hilfe sich die Öffnung zumindest in die Länge ziehen lassen dürfte):

  1. Ist denn überhaupt gesagt, dass sich die „Zurverfügungstellung“ der „technischen Infrastruktur-Dienstleistung“ nur mittels Öffnung der NFC-Schnittstelle bewerkstelligen lässt?
  2. Besagte „Zurverfügungstellung“ soll ja nur gegen ein „angemessenes Engelt“ verpflichtend werden. Wie hoch wird das sein? Und wer legt es fest?
  3. Dann findet sich im „Änderungsantrag“ noch die folgende, für Apple mutmaßlich sehr wertvolle Passage:

„Das Systemunternehmen ist ausnahmsweise nicht entsprechend Absatz 1 verpflichtet, wenn sachlich gerechtfertigte Gründe für die Ablehnung der Zurverfügungstellung vorliegen. Diese liegen insbesondere vor, wenn das Systemunternehmen nachweisen kann, dass die Sicherheit und Integrität der technischen Infrastrukturleistungen durch die Zurverfügungstellung konkret gefährdet wird. Die Ablehnung muss nachvollziehbar begründet sein.“

Wären wir Apple, würden wir erst einmal die „Sicherheits“-Karte spielen und dann schauen, was passiert. Wobei es uns natürlich nicht ansteht, den Apple-Juristen irgendwelche Tipps zu geben (Frage: Hat Apple überhaupt eigene Juristen – oder übernimmt das der Bitkom? Kleiner Scherz.)

Ach ja, und dann vielleicht noch ein vierter Punkt, wobei wir uns da jetzt auf sehr dünnes Eis begeben: Ist der „Änderungsantrag“ als solcher eigentlich zu 100% rechtlich sattelfest, also im Sinne nationalstaatlicher Regelungs-Kompetenz? Keine Ahnung.

Sollte Apple seine NFC-Schnittstelle wirklich öffnen (müssen) – was dann?

Gute Frage. Denn ist es nicht so: Hierzulande nutzen viel mehr Menschen ein Android-Handy als ein Apple-Handy. Und bei Google gibt es das ganze Diskriminierungsthema ja gar nicht – dort stehen die „Mobile Payment“-Apps der deutschen Banken in genau demselben Regal wie die „Google Pay“-App selbst. Dennoch ist uns bislang nicht zu Ohren gekommen, dass, sagen wir, die „Mobile Payment“-App der Sparkassen auf Android-Handys auf wahnsinnig hohe Transaktionszahlen kommt.

Insofern: Letzten Endes müssen sich die Payment-Apps unserer Banken beim Kunden durchsetzen – nicht im Gesetzgebungs-Verfahren. Und das wird bei der Ökosystem-vernarrten Apple-Klientel noch schwieriger als bei der Android-Klientel. Es gibt jedenfalls Marktkenner, die sagen: Apple Pay hat schon jetzt einen solchen Vorsprung, dass sich die Amerikaner – ging es einzig zum Konkurrenzaspekte – die Öffnung der NFC-Schnittstelle – locker leisten können. Siehe folgenden Tweet des Payment-Managers Mirko Krauel gestern:

Welche Folgen hat der „Gesetzes-Coup“ für die noch für dieses Jahr angekündigte Einführung von Apple Pay bei Sparkassen und Volksbanken?

Normalerweise sollte man sagen: keine. Denn so viel Professionalität, das eine vom anderen trennen zu können, müsste man ja eigentlich allen Beteiligten zutrauen dürfen. Also, unser Tipp lautet: Apple Pay bei Sparkassen und Volksbanken kommt. Aber freilich erstmal nur für die Kreditkarte. Und die Girocard? Sollte ja eigentlich 2020 folgen. Nach den Geschehnissen des gestrigen Tages sollte man das „Sollte“ vielleicht stärker betonen als bislang.

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Bereitet die Solarisbank ihr nächstes Mega-Funding vor?

Von Heinz-Roger Dohms

Die Solarisbank trifft formale Vorkehrungen für eine weitere große Finanzierungsrunde. Wie aus einer Veröffentlichung beim Datenanbieter „Northdata“ hervorgeht, hat die Hauptversammlung des Berliner Fintechs jüngst den Vorstand ermächtigt, das Grundkapital um weitere gut 78.000 Anteile zu erhöhen. Gemessen an den derzeit knapp 154.000 Anteilen entspräche dies einer Erhöhung des Kapitals um gut 50% – wobei die Solarisbank ihre Anteile sicherlich nicht in einer einzigen Funding-Runde derart stark verwässen wird. Eher dürfte die Genehmigung als Puffer für mindestens zwei Finanzierungen gedacht sein.

Der formale Schritt passt zu Gerüchten, die zuletzt in der Berliner Fintech-Szene die Runde machten. Demzufolge soll die Solarisbank bereits an einer konkreten Kapitalerhöhung arbeiten, die im ersten oder zweiten Quartal nächstens Jahres über die Bühne gehen könnte. Spekuliert wird über ein Volumen von 70 Mio. bis 100 Mio. Euro zu einer Bewertung von rund 400 Mio. Euro (Pre-Money). Zur Einordnung: Ihre bislang größte Finanzierungrunde hatte die Solarisbank Anfang 2018 abgeschlossen. Damals flossen knapp 57 Mio. Euro Eigenkapital ins Unternehmen, zu einer Bewertung von rund 220 Mio. Euro, wie sich mittlerweile anhand von Registereinträgen errechnen lässt.

Entgegen unserer wieder mal vollkommen naiven Hoffnung, die Solarisbank würde die Gerüchte kommentieren, sagte uns ein Sprecher gestern auf Anfrage, er kommentiere keine Gerüchte. Was man in Berlin allerdings eher nicht in Abrede stellt: Der Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung ist günstig. Die 2016 gegründete Solarisbank hatte jüngst ihre Geschäftszahlen für 2018 veröffentlicht – und dabei erstmals den Beweis angetreten, dass sie in der Lage ist, ernstzunehmende operative Erträge zu erzielen (je nach Rechenweise waren es rund 12 Mio. Euro). Zudem: Im laufenden Jahr sollen sich die Erlöse, nach allem, was zu hören ist, noch einmal grob geschätzt verdoppeln haben.

Das letzte Mal übrigens, dass Finanz-Szene.de über ein großes Funding bei der Solarisbank spekuliert hatte, ist ziemlich genau zwei Jahren her. Wenige  Wochen später war besagte 57-Mio.-Euro-Runde dann perfekt.

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Gesetzes-Coup: Apple soll sein iPhone für Banken-Apps öffnen

Von Heinz-Roger Dohms

Payment-Coup in Berlin: Nach exklusiven Recherchen von Finanz-Szene.de hat der Finanzausschuss am Mittag einen öffentlich bislang unbeachteten Gesetzesentwurf beschlossen, der den US-Technologiekonzern Apple zwingen könnte, sein Handy-Betriebssystem iOS für die Payment-Apps fremder Anbieter zu öffnen. Bereits morgen Abend soll der Bundestag das Gesetz den informationen zufolge final beschließen. In dem Entwurf, der Finanz-Szene.de seit heute Morgen vorlag, hieß es wörtlich:

„Ein Unternehmen, das durch technische Infrastrukturleistungen zu dem Erbringen von Zahlungsdiensten oder dem Betreiben des E-Geld-Geschäfts im Inland beiträgt (Systemunternehmen), ist auf Anfrage eines Zahlungsdienstleisters […] oder eines E-Geld-Emittenten […] verpflichtet, diese technischen Infrastrukturleistungen gegen angemessenes Entgelt unverzüglich und unter Verwendung angemessener Zugangsbedingungen zur Verfügung zu stellen.“

Zum Hintergrund: Die deutschen Banken stört sich seit langem daran, dass sie selbst zwar Drittanbietern Zugriff auf die Konten ihrer Kunden gewähren soll – dass sich umgekehrt aber zum Beispiel Apple weigert, seine sogenannte NFC-Schnittstelle für bankeneigene Tools wie die „Mobile Payment“-App der Sparkassen zu öffnen.

Im vergangenen Dezember hatte der deutsche Sparkassen-Verband diesen Zustand sogar öffentlich kritisiert und in einer Stellungnahme gefordert: „Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen. „

Trotz dieser Kritik hatte es bislang nicht so ausgesehen, als würde sich die Politik die Position der deutschen Bankenbranche wirklich zu eigen machen. Das einzige, was (durch eine „Kleine Anfrage“) öffentlich bekannt war: Am 22. Oktober 2018 hatte es ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Apple-Chef Tim Cook gegeben, bei dem auch über die NFC-Schnittstelle gesprochen wurde. Ob es dabei explizit auch um die deutschen Banken bzw. Sparkassen ging, ließ  sich aus der Antwort der Bundesregierung allerdings nicht ablesen (auch wenn es natürlich naheliegt).

Dem Vernehmen nach wurden die US-Technologiekonzerne von dem Gesetzentwurf kalt erwischt. In Berlin ist zu hören, erst in den vergangenen Tagen sei massiv lobbyiert wurde, um die Verabschiedung doch noch zu verhindern – offenbar vergeblich. Gleichwohl sind die genauen Folgen des Gesetzes noch unklar, unter anderem weil diverse Formulierungen in dem Gesetz stark interpretationsfähig seien, wie Fachleute heute Vormittag im Gespräch mit Finanz-Szene.de erläuterten.

Mehr Details haben wir spätestens morgen Früh für Sie, wenn der nächste Finanz-Szene.de-Newsletter erscheint.

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Scalable Capital macht in UK nur 120.000 Pfund Umsatz

Von Heinz-Roger Dohms

Der größte deutsche Robo Advisor Scalable Capital hat sein Großbritannien-Geschäft signifikant heruntergefahren. Das zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de. Im vergangenen Jahr kam die dortige Tochter des Münchner Fintechs unseren Informationen nach gerade mal auf operative Umsätze in Höhe von 120.000 Pfund – umgerechnet gut 130.000 Euro.

Zur Einordnung: Scalable finanziert sich im B2C-Geschäft komplett über Gebühren, die bei 0,75 % des verwalteten Vermögens liegen. Zieht man hiervon Umsatzsteuer und Depotbank-Kosten ab, bleiben als Netto-Marge vielleicht noch 0,4% übrig. Damit dürfte Scalable Capital 2018 in Großbritannien im Schnitt also gerade mal Assets in Höhe von grob gerechnet 30  Mio. Pfund verwaltet haben. Hierzulande – das zum Vergleich – kommt Scalable mittlerweile auf rund 1,8 Mrd. Euro.

Die enttäuschenden Zahlen sind ein Beleg für die These, dass sich das Kundeninteresse in der digitalen Vermögensverwaltung bislang in vielen Ländern auf sehr wenige, meist heimische Wettbewerber konzentriert. Genau von diesem Mechanismus profitiert Scalable Capital (auch dank einer Vertriebskooperation mit der deutschen ING)  hierzulande massiv. In Großbritannien hingegen scheinen es die dortigen Marktführer Nutmeg und Moneyfarm zu sein, die die „Winner takes it all“-Effekte auf sich vereinen. Hinzu kommt:  Aufgrund des Brexits gilt Großbritannien unter Anbietern von Investmentprodukten momentan ohnehin als schwieriges Terrain.

Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass sich Scalable Capital aus der Schweiz zurückzieht – wofür Gründer Erik Podzuweit regulatorische Gründe verantwortlich machte. Die Probleme in Großbritannien wiegen allerdings deutlich schwerer. Denn während die Münchner in der Schweiz lediglich ein Crossborder-Produkt anboten (mit der deutschen Baader als Depotbank und denominiert in Euro …), sind sie in London mit einer eigenständigen Tochtergesellschaft unterwegs. Und waren dort 2016 eigentlich auch sehr ehrgeizig an den Start gegangen.

Es heißt allerdings, im Zuge der Verwerfungen rund um den Brexit hätte Scalable beschlossen, die dortigen Aktivitäten drastisch zu reduzieren, um sich stattdessen erst einmal auf den deutschen Markt zu konzentrieren. Die Logik dahinter: Mit demselben Marketing-Budget gewännen die Münchner hierzulande deutlich mehr Asset als in Großbritannien. Ein Rückzug sei gleichwohl kein Thema, ist zu hören. Wohl auch, weil sich Scalable mit der Unterstützung seines Kerninvestors Blackrock inzwischen auch als Whitelable-Partner für Banken positioniert  – und vermutlich auch in UK entsprechende Kooperationen anstrebt.

Tatsächlich scheinen die eigenen Investoren das maue Großbritannien-Geschäft nicht allzu dramatisch zu sehen: Im August hatten Blackrock, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures weitere 25 Mio. Euro in Scalable investiert – zu einer deutlich höheren Bewertung von nunmehr rund 290 Mio. Euro.

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76% weniger Cashburn: Schafft Kreditech jetzt den Turnaround?

Von Heinz-Roger Dohms

Das einstige deutsche Vorzeige-Fintech Kreditech hat seine Verluste nach eigenen Angaben signifikant reduziert.  Laut einer am Donnerstagmorgen verschickten Pressemitteilung lag der Konzernfehlbetrag 2018 nur noch bei 13,9 Mio. Euro. Gemessen an dem Minus von 58,4 Mio. Euro im Jahr zuvor entsprach dies einem Rückgang von 76%. Zwar sank im Gegenzug auch der Umsatz von 71 Mio. auf 56 Mio. Euro. Prozentual gesehen war dieser Rückgang mit 21% aber (verglichen mit der Cashburn-Reduktion) überschaubar.

Wirklich analysieren lassen sich die Ergebnisse zwar nicht, weil Kreditech diese Woche zwar seinen (irrelevanten) 2018er-Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlicht hat – nicht aber den Konzernabschluss. Gleichwohl gibt die Pressemitteilungen zumindest einen groben Einblick in die wichtigsten Kennziffern. Entscheidend scheint uns die Erkenntnis zu sein, dass der Rückgang der Verluste in erster Linie auf der Reduktion der Kosten beruht – und nur zum Teil auf einem verbesserten Risiko-Management. Hier die Kennziffern im Einzelnen:

  • Die Netto-Wertberichtigungen sanken von 49 Mio. Euro auf 31,4 Mio. Euro …
  • … was gemessen am Umsatz einem noch nicht wirklich signifikanten Rückgang von 69% auf 56% entsprach
  • Dagegen wurden die Betriebskosten um spektakuläre 55% auf nur noch 32,3 Mio. Euro zurückgefahren

Interessant in diesem Zusammenhang: Die Belegschaft scheint (wieder) zu wachsen statt zu schrumpfen. 2016 beschäftigte Kreditech laut Konzernabschluss durchschnittlich 295 Mitarbeiter, 2017 waren es nur noch 230 – doch inzwischen sollen es laut Pressemitteilung wieder „mehr als 300“ sein. Dazu passt der Hinweis, dass das in sieben Ländern aktive Hamburger Fintech in diesem Jahr offenbar wieder auf Wachstum schaltet. So wird CEO David Chan in der Pressemitteilung zitiert: „2019 hat sich als ein Zeitraum fortschreitender Stabilisierung erwiesen und wir blicken zuversichtlich auf einen nachhaltigen und profitablen Wachstumskurs in allen unseren strategischen Märkten.“

Hier für alle Connaisseure hier unsere Kreditech-Artikel der letzten Monate:

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Von N26 bis Finleap: Diese 18 Fintech-Startups zeigen ihren Umsatz

Von Heinz-Roger Dohms

Wie relevant sind Deutschlands Fintechs wirklich? Diese Frage beschäftigt uns seit dem Start von Finanz-Szene.de so sehr wie kaum eine andere – wobei die Antworten bislang immer den Charakter des Vorläufigen hatten, weil die allermeisten Finanz-Startups ihre wirklich wichtigen Geschäftszahlen für sich behielten.

Allmählich indes ändert sich das. Unsere Fintechs werden älter, sie werden größer, sie werden vorzeigbarer, und viele unterliegen schärferen Publizitäts-Pflichten. Die Folge: Immer mehr Anbieter gewähren Einblicke in ihr Allerheiligstes, nämlich in ihre Umsatzerlöse. Wobei sich das „immer mehr“ quantifizieren lässt: Finanz-Szene.de hat die Abschlüsse der 50 bedeutendsten seit 2009 gegründeten deutschen Finanz-Startups untersucht.  Davon machten 18 detaillierte Angaben zu ihren Erträgen, davon die Hälfte sogar für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Wie relevant sind Deutschlands Fintechs also wirklich? Hier die Antwort.

(Lesehilfe: Sie finden zuerst die Tabelle mit sämtlichen Fintechs, weiter unten dann Erläuterungen zu denen einzelnen Fintechs und wo ihre Erträge herkommen. Da die Umsätze – u.a. aufgrund des unterschiedlichen Alters der Unternehmen – nicht direkt vergleichbar sind, haben wir auf ein Ranking verzichtet und die einzelnen Anbieter stattdessen alphabetisch aufgelistet)

Erlöse (in Mio.) Jahr Veränd. zum Vorjahr Gründung
Aevi 43,6 € 2017 -24% 2015
Billie 1,2 € 2018 824% 2017
Billpay 28,2 € 2018 11% 2009
Creditshelf 2,2 € 2018 114% 2014
CRX Markets 0,9 € 2018 479% 2014
Decimo 0,7 € 2017 167% 2014
Deposit Solutions 5,7 € 2017 106% 2011
Elinvar 1,2 € 2018 1707% 2016
Finanzcheck 36,1 € 2017 50% 2010
Finleap 5,8 € 2017 151% 2014
Finreach 2,1 € 2018 36% 2014
Kreditech 71,0 € 2017 57% 2012
N26 11,0 € 2017 2010% 2013
Orderbird 9,3 € 2018 3% 2011
Ottonova 0,1 € 2017 k.A. 2015
Ratepay 24,0* 2017 62% 2009
Savedroid 0,0 € 2018 k.A. 2015
Solarisbank 12,1 € 2018 290% 2016

Quelle: Geschäftsberichte; Ratepay: Zahlen von März-Dez. 2017 (also nur 10 Monate umfassend)

Aevi

Die Diebold-Nixdorf-Tochter vertreibt ein mobiles Kassenterminal namens „Albert“. Drei Viertel des Umsatzes entfielen dem 2017er-Abschluss zufolge auf „Hardware“, ein Viertel auf „Software/Services“. Als Gründe für den Umsatzrückgang führt der Geschäftsbericht „die Komplexität und damit einhergehende erhöhte Anlaufzeit von Kundenprojekten sowie länderspezifische Regulierungen und Zulassungen“ an.

Billie

Das 2017 gegründete Berliner Startup gilt als aussichtsreichstes deutsches Factoring-Fintech. Bei den ausgewiesenen Erlösen handelt es sich laut GuV um „Zinserträge“, die im Geschäftsbericht wie folgt definiert werden: „Die Zinserträge bestehen ausschließlich aus zinsähnlichen Factoring-Gebühren.“

Billpay

Gegründet 2009 von Rocket Internet. Spezialist für Online-Rechnungskauf. Anfang 2017 vom schwedischen Super-Fintech Klarna übernommen. Bei den Umsatzerlösen haben wir uns auf die „Provisionserträge“ beschränkt und die „sonstigen betrieblichen Erträge“ (die u.a. aus Währungs-Umrechnungen resultieren) ausgeklammert. Im Geschäftsbericht heißt es: „Der Anstieg der Provisionserträge basierte vorwiegend auf dem Ausbau des Produkts Rechnungskauf.“

Creditshelf

Das Frankfurter Fintech vertreibt über eine Vergleich-Plattform KMU-Finanzierungen und gehört zu den wenigen börsennotierten deutschen Finanz-Startups. Die Umsatzerlöse stammen laut 2018er-Abschluss aus „Gebühren aus der Vermittlung von Krediten“ und „Gebühren aus der Bereitstellung von Leistungen an Investoren“.

CRX Markets

Der Münchner Working-Capital-Spezialist zählt den „Hidden Champions“ unter Deutschlands Fintechs – und wurde nach Informationen von Finanz-Szene.de bei der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 65 Mio. Euro bewertet. Als reine Vermittlungs-Plattform erzielt CRX Markets keine Zins-, sondern ausschließlich Provisionserträge. Zur Ertragsentwicklung findet sich im Abschluss folgender Hinweis: „2018 war für die Gesellschaft geprägt durch den Ausbau der bestehenden Finanzierungsprogramme mit den Kunden Nestlé, Vattenfall und Lufthansa.“

Decimo

Das Berliner Factoring-Fintech wurde kürzlich von der in Dresden ansässigen Elbe Finanzgruppe AG übernommen (die sich neuerdings Aifinyo nennt). Während in der GuV des 2017er-Abschlusses von „Zinserträgen“ in Höhe von rund 650.000 Euro die Rede ist, heißt es unter „Ertragslage“: „Gegenüber dem Vorjahr konnten 2017 sowohl der Umsatz als auch der Provisionsertrag deutlich gesteigert werden. Die Gebührenerträge betrugen 651 TEUR ggü. 244 TEUR im Vorjahr.“ Unserer Vermutung nach ist da kein Widerspruch, sondern lediglich eine Definitionsfrage (siehe auch weiter oben Billie).

Deposit Solutions

Der Hamburger Einlagen-Marktplatz sorgte jüngst durch den Einstieg der Deutschen Bank für Aufsehen. Was dagegen uns (und allen anderen Medien) verborgen blieb: Bereits im April hatte das angeblich zweite deutsche Fintech-Unicorn im Bundesanzeiger seine GuV für 2017 veröffentlicht. Bei der Erläuterung, woher die Umsatzerlöse in Höhe von 5,7 Mio. Euro genau stammen, blieb das Startup diffus: „Die Umsatzerlöse des Unternehmens beziehen sich hauptsächlich auf Dienstleistungen, Lizenzen, Software-Support und Wartungsverträge.“

Elinvar

Das Berliner Fintech (zu dessen Investoren Goldman Sachs zählt) hilft Privatbanken wie Warburg oder Donner & Reuschel bei der Digitalisierung ihres Geschäfts – und verdient nach unserem Verständnis an den Gebühren bzw. über einen „Revenue Share“.

Finanzcheck

Das Hamburger Ratenkredit-Vergleichsportal verdient an den Vertriebsprovisionen der Banken. Letztes Jahr wurde das Fintech von Scout24 übernommen – sodass sich im aktuellen Abschluss der Scout-Gruppe auch Hinweise auf den 2018er-Umsatz von Finanzcheck finden. Da die Zahlen laut Unternehmen aber nicht 1:1 mit den Zahlen der „Stand-alone-Finanzcheck“ vergleichbar sind, haben wir uns in der Tabelle auf die 2017er-Zahlen beschränkt.

Finleap

Die Berliner Fintech-Schmiede erbringt diverse Dienstleistungen für ihre Ventures- und erzielt (unter anderem?) auf diesem Wege durchaus beachtliche Erträge. Im Geschäftsbericht heißt es: „Die Umsatzerlöse wurden im Wesentlichen durch Beratungsleistungen, Sachleistungen sowie sonstige Leistungen (…) erzielt.“

Finreach

Die Umsatzzahlen von Finreach sind die einzigen unter den hier aufgeführten, die sich nicht dem Bundesanzeiger entnehmen lassen (wir haben sie anderweitig aufgetrieben …). Finreach hat in den vergangenen 12 bis 18 Monaten eine ziemliche Transformation durchgemacht – mit dem Ergebnis, dass das Fintech genauso wie die einstige Figo inzwischen zur neuen Finleap Connect gehört. Plausiblerweise würden wir allerdings vermuten, dass die 2018er-Erlöse noch zu einem Gutteil aus dem einstigen Kernprodukt stammen, nämlich dem Kontowechsel-Service.

Kreditech

Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet das deutsche Fintech, das bislang die höchsten Umsätze erzielt hat, auch das ist, das bald darauf in einer ernste finanzielle Problemlage geriet (aus der sich die Hanseaten mittlerweile wieder so ein bisschen befreit haben). Oder anders gesagt: Der Mikrokredit-Spezialist erzielte 2017 nicht zuletzt deshalb gut 70 Mio. Euro Umsatz, weil das Management bereit war, hierfür einen Cashburn von 58 Mio. Euro in Kauf zu nehmen (für Connaisseure hier alle Details).

N26

Alles, was sich zur Ertragslage der Berliner Challenger-Bank sagen lässt, haben wir hier gesagt. Und für alle, die meinen, Erträge von rund 11 Mio. Euro seien lächerlich in Relation zu dem Hype, der rund um N26 veranstaltet wird – wir sind da etwas anderer Meinung.

Orderbird

Das Berliner Fintech setzt (ähnlich wie weiter oben Aevi) auf eine eigenes Kassensystem für die Gastronomie. Während Aevi – wenn wir es richtig verstehen – den Fokus zumindest anfangs auf die Hardware richtete, setzt Orderbird sein System auf das iPad auf und konzentriert sich auf die Software-Komponenten. Im Geschäftsbericht heißt es: „Die Umsatzerlöse resultieren im Wesentlichen aus der Erbringung von Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Software für mobile Datenübertragungsgeräte und der Entwicklung von Kassensystemen sowie der Anbindung von Endkunden in den Prozess.“

Ottonova

Das Krankenversicherungs-Fintech war 2017 noch zu jung, als dass sich aus der GuV vernünftige Rückschlüsse ziehen lassen.

Ratepay

Das Geschäftsmodell ähnelt dem von Billpay (siehe weiter oben), und genau wie Billpay gehört auch Ratepay einer skandinavischen Mutter, nämlich dem dänischen Payment-Konzerns Nets (bzw. diversen dahinter stehenden Private-Equity-Investoren).

Savedroid

Über das Frankfurter Fintech ist alles gesagt, was zu sagen ist. Was den Umsatz von 0,0 Mio. Euro angeht, müssen wir fairerweise hinzufügen, dass es sich hierbei unfairerweise um einen abgerundeten Wert handelt. Tatsächlich erzielte Savedroid 2018 laut Geschäftsbericht Provisionserträge von sehr respektablen 65,42 Euro.

Solarisbank

Mit den (guten) 2018er-Zahlen des Berliner B2B-Fintechs haben wir uns dieser Tage erst intensiv auseinandergesetzt. Siehe hier: „Inside Solarisbank: Wie der Fintech-Darling auf Erträge kommt“.

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Schnipsel aus dem Wirecard-Report: KPMG-Bericht erst Ende März?

Von Heinz-Roger Dohms

Wirecard wächst und wächst und wächst und hört gar nicht mehr auf zu wachsen – so die (altbekannte) Grundaussage der gestern vorgelegten Q3-Zahlen. Konkret: Der Umsatz ist von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37,7% auf 1,9 Mrd. Euro gestiegen, das Ebitda um 38,4% auf 553 Mio. Euro.

Überraschender kommen ein paar andere Erkenntnisse, die der Quartalsbericht (Link) bereithält. Voilà:

1.) Kommt der KPMG-Bericht erst Ende März?

In einem am Montag veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview war Wirecard-Chef Markus Braun (HB, Paywall) noch wie folgt zitiert worden: „Wir wollen der Prüfung nicht vorgreifen, wir hoffen, Anfang des Jahres die Ergebnisse vorstellen zu können. Uns ist sehr daran gelegen, das schnell zu erledigen.“ Im Q3-Bericht hingegen steht nun: „Der Abschluss der bereits gestarteten Untersuchung wird voraussichtlich für das Ende des ersten Quartals Im Geschäftsjahr 2020 erwartet.“ Auf Anfrage von Finanz-Szene.de teilt Wirecard mit, dass dem Unternehmen weiterhin an einer schnelle Klärung gelegen sei.

2.) Was ist denn jetzt mit den drei Mega-Kunden?

Vielleicht erinnern Sie sich: Ende August hatte Wirecard-Chef Braun verlautbart, sei Unternehmen habe „allein in den letzten vier Wochen drei Deals unterschrieben, die für sich genommen das Potenzial haben, das gesamte Transaktionsvolumen zu übertreffen, das 2018 über Wirecard abgewickelt wurde“. Aus dem Umfeld des Dax-Konzerns hieß es damals, in Aschheim werde damit gerechnet, dass sich besagte Umsatzpotenzial binnen zwei Jahren materialisieren könne.

Auf Nachfrage verweist eine Sprecherin auf einen Slide in der gestrigen Investoren-Präsentation (siehe unser Screenshot). Dort finden sich (teils prominente) Kunden, die Wirecard in diesem Jahr schon gewonnen habe. Ob sich darunter auch die drei Mega-Kunden finden, bleibt unklar.

3.) Warum sind die 900 Mio. Euro von Softbank noch nicht bilanziert?

Mitte September hatte es geheißen, der fremdkapitalseitige Einstieg des japanischen Tech-Investors  bei Wirecard sei besiegelt. Im Q3-Bericht ist von „nach dem Berichtszeitraum zugeflossenen“ Mittel die Rede; bilanziert sind die 900 Mio. Euro auch noch nicht. Wirecard teilt hierzu mit: „Der Zahlungseingang war in der ersten Oktoberwoche.“

4.) Was verrät der Q3-Bericht sonst noch über Wirecards Refinanzierung?

Dass weiterhin viel Bewegung herrscht. So finden sich unter „Cashflow aus Finanzierungstätigkeit“ (unserem Verständnis nach) folgende Erläuterungen:

  • Die Einnahmen aus der Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. September auf 1.054 Mio. Euro (30 Juni: 254 Mio. Euro).
  • Die Auszahlungen für die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. September auf 737,1 Mio. Euro (30. Juni: 6,7 Mio. Euro).
  • Im dritten Quartal sind also 800 Mio. Euro Finanzverbindlichkeiten hinzugekommen und 730 Mio. Euro getilgt worden.
  • Von den 800 Mio. Euro Zugang müssten 500 Mio. Euro auf die neu begebene Kapitalmarkt-Anleihe entfallen (nicht zu verwechseln mit der Softbank-Wandelanleihe)
  • Bei der Tilgung dürften 530 Mio. Euro auf die Rückführung von Bankkrediten entfallen sein
  • Heißt: Es verbleiben nach unserer Rechnung 300 Mio. Euro zusätzlich aufgenommene Finanzierungen und 200 Mio. Euro zusätzlich getilgte Kredite, die wir nicht zuordnen können

Wirecard bestätigt die Rechnung und teilt mit: „Es wurde kein zusätzlicher Kredit neu aufgenommen, hierbei handelt es sich lediglich um eine Inanspruchnahme der bestehenden Kreditfazilität. Die ursprünglich angedachte Mittelverwendung wurde hinfällig, daher flossen die Mittel wieder zurück, wie es bei einer Kontokorrentlinie (ständige Mittelzu- und -abflüsse) auch üblich ist.“

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Factoring-Fintech Billie erhält Refi-Linie über 50 Mio. Euro

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Factoring-Fintech Billie hat zusätzlich zu seinem 30 Mio. Euro schweren Equity-Funding (siehe unser Bericht aus dem Juli) eine für Startup-Verhältnisse üppige Debt-Finanzierung erhalten. Diese Entdeckung hat Finanz-Szene.de gemacht. Im Nachtragsbericht des kürzlich veröffentlichen 2018er-Abschlusses heißt es wörtlich, es sei ein „Term Sheet über eine neue Refinanzierungslinie mit bis zu 50 Mio. EUR frischem Fremdkapital gezeichnet“ worden. Der Vertragsabschluss wurde demnach für August oder September 2019 erwartet. Geschäftsführer Christian Grobe bestätigte uns gegenüber gestern Abend die Transaktion.  20 Mio. Euro seien sogar schon abgerufen worden.

Um die Zahlen in den Kontext zu setzen: Laut Geschäftsbericht verarbeitete die vor zwei Jahren gestartete Billie GmbH im gesamten Geschäftsjahr 2018 erst Forderungen im Volumen von 66 Mio. Euro. Zugleich findet sich in der Bilanz der Hinweis, die Kundenforderungen hätten in 99,9% der Fälle eine Restlaufzeit von bis zu drei Monaten. Heißt: Die durchschnittliche Laufzeit liegt (deutlich) unter drei Monaten, sodass die 50 Mio. Euro aufs Jahr hochgerechnet eine Firepower von mindestens 200 Mio. Euro ergeben (tatsächlich dürfte es mehr sein). Von wem das Geld stammt, wollte Grobe nicht sagen. Nur soviel: Sämtliche Refi-Linien kämen von europäischen Banken.

Auch jenseits des Fremdkapital-Fundings dokumentiert der Geschäftsbericht, dass Billie den meisten anderen in den letzten Jahren gegründeten deutschen Factoring-Fintechs ein gutes Stück voraus sein dürfte (die Gründe hierfür hatten wir neulich ausführlich analysiert). So summierten sich die Umsatzerlöse – definiert als „zinsähnliche Factoring-Gebühren“ – auf 1,2 Mio. Euro. Auch hier eine Einordnung: Der kürzlich von der Elbe Finanzgruppe übernommene Wettbewerber Decimo kam (obwohl schon 2014 gestartet) im Geschäftsjahr 2017 erst auf Umsatzerlöse in Höhe von 0,7 Mio. Euro (2018er-Zahlen von Decimo liegen uns keine vor).

Glaubt man Grobes Ausführungen, dann hat Billie seine Umsätze im laufenden Jahr sogar noch einmal markant gesteigert. Momentan  würden monatlich rund 30 Mio. Euro Factoring-Volumen umgeschlagen, sagte er uns gestern Abend auf unsere Anfrage hin. Damit komme Billie aktuell auf eine Erlös-„Runrate“ (also einen auf zwölf Monate hochgerechneten Wert) von etwa 7 Mio. Euro. Die Zahlen wären sogar noch deutlich besser, „hätten wir im September und Oktober bedingt durch die PSD2 nicht 50% unseres Neugeschäfts verloren“, so Grobe (für Connaisseure hier noch ein Linktipp: „Das wahre Drama der PSD2-Umstellung“).

Zugleich scheint Billie den Cashburn unter Kontrolle zu haben: Der Jahresfehlbetrag belief sich im vergangenen Jahr auf 3,1 Mio. Euro. Inklusive der Anlaufverluste aus 2017 ergibt sich ein bilanzielles Minus von rund 5 Mio. Euro – gemessen an einem Equity-Funding von 43 Mio. Euro (die 30 Mio. Euro aus 2019 eingerechnet).

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Größter deutscher Sparkassen-Versicherer steigt bei Finleap ein

Von Heinz-Roger Dohms

Der größte deutsche Sparkassen-Versicherer ist bei der Berliner Startup-Schmiede Finleap eingestiegen – das zeigen exklusive Recherchen von Finanz-Szene.de und unserem Kooperationspartner „Startupdetector.de“. Die Versicherungskammer Bayern (so der Name des Sparkassen-Versicherers) soll demnach 5,7% an dem Startup-Imperium halten.* Die exakte Investitionssumme konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Gemessen an den letzten Funding-Runden dürfte sie jedoch bei schätzungsweise 10 Mio. bis 15 Mio. Euro liegen.

Mit gebuchten Beitragseinnahmen von 8,3 Mrd. Euro ist die Versicherungskammer Bayern nicht nur der größte öffentliche Versicherer hierzulande – sondern sie zählt auch zu den zehn größten deutschen Versicherungen überhaupt. Die Mehrheit der Anteile (nämlich fast 84%) liegt bei 65 bayerischen, 23 rheinland-pfälzischen und sechs saarländischen Sparkassen. Mit anderen Worten: Die Sparkassen sind jetzt indirekt bei Finleap investiert – und sehr indirekt bei den Finleap-Ventures, von denen es rund ein Dutzend gibt. Dazu gehören unter anderem die Solarisbank, der KMU-Kontoanbieter Penta, der Private-Banking-Digitalisierer Elinvar und das kürzlich gestartete Kfz-Vergleichsportal

So pikant die Verbindung zwischen den Sparkassen und Finleap anmutet – vermutlich ist der Deal eher in einem Versicherungs- als in einem Banking-Kontext zu sehen. Denn: Während zu den Finleap-Gesellschaftern nur eine einzige Bank gehört (nämlich die niederländische NIBC), zählen nach dem Einstieg der Versicherungskammer Bayern nun vier Versicherungen zu den Investoren.  Neben den Münchnern sind das der chinesische Insurtech-Gigant Ping An (unseren Schätzungen zufolge mit einem Anteil von knapp 15%), die Hannover Rück (rund 8%) und die Signal Iduna (rund 4%).

In der Regel sind die Investments der Versicherer bei Finleap die Basis für weitergehende Kooperationen. So ist die Hannover Rück auch an Elinvar sowie an Finleaps Cybersecurity-Startup Perseus beteiligt. Ping An wiederum investierte jüngst bei Joonko, die Signal Iduna ist bei Finleaps B2B-Versicherer Element engagiert. Gut denkbar, dass auch die Versicherungskammer Bayern und Finleap ihre Partnerschaft noch vertiefen – auch wenn es hinter den Kulissen heißt, es gehe zunächst einmal um ein reines Finanzinvestment.

* In der ursprünglichen Fassung des Artikel hatten wir den Anteil mit lediglich rund 4,5% beziffert. Es sollen aber 5,7% sein, haben wir mittlerweile erfahren. Daraus ergibt sich, dass die Investitionssumme eher am oberen Ende der von uns geschätzten 10 bis 15 Mio. Euro liegen dürfte (oder gar leicht drüber).

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PSD2: Deutsche ING klemmt HBCI-Schnittstelle nun doch ab

Von Heinz-Roger Dohms

Wie setzen die deutschen Banken die PSD2-Richtlinie in der Praxis um? Diese Frage haben wir in den vergangenen Monaten pars pro toto am Beispiel der deutschen ING und ihres Umgangs mit der FinTS/HBCI-Schnittstelle verfolgt.

Vielleicht erinnern Sie sich: Unter der Überschrift „Wie sich die deutsche ING ihre eigene PSD2-Welt schafft“ beklagte unser Gästeblogger Klaus Igel Anfang Juni, dass die Oranje-Bank die Standard-Schnittstelle „nicht PSD2-fähig“ machen wolle. Er berief sich dabei auf die Aussage eines Service-Mitarbeiters auf der Website der Bank:

„Ihr Girokonto können Sie ab September nicht mehr mit Ihrer aktuellen Software über die HBCI-Schnittstelle führen. Das ist dann nur noch über die PSD2-Schnittstelle möglich. Bitte fragen Sie bei Ihrem Softwareanbieter nach, ob sie PSD2 unterstützen …”

Daraufhin regte sich ein zwar nicht gewaltiger, aber durchaus wahrnehmbarer Kunden-Aufstand, der schließlich zu einem teilweisen Einlenken der ING Deutschland führte. So schrieben wir Ende August unter der Headline „Wie die deutsche ING ihre PSD2-Mopperer besänftigt“:

Die ING Deutschland reagiert bei HBCI/FinTS im Grund genauso, wie zuletzt bereits bei der Erst-nicht-und-dann-doch-Einführung von Apple Pay: Sie rudert zurück. Mutmaßlich aufgrund des Kundendrucks erklärt die Bank […], zumindest den Lesezugriff über die HBCI-Schnittstelle nun doch erst einmal aufrechtzuerhalten. Ob die Bank darüber hinaus auch weiterhin den Vollzugriff – also zum Beispiel die Möglichkeit, Überweisungen zu veranlassen – anbietet? Ausgeschlossen scheint selbst diese Volte nicht mehr. Ein ING-Sprecher sagte auf Finanz-Szene.de, dies werde „geprüft“.

Wie die Prüfung ausgegangen ist? Der Lesezugriff bleibt zwar erhalten – zu einem Vollzugriff hat sich die größte deutsche Onlinebank aber nicht durchringen können, wie Gästeblogger Igel entdeckt und am Samstag via Twitter kundgetan hat.

Ist das nun ein Rückschlag für die „Open Banking“-Idee? Vermutlich. Doch wie merkte ebenfalls bei Twitter der BVR-Experte Matthias Hönisch an: „PSD2 ist nicht gleich ‚Open Banking‘ – unabhängig von dem, was die Kollegen der @ING_Deutschland da machen.“

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