Fintechs im Funding-Wahn: 24 Stunden, 6 Runden, >400 Mio. €

Von Heinz-Roger Dohms

Es begann am Montagabend: Da kamen Finanz-Szene.de und parallel die „BÖZ“ mit der Geschichte auf den Markt, dass Goldman Sachs mit 25 Mio. Euro beim Berliner Fintech Raisin einsteigt.

Gestern Früh gegen 9 Uhr verschickte dann das  Payment-Startup SumUp die Mitteilung, 330 Mio. Euro eingeheimst zu haben (interessanterweise: komplett Fremdkapital). Danach folgten: das Broker-Fintech Trade Republic mit 8,5 Mio. Euro und der Gutschein Spezialist Optiopay mit einem „zweistelligen“ Millionen-Funding – bevor Finanz-Szene.de am Dienstagbend schließlich den Einstieg der DWS und einer Coba-Tochter beim Fintech Arabesque und das spektakuläre 30 Mio.-Euro-Funding von Billie vermeldete.

Die Lehren dieser verrückten 24 Stunden? 1.) Der Fintech-Boom hält an. 2.) Dennoch lohnt es sich, bei jedem Funding einzeln hinzuschauen. So teilte Optiopay auf Nachfrage mit, die „Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionenhöhe“ setze sich zusammen aus der „Konvertierung von Darlehen“ sowie „neuen Darlehen“.

Also auch hier zumindest nicht das ganz klassische Equity-Funding, wenn wir das so sagen dürfen …

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30 Mio. € für Billie – wo bleiben die anderen Factoring-Fintechs?

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Von den diversen deutschen Factoring-Fintechs, die in den letzten Jahren gegründet wurden, scheint zumindest eines durchzustarten – nämlich der Berliner Anbieter Billie. Wie Co-Founder Christian Grobe gestern im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ verriet, hat sein Unternehmen dem mit 10 Mio. Euro dotierten Serie-A-Funding von Ende 2017 nun die zweite Finanzierungs-Runde folgen lassen – und zwar diesmal sogar über 30 Mio. Euro.

Zu den Investoren gehören Creandum (also die, die zzt. überall investieren), Speedinvest (also die Österreicher), Global Capital Founders (also die Samwers), Picus Capital (also auch Samwer) sowie die N26-Gründer und die Raisin-Gründer. Das Geld solle in den „Ausbau des Produktspektrums“ fließen, sagte Grobe. Ziel: „In zwei Jahren wollen wir Europas führender Anbieter für digitale Factoring-Lösungen sein.“

2016/2017 hatte es in Deutschland eine regelrechte Welle von Neugründungen im Factoring-Bereich gegeben. Blickt man heute zurück, fällt die Zwischenbilanz allerdings ernüchternd aus. Der von Rocket Internet gepushte Berliner Anbieter Innolend wurde Anfang 2018 liquidiert; das Schweizer Fintech Advanon, das quasi parallel zum Aus von Innolend angekündigt hatte, nach Deutschland zu expandieren, wurde kurz darauf zum Opfer eines spektakulären Betrugsfalls; das Berliner Factoring-Startup Decimo trat jüngst als Juniorpartner in ein Bündnis mit der Elbe Finanzgruppe ein (siehe „Finanz-Szene.de“ vom 25. Juni); und über das einstige Sebastian-Diemer-Fintech Finiata (bzw. „bezahlt.de“) berichtete „Gründerszene“ just diese Woche, dass nach einem Mini-Funding in Höhe von 2 Mio. Euro jetzt erst einmal das Geschäftsmodell gedreht wird.

Und sonst so? Gibt’s noch Flex Payment, Fundflow – und eben Billie. Warum also kriegt Billie 30 Mio. Euro, während anderen Factoring-Startups der Durchbruch bislang verwehrt geblieben ist?

Spricht man mit Branchenkennern (und zwar solchen, die dem Markteintritt der Fintechs durchaus offen gegenüberstanden), dann hört man zuallererst, dass sich die Newcomer allesamt ein schwieriges Terrain ausgesucht hätten – nämlich Factoring für alles, was im weitesten Sinne unter „kleine KMUs“ fällt. Dazu muss man wissen: Factoring, also die Vorfinanzierung von Rechnungen, ist klassischerweise ein Geschäft, in dem die Kunden zumindest auf einen Jahresumsatz in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe kommen. Ein traditioneller Factoring-Anbieter hat in der Regel mehrere Hundert solcher Kunden – und kann hiervor, wenn es gut läuft, trotz dünner Margen einigermaßen leben.

Die Strategie der Fintechs lief darauf hinaus, die bestehenden Anbieter nicht in deren Kerngeschäft anzugreifen – sondern sich eKunden zu erschließen, die zuvor noch gar kein Factoring betrieben, beispielsweise Startups, kleine Händler, Handwerker, Kanzleien oder Freiberufler. Die Idee dahinter: Wenn es gelingt, dieses Geschäft zu standardisieren, dann wird es sich eines Tages trotz kleiner Ticketgrößen sehr profitabel betreiben lassen.

Einer, der die Fintechs bei der Umsetzung dieser Strategie von Anfang an eng begleitet, sagt: „Der Gedanke als solcher war ja gar nicht verkehrt. Im Moment deutet aber vieles darauf hin, dass die finanziellen Risiken und prozessualen Schwierigkeiten, die mit diesem Geschäft verbunden sind, unterschätzt wurden.“

Was auffällt: Anders als beispielsweise Finiata oder Innolend ging Billie quasi von Start weg mit einer vollwertigen Lizenz der Finanzaufsicht Bafin zu Werke. Das wirkte anfangs wie ein überflüssiges Accessoire – schließlich lässt sich Factoring auch auf bescheidenerer rechtlicher Grundlage betreiben. Grobe aber sagt im Rückblick: „Es war wichtig, dass wir zunächst auf die Basics geachtet haben, wozu neben den diversen Lizenzen auch das Backoffice und die Prozessautomatisierung gehören.“

Dies sei auch eine Lehre gewesen, die er und sein Mitgründer Matthias Knecht aus dem Aufbau ihres vorherigen Fintechs gezogen hätten – dem nach allem, was man weiß, eher mäßig erfolgeichen Kreditmarktplatz Zencap, der bald nach der Gründung vom britischen Wettbewerber Funding Circle übernommen wurde. „Bei Zencap haben wir uns noch stark auf das Frontend fokussiert. Bei Billie dagegen sind selbst heute noch rund 70% unserer knapp 60 Mitarbeiter tendenziell eher dem Backend zuzuordnen – einfach weil sich der Erfolg im Factoring-Geschäft unter der Haube entscheidet. Nach außen sehen die meisten Angebote ohnehin nahezu identisch aus.“

Das alles bedeutet nicht, dass Billie schon ein wahrnehmbarer Player wäre. Das annualisierte Factoring-Volumen beziffert Grobe auf momentan rund 250 Mio. Euro – wenn man bedenkt, dass der deutschen Factoring-Markt etwa 250 Mrd. Euro groß sein soll, entspricht das einem Marktanteil von einem Promill. Mit dem 30-Mio.-Euro-Funding allerdings ist die Basis für weiteres Wachstum (bis Jahresende soll die „Run Rate“ bei rund 500 Mio. Euro liegen) erst einmal gelegt. Mal abwarten, wann das nächste Factoring-Fintech mit einer ähnlichen Nachricht ums Eck kommt. Und ob überhaupt.

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Finiata dreht nach Mini-Funding sein Geschäftsmodell

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Vor rund einem Jahr hat Sebastian Diemer sein Factoring-Fintech Finiata verlassen, um sich stattdessen dem Cannabis-Startup Farmako widmen, das gerade wieder für Schlagzeilen sorgt. Um Finiata ist es seitdem ruhig geworden.

Im Hintergrund hat der ehemalige Comdirect-Manager Jan Enno Einfeld die Geschäfte übernommen. Er soll Finiata wieder auf Kurs bringen, denn im Laufe des vergangenen Jahres hätten sich die Geschäfte nicht gut entwickelt, lautet die Einschätzung eines Investors. Insgesamt 2 Mio. Euro erhielt das Startup nach „Gründerszene“-Informationen vor einigen Monaten noch einmal, in Form eines Wandeldarlehen. Ein Finanzinstrument, das auch in Umbruchphasen verwendet wird.

Der große Konkurrent Billie – ebenfalls in Berlin ansässig, ebenfalls 2016 gestartet – steht dagegen gerade kurz vor einer großen Finanzierungsrunde, wie „Deutsche Startups“ zuerst berichtet hatte. Driften Billie und Finiata womöglich auseinander? Zu den Zahlen will sich CEO Einfeld nicht äußern, bestätigt das Wandeldarlehen aber gegenüber „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“.

Strategisch richtet Einfeld Finiata  neu aus. Schon Ende des vergangenen Jahres habe man im neuen Kernmarkt Polen ein Kreditprodukt für Kleinunternehmer mit einer Laufzeit von sechs Monaten ins Angebot aufgenommen.  Das Produkt laufe gut an, heißt es vom Finiata-Chef. Der monatliche Umsatz habe sich Vergleich zu Dezember mittlerweile mehr als verdoppelt.

Auf Nachfrage kündigt der Geschäftsführer an, das Geschäftsmodell von Finiata ändern zu wollen: „Wir werden unseren Small-Business-Kunden eine automatisierte ‚Finanzabteilung‘ zur Verfügung stellen, die sie mit einem Daumen auf ihrem Telefon steuern können“, so Einfeld. Bislang lag der Fokus von Finiata auf dem Factoring, also auf der Vorfinanzierung von Rechnungen.

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Bis zu 2,3 Mio. Euro: Vergütungen bei Sparkassen explodieren

Von Heinz-Roger Dohms

Sparkassen-Vorstände in Deutschland verdienen viel, viel mehr Geld als bislang bekannt – das zeigen Recherchen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de. Laut den jeweils aktuellsten verfügbaren Geschäfts- und Offenlegungsberichten* summierten sich zuletzt bei sage und schreibe mindestens 40 Sparkassen-Managern die Bezüge und Pensionsrückstellungen auf mehr als 1 Mio. Euro. Bei zwei Führungskräften der Kreissparkasse Köln und einem Vorstand der Sparkasse Duisburg waren es sogar mehr als 2 Mio. Euro. Und bei der Hamburger Sparkasse kamen gleich drei Manager auf eine Vergütung zwischen 1,5 und 2 Mio. Euro.

Dabei dürfte die tatsächliche Zahl der Einkommens-Millionäre über die von „Finanz-Szene.de“ ermittelten Fälle sogar weit hinausgehen. Denn: Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen lassen sich genaue Gehaltsstrukturen nur bei den Instituten in Nordrhein-Westfalen sowie bei ganz wenigen Großsparkassen nachvollziehen.

Konkret untersuchte „Finanz-Szene.de“ die Geschäfts- bzw. Offenlegungsberichte von 21 Sparkassen und stieß hierbei auf die besagten 40 Fälle (die sich wiederum auf 16 Geldhäuser verteilten; bei den fünf anderen gab es keinen Einkommens-Millionär). Zur Einordnung: Unter den untersuchten Instituten waren gerade mal vier der zehn größten bzw. lediglich acht der 20 größten deutschen Sparkassen.

Die Gehälter von Sparkassen-Vorständen sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für öffentliche Diskussionen, zuletzt 2016. Damals hatten das Recherche-Netzwerk „Correctiv“ und die „FAZ“ auf Basis der 2014er-Geschäftsberichte ermittelt, dass die höchsten Vorstandssaläre bei der Hamburger Sparkasse (im Schnitt 854.000 Euro), bei der Kreissparkasse Köln (704.000 Euro) und bei der Sparkasse Hannover (614.000 Euro) flössen. Auch frühere Untersuchungen hatten immer wieder nahegelegt, die Arbeit von Sparkassen-Vorständen werde zwar teilweise mit hohen sechsstelligen Beträgen vergütet – aber nicht im Millionenbereich.

Woher kommt nun die enorme Diskrepanz zwischen den Recherche-Ergebnissen von Finanz-Szene.de und früheren Erhebungen? Wir glauben, es liegt an insgesamt fünf inhaltlichen bzw. methodischen Faktoren:

  1. Die Bezüge vieler Sparkassen-Vorstände scheinen in den letzten Jahren nochmal merklich gestiegen zu sein
  2. Bei einigen wenigen Sparkassen (nämlich bei jenen, die von den Aufsehern aufgrund ihrer Bilanzsumme als „bedeutendes Institut“ eingestuft werden) finden sich in den Offenlegungsberichten Angaben, die über die Zahlen in den Geschäftsberichten hinausgehen
  3. Zumindest bei Deutschlands größter Sparkasse, nämlich der aus Hamburg, kassieren die Topmanager (wie „Finanz-Szene.de schon vor anderthalb Jahren publik machte) doppelt, nämlich einmal in ihrer Funktion als Vorstände der „Hamburger Sparkasse AG“ und zum anderen als Vorstände der „Haspa Finanzholding“. Die Gesamtvergütung ergibt sich aus den Holding-Dokumenten. Wer also allein in die Berichte der Hamburger Sparkasse AG schaut, erhält ein unvollständiges Bild
  4. Frühere Untersuchungen – so scheint uns jedenfalls – haben die Komponente „Altersvorsorge“ warum auch immer ausgeklammert
  5. Dabei wird gerade diese Komponente immer entscheidender, wenn man ermitteln will, wie hoch die Arbeit von Deutschlands Sparkassen-Managern vergütet wird. Denn: Die Pensionsrückstellungen für die Vorstände sind im Zuge des Zinstiefs geradezu explodiert. Das wiederum ist darauf zurückzuführen, dass sich die bei vielen Sparkassen bemerkenswert üppigen Pensionszusagen am Kapitalmarkt kaum mehr verdienen lassen. Folge: Die Institute müssen mehr und mehr Geld aus dem laufenden Geschäft beiseitelegen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen

Die Auswirkungen des ersten, vierten und fünften Faktors lassen sich beispielhaft an der Sparkasse Aachen illustrieren – nämlich indem man die Zahlen, die sich aus dem 2012er-Geschäftsbericht ergeben, einfach mal denen gegenüberstellt, die sich im 2017er-Abschluss finden:

Sparkasse Aachen: Bezüge und Pensionszuführungen für amtierende Vorstandsmitglieder im Jahr 2012:

Vorstand Bezüge Pension Summe
Herpers 577.000 € 30.000 € 607.000 €
Laufs 525.000 € 155.000 € 680.000 €
Burmester 429.000 € 335.000 € 764.000 €
Wagemann 499.000 € 119.000 € 618.000 €
Nellessen 357.000 € 46.000 € 403.000 €
Summe 2.387.000 € 685.000 € 3.072.000 €

 

Sparkasse Aachen: Bezüge und Pensionszuführungen für amtierende Vorstandsmitglieder im Jahr 2017:

Vorstand Bezüge Pension Summe
Herpers 745.000 € 859.000 € 1.604.000 €
Laufs 650.000 € 697.000 € 1.347.000 €
Burmester 620.000 € 611.000 € 1.231.000 €
Wagemann 618.000 € 478.000 € 1.096.000 €
Nellessen 466.000 € 330.000 € 796.000 €
Summe 3.099.000 € 2.975.000 € 6.074.000 €

Man sieht:

  • Faktor 1: Die Bezüge derselben fünf Vorstände haben sich von 2012 bis 2017 von 2,39 Mio. auf 3,10 Mio. Euro erhöht, ein Plus von 30%
  • Faktor 4: Hätte man die Pensionszuführungen 2012 bereits eingerechnet, wären man damals schon auf 3,07 Mio. statt auf 2,39 Mio. Euro gekommen
  • Faktor 5: Vor allem aber sind die Pensionszuführungen für dieselben fünf Vorstände zwischen 2012 und 2017 von damals 685.000 Euro auf zuletzt 2,98 Mio. Euro in die Höhe geschossen, ein unwirkliches Plus von 334%

Die Folgen dieser Entwicklung:

  • Die addierten Bezüge und Pensionszuführungen für die Vorstände der Sparkasse Aachen haben sich zwischen 2012 und 2017 glatt verdoppelt
  • Der mittlerweile pensionierte Vorstandschef Hubert Herpers kam auf 1,6 Mio. Euro, auch drei weitere Vorstände knackten die Millionenmarke

Ist die Sparkasse Aachen nun ein krasser Ausnahmefall? Mitnichten. Bei der (übrigens deutlich kleineren) Sparkasse Duisburg kamen ebenfalls vier Manager über die Millionengrenze, bei der Sparkasse Bielefeld waren es immerhin drei, bei der Haspa in Hamburg fünf und bei der Kreissparkasse Köln sogar sechs.

Hier die 16 Sparkassen und die 40 öffentlich-rechtlichen Sehr-gut-Verdiener in der Übersicht:

https://www.finanz-szene.de/banking/das-sind-die-40-einkommens-millionaere-der-sparkassen/

*Stichtag  war der 5. Juli. Die Geschäftsberichte haben wir über den elektronischen Bundesanzeiger eingesehen, die Offenlegungsberichte fanden sich auf den Websites der Sparkassen.

* Wir haben zum einen bekannten Finanzprofessor (der sich öffentlich häufig zu Vergütungsfragen äußert) und zum anderen eine auf Vergütungsfragen spezialisierte, ebenfalls bekannte Beraterfirma gefragt, ob die „Vergütung“ im Offenlegungsbericht völlig oder zumindest weitgehend identisch sei mit der Summe aus „Bezügen“ und „Pensionszuführungen“ im Geschäftsbericht. Der Professor meinte, ja, das sei so. Von der Beraterfirma kam die Antwort, nein, man könnte die Zahlen nur näherungsweise vergleichen.  

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Das sind die 40 „Einkommens-Millionäre“ der Sparkassen

Von Heinz-Roger Dohms

Bei mindestens 40 deutschen Sparkassen-Managern haben sich Bezüge und Pensionsrückstellungen zuletzt* auf mehr als 1 Mio. Euro summiert – das zeigen Recherchen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de. Hier die Topverdiener und die 16 Sparkassen, für die sie arbeiten, in der Übersicht:

Hamburger Sparkasse (2018)

Laut dem Offenlegungsbericht der Haspa Finanzholding kamen im vergangenen Jahr zwei „Personen“ auf eine Vergütung zwischen 1,0 Mio. und 1,5 Mio. Euro und drei „Personen“ auf eine Vergütung zwischen 1,5 Mio. und 2,0 Mio. Euro. Wer diese „Personen“ sind, geht aus dem Bericht nicht hervor. Allerdings bestätigt die Haspa auf Anfrage, dass es sich hierbei um die fünf Vorstände

  • Harald Vogelsang,
  • Frank Brockmann,
  • Axel Kodlin,
  • Jürgen Marquardt
  • und Bettina Poullain

handelt.

Sparkasse KölnBonn (2018)

Laut Offenlegungsbericht kam ein Mitarbeiter voriges Jahr auf eine Vergütung zwischen 1,0 Mio. und 1,5 Mio. Euro, ein weiterer auf eine Vergütung zwischen 1,5 und 2,0 Mio. Euro. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, dass es sich bei dem Topverdiener um den mittlerweile ausgeschiedenen Vorstand Christoph Siemons und den heutigen Vorstandschef Ulrich Voigt handeln dürfte:

Vorstand Bezüge Pension Summe
Ulrich Voigt 674.000 € 560.000 € 1.234.000 €
Christoph Siemons 575.000 € 1.051.000 € 1.626.000 €

Wichtig:  Während die Angaben im Offenlegungsbericht auf der Instituts-Vergütungs-Verordnung beruhen (die bundesweit auf alle Banken angewendet wird), basieren die Angaben im Geschäftsbericht auf einem NRW-Gesetz, das nur für die dortigen Sparkassen gilt. Zur Frage, inwieweit sich die beiden Angaben 1:1 vergleichen lassen, finden Sie am Ende des Artikels eine Fußnote.

Kreissparkasse Köln (2018)

Laut Offenlegungsbericht erhielten bei der Kölner Kreissparkasse 2017 gleich sechs „Personen“ eine Vergütung in siebenstelliger Höhe. Zwei Mitarbeiter kamen auf 1,0 Mio. bis 1,5 Mio. Euro, zwei Mitarbeiter auf 1,5 Mio. bis 2,0 Mio. Euro und zwei Mitarbeiter sogar auf 2,0 Mio. bis 2,5 Mio. Euro.

Mit dem 2017er-Geschäftsbericht lassen sich diese Angaben nicht unmittelbar untermauern. Denn demzufolge übertrafen „nur“ vier Vorstände die Millionenmarke:

Vorstand Bezüge Pension Summe
Alexander Wüerst 958.000 € 298.000 € 1.256.000 €
Josef Hastrich 762.000 € 562.000 € 1.324.000 €
Wolfgang Schmitz 730.000 € 290.000 € 1.020.000 €
Klaus Tiedeken 709.000 € 278.000 € 987.000 €
Christian Bonnen 661.000 € 267.000 € 928.000 €
Udo Buschmann 476.300 € 1.585.000 € 2.061.300 €

Auf Anfrage von Finanz-Szene.de bestätigt die Kreissparkasse Köln, die Diskrepanz ergebe ich wesentlich dadurch, dass bei der Darstellung im Geschäftsbericht „die Zuführung zu den Pensionsrückstellungen aufgrund von Zinseffekten“ nicht eingerechnet wurde. Oder anders gesagt: Das Institut legt für die Pension ihrer Vorstände mehr Geld zurück, als es sich aus dem Geschäftsbericht ergibt. Unserem Eindruck nach müsste die KSK Köln die einzige der hier aufgeführten Sparkassen sein, die das so handhabt.

Frankfurter Sparkasse (2018)

Bei der Fraspa gab es laut Offenlegungsbericht im letzten Jahr drei Mitarbeiter, deren Tätigkeit mit mehr als 1 Mio. Euro vergütet wurde. Um wen genau es sich handelt, wollte das Institut auf Nachfrage nicht sagen (und weil es sich um kein NRW-Institut handelt, kann man’s auch nicht aus dem Geschäftsbericht ablesen).

Stadtsparkasse Düsseldorf (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Karin-Brigitte Göbel 764.000 € 430.000 € 1.194.000 €

Sparkasse Aachen (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Hubert Herpers 745.000 € 859.000 € 1.604.000 €
Norbert Laufs 650.000 € 697.000 € 1.347.000 €
Christian Burmester 620.000 € 611.000 € 1.231.000 €
Ralf Wagemann 618.000 € 478.000 € 1.096.000 €
Wilfried Nellessen 466.000 € 330.000 € 796.000 €

Sparkasse Krefeld (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Birgit Roos 535.000 € 591.000 € 1.126.000 €
Lothar Birnbrich 503.000 € 554.000 € 1.057.000 €

Sparkasse Dortmund (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Uwe Samulewicz 631.000 € 478.000 € 1.109.000 €
Jörg Busatta 583.000 € 460.000 € 1.043.000 €
Norbert Wolf 577.000 € 881.000 € 1.458.000 €

Sparkasse Münsterland-Ost (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Markus Schabel 697.000 € 517.000 € 1.214.000 €
Wolfram Gerling 580.000 € 473.000 € 1.053.000 €

Sparkasse Wuppertal (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Gunther Wölfges 611.000 € 461.000 € 1.072.000 €

Sparkasse Paderborn-Detmold (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Hans Laven 574.000 € 531.000 € 1.105.000 €

Sparkasse Bochum (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Volker Goldmann 613.000 € 561.000 € 1.174.000 €
Jürgen Hohmann 493.000 € 782.000 € 1.275.000 €

Sparkasse Neuss (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Michael Schmuck 503.000 € 583.000 € 1.086.000 €

Sparkasse Bielefeld (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Dieter Brand 523.000 € 578.000 € 1.101.000 €
Michael Fröhlich 502.000 € 629.000 € 1.131.000 €
Hagen Reuning 478.000 € 620.000 € 1.098.000 €

Sparkasse Duisburg (2017)

Vorstand Bezüge Pension Summe
Joachim Bonn 561.000 € 908.000 € 1.469.000 €
Ulrich Schneidewind 544.000 € 852.000 € 1.396.000 €
Uwe Haddenhorst 512.000 € 1.715.000 € 2.227.000 €
Helge Kipping 511.000 € 563.000 € 1.074.000 €

*Stichtag  unserer Betrachtung war der 5. Juli. Die Geschäftsberichte haben wir über den elektronischen Bundesanzeiger eingesehen, die Offenlegungsberichte fanden sich auf den Websites der Sparkassen.

* Wir haben zum einen bekannten Finanzprofessor (der sich öffentlich häufig zu Vergütungsfragen äußert) und zum anderen eine auf Vergütungsfragen spezialisierte, ebenfalls bekannte Beraterfirma gefragt, ob die „Vergütung“ im Offenlegungsbericht völlig oder zumindest weitgehend identisch sei mit der Summe aus „Bezügen“ und „Pensionszuführungen“ im Geschäftsbericht. Der Professor meinte, ja, das sei so. Von der Beraterfirma kam die Antwort, nein, man könnte die Zahlen nur näherungsweise vergleichen.  Unser Eindruck ist: Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen „weitegehend identisch“ und „näherungsweise identisch“.

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Goldman Sachs steigt bei Berliner Fintech Raisin ein

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen“) hat dem spektakulären 100-Mio-Euro-Funding aus dem Februar noch eine weitere Finanzierungsrunde folgen lassen. Diese Exklusiv-Information wurde Finanz-Szene.de gestern Nachmittag seitens Raisin bestätigt – wobei uns Finanzchef und Co-Gründer Frank Freund im Gespräch dann freundlicherweise auch gleich noch verriet, um welche Summe und um welchen Investor es sich handelt. Nämlich: um 25 Mio. Euro. Und: um Goldman Sachs.

Ja, genau: Goldman Sachs.

Das ist gleich aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens scheint die US-Investmentbanking (bzw. deren Venture-Capital-Arm „Goldman Sachs Principal Strategic Investments“) allmählich Gefallen an deutschen Fintechs zu finden. Schließlich hatten sich die Amerikaner neulich ja schon beim Berliner Vermögensverwaltungs-Digitalisierer Elinvar eingekauft.

Und zweitens: Bei vielen großen Finanz-Startups hierzulande sind inzwischen nicht mehr nur mächtige ausländische Risikokapitalgeber, sondern eben auch bekannte strategische Investoren engagiert. Das gilt für Finleap (Ping An) ebenso wie für die Solarisbank (ABN Amro, BBVA, Visa), für Auxmoney (Aegon) genauso wie für Scalable Capital (Blackrock), N26 (Tencent) oder eben Elinvar.  Aus Sicht von Raisin ist Goldman Sachs sogar schon der zweite Promi-Deal. Denn vor anderthalb Jahren war Paypal bei dem 2013 gegründeten Startup eingestiegen.

Freund sagte, man werde die frischen Mittel unter anderem in die geplante internationale Expansion investieren. So hatte der Einlagen-Vermittler (der neben Sparprodukten inzwischen auch ETF-basierte Investmentprodukte anbietet) bereits angekündigt, in den nächsten Monaten in die USA sowie zwei bislang noch ungenannte europäische Länder vorstoßen zu wollen. Bereits 2017 hatte Raisin den britischen Wettbewerber PBF Solutions übernommen, eine der ersten Übernahmen eines deutschen Fintechs überhaupt. Vergangenes Jahr erwarben die Berliner zudem die Frankfurter MHB-Bank, um nicht länger auf eine fremde Banklizenz angewiesen zu sein.

Freund sagte, dass Goldman im Gegenzug für seine 25 Mio. Euro „einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich“ an dem Startup erhält. Genauer einlassen wollten er sich hierzu nicht. Allerdings hatte Finanz-Szene.de die Bewertung von Raisin zuletzt auf Basis eigener Berechnungen ja schon mit rund 670 Mio. Euro veranschlagt – geht man a) davon aus, dass das richtig war und b) davon, dass Goldman Sachs ähnliche Konditionen erhielt wie die Investoren im Februar, dann müssten die Amerikaner grob gerechnet irgendwas zwischen 3,5% und 4% halten.

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Strafzins für Sparer: Deutsche Banken rütteln am letzten Tabu

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Eigentlich war das gestern nur eine Routine-Veranstaltung, nämlich die Bilanz-PK des genossenschaftlichen Bankensektors. Dann aber sagte BVR-Chefin Marija Kolak ein paar Sätze, die eine Zeitenwende einleiten könnten:

„Wenn sich das Japan-Szenario fortsetzt, werden alle Banken das Thema Negativzinsen neu bewerten müssen. Derzeit übernehmen die Banken diese Kosten für das Gros der Privatkunden. Es wird für Banken aber immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen die nachhaltige Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen. Insbesondere wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet wird.“

War das a.) einfach nur eine Drohung? Oder kommt b.) der Strafzins für Normalsparer jetzt doch?

Sicher ist nichts. Aber immer mehr spricht für „b“. Denn an der Zinsfront hat sich die Lage zuletzt dramatisch verschärft. Und unter den Vorständen von Sparkassen und Volksbanken wächst die Sorge, die daraus resultierenden Lasten nicht länger schultern zu können.

Abgezeichnet hatte sich der neue Zins-GAU schon vor Monaten, siehe unsere Analyse vom 4. April:

Der Zinsschock – oder: Warum fusionieren Deutsche Bank und Commerzbank wirklich?

Ein paar Wochen später zeigten sich dann schon die wahren Ausmaße des Dramas, denn die Zinsen fielen weiter – siehe unser entsprechender Artikel vom 12. Juni:

Aus Zinskrise wird Zins-GAU: Und nun, Ihr lieben Banken?

Spätestens mit der Mario-Draghi-Rede vor drei Wochen auf dem Notenbankertreffen im portugiesischen Sintra und der EZB-Juni-Ratssitzung war dann aber auch dem letzten klar: Die Zinsen werden sobald nicht steigen, sondern gehen eher noch weiter nach unten. Ob Banken aktuell über Nacht bei der EZB (Strafzins da: -0,4%), am Geldmarkt (-0,4%) oder für 10 Jahre in Bundesanleihen (-0,3%) anlegen, macht kaum noch einen Unterschied – sie zahlen überall drauf.

Was bedeutet: Jetzt geht’s für Deutschland Banken, die 2018 immer noch rund drei Viertel ihrer Überschüsse im Zinsgeschäft erwirtschaftet haben, endgültig ans Eingemachte.

Zwar sehen die aggregierten Ergebnisse von Sparkassen und Volksbanken auf den ersten Blick immer noch okay aus (siehe unsere Berichterstattung vom 12. April). Hinzu kommt: Die Zinsergebnisse profitieren immer noch davon, dass die Banken weit höher verzinste Altkredite bedient bekommen: Im Schnitt sind private Haushalte inklusive Immobiliendarlehen in Deutschland  mit einem Zinssatz von 2,8% verschuldet, hat die UBS errechnet. Das stützt die Erträge. Nun fräst sich aber mit jedem Tag und jedem auslaufenden Altkredit der Niedrigzins direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung.

Bei manchen Instituten allerdings mutet die Lage schon jetzt bedrohlich an – was übrigens nicht nur für die ganz kleinen Banken gilt, wie im Juni beispielhaft unsere Bilanzanalyse der Sparkasse KölnBonn zeigte: Zwischen 2014 und 2018 ist der Zinsüberschuss des zweitgrößten deutschen Kommunalinstituts um krasse 19% auf nur noch 354 Mio. Euro gesunken (wohlgemerkt: Wir reden hier nicht vom Zinsertrag, sondern vom Saldo aus Zinsertrag und -aufwand).

Folge: Bereinigt um Sondereffekte stellt sich bei Geldhäusern wie der Sparkassen KölnBonn inzwischen die Frage, wie operativ profitabel sie überhaupt noch arbeiten.

Auch wenn das Kölner Beispiel ein dramatisches ist – die Folgen der jahrelangen EZB-Niedrigzinspolitik spüren praktisch alle Retailbanken hierzulande. Zumal: Der Nullzins lässt nicht nur die Zinserträge erodieren, sondern er lässt vielerorts auch die Pensionslasten explodieren (weil sich die fix zugesagten Pensionen am Kapitalmarkt nicht mehr verdienen lassen und also aus dem laufenden Geschäft finanziert werden müssen).

Behielten die Ortsbanker trotz Zinstiefs jahrelang die Ruhe, scheint die Stimmung nun zu kippen. In Hintergrundgesprächen fallen Sätze wie: „Wir haben alles getan, um Politik und Notenbanken die nötige Zeit zu erkaufen, haben die Einlagenzinsen für die Sparer trotz des Strafzinses, den wir selber an die EZB entrichten, neutral gehalten.“ Jetzt aber sei die Schmerzgrenze so langsam erreicht.

Mit anderen Worten: Demnächst könnte es Negativzinsen nicht mehr nur für Geschäfts- und vermögende Privatkunden geben  – sondern tatsächlich auch für ganz normale Sparer. Es ist die einzige Möglichkeit, die schrumpfenden Zinsmargen zu schützen, denn Zinsanhebungen auf Kredite sind angesichts des Wettbewerbs undenkbar.

Was  man dazu wissen muss: Viele Sparkassen und Volksbanken hatten es jahrelang geschafft, ihr Zinsergebnis erstaunlich stabil zu halten – weil nicht nur der Zinsertrag, sondern eben auch der Zinsaufwand sank.

Darüber hinaus spielte den Institute die gute Konjunktur in die Karten. Und: Wo das Ergebnis dann doch mal zu bröckeln begann, wurden eben die Gebühren erhöht. Tatsächlich gelang es noch 2017 vielen lnstituten, Verluste im Zinsgeschäft durch höhere Provisionen  zu kompensieren. 2018 ging diese Rechnung allerdings schon nicht mehr auf – was für dieses und die nächsten Jahre erst Recht gelten dürfte. Jetzt nochmal kräftig an den Gebühren zu drehen, sei der falsche Weg, ist zu hören.

Bis vor wenigen Monaten lief die Strategie vieler Ortsbanker darauf hinaus, sich durch den Niedrigzins irgendwie durchzuwurschteln – bis die Zinsen wieder steigen und sich die Gewinne dank zwischenzeitlich gesunkener Kosten zumindest stabilisieren lassen.

Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben diese Hoffnung aber zunichte gemacht, wie sich gestern an einer weiteren Aussage von BVR-Präsidentin Kolak zeigte: „Wir rechnen nicht mit einer Wende beim Leitzins in den kommenden fünf Jahren.“

Drum: Das sogenannte „Japan-Szenario“ (also eine dauerhafte Nullzinswirtschaft), das Kolak zufolge zu einer Neubewertung des Themas Negativzins führen könnte), gilt im BVR längst als Realität. Denn auch das hier sagte Kolak gestern: „Die Märkte geben mit den neuen Renditetiefs ein klares Signal: Zinswende adé. Offenbar sind wir im Japan-Szenario angekommen.“

Prescht also bald die erste Ortsbank mit einem Negativzins für normale Spareinlagen vor – womöglich schon nach der nächsten EZB-Zinsentscheidung am 25. Juli? Bislang sei von derartigen Vorbereitungen nichts bekannt, ist zu hören. Auszuschließen allerdings sei nichts mehr, erst Recht nicht mit Blick auf die nächsten Monate.

Was den Tabubruch womöglich noch verhindern kann? Kolak brachte gestern erneut den sogenannten Staffelzinses ins Spiel – also die Idee, dass die Banken bei der EZB nicht schon ab dem ersten Euro den derzeit geltenden Verwahrzins von 0,4% zahlen, sondern dass der Zinssatz erst mit wachsendem Einlagevolumen steigt. Ob sich die Notenbanker darauf einlassen, ist allerdings fraglich. Stattdessen könnte es sein, dass der EZB-Strafzins demnächst sogar auf 0,5% steigt.

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Was ist los beim deutsch-dänischen Promi-Fintech Hufsy???

Von Heinz-Roger Dohms

*Hinweis, 12. Juli, 9.20 Uhr: Hufsy hat nach Erscheinen der Artikels zu unseren Recherchen Stellung bezogen, das Statement finden Sie am Ende des Artikels.

Bislang war das deutsch-dänische Promi-Fintech Hufsy ein durchaus medienaffines Unternehmen. Als der KMU-Konto-App-Anbieter 2017 seinen offiziellen Launch feierte, konnte man Artikel lesen wie „Diese Gründerin nimmt es mit den deutschen Banking-Startups auf“.  Oder: Als der sogenannte „No. 1 Global FinTech Influencer“ Spiros Margaris ins Board von Hufsy einzog, wurde selbstverständlich eine Pressemitteilung online gestellt. Und: Noch Ende März veröffentlichte der „Bankingclub“ ein „Sechs Fragen an den Hufsy-Chef“-Interview, in dem derselbe Hufsy-Chef Dinge sagte wie: „Unsere oberste Priorität ist es, einer der großen Player im deutschen Firmenkundengeschäft zu werden.“

Gestern indes: War das deutsche-dänische Startup partout nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht für Finanz-Szene.de.

Und irgendwann am Abend: Fehlten auf der „About“-Seite der Hufsy-Homepage das Management und die „Board & Advisors“-Leute. Dabei hätten wir schwören können, dass die da morgens noch alle drauf gewesen waren auf der Seite. Immerhin: Im Webcache („Es handelt sich dabei um ein Abbild der Seite, wie diese am 8. Juli 2019 20:11:43 GMT angezeigt wurde“) waren die Köpfe diese Nacht dann doch wieder bzw. doch noch zu sehen. Sonst hätten wir noch an unserer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln begonnen. „Chairman of the Board“ ist/war dem Webcache zufolge übrigens Fintech-Forum-Gründer Frank Schwab. Laut seines Linkedin-Profils war es das diese Nacht auch immer noch.

Jedenfals, warum wollten wir überhaupt mit Hufsy sprechen? Finanz-Szene.de war ein financeAds-Newsletter aus dieser Woche zugespielt worden. Dazu muss man wissen: FinanceAds ist das vermutlich größte deutsche Affiliate-Netzwerk für Banken, Fintechs und Versichungen. In dem Newsletter stand:

„Lieber Partner, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Vermarktung des Hufsy Geschäftskontos zum 26. Juli 2019 auf unbestimmte Zeit pausiert wird. Bitte entfernen Sie bis spätestens 26. Juli 2019 alle Werbemittel von Ihren Seiten. Alle bis einschließlich 26. Juli 2019 generierten Leads werden regulär bearbeitet.´Vielen Dank für Ihre Teilnahme. Liebe Grüße, Ihr Team von financeAds“

Nun kann es für so ein Pausieren viele Gründe geben. Aber: Was ist im konkreten Fall der konkrete Grund?

Dann gab es gestern bei Twitter einen Dialog, der ebenfalls Fragen aufwirft (wobei wir diese Tweets erst entdeckt haben, nachdem erste Versuche der Kontaktaufnahme unsererseits bereits gescheitert waren):

Konkret, wie waren wir vorgegangen: Wir hatten den „Chairman of the Board am späten Vormittag bei Twitter angemorst mit der Bitte, ob man mal telefonieren könne. Als wir dann allerdings konkretisierten, dass es um Hufsy gehen solle, wurde diese Bitte negativ beschieden.

Auf der Homepage von Hufsy fanden wir sodann eine E-Mail-Adresse für Presseanfragen. An diese Adresse schrieben wir eine Mail, in der wir an der inhaltlichen wie zeitlichen Dringlichkeit unserer Anliegens keinen Zweifel ließen. Als hierauf keinerlei Reaktion kam, wandten wir uns an eine Berliner PR-Agentur, die früher mal die Medienarbeit für Hufsy gemacht hat. Dort hieß es, dass man für das Unternehmen zwar nicht mehr tätig, aber trotzdem gern behilflich sei. Sehr nett, sehr professionell.

Wir schickten dem PR-Spezialisten also die zeitlich wie inhaltlich dringliche Anfrage, die wir vorher schon an die Hufsy-Mailadresse und übrigens auch via Twitter an den „Chairman of the Board“ geschickt hatten (und zwar, nachdem unsere zunächst allgemeine Bitte, zum Thema Hufsy zu telefonieren, wie gesagt negativ beschieden worden war).  Bald darauf meldete sich der PR-Spezialist mit der Nachricht:

„Ich habe jemanden bei Hufsy erreicht:

Xxxxx xxxxxxxxx
Head of xxxxxxxxx
xxxxx@hufsy.com

Xxxxxxx xxxxxxx hat mir bestätigt, dass man sich um Ihre Anfrage kümmern wird!
Beste Grüße und noch einen schönen Tag.“

Bis gestern Abend, 23.45 Uhr, hatte sich allerdings niemand bei uns gemeldet. Vielleicht haben wir bis nächsten Dienstag, wenn Finanz-Szene.de das nächste mal erscheint, neue Informationen für Sie.

——————————

*Hier das Statement von Hufsy-Chairman Frank Schwab, das uns Freitagfrüh um kurz  vor 9 Uhr erreichte:

Wir haben die Situation von Hufsy gründlich untersucht und festgestellt, dass das Engagement, das erforderlich ist, um das Unternehmen voranzubringen, zu groß war. Hufsy hat sich im aktuellen Wettbewerbsumfeld leider nicht so entwickelt wie wir das erwartet und gehofft hatten. Deshalb haben wir uns entschlossen die Betaphase in den nächsten Wochen einzustellen.

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Solarisbank gibt CEO Folz einen Rentenvertrag – und rüstet auf

Von Heinz-Roger Dohms

Im Top-Management der Solarisbank herrschte zuletzt auffällig viel Fluktuation. Finanzchef Alexander Engel zum Beispiel entschwand zur Deutschland-Tochter von Standard Chartered. Und Peter Großkopf – zunächst „Chief Technology Officer“ und später dann Leiter der hauseigenen „Blockchain Factory“ – verließ das Berliner Fintech in Richtung Börse Stuttgart. Nun allerdings sendet die Solarisbank ein Signal der Kontinuität. Denn nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de wurde der Kontrakt von Vorstandschef Roland Folz jüngst  um fünf Jahre verlängert. Auf die Gefahr hin, dass es ein bisschen despektierlich klingt: Man ist fast geneigt, von einem Rentenvertrag zu sprechen, immerhin ist Folz – für einen Fintech-CEO eher unüblich -schon 55 Jahre alt.

Die Vertragsverlängerung für den ehemaligen Deutschbanker darf man als Zeichen werten, dass die Investoren (neben dem Berliner Fintech-Inkubator Finleap sind das u.a. die BBVA, die ABN Amro und Visa)  mit der Entwicklung der Solarisbank zufrieden sind. Ganz sicher konnte man sich dessen bislang nicht sein. Denn: Mit  spektakulären Meldungen war das Berliner B2B-Fintech seit der 56 Mio. Euro schweren Funding-Runde Anfang letzten Jahres nicht mehr aus der Deckung gekommen. Indes: Dass die Berliner grosso modo auf dem richtigen Weg ist, hatte sich zuletzt bereits gezeigt, als Folz in einem Interview mit dem „HB“ die 2018er-Umsätze auf knapp 8 Mio. Euro bezifferte – fast eine Vervierfachung im Vergleich zum Vorjahr (zur Einordnung: Die Solarisbank wurde erst 2016 gegründet).

Abgesehen von der Vertragsverlängerung mit Folz wird Solaris heute noch zwei weitere Personalien bekanntgeben:  Neuer Finanzvorstand wird Thom Rasser, zuletzt Deutschland-CEO der niederländischen NIBC. Rasser dürfte  die Solarisbank insofern ganz gut kennen, als er im Beirat von Finleap sitzt; diesen Posten wirr der Niederländer allerdings aufgeben. Neben der Finanz- und Risikoorganisation soll Rasser bei der Solarisbank auch für regulatorische Themen und das Kreditportfolio-Management verantwortlich sein. Zweiter Neuzugang ist Hima Mandali, der zuletzt gut zehn Jahre lang bei der US-Bank Capital One tätig war, unter anderem als „Director of Software Engineering“. In Berlin übernimmt er nun die Position des „Chief Technology Officers“.

Die beiden Verpflichtungen passen zu zwei ähnlichen Meldungen aus den vergangenen Wochen. So hatte der Düsseldorfer Online-Kreditvermittler Auxmoney als neuen Finanzchef einen gewissen Daniel Drummer geheuert – zuvor globaler Leiter der Data-Analytics-Gruppe bei JP Morgan Chase.  Und der Berliner B2B-Robo-Spezialist Elinvar erweiterte seine Führung um zwei ehemalige Morgan-Stanley-Manager, der eine heißt Istvan Kroh (er firmiert jetzt als „Director Software Engineering“), der andere Paul Thomas Walsh („Director Risk Management & Operations).

Es zeigt sich: Die Zeiten, in denen Deutschlands Fintech neue Führungskräfte verplichteten, deren Lebensläufe auf „irgendwas bei Rocket“ basierten, neigen sich dem Ende zu. Zumindest die ambitionierteren Finanz-Startups heuern jetzt zwei Gewichtsklassen drüber.

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Allianz fordert mithilfe von „N26-Hacker“ Banken und Fintechs heraus

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Erste Andeutung hatte Markus Faulhaber Ende Juni in der „Börsen-Zeitung“ gemacht: „Wir werden eine Internet-Plattform bauen, die den Kunden 360-Grad-Analysen ihrer Finanzen ermöglicht“, sagte der Chef der Allianz-Lebensversicherung in dem Interview. Und verriet dann noch …

  • dass man ein „komplettes Ökosystem“ errichten wolle,
  • dass das geplante Portal „PSD2-basiert“ sei
  • und dass es bei der Idee nicht nur um Versicherungen, sondern z.B. auch um den Vergleich von Strompreisen gehe

Das war es aber dann auch schon mit den Andeutungen. Name? Management? Kosten? Keine Angaben. Diese Details haben dafür aber nun „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ in Erfahrung gebracht.

Also: Das Projekt trägt den Namen „Iconic Finance“, folgt dem Motto „Redefining Personal Finance“ und wird direkt aus München heraus entwickelt.  Die finanziellen Mittel für den Aufbau der Finanz-Plattform sollen vom hauseigenen Venture-Arm „Allianz X“ kommen und im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Interessant auch: Der Versicherungsriese hat für das Projekt ein namhaftes Führungsteam zusammengestellt: Vincent Haupert startet als Chief Information Security Officer. Er wurde in der Szene bekannt, weil er das Banking-Startup N26 gehackt hatte, um so auf eine Sicherheitslücke aufmerksam zu machen. Zudem lieferte Haupert in den vergangenen Jahren immer wieder öffentliche Einschätzungen zu Sicherheitsfragen in der digitalen Finanzwelt.

Auch die Geschäftsführung ist bekannt: Arnold Brunner wechselt vom mittlerweile zu Verivox gehörenden Münchner Fintech „Aboalarm“ als Managing Director zu Iconic Finance. In Person von Tobias Tschiersky zieht zudem ein erfahrener Allianz-Manager in die Führung ein.

Spannend ist nun, dass ein „Allianz X“-Sprecher auf Nachfrage von „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ bestätigt, dass der Kunde über die neue Plattform nicht nur seine Versicherungen, sondern auch seine Banking-Produkte steuern soll.  Auch wenn der Fokus von „Iconic Finance“ auf Versicherungen liegen dürfte, begibt sich die Allianz auch in direkte Konkurrenz zu Multibanking-Angeboten wie dem der Deutschen Bank oder Konto-Aggregatoren wie Outbank (gehört inzwischen ebenfalls zu Verivox), Numbrs oder Finanzguru – und ganz neuen Akteuren wie Miles & More.

Dabei lässt auch Faulhabers Hinweis auf den Vergleich von Strompreisen aufhorchen – denn nicht nur Fintechs wie Finanzguru setzen auf diese im Fachjargon „Vertragsmanager“ genannten Komponenten, sondern auch Banken wie die ING Deutschland (Produkt-Launch angekündigt) oder die Commerzbank (die jüngst zumindest an einem entsprechenden Projekt namens „Ernest-App“ arbeitete).

Kurz gesagt stürzen sich momentan also verschiedenste Player (Banken, Fintechs, Versicherer, Vergleichsportale …) in einen Wettstreit, wer in Zukunft zum digitalen Frontend des Finanzkunden wird. Für die Allianz kommt erschwerend hinzu: Bei der Arbeit an dem neuen Portal darf sie ihre eigenen Versicherungsmakler nicht vergraulen. Nach Informationen von „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ befindet sich das Unternehmen daher gerade auf Roadshow im eigenen Konzern, um für das Projekt zu werben.

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SumUp-Schock: „Profitables“ Mega-Fintech tief in roten Zahlen

Von Thomas Borgwerth und Heinz-Roger Dohms

Hätten die Gründer den Hauptsitz ihrer Firma nicht einst von Berlin nach London verlegt – SumUp würde heute als größtes deutsche Fintech gelten. Mehr als 1300 Mitarbeiter soll der 2011 gegründete Kreditarten-Spezialist beschäftigen, ein Spitzenwert, genauso wie die angeblich mehr als 1 Mio. B2B-Kunden. Und der Umsatz? 200 Mio. Euro hat SumUp letztes Jahr nach eigener Darstellung erwirtschaftet, auch damit liegt das Unternehmen vor allen anderen deutschen Finanz-Startups. Kein Wunder also, dass angesehene Startup-Experten den Wert des Unternehmens auf mehr als 3 Mrd. Euro veranschlagen.

Vor allem aber: Während die meisten anderen deutschen Finanz-Startups nach wie vor Geld verbrennen, hat SumUp-Gründer Marc-Alexander Christ vergangenes Jahr in diversen Interviews betont, dass sein Unternehmen seit zwei Jahren profitabel arbeite (siehe -> Tagesspiegel vom 18. Mai 2018, -> Deutsche Startups vom 26. September 2018). Eine, so scheint es, phänomenale Leistung der Payment-Firma, die Kleinhändlern ermöglicht, mithilfe eines Mini-Terminals Kartenzahlungen anzubieten.

Nun allerdings ist Finanz-Szene.de bei Recherchen auf Dokumente gestoßen, die zum Bild des profitablen Mega-Fintechs nicht recht passen wollen. Bei dem Kerndokument handelt es sich um den 2018er-Abschluss einer Gesellschaft namens „SumUp Holdings Luxembourg“. Das ist unseren Recherchen zufolge eine von insgesamt fünf SumUp-Firmen, die den Begriff „Holdings“ im Namen tragen.

Die SumUp Holdings Luxembourg scheint so etwas wie eine Zwischenholding zu sein. Sie hängt zwar unterhalb zweier andere Holdings (auf die wir später noch zurückkommen werden) – aber oberhalb der meisten operativen Gesellschaften, die sich dem deutsch-britischen Fintech zuordnen lassen.

Aus dem Abschluss der Zwischenholding geht nun Folgendes hervor:

  • Die irische SumUp Limited hat im vergangenen Jahr 1,6 Mio. Euro verloren, nach einem Gewinn von 0,5 Mio. Euro im Jahr zuvor
  • Die SumUp Services in Berlin hat einen Verlust von 11,2 Mio. Euro erlitten, nach einem Minus von 6,7 Mio. Euro in 2017.
  • Der Cashburn der SumUp Solucoes de Pagamentos Brasil lag nach 2,1 Mio. Euro im Jahr zuvor diesmal bei 17,4 Mio. Euro.
  • Die SumUp EOOD in Bularien hat einen Gewinn von 0,7 Mio. Euro nach einem Verlust von 0,5 Mio. Euro in 2017 erwirtschaftet.
  • Die ebenfalls zu SumUp gehörende Payleven Technologia LTDA in Brasilien ist  nach einem Gewinn  von 2 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr diesmal noch auf ein minimales Plus von knapp 37.000 Euro gekommen.
  • Nicht aufgeführt ist das Ergebnis der mutmaßlichen operativen Kerngesellschaft des Unternehmens, nämlich der britischen SumUp Payments Limited. Weil: Zwischen ihr und besagter Luxemburger Zwischenholding hängt noch eine weitere Gesellschaft namens „SumUp Holding CH AG“ (die 2018 übrigens eines Verlust von rund 80.000 Euro erlitten hat). Jedoch ist im britischen Handelsregister der 2017er-Abschluss der SumUp Payments Limited einsehbar – und auch da fiel der Gewinn mit 1,9 Mio. Euro  gemessen an den Verlusten anderer SumUp-Gesellschaften überschaubar aus.

Alles in allem kommen die im 2018er-Abschluss genannten Gesellschaften auf Verluste von saldiert knapp 30 Mio. Euro – zuzüglich 2,6 Mio. Euro, die die Zwischenholding selbst verloren hat (nach lediglich 0,2 Mio. Euro im Jahr zuvor).

Was die Frage aufwirft: Wo im SumUp-Reich fallen die Gewinne an, die diese Verluste überkompensieren? Beziehungsweise: War SumUp im vergangenen Jahr überhaupt profitabel?

Hier kommen nun die beiden Holdings ins Spiel, die sich oberhalb besagter Zwischenholding befinden (also oberhalb der SumUp Holdings Luxembourg, um die es bislang in diesem Artikel ging).

  • Da ist einmal: Die ebenfalls in Luxemburg ansässige SumUp Holdings, bei der es sich um die „Holding der Holdings“ zu handeln scheint – weshalb wir sie in der Folge als „Oberholding“ bezeichnen werden.
  • Dann gibt es unter der Oberholding, aber noch über besagter Zwischenholding die SumUp Midco Holdings. Auch sie sitzt in Luxemburg. Wir werden sie in der Folge einfach nur „Midco“ nennen.
  • Und darunter kommt dann, wie gesagt, die SumUp Holdings Luxembourg mit all ihren – saldiert betrachtet – verlustträchtigen operativen Töchtern. Diese Gesellschaft wollen wir in der Folge „Luxembourg“ nennen.

Also: 2017 hing die „Luxembourg“ noch direkt unterhalb der „Oberholding“. Entsprechend tauchte sie als finanzielles Asset in der „Oberholding“ auf, und zwar zu einem Buchwert von 56,3 Mio. Euro bei einem Eigenkapital von 50,0 Mio.

2018 schob sich dann aber die „Midco“ zwischen die „Luxembourg“ und die „Oberholding“. Entsprechend wurde die „Luxembourg“ damit zum finanziellen Asset der „Midco“ – allerdings nicht mehr zu einem Buchwert von 56,3 Mio. Euro, sondern nun plötzlich zu einem Buchwert von  105,5 Mio. Euro bei einem Eigenkapital von 67,8 Mio. Euro.

Während also die operativ tätigen Töchter der „Luxembourg“ 2018 teils sehr deutliche Verluste einfuhren, erhöhte sich ihr eigener Buchwert im gleichen Jahr um 49,2 Mio. Euro.

Jetzt gilt es zu beachten, dass die „Luxembourg“ 2018 noch eine Kapitalerhöhung in niedriger zweistelliger Millionenhöhe erhalten hat – was die Profitabilitäts-Rechnung verkompliziert. Doch ohne solche Feinheiten jetzt auch noch einzeln aufdröseln zu wollen: Grosso modo drängt sich der Verdacht auf, dass es die Erträge aus der Buchwerterhöhung gewesen sein könnten, die es der „Oberholding“ (deren Abschluss uns nicht vorliegt) eventuell ermöglicht haben könnten, für 2018 einen Gewinn auszuweisen.

Sonntagmittag: Finanz-Szene.de setzt SumUp über die Research-Ergebnisse schriftlich in Kenntnis. Montagvormittag: SumUp-Gründer Christ meldet sich per Telefon.

  • Den Details der Recherche widerspricht er nicht
  • Zu der Frage, wie die Erhöhung des Buchwerts bei der „Luxembourg“ zu erklären ist, will er sich nicht äußern
  • Und was die Kernfrage angeht, nämlich ob SumUp 2018 wirklich profitabel war, sagt er mit fast schon entwaffnender Selbstverständlichkeit: „Die Aussagen zur Profitabilität galten in der Tat nur für 2016 und 2017 – im vergangenen Jahr waren wir nicht profitabel.“ [Anm. der Redaktion: Wörtlich wurde Christ bei „Deutsche Startups“ am 26. September 2018 mit der Aussage zitiert, man operiere „seit mehr als zwei Jahren profitabel“]. Wie hoch die Verluste ausgefallen sind, will Christ nicht sagen, nur so viel: „Es war deutlich negativ, weil wir viel in Wachstum investiert haben.“

Konkret führt Christ an, „dass wir in den 31 Core-Märkten, in denen wir inzwischen aktiv sind, die Investitionen ins Wachstum deutlich hochgefahren haben“. Das meiste Geld fließe in die Akquisition neuer Händler, wobei als Faustregel gelte: „Wenn wir die Summe x in die Gewinnung neuer Händler investieren, dann erhöht sich hierdurch unser Umsatz in 12 bis 15 Monaten ebenfalls um die Summe x.“

So also die Erklärung, warum das „profitable“ Superstar-Fintech also doch nicht profitabel ist. Jedenfalls nicht in 2018.

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Elf Genobanken-Fusionen in fünf Wochen

Von Heinz-Roger Dohms

Kann es sein, dass sich die Konsolidierung im genossenschaftlichen Bankensektor zuletzt noch einmal deutlich beschleunigt hat? Oder liegt’s einfach nur daran, dass bei den meisten Volks- und Raiffeisenbanken zur Jahresmitte die Mitglieder-Vertretungen tagen?

Wie dem auch sei: Laut unserem Google-Alert jedenfalls sind allein seit Anfang Juni elf Fusionen von Geno-Instituten angekündigt, auf den Weg gebracht, beschlossen oder perfekt gemacht worden. Hier der Überblick:

  • 24. Juni: Die Mitglieder-Vertreter der Volksbank Hildesheimer Börde haben sich für die geplante Fusion mit der Hannoverschen Volksbank ausgesprochen. (Hildesheimer Allgemeine)
  • 20. Juni: Die Eigentümer haben der Fusion der Schleswiger Volksbank mit der VR Bank im Kreis Rendsburg zugestimmt. (SHZ)
  • 21. Juni: Die Fusion der Volksbank Untere Saar mit der Vereinigten Volksbank Saarlouis – Sulzbach/Saar wird offiziell vollzogen. (Saarbrücker Zeitung)
  • 8. Juli: Die Volksbank Mittelhessen, die zu den größten genossenschaftlichen Banken in Deutschland gehört, möchte mit der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund zusammengehen. (Fondsprofessionell)
  • 14. Juni: Die Raiffeisenbank Höchberg eG beabsichtigt mit der Volksbank Raiffeisenbank Würzburg eG zu fusionieren. (Main-Post)
  • 11. Juni: Die Vertreterversammlung der Volksbank RheinAhrEifel hat den Weg für die Fusion mit der Volksbank Koblenz-Mittelrhein freigemacht. Blick Aktuell
  • 26. Juni: Die Mitglieder der Volksbank Wolgast e.G. haben für eine Verschmelzung mit der Greifswalder Volksbank zur „Volksbank Vorpommern“ gestimmt. (Ostsee-Zeitung)
  • 8. Juli: Die Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank fusioniert mit der VR Bank Kaufbeuren (Augsburger Allgemeine)
  • 1. Juli: Die Raiffeisenbank Frechen-Hürth und die VR-Bank Rhein-Erft schließen sich zusammen. (Fondsprofessionell)
  • 27. Juni: Die Raiffeisenbanken in Hollfeld-Waischenfeld-Aufseß und in Heiligenstadt fusionieren zur Raiffeisenbank Fränkische Schweiz. (Kurier)
  • 11. Juni: Die Verschmelzung der Raiffeisenbank eG Großenlüder mit der Raiffeisenbank eG Flieden ist perfekt. (Osthessen-News)

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Zehn Fintech-Jungs, die in Banken Karriere gemacht haben

Von Heinz-Roger Dohms

Interessante Personalie, die das „Handelsblatt“ (Paywall) da zutage gefördert hat: Jan-Philipp Gillmann, bislang Bereichsvorstand für Digitales im Firmenkundengeschäft der Commerzbank, hat letzte Woche seinen Abschied verkündet. Seinen Posten soll bis auf weiteres der einstige Lendico-Gründer Dominik Steinkühler übernehmen, der 2017 zur Coba gekommen war – und nun in der Hierarchie also eins unter Vorstand angekommen ist. Nicht schlecht …

… und auch insofern interessant, als es inzwischen eine ganze Reihe von ehemaligen Fintech-Jungs gibt, die bei großen Banken bzw. Finanzdienstleistern, naja, vielleicht nicht immer die große Karriere machen, aber doch vernünftig untergekommen sind. Neulich war uns zum Beispiel bei „Xing“ der Outbank-Gründer Tobias Stöger aufgefallen, der jetzt bei einer Tochter der BNP Paribas arbeitet; und auch bei der DKB, bei der Aareal oder bei DJE Kapital sind wir fündig geworden. Kleiner (vermutlich unvollständiger) tabellarischer  Überblick gefällig? Voilà:

War Ist
Tobias Stöger Gründer der Finanz-App Outbank Senior Project Manager bei Consorsfinanz
Sascha Dewald CEO von Finreach Bereichsleiter Privatkunden bei der DKB
Kilian Thalhammer Managing Director bei Paymill Produktchef bei Wirecard
Dominik Steinkühler Gründer Lendico Bereichsleiter bei der Commerzbank
Sebastian Hasenack Gründer Investify Leiter Online-VV bei DJE Kapital AG
Malte Klussmann Gründer Cringle Irgendwas in der Digitalfabrik der DKB
Arnulf Keese Deutschland-Chef Paypal Digitalchef der DKB
Dirk Elsner Deutschlands bekanntester Fintech-Blogger Senior Manager Innovation bei der DZ Bank
Christian von Hammel-Bonten Produktchef PPRO Paydirekt-Chef
Holger Spielberg Mobile-Payment-Chef bei Paypal Deutschland Technologiechef Aareal

Ergänzt am 13. Juli 2019: Robin Buschmann, Gründer Giromatch, jetzt „Head of Ecosystems“ bei der Commerzbank. Womit wir bei elf wären.

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Was Deutsche-Bank-Chef Sewing an die Mitarbeiter schreibt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Hauptversammlung im Mai habe ich angekündigt, dass wir die Transformation unserer Bank erheblich beschleunigen, dass wir radikaler und schneller handeln müssen. Viele von Ihnen haben mich seither immer wieder gefragt, wann wir die konkreten Schritte vorstellen.

Heute ist es endlich soweit: Nachdem wir im vergangenen Jahr unsere Bank weiter stabilisiert haben, folgt nun die nächste Phase – und sie bedeutet nichts anderes als eine grundlegende Transformation unserer Bank.

Vorab sei gesagt: Mir ist sehr bewusst, dass dieser Umbau harte Einschnitte mit sich bringt. Das bedaure ich persönlich sehr. Im Sinne unserer Bank haben wir aber keine andere Wahl, als diese Transformation konsequent anzugehen, um an unsere erfolgreiche Geschichte anzuknüpfen und die Deutsche Bank wieder zu einem dauerhaft erfolgreichen und führenden Bankhaus zu machen, auf das wir mit Recht stolz sein können.

Ich möchte nun nicht all die Details wiederholen, die wir gerade eben in unserer Medieninformation veröffentlicht haben.

Was mir aber wichtig ist: Wir haben nichts weniger als einen grundsätzlichen Umbau gestartet, mit dem wir eine neue Epoche für unsere Bank einleiten werden. Ein Umbau, der gleichzeitig auch an unsere Geschichte anknüpft. Wir schaffen eine Bank, die profitabler, schlanker, innovativer und noch widerstandsfähiger sein soll. Es geht darum, dass wir die Wünsche unserer Kunden wieder viel stärker in den Mittelpunkt stellen – und endlich wieder rentabler für unsere Aktionäre werden.

Diese Transformation wird uns wieder näher an das zurückführen, was unsere Stärke ist, unsere DNS: Vor fast 150 Jahren sind wir als Bank gestartet, die deutsche und europäische Unternehmen weltweit begleitet, ein globales Netzwerk bereitstellt und ausländische Unternehmen und Investoren nach Europa bringt. Genau das ist auch der Auftrag an unsere Unternehmensbank, die wir nun schaffen. Die Firmenkunden von Deutscher Bank und Postbank im Heimatmarkt betreuen wir künftig ebenfalls in unserer Unternehmensbank. Diese Sparte ist auf Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne ausgerichtet. Sie kommt auf Kundeneinlagen von mehr als 200 Milliarden Euro und wickelt täglich weltweit Finanzströme im Gegenwert von einer Billion Euro ab.

An ihrer Seite wird eine Investmentbank stehen, die unsere Unternehmenskunden mit den Kapitalmärkten weltweit vernetzt. Wir konzentrieren uns allerdings auch hier auf das, was wir besonders gut können – das Geschäft mit Krediten, Anleihen und Währungen sowie auf strategische Beratung. Unsere Investmentbank wird in Zukunft kleiner sein – aber umso stabiler und wettbewerbsfähiger.

Die konsequentere Trennung zwischen Privat- und Firmenkunden ermöglicht es auch unserem Privatkundengeschäft, sich stärker zu fokussieren. In unserem Heimatmarkt sind wir in vielen Geschäftsfeldern bereits führend. Diese Position wollen wir auch da erreichen, wo wir es heute noch nicht sind – mit herausragenden digitalen Lösungen einerseits und erstklassiger Beratung andererseits. Diese beiden Welten gilt es zu verbinden, denn genau in dieser Verbindung liegt unsere Stärke. Das muss unser Anspruch sein. Das setzt auch eine noch größere Kosteneffizienz voraus. Deshalb werden wir die Integration von Deutscher Bank und Postbank beschleunigen.

Unser Ziel ist klar: Wir wollen bis 2022 eine Nachsteuer-Rendite von acht Prozent auf das materielle Eigenkapital erreichen. Das müssen wir schaffen, wenn wir dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Von diesen Zielen sind wir nicht so weit entfernt, wie es auf den ersten Blick erscheint. Im Asset Management liegt unsere Rendite bereits über der Zehn-Prozent-Marke, in der Unternehmensbank knapp darunter und in der Privatkundenbank sind wir auf einem guten Weg dorthin. Auch in der Investmentbank sind wir in vielen Geschäftsfeldern hoch profitabel und werden uns in den kommenden Jahren deutlich verbessern.

In den Segmenten, in denen wir weniger stark sind, sind wir nun konsequent. Wir haben allerdings keine andere Wahl, als unsere Kräfte und Ressourcen dort zu bündeln, wo wir vorne mitspielen und einen Unterschied für unsere Kunden machen können.

Das bedeutet: Dieser Umbau wird tiefgreifend. Insgesamt werden wir 74 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva in eine Abbaueinheit transferieren und über die kommenden Jahre veräußern. Der in den Medien genannte Name „Bad Bank“ ist dabei irreführend: Angesichts der hohen Qualität und der oft kurzen Laufzeit der Bilanzpositionen rechnen wir mit einem raschen Abbau, durch den wir in erheblichem Umfang Kapital freisetzen können. Unterm Strich wollen wir so ab 2022 fünf Milliarden Euro an unsere Aktionäre zurückgeben.

Der Umbau wird aber nur dann erfolgreich sein, wenn wir unsere Infrastruktur grundlegend neu ausrichten – also all jene Querschnittsfunktionen, die für alle Sparten arbeiten. Auch hier gilt: Hier müssen wir innovativer und effizienter werden und gleichzeitig unsere Kontrollen weiter stärken.

Fangen wir mit Innovation an: Bis 2022 wollen wir 13 Milliarden Euro in Technologie investieren. Außerdem bekommt unsere Bank einen Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation. Mit Bernd Leukert kommt der Mann zu uns, der beim Softwareunternehmen SAP jahrelang die Produktentwicklung geleitet hat. Er wird uns dabei helfen, auf dem Weg in das Zeitalter der Cloud- und der Plattformökonomie noch schneller voranzukommen. Dabei können wir auf viele Innovationen aufbauen, die wir in der gesamten Bank in den vergangenen Jahren entwickelt haben.

Das wiederum gibt Frank Kuhnke den Freiraum, sich auf das zu konzentrieren, was er besser kann als jeder andere: Er wird die Struktur und die Prozesse unserer Infrastruktur auf den Prüfstand stellen, um sie schlanker und wirtschaftlicher zu machen. Seit vielen Jahren sind unsere fixen Kosten viel zu hoch, wie sich allein am Verhältnis von Kosten und Ertrag ablesen lässt. Bis 2022 wollen wir die Kosten um rund sechs Milliarden Euro auf 17 Milliarden Euro senken.

Dabei steht fest: Bei unseren Kontrollsystemen werden wir keine Abstriche machen. Im Gegenteil, wir können und werden sie noch weiter verbessern. Deshalb führen wir das Risikomanagement mit dem Bereich Compliance und der Abteilung gegen Finanzkriminalität zusammen. Diese Bereiche, die für unsere Integrität und das Vertrauen in unsere Bank so essenziell sind, werden damit an einer Stelle und unter der Leitung von Stuart Lewis gebündelt.

Damit sind wir bei denen, die den Umbau verantworten werden: unserem Führungsteam. Denn eines ist klar: Wenn wir eine neue Deutsche Bank schaffen wollen, dann muss der Wandel ganz oben beginnen. Das hat mit Struktur zu tun, aber auch mit den einzelnen Teammitgliedern.

Lassen Sie mich mit der Struktur beginnen, über die wir heute ebenfalls die Öffentlichkeit informiert haben. Im Vorstand werden künftig neben meinem Stellvertreter Karl von Rohr und mir nur noch die zentralen Funktionen sowie die großen Regionen vertreten sein. Dazu gehören Christiana Riley, die künftig das Amerika-Geschäft verantworten wird, sowie Stefan Simon als Verantwortlicher für Recht und die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden. Beide sollen ebenso wie Bernd Leukert in den Vorstand einziehen, sobald die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sind.

Im Gegenzug gibt es mehrere Abschiede. Von ganzem Herzen möchte ich Sylvie Matherat, Garth Ritchie und Frank Strauß für ihre Verdienste um die Deutsche Bank danken. Wir sind einen weiten Weg gemeinsam gegangen, gerade im vergangenen Jahr. Persönlich habe ich die Zusammenarbeit mit allen dreien außerordentlich geschätzt. Aber für die Bank, davon bin ich überzeugt, ist unsere neue Struktur ein wichtiger Fortschritt – weil sie es uns ermöglicht, uns rascher und flexibler zu wandeln.

Mit dieser neuen Struktur entbinden wir die operativen Leiter der Geschäftsbereiche ganz bewusst von den Vorstandsaufgaben, die viel Zeit und Aufmerksamkeit erfordern. Stattdessen sollen die Verantwortlichen für die Geschäftsbereiche wie Unternehmer innerhalb unserer Bank arbeiten können – mit voller Konzentration auf ihre Kunden und das, was wir ihnen bieten können. Von allen im Führungsteam erwarten meine Vorstandskollegen und ich ein Höchstmaß an Integrität und Teamarbeit, sie müssen intern wie extern Vorbilder sein. Genau dafür stehen die Kollegen, die wir nun in ein neu gegründetes Gremium, das Group Management Committee, berufen:

  • Die Unternehmensbank verantwortet Stefan Hoops, der an mich berichtet.
  • Die Investmentbank leitet künftig Mark Fedorcik. Ram Nayak wird das Anleihen- und Währungsgeschäft verantworten. Beide werden ebenfalls an mich berichten.
  • Die Privatkundenbank in Deutschland wird künftig von Manfred Knof geleitet, der als ehemaliger Vorstandschef der Allianz Deutschland breite Führungserfahrung mitbringt. Ashok Aram wird das internationale Privatkundengeschäft (einschließlich der dortigen Firmenkunden) und Fabrizio Campelli das Wealth Management leiten. Alle drei berichten an meinen Stellvertreter Karl von Rohr.
  • Asoka Wöhrmann steht weiterhin an der Spitze des Vermögensverwalters DWS und berichtet künftig ebenfalls an Karl von Rohr.
  • Die neue Abbaueinheit (Capital Release Unit) leiten Louise Kitchen und Ashley Wilson, die an Frank Kuhnke berichten.

Unterstützt wird dieser Kreis vom so genannten Senior Leadership Team, dem erweiterten Führungskreis. Das Team besteht aus 13 Mitgliedern, die die wesentlichen Infrastrukturfunktionen vertreten.

Es ging darum, ein Team zu formen, das für Vertrauen, Innovationskraft und unternehmerisches Denken steht – und einen glaubwürdigen Neustart ermöglicht.

Lassen Sie mich noch einmal zusammenfassen, worum es jetzt geht:

  • Wir haben künftig vier Geschäftsbereiche, die ganz und gar auf unsere Kunden ausgerichtet werden.
  • Wir fokussieren unsere Investmentbank, werden weniger abhängig vom Handelsgeschäft und verkleinern unsere Bilanz.
  • Wir schaffen eine Unternehmensbank, die ins Zentrum unserer Bank rückt.
  • Wir wollen unsere Kosten um mehr als ein Viertel senken und in den kommenden drei Jahren gleichzeitig 13 Milliarden Euro in Technologie investieren.
  • Und wir bitten unsere Aktionäre für diesen Umbau nicht zur Kasse, sondern wollen ihnen erstmals seit vielen Jahren wieder Kapital zurückgeben.

All das schafft eine neue, eine bessere Deutsche Bank.

Richtig ist aber auch: All das erfordert unangenehme Entscheidungen. Dazu gehört insbesondere der damit verbundene umfangreiche Stellenabbau. Ich kann Ihnen versichern: Meine Kollegen und ich wissen, dass dahinter Menschen und Schicksale stehen. Auch deshalb werden wir alles dafür tun, die Einschnitte so verantwortungsbewusst wie möglich umzusetzen. Auch hier stehen wir in der Verantwortung. Diese Planungen und die Auswirkungen auf die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden wir in einem nächsten Schritt den Arbeitnehmervertretern vorstellen und mit diesen beraten.

Es war nicht leicht, diese Entscheidung zu fällen – geht sie doch mit tiefgreifenden Konsequenzen für unsere Bank einher, für die ich nun fast drei Jahrzehnte arbeite.

Aber ich bin fest entschlossen, und mein Führungsteam ist es mit mir: Es geht darum, neu zu denken. Es geht um eine neue Kultur. Eine Kultur, die ermöglicht statt verhindert. Eine Kultur, die die Bank und ihre Kunden immer über die Interessen des einzelnen stellt. Eine Kultur, in der Integrität und Teamarbeit Grundwerte sind. Eine Kultur, die unsere Verantwortung für Wirtschaft und Gesellschaft ernst nimmt. Eine Kultur, in der zu arbeiten wir alle wieder stolz sind– und in der die großen Talente arbeiten wollen.

Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.

Herzliche Grüße, Ihr Christian Sewing

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Das ist die neue, 18-köpfige Führung der Deutschen Bank

Von Heinz-Roger Dohms

Gleich drei Vorstände fallen dem Radikalumbau bei der Deutschen Bank zum Opfer – nämlich Garth Ritchie (Investmentbanking), Frank Strauß (Privatkunden) und Sylvie Matherat (Compliance). Ihr Aufgaben werden teils von bisherigen Vorständen mit übernommen, zugleich hat das größte Geldhaus der Republik aber drei neue Mitglieder ernannt. Und: Unterhalb des Vorstands entsteht ein komplett neues Gremium, nämlich das „Group Management Committee“, das sich aus den Vorständen sowie den leitenden Managern der einzelnen Geschäftsbereiche zusammensetzt. Hier der Überblick, wer in Zukunft welchem Gremium angehören wird:

Vorstand

  • Christian Sewing, CEO, übernimmt zusätzlich die Verantwortung für die neu geschaffene Unternehmensbank sowie für die Investmentbank.
  • Karl von Rohr, Vize, bleibt Deutschlandchef und Arbeitsdirektor, übernimmt zudem die Verantwortung für die Privatkundenbank und das Asset Management
  • Frank Kuhnke, Chief Operating Officer , übernimmt zusätzlich die Verantwortung für die „Bad Bank“  sowie für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) .
  • Stuart Lewis, Risikovorstand, bekommt zusätzlich von Matherat den Bereich Compliance und die Abteilung gegen Finanzkriminalitä. Zudem: Großbritannien und Irland.
  • James von Moltke, bleibt Finanzvorstand
  • Werner Steinmüller, bleibt verantwortlich für die Region Asien/Pazifik
  • Christiana Riley, neu im Vorstand, übernimmt ab sofort die regionale Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika. Seit 2015 amtierte sie als Finanzchefin der Investmentbank
  • Bernd Leukert, ab 1. September 2019 neu im Vorstand, verantwortlich für Digitalisierung, war von 2014 bis 2019 Vorstand bei SAP.
  • Stefan Simon, übernimmt als Chief Administrative Officer (CAO) anstelle von Matherat die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und die Rechtsabteilung. Der Jurist war seit August 2016 Mitglied des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats.

Group Management Committee

Dem neuen Gremium werden neben den Vorständen angehören:

  • Stefan Hoops, verantwortlich für die neu geschaffene Unternehmensbank (bislang Leiter des Bereichs Transaction Banking)
  • Mark Fedorcik, verantwortlich für die Investmentbank, in der er auch jetzt schon in führender Position tätig ist.
  • Ram Nayak, Leiter des Anleihen- und Währungsgeschäfts,  seit 2009 bei der Deutschen Bank.
  • Manfred Knof, ab 1. August 2019 neuer Leiter des Privatkundengeschäfts für Deutschland, war von 2015 bis 2017  Deutschland-Chef der Allianz
  • Ashok Aram, seit Oktober 2018 Leiter des Bereichs PCB International und veratwortlich für die EMEA-Region Europa, Naher Osten und Afrika (
  • Fabrizio Campelli, verantwortet seit 2015 das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden weltweit
  • Louise Kitchen wird Co-Leiterin der „Bad Bank“, ist seit 2005 bei der Deutschen Bank
  • Ashley Wilson, wird Co-Leiter der „Bad Bank“, leitet zurzeit den globalen Aktienhandel
  • Asoka Wöhrmann, seit 2018 DWS-Chef

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