Acht Erkenntnisse aus den 2017er-Zahlen der deutschen Banken

Von Heinz-Roger Dohms

Die meisten Banken haben ihre 2017er-Zahlen (und ihren 2018er-Ausblick) inzwischen veröffentlicht – die anderen werden es demnächst tun.  Zeit für ein Fazit: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

1.) Vielen Sparkassen und Volksbanken geht es immer noch erstaunlich gut

… jedenfalls oberflächlich betrachtet und gemessen an den düsteren Weissagungen der vergangenen Jahre. Die Sparkassen haben 2,2 Milliarden Euro verdient (plus 7,4 Prozent), bei den Volksbanken waren es 1,6 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent), und das wohlgemerkt jeweils nach Steuern und unter Berücksichtigung der Abführungen in den sogenannten „Fonds für Allgemeine Bankrisiken“ (was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier).

2.) … was nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie am „Provisionswunder“ liegt

Die Erhöhung der Kontoführungs-Gebühren macht sich für den Moment bezahlt. So haben die Volks- und Raiffeisenbanken das kleine Kunststück vollbracht, den Provisionsüberschuss so stark zu steigern (8,1 Prozent), dass sie damit den in diesen Zeiten fast unvermeidlichen Rückgang beim Zinsergebnis überkompensieren. Bei den Sparkassen (Provisionsergebnis plus 8,4 Prozent) war es ähnlich. Und: Natürlich profitieren nicht nur die Ortsbanken von höheren Gebühren, sondern auch andere Retailinstitute, die Postbank etwa, deren Provisionsüberschuss um 12,0 Prozent stieg. Bemerkenswert: Die allermeisten Kunden scheinen die höheren Gebühren zu akzeptieren (oder sie bemerken sie nicht oder sie sind zu faul zum Wechseln).

3.) Banken, die kein Retailgeschäft betreiben, kriegen den Zinsschwund hingegen so richtig zu spüren

Beispielhaft sei hier zum einen auf die Aareal Bank verwiesen, deren Betriebsergebnis von 366 Mio. Euro auf 328 Mio. Euro sank – und die für dieses Jahr nur noch mit 260 bis 300 Mio. Euro rechnet. Ähnlich sieht es bei der Pfandbriefbank aus, deren Gewinn von 301 auf 204 Mio. Euro fiel und die für 2018 nur mehr von 150 bis 170 Mio. Euro ausgeht.

4.) Die Deutsche Bank hat in den „Alles oder Nichts“-Modus geschaltet

Schon krass, die Investmentbanker-Boni-Sache bei der Deutschen Bank, oder? Der Noch-Vorstand macht sich freiwillig zur Geisel jener Sparte, die in den vergangenen 10 bis 15 fast nur Unheil über das Institut gebracht hat (und die ein Geschäft betreibt, dass bei den großen Wall-Street-Häusern zu funktionieren scheint, mit dem aber, so weit wir das sehen, keine einzige größere europäische Bank in den letzten Jahren so richtig glücklich geworden ist – naja, vielleicht die französischen so ein bisschen). Der eigentliche Wahnsinn ist allerdings nicht der Wahnsinn als solcher, sondern dass dieser Wahnsinn strategisch alternativlos zu sein scheint. Gütiger Herrhausen.

5.) Die Commerzbank hat derweil gar keinen Modus

… außer, dass Sie (anders als die Sparkassen) auf höhere Gebühren verzichtet (tut die ING Diba ja auch), während sie sich zugleich (anders als die ING Diba) eine Cost-Income-Ratio wie im vordigitalen Zeitalter leistet (tun die Sparkassen ja auch). Oder anders gesagt: Die Commerzbank hat sich für den Moment das Schlechteste aus zwei Welten ausgesucht. Das muss freilich nicht so bleiben, denn das strategische Kalkül scheint ja zu sein, dass es nach der Dürre plötzlich heißen wird: Mehr digital. Weniger Kosten. Restrukturierung abgeschlossen. Und jetzt mit breiter Kundenbasis so richtig durchstarten. Irgendwann ab 2020 oder so. Womöglich dann ja auch immer noch eigenständig.

6.) Die Wucht der Digitalisierung zeigt sich im Kleinen

Lassen wir N26 mal außen vor. Und die neuesten Fintech-Studien von McKinsey, Capgemini und wem auch immer ebenso. Schauen wir nur mal auf drei vermeintlich unspektakuläre Zahlen zur Baufinanzierung: a) Bei den Sparkassen ist das Baufi-Volumen 2017 trotz Immobilienbooms um 1,8 Prozent gesunken. b) Bei den PSD-Banken kommt inzwischen 61 Prozent des Geschäfts über Plattformen wie Interhyp, Europace (dahinter steht Hypoport) oder Planethome. c) Interhyp hat seinen Marktanteil derweil um einen Punkt auf 8,4 Prozent gesteigert. Das mag alles nicht erdrutschartig sein. Und ein bisschen vergleichen wir auch Äpfel mit Birnen. Aber doch zeigt sich hier aus unserer Sicht im Kleinen die Wucht der Digitalisierung. Und Interhyp vermittelt ja nur, geht also gar nicht erst ins Risiko. Was für ein Geschäftsmodell, wenn’s einmal funktioniert.

7.) Auf den Point of Sale kommt es an

Neulich hatten wir ja berichtet, dass die beiden gewinnträchtigsten deutschen Banken des vergangenen Jahres Volkswagen und Mercedes heißen (dahinter übrigens dürfte gleich BMW kommen). Gründe dafür gibt es, wie dargelegt, viele. Ein ganz entscheidender aber scheint zu sein: Die Autobanken beherrschen den Point of Sale. Und genau das fällt vielen klassischen Banken immer schwerer.

8.) Die Schiffskrise führt zur endgültigen Neuordnung der Landesbanken-Szene

Die HSH Nordbank ist schon privatisiert, die NordLB (inklusive BLB) könnte laut „Spiegel“ folgen (bzw.: Sie überlegt zumindest, sich für private Investoren zu öffnen). Gut möglich also, dass es demnächst nördlich der Mainlinie keine einzige reinrassige Landesbank mehr gibt. Und das alles nicht nur, aber in erster Linie wegen der Schiffkrise (die darüber hinaus 2017 ja auch bei der DZ Bank tobte, wobei die natürlich keine Landesbank ist).

28/03/18: Deutsche Bank implodiert, Viel Schein bei der DKB, Gute und schlechte Sparkassen

Sechs Tage, in denen die Dt. Bank fünf Vorstände beschädigte (sofern sie das nicht selber taten)

Ein Dementi? Nein, kein Dementi. Offensichtlich stimmt, was die britische „Times“ am Montagabend als erste berichtete, nämlich dass die Deutsche Bank (sprich: ihr Aufsichtsratschef Paul Achleitner) einen (potenziellen) Nachfolger für ihren Vorstandschef sucht. Nun sei mal dahingestellt, ob die Sache herauskommen sollte oder einfach nur herauskam. Jedenfalls haben damit sechs geradezu unglaubliche Tage ihre Krönung gefunden. Alles begann letzten Donnerstag, als Finanzchef von Moltke mit ein paar unglücklichen Äußerungen eine kleine Panik unter den Investoren auslöste. Das Wochenende gehörte dann der „Affäre Hammonds“. Und schließlich folgte der  Dienstag, von dem in Erinnerung bleiben könnte,  dass der Vorstandschef (Cryan) abgelöst werden soll, jedoch nicht von seinen beiden vermeintlichen Kronprinzen (Sewing, Schenck). Bleibt die Frage: Und der Große Vorsitzende (Achleitner) soll aus der ganzen Sache ernsthaft unbeschädigt hervorgehen?

Reuters (News), Bloomberg (Analyse), FAZ (Anti-Achtleitner-Kommentar), Bloomberg (Was die Analysten sagen), Deutsche-Bank-Aktie

90 Tage, in denen die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde

In den nächsten Tagen wird der Düsseldorfer Datenguru Peter Barkow auf den Knopf drücken – und dann wird ihm seine untrügliche „Barkow Consulting Fintech MoneyMap“ die Q1-Funding-Zahlen zur deutschen Fintech-Branche ausspucken. Was dabei herauskommen wird? Wir vermuten, auf unser Bauchgefühl vertrauend: 1.) Die Funding-Zahlen haben sich, wenn man nur auf das Volumen schaut, positiv entwickelt. Das liegt aber 2.) fast ausschließlich an den Mega-Finanzierungen für N26 und Solarisbank. Dagegen ist 3.) die Zahl der Fundings zurückgegangen, nicht zuletzt, weil immer weniger Finanz-Startups nachkommen. Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Fintech-Branche ist jetzt nicht mehr „Early Stage“. Sie ist jetzt „Later Stage“. Und das gilt beileibe nicht nur in Bezug auf die Finanzierungen. Lesen Sie hier unsere große Analyse über das Erwachsenwerden der deutschen Fintech-Branche: Finanz-Szene.de

News

Ist die DKB wirklich so toll, wie sie tut? Nein, nicht ganz. Denn man sollte nicht nur auf diejenigen Zahlen achten, die die zweitgrößte deutsche Direktbank gestern stolz hergezeigt hat, sondern auch auf die Zahlen, die sie gestern nicht hergezeigt hat. Und wenn man dann diese Zahlen mit denen der ING Diba vergleicht, dann sieht man, dass der Abstand zwischen der Nr. 1. und der Nr. 2 im vergangenen Jahr nicht wirklich kleiner geworden ist. Finanz-Szene

Was die Bundesregierung mit ihrem Commerzbank-Anteil machen könnte: Die Kollegen von „Bloomberg“ zeigen vier Szenarien auf. Bloomberg

Gibt es „die Sparkassen“ überhaupt? Nicht unbedingt, wenn man sieht, dass die Berliner Sparkasse auf eine Cost-Income-Ration von 81 Prozent kommt, während die Mittelbrandenburgische Sparkasse bei 47 Prozent liegt (wie das „Handelsblatt“ herausgearbeitet hat). In dem Zusammenhang ganz interessant, wenn auch nicht ganz frisch: Bei „den Sparkassen“ ist das Aufwand-Ertrag-Verhältnis in den vergangenen fünf Jahren von 62,9 Prozent auf 64,6 Prozent gestiegen, wie aus den kürzlich vorgelegten DSGV-Zahlen hervorgeht. DSGV-Präsentation

Eine Meldung, die im Lichte dessen, was gestern sonst so los war, erstaunlich irrelevant daherkommt: Die Deutsche Bank hat ihr Portugal-Geschäft verkauft. Reuters

Apollo schnappt sich auch noch die Wüstenrot Bank: … und sortiert diese bei ihrem als „Bremer Kreditbank“ firmierenden Nordbanken-Portfolio ein (zu dem bekanntlich auch die OLB gehört).  Börsen-Zeitung (Paywall), Immobilienzeitung

Linktipps

„Die Fintech-Revolution hat gerade erst begonnen“, glaubt Hartmut Giesen, digitaler Vordenker der Hamburger Sutorbank. Finletter 

Retail war nur der Anfang: Als nächstes greifen die Vergleichsportale bei Krediten für Gewerbekunden an. Der Bank-Blog

Hilfe, die Chinesen kommen: Was hinter Investments wie dem von Tencent bei N26 oder Kooperation wie der zwischen Alipay und Wirecard steckt (oder stecken könnte). Bankstil

Rote PR: Warum die Sparkassen einen „gigantischen Newsroom“ mit fast 100 Mitarbeitern aufbauen. W&V

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über den unterschiedlichen Umgang der Landesbanken mit ihren institutionellen Investoren. Finanz-Szene.de

28/03/18: Die deutschen Fintechs sind jetzt „Later Stage“, Savedo, Nachklapp zu N26/Tencent

90 Tage, in denen die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde

In den nächsten Tagen wird der Düsseldorfer Datenguru Peter Barkow auf den Knopf drücken – und dann wird ihm seine untrügliche „Barkow Consulting Fintech MoneyMap“ die Q1-Funding-Zahlen zur deutschen Fintech-Branche ausspucken. Was dabei herauskommen wird? Wir vermuten, auf unser Bauchgefühl vertrauend: 1.) Die Funding-Zahlen haben sich, wenn man nur auf das Volumen schaut, positiv entwickelt. Das liegt aber 2.) fast ausschließlich an den Mega-Finanzierungen für N26 und Solarisbank. Dagegen ist 3.) die Zahl der Fundings zurückgegangen, nicht zuletzt, weil immer weniger Finanz-Startups nachkommen. Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Fintech-Branche ist jetzt nicht mehr „Early Stage“. Sie ist jetzt „Later Stage“. Und das gilt beileibe nicht nur in Bezug auf die Finanzierungen. Lesen Sie hier unsere große Analyse über das Erwachsenwerden der deutschen Fintech-Branche: Finanz-Szene.de

Sechs Tage, in denen die Dt. Bank fünf Vorstände beschädigte (sofern sie das nicht selber taten)

Ein Dementi? Nein, kein Dementi. Offensichtlich stimmt, was die britische „Times“ am Montagabend als erste berichtete, nämlich dass die Deutsche Bank (sprich: ihr Aufsichtsratschef Paul Achleitner) einen (potenziellen) Nachfolger für ihren Vorstandschef sucht. Nun sei mal dahingestellt, ob die Sache herauskommen sollte oder einfach nur herauskam. Jedenfalls haben damit sechs geradezu unglaubliche Tage ihre Krönung gefunden. Alles begann letzten Donnerstag, als Finanzchef von Moltke mit ein paar unglücklichen Äußerungen eine kleine Panik unter den Investoren auslöste. Das Wochenende gehörte dann der „Affäre Hammonds“. Und schließlich folgte der  Dienstag, von dem in Erinnerung bleiben könnte,  dass der Vorstandschef (Cryan) abgelöst werden soll, jedoch nicht von seinen beiden vermeintlichen Kronprinzen (Sewing, Schenck). Bleibt die Frage: Und der Große Vorsitzende (Achleitner) soll aus der ganzen Sache ernsthaft unbeschädigt hervorgehen? Reuters (News), Bloomberg (Analyse), FAZ (Anti-Achtleitner-Kommentar), Bloomberg (Was die Analysten sagen), Deutsche-Bank-Aktie

News

Ist die DKB wirklich so toll, wie sie tut? Nein, nicht ganz. Denn man sollte nicht nur auf diejenigen Zahlen achten, die die zweitgrößte deutsche Direktbank gestern stolz hergezeigt hat, sondern auch auf die Zahlen, die sie gestern nicht hergezeigt hat. Und wenn man dann diese Zahlen mit denen der ING Diba vergleicht, dann sieht man, dass der Abstand zwischen der Nr. 1. und der Nr. 2 im vergangenen Jahr nicht wirklich kleiner geworden ist. Finanz-Szene

Vermutlich dürfte die Sache in Estland (wir berichteten gestern) glimpflich für alle Beteiligten ausgehen … allerdings wird man bei Savedo/Deposit Solutions inständig hoffen,  dass die Finanzaufsicht in Tallinn die Dinge tatsächlich so regelt (und zwar auch so schnell regelt), wie es der europäische Einlagenschutz vorsieht. Denn ansonsten werden sich unschöne Schlagzeilen wie gestern beim Handelsblatt oder bei Gründerszene in den nächsten Tagen häufen.

Was die Bundesregierung mit ihrem Commerzbank-Anteil machen könnte: Die Kollegen von „Bloomberg“ zeigen vier Szenarien auf. Bloomberg

Gibt es „die Sparkassen“ überhaupt? Nicht unbedingt, wenn man sieht, dass die Berliner Sparkasse auf eine Cost-Income-Ration von 81 Prozent kommt, während die Mittelbrandenburgische Sparkasse bei 47 Prozent liegt (wie das „Handelsblatt“ herausgearbeitet hat). In dem Zusammenhang ganz interessant, wenn auch nicht ganz frisch: Bei „den Sparkassen“ ist das Aufwand-Ertrag-Verhältnis in den vergangenen fünf Jahren von 62,9 Prozent auf 64,6 Prozent gestiegen, wie aus den kürzlich vorgelegten DSGV-Zahlen hervorgeht. DSGV-Präsentation

Linktipps

„Die Fintech-Revolution hat gerade erst begonnen“, glaubt Hartmut Giesen, digitaler Vordenker der Hamburger Sutorbank. Finletter 

Retail war nur der Anfang: Als nächstes greifen die Vergleichsportale bei Krediten für Gewerbekunden an. Der Bank-Blog

Hilfe, die Chinesen kommen: Was hinter Investments wie dem von Tencent bei N26 oder Kooperation wie der zwischen Alipay und Wirecard steckt (oder stecken könnte). Bankstil

Rote PR: Warum die Sparkassen einen „gigantischen Newsroom“ mit fast 100 Mitarbeitern aufbauen. W&V

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über den unterschiedlichen Umgang der Landesbanken mit ihren institutionellen Investoren. Finanz-Szene.de

90 Tage, in denen die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde

Von Heinz-Roger Dohms

In den nächsten Tagen wird der Düsseldorfer Datenguru Peter Barkow auf seinen berühmten Knopf drücken – und dann wird ihm seine untrügliche „Barkow Consulting Fintech MoneyMap“ die Q1-Funding-Zahlen zur deutschen Fintech-Branche ausspucken.

Was dabei herauskommen wird? Zugegeben: Im Gegensatz zu Herrn Barkow haben wir hier bei „Finanz-Szene.de“ keine Datenbank, sondern nur einen Datenbauch. Und so ein Bauch kann sich ja auch mal irren. Aber, mal angenommen, unser Bauchgefühl irrt sich nicht, dann dürfte herauskommen:

  • Die Funding-Zahlen haben sich, wenn man nur auf das Volumen schaut, positiv entwickelt
  • Das liegt aber fast ausschließlich an den Mega-Finanzierungen für N26 und Solarisbank
  • Dagegen ist die Zahl der Fundings merklich zurückgegangen, nicht zuletzt, weil immer weniger Finanz-Startups nachkommen

Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Fintech-Branche ist jetzt nicht mehr „Early Stage“. Sie ist jetzt „Later Stage“. Oder noch anders ausgedrückt: Das erste Quartal 2018 wird einmal als das Quartal betrachtet werden, in dem die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde.

Woran machen wir das fest, abgesehen von der spektakulären Höhe der Finanzierungen bei N26 (130 Mio. Euro) und Solarisbank (57 Mio. Euro)?

  1. Bei den wichtigen deutschen Fintechs steigen inzwischen große, strategische, meist ausländische Investoren ein, namentlich Visa (Solarisbank, Payworks), BBVA und Amro (beide Solarisbank) sowie Tencent und als nicht-ausländisches Beispiel die Allianz (beide N26). Damit hat sich im ersten Quartal ein Trend manifestiert, der sich 2017 bereits zart angedeutet hatte (Aegon bei Auxmoney, Blackrock bei Scalable und Paypal bei Weltsparen).
  2. Zugleich nähern sich die erfolgreicheren unter den „Fintechs im engeren Sinne“ (siehe unsere Definition) allmählich der Profitabilität. Auxmoney hat kürzlich kundgetan, erstmals auf 6-Monats-Sicht schwarze Zahlen geschrieben zu haben, N26 scheint sich zumindest einer Art Pseudo-Profitabilität zu erfreuen, und Payment-Fintechs wie Billpay oder Ratepay haben nachgewiesen, dass sie sogar auf 12-Monats-Basis Geld verdienen können.
  3. Das Thema Börse könnte für einige der größeren Fintechs bald konkret werden. N26 beschäftigt sich mit dieser Option (wie Gründer Valentin Stalf vor wenigen Tagen betonte), bei Auxmoney würden wir auf spekulativer Basis davon ausgehen, dass es ähnlich ist (wissen tun wir es nicht), der Raisin/Weltsparen-Chef wird zumindest schon mal auf das Thema angesprochen.
  4. Dagegen ist auf „Early-Stage“-Niveau zuletzt nicht mehr wirklich viel los gewesen. Oder ist Ihnen, vielleicht mit Ausnahme der beiden neuen Inkubatoren- Ventures  von Finleap und Finconomy, im ersten Quartal eine Neugründung untergekommen, bei der Sie „Aha!“ gedacht haben? (wobei das natürlich ein wohlfeiles Indiz ist, weil man jedem neuen Fintech die Chance zugestehen muss, sich zu entwickeln. Aber Sie wissen hoffentlich, wie wir’s meinen …)
  5. Dazu auch noch was Anekdotisches: Als wir zuletzt als Jury-Mitglied beim „Fintech des Jahres“-Award aus einem ganzen Bündel von neuen „Early Stage“-Fintechs unsere Favoriten auswählen sollten, da waren darunter doch einige mit beträchtlichem „Who the f***“-Faktor … Natürlich: Das war in erster Linie mangelnder Branchenkenntnis unsererseits geschuldet. Aber vielleicht ja auch nicht nur.

Wie es nun weitergeht?

Wenn wir noch einen letzten Gedanken äußern dürfen, der unserem Bauch beim Rückblick aufs erste Quartal gekommen ist: Schon auffällig, dass die größeren Fintechs das Thema Internationalisierung höchst unterschiedlich angehen, nämlich …

  • fast schon maximal ambitioniert (N26)
  • sehr ambitioniert (Solarisbank, SumUp)
  • im dritten Gang, nachdem der fünfte nicht funktioniert hat (Kreditech)
  • bedächtig (z.B. Raisin, Deposit Solutions, Scalable, Finreach … )
  • bislang gar nicht (Auxmoney, Smava, Finanzcheck)

Diese unterschiedlichen Strategien mögen in erster Linie den unterschiedlichen Geschäftsmodellen geschuldet sein. Aber: Es hat schon auch ein kleines bisschen damit zu tun, dass die Fintech-Macher in Deutschland bei der Frage, was geht und was nicht geht, zu abweichenden Einschätzungen gelangen. Spannend zu sehen, welche Sicht sich durchsetzen wird.

Hat die DKB wirklich gegenüber der ING Diba aufgeholt?

Von Heinz-Roger Dohms

Holt die DKB  gegenüber der ING Diba auf? Nicht wirklich, wenn man die Zahlen direkt vergleicht. Zwar hat sich die DKB gestern bei ihrer Bilanz-PK offenbar erstaunlich offensiv gegeben (siehe die Berichterstattung der Konkurrenz). Und in der Tat: Die vorgelegten Zahlen lesen sich okay, was  besonders für den stark gestiegene Zinsüberschuss gilt. Allerdings: So toll, wie die DKB tut, sind die Kennziffern nun auch wieder nicht.

  • Warum z.B. finden sich weder in der Pressemitteilung noch in der ergänzenden Infografik auf der Homepage irgendwelche Angaben zum Provisionsergebnis? Vielleicht weil das Provisionsergebnis sogar negativ war?
  • Und weshalb finden sich auf der Homepage keine Angaben zum Return on Equity? Vielleicht, weil die Rendite von 12,4% auf 9,6% gesunken ist?
  • Und was ist mit der Cost-Income-Ratio? Die ist von 46% auf 51% Prozent gestiegen

Nun haben die Verschlechterungen in erster Linie damit zu tun, dass es 2016 einen satten Sonderertrag gab (Verkauf der Anteile an Visa Europa). Aber das ändert ja nichts an der Grundaussage der 2017er-Zahlen: Die ING Diba ist der DKB weiterhin weit voraus.

ING Diba DKB
2017 2016 2017 2016
Bilanzsumme in Mrd. 162 158 77,3 76,5
Ergebnis in Mio. 1269 1234 265 331
Zinsergebnis in Mio. 2134 1972 935 795
Prov.-Ergebnis in Mio. 124 104 -39 7
Return on Equity 11 11,2 9,6 12,4
Cost-Income-Ratio 44% 40% 51% 46%
Kunden in Mio. 9,1 8,8 3,7 3,3
Girokonten in Mio. 2,1 1,7 2,7 2,5

 

Die Deutsche Bank sucht angeblich einen Nachfolger für John Cryan

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Lesen Sie in diesem Zusammenhang in unserem Newsletter heute morgen folgende kleine Schmonzette:

Formvollendete Posse um Frau Hammonds

Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös

Von Heinz-Roger Dohms

Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt …

Und zwar:

Es geht um Schuldscheindarlehen, wie sie offenbar von vielen Landesbanken zur Refinanzierung genutzt werden. Die Bank ist also der Schuldner, die Gläubiger sind institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen. Anders als bei Inhaberschuldverschreibungen handelt es sich bei Schuldscheindarlehen nicht um Anleihen, sondern um Kredite. Das hat zur Folge, dass die Papiere  wie andere Kredite auch nach zehn Jahren kündbar sind. Spätestens an dieser Stelle werden Sie nun merken, worauf wir mit unserer umständlichen Erklärung hinauswollen: Viele dieser Kredite wurden um 2006/2007 herum zu den damals üblichen Zinsen aufgenommen – womit die Institute jetzt (wo das Zinsniveau deutlich niedriger ist) vor einer kniffligen Entscheidung standen: Beißen sie noch ein paar Jahre auf die Zähne, um sich ihre Investoren gewogen zu halten (wer weiß, vielleicht kommen ja nochmal Zeiten, in denen Geld kein überschüssiges Gut ist …)?  Oder machen sie von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch?

Die BayernLB, das wird jedenfalls in München nicht bestritten, ging letzteren Weg. Sie kündigte also (wie in unserem Newsletter am Freitag schon angedeutet) – und zwar in offenbar beträchtlichem Umfang. So sollen die Kündigungen allein 2017 einen positiven Effekt auf die GuV in hohem zweistelligem Millionenumfang gehabt haben  – nachdem der Effekt auch schon 2016 durchaus merklich gewesen sein soll. Dass die Kündigungen legal waren, daran besteht nun nicht der kleinste Zweifel. Und für legitim darf man sie selbstredend auch halten, zumal es sich bei den Gegenparteien ja um keine Lehman-Omas, sondern um Instis handelte. Bloß: Waren die Kündigungen auch tatsächlich „branchenüblich“, wie es in München hinter vorgehaltener Hand heißt?

Offiziell äußern will sich natürlich niemand. In Frankfurt und Helaba geben sich die Aus-dem-Off-Einflüsterer aber durchaus Mühe, den Eindruck zu vermeiden, auch bei Helaba und LBBW sei es zu „branchenüblichen“ Kündigungen gekommen. Im Gegenteil, dort hält man es eher für gute Praxis, die Kredite eben nicht vorzeitig zu kündigen – und genau deshalb habe man das auch nicht gemacht, obwohl es die Gelegenheit 2016 und 2017 gegeben hätte (so wird es jedenfalls behauptet).

Was man hinzufügen muss: Bei der Helaba und der LBBW ging es nach allem, was man hört, um kleinere Volumina als bei der BayernLB. Vielleicht haben sie sich auch darum mit ihren Skrupeln leichter getan.

27/03/18: Deutsche Bank auf Chefsuche?, Professoren als Fintech-Maskottchen, Weltsparen, Penta

Die Deutsche Bank sucht ANGEBLICH bereits nach einem neuen Chef

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Gibt es eigentlich noch ein deutsches Fintech ohne Finanzprofessor als Maskottchen?

Vom spektakulären Angriff des Berliner Tagesgeld-Spezialisten Weltsparen auf den Münchner Robo-Advisor Scalable Capital hatten wir ihnen ja schon am 9. März erzählt (weshalb wir das heute nicht nochmal tun, sondern stattdessen auf den sozusagen aktuellen Bericht im „Handelsblatt“ verweisen).  Was wir aber durchaus spannend  finden an der offiziellen Verlautbarung gestern, das ist der Umstand, dass Weltsparen zum Start seines „Light-Robos“ einen Beirat gegründet hat, dem u.a. Finanzprofessor Weber aus Mannheim angehört. Das trifft sich insofern hervorragend, als Prof. Hackethal von der Goethe-Uni beim Robo Vaamo dem Aufsichtsrat vorsitzt, Prof. Mittnik aus München bei Scalable als  Gründer firmiert, Prof. di Giorgi aus St. Gallen beim Robo Liqid den Beirat schmückt und Hackethals Goethe-Kollege Prof. König beim Robo Ginmon den Titel „Senior Advisor“ trägt. Wie beruhigend, dass man sich um den Praxis-Bezug des  Elfenbeinturms keine Sorgen mehr machen muss. Ginmon, Liqid, Weltsparen, Vaamo, Scalable

News

Deutsche-Bank-Vorstand bringt Ende klassischer Konten ins Spiel: Er halte es für denkbar, dass irgendwann in 5, 10, 15 oder 20 Jahren die Bankkonten „verschwinden und durch etwas Neues ersetzt werden“, hat Marcus Schenck bei einer Konferenz in London gesagt (das war zwar schon Ende letzter Woche. Aber weil die Aussage bemerkenswert ist, sie aber, soweit wir das sehen, von hiesigen Medien nicht groß aufgegriffen wurde, verkaufen wir das jetzt einmal mal als „News“). Business Insider

Ein herzliches Willkommen den Lesern, die wir dieser Tage im Commerzbank Tower hinzugewonnen haben. Leider können wir Ihnen heute aber nur Standardware bieten, nämlich die Verlautbarung ihres Arbeitgebers aus Anlass des gestern vorgestellten Geschäftsberichts. Tenor: 2017 war bekanntermaßen nicht so dolle, 2018 wird aber deutlich besser (weil die Belastungen kleiner werden). Schaun mer mal. Manager Magazin

Formvollendete Posse um Frau Hammonds: Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Dabei sollte die mutmaßliche Personal-Kabale nicht den Blick auf eine interessante Äußerung Hammonds‘ in dem Interview gestern versperren: Dort sagte sie nämlich, man wolle „noch aktiver“ werden, was direkte Investitionen in Fintechs betrifft. Wenn uns nicht alles täuscht, hat die Deutsche Bank in diesem Punkt nun einen kompletten Strategiewechsel vollzogen, nämlich von „Wir investieren nicht direkt in Fintechs“ (2015) über „Naja, vielleicht doch ein bisschen“ (siehe die Investments in TrustBills und Dwins in 2017) hin zu „Jetzt aber mal so richtig“ (2018).

Während die Deutsche Bank ihre Fintech-Strategie adjustiert und die Commerzbank angeblich über die Gründung einer internationalen Online-Bank nachdenkt …, ist die BBVA mal wieder deutlich weiter und lässt ihr Silicon-Valley-Fintech Denizen das (angeblich) weltweit erste Konto mit kostenlosen Cross-Border-Überweisungen launchen. Financial Times (Paywall)Pressemitteilung

Verblüffendes von der Alster: Die Warburg Bank will ihren Robo-Service (von dem man ja eigentlich dachte, er sei eher was für Mass Affluents, die sich endlich mal als richtige Privatbank-Kunden fühlen wollen) jetzt auch für semi-institutionelle Investoren anbieten. Bloomberg

Wie groß muss der Mehrwert sein, den ein Fintech bietet? Diese Frage drängt sich auf, wenn die Berliner KMU-Challenger-Bank Penta jetzt stolz verkündet, Gründer könnten bei ihr binnen 48 Stunden ein Geschäftskonto einrichten und das erforderliche Stammkapital einzahlen. Mal angenommen, bei einer herkömmlichen Bank dauert der Prozess wirklich zwei, drei Tage mehr – schlimm? (Wir sind ja selber selbständig, unsere Einschätzung lautet: Nö, das ist nun wirklich das allerkleinste Problem da draußen.).

… und was einen dann wieder mal an der Ernsthaftigkeit mancher Fintechs zweifeln lässt: Bei Gründerszene ist von „weniger als 48 Stunden“ die Rede, in der Mail, die uns Penta gestern schrieb, steht etwas von „in der Regel in unter 48 Stunden“. Und bei den englischen Kollegen liest man dann (vermutlich wegen der Zeitumstellung), es gehe „in under 24 hours“, ergänzt um die Formulierung, „shortening the overall incorporation process by several weeks“. An manchen Tagen fühlen wir uns bei unserer piefigen  Volksbank immer noch ganz wohl.

Noch eine gute Nachricht: Ayondo hat es in Singapur an die Börse geschafft. The Straits Times

Noch eine schlechte Nachricht: Der Skandal um die estnische Versobank (Lizenzentzug wegen Geldwäsche etc.pp.) wirft kein gutes Licht auf das Fintech Savedo/Deposit Solutions, das deutsche Spareinlagen an die estnische Bank vermittelte. Handelsblatt (Paywall)

Linktipps

Da ja jetzt überall von Yes, Verimi usw. die Rede ist: Sind die Banken (und ihre kleinen Helferlein, die ID-Fintechs) überhaupt prädestiniert für die Verwaltung digitaler Identitäten?, fragt der Blogger und Berater Ralf Keuper. Bankstil

Dazu passend, aber leider hinter der Paywall, ein „Special Report“ der „Financial Times“ zu mehr oder weniger dem gleichen Thema. FT

Und wenn Sie jetzt schon den PR-igsten PR-Text des Jahres lesen wollen: … dann schauen Sie doch mal, wie sich die Marktforscher von Yougov auf „wiwo.de“ bei der Commerzbank einschmeicheln dürfen (dabei hat Yougov doch neulich schon den Auftrag für die große Coba-Studie zur Altersvorsorge gekriegt, reicht das nicht?). Wirtschaftswoche 

Aus der Szene

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös: Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt … Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück über das Tafelsilber der Commerzbank. Finanz-Szene.de

Verstorben

Der langjährige KfW-Chef Ulrich Schröder ist tot. Wie die Förderbank gestern mitteilte, starb der Bankmanager am Sonntag knapp eine Woche nach seinem 66. Geburtstag. Schröder stand seit 2008 an der Spitze der KfW. Bereits 2015 hatte er ein Krebsleiden öffentlich gemacht, das ihn Ende vergangenen Jahres zwang, von seinem Posten zurückzutreten. Schröder hinterlässt seine Frau und drei Kinder. FAZ

27/03/18: Deutsche Bank schon auf Chefsuche?, Die brave Helaba, Kim Hammonds, Das Ende des Bankkontos

Die Deutsche Bank sucht ANGEBLICH bereits nach einem neuen Chef

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös (verglichen mit der BayernLB)

Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt … Finanz-Szene.de

News

Deutsche-Bank-Vorstand bringt Ende klassischer Konten ins Spiel: Er halte es für denkbar, dass irgendwann in 5, 10, 15 oder 20 Jahren die Bankkonten „verschwinden und durch etwas Neues ersetzt werden“, hat Marcus Schenck bei einer Konferenz in London gesagt (das war zwar schon Ende letzter Woche. Aber weil die Aussage bemerkenswert ist, sie aber, soweit wir das sehen, von hiesigen Medien nicht groß aufgegriffen wurde, verkaufen wir das jetzt einmal mal als „News“). Business Insider

Ein herzliches Willkommen den Lesern, die wir dieser Tage im Commerzbank Tower hinzugewonnen haben. Leider können wir Ihnen heute aber nur Standardware bieten, nämlich die Verlautbarung ihres Arbeitgebers aus Anlass des gestern vorgestellten Geschäftsberichts. Tenor: 2017 war bekanntermaßen nicht so dolle, 2018 wird aber deutlich besser (weil die Belastungen kleiner werden). Schaun mer mal. Manager Magazin

Formvollendete Posse um Frau Hammonds: Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Dabei sollte die mutmaßliche Personal-Kabale nicht den Blick auf eine interessante Äußerung Hammonds‘ in dem Interview gestern versperren: Dort sagte sie nämlich, man wolle „noch aktiver“ werden, was direkte Investitionen in Fintechs betrifft. Wenn uns nicht alles täuscht, hat die Deutsche Bank in diesem Punkt nun einen kompletten Strategiewechsel vollzogen, nämlich von „Wir investieren nicht direkt in Fintechs“ (2015) über „Naja, vielleicht doch ein bisschen“ (siehe die Investments in TrustBills und Dwins in 2017) hin zu „Jetzt aber mal so richtig“ (2018).

Während die Deutsche Bank ihre Fintech-Strategie adjustiert und die Commerzbank angeblich über die Gründung einer internationalen Online-Bank nachdenkt …, ist die BBVA mal wieder deutlich weiter und lässt ihr Silicon-Valley-Fintech Denizen das (angeblich) weltweit erste Konto mit kostenlosen Cross-Border-Überweisungen launchen. Financial Times (Paywall)Pressemitteilung

Verblüffendes von der Alster: Die Warburg Bank will ihren Robo-Service (von dem man ja eigentlich dachte, er sei eher was für Mass Affluents, die sich endlich mal als richtige Privatbank-Kunden fühlen wollen) jetzt auch für semi-institutionelle Investoren anbieten. Bloomberg

Wie groß muss der Mehrwert sein, den ein Fintech bietet? Diese Frage drängt sich auf, wenn die Berliner KMU-Challenger-Bank Penta jetzt stolz verkündet, Gründer könnten bei ihr binnen 48 Stunden ein Geschäftskonto einrichten und das erforderliche Stammkapital einzahlen. Mal angenommen, bei einer herkömmlichen Bank dauert der Prozess wirklich zwei, drei Tage mehr – schlimm? (Wir sind ja selber selbständig, unsere Einschätzung lautet: Nö, das ist nun wirklich das allerkleinste Problem da draußen.).

… und was einen dann wieder mal an der Ernsthaftigkeit mancher Fintechs zweifeln lässt: Bei Gründerszene ist von „weniger als 48 Stunden“ die Rede, in der Mail, die Penta uns gestern schrieb, steht etwas von „in der Regel in unter 48 Stunden“. Und bei den englischen Kollegen liest man dann (vermutlich wegen der Zeitumstellung), es gehe „in under 24 hours“, ergänzt um die Formulierung, „shortening the overall incorporation process by several weeks“. An manchen Tagen fühlen wir uns bei unserer piefigen  Volksbank immer noch ganz wohl.

Und noch eine Nachricht: Der Skandal um die estnische Versobank (Lizenzentzug wegen Geldwäsche etc.pp.) wirft kein gutes Licht auf das Fintech Savedo/Deposit Solutions, das deutsche Spareinlagen an die estnische Bank vermittelte. Handelsblatt (Paywall)

Und dann noch eine, und zwar aus der FAZ heute Früh: Die Bethmann Bank gibt ihren Stammsitz nahe der Paulskirche auf und zieht stattdessen ins  gerade im Bau befindliche Marienforum. FAZ

Linktipps

Da ja jetzt überall von Yes, Verimi usw. die Rede ist: Sind die Banken (und ihre kleinen Helferlein, die ID-Fintechs) überhaupt prädestiniert für die Verwaltung digitaler Identitäten?, fragt der Blogger und Berater Ralf Keuper. Bankstil

Dazu passend, aber leider hinter der Paywall, ein „Special Report“ der „Financial Times“ zu mehr oder weniger dem gleichen Thema. FT

Und wenn Sie jetzt schon den PR-igsten PR-Text des Jahres lesen wollen: … dann schauen Sie doch mal, wie sich die Marktforscher von Yougov auf „wiwo.de“ bei der Commerzbank einschmeicheln dürfen (dabei hat Yougov doch neulich schon den Auftrag für die große Coba-Studie zur Altersvorsorge gekriegt, reicht das nicht?). Wirtschaftswoche 

Aus der Szene

Gibt es eigentlich noch ein deutsches Fintech ohne Finanzprofessor als Maskottchen? Vom spektakulären Angriff des Berliner Tagesgeld-Spezialisten Weltsparen auf den Münchner Robo-Advisor Scalable Capital hatten wir ihnen ja schon am 9. März erzählt (weshalb wir das heute nicht nochmal tun, sondern stattdessen auf den sozusagen aktuellen Bericht im „Handelsblatt“ verweisen).  Was wir aber durchaus spannend  finden an der offiziellen Verlautbarung gestern, das ist der Umstand, dass Weltsparen zum Start seines „Light-Robos“ einen Beirat gegründet hat, dem u.a. Finanzprofessor Weber aus Mannheim angehört. Das trifft sich insofern hervorragend, als Prof. Hackethal von der Goethe-Uni beim Robo Vaamo dem Aufsichtsrat vorsitzt, Prof. Mittnik aus München bei Scalable als  Gründer firmiert, Prof. di Giorgi aus St. Gallen beim Robo Liqid den Beirat schmückt und Hackethals Goethe-Kollege Prof. König beim Robo Ginmon den Titel „Senior Advisor“ trägt. Wie beruhigend, dass man sich um den Praxis-Bezug des  Elfenbeinturms keine Sorgen mehr machen muss. Ginmon, Liqid, Weltsparen, Vaamo, Scalable

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück über das Tafelsilber der Commerzbank. Finanz-Szene.de

Verstorben

Der langjährige KfW-Chef Ulrich Schröder ist tot. Wie die Förderbank gestern mitteilte, starb der Bankmanager am Sonntag knapp eine Woche nach seinem 66. Geburtstag. Schröder stand seit 2008 an der Spitze der KfW. Bereits 2015 hatte er ein Krebsleiden öffentlich gemacht, das ihn Ende vergangenen Jahres zwang, von seinem Posten zurückzutreten. Schröder hinterlässt seine Frau und drei Kinder. FAZ

23/03/18: Die Digitalpläne der Coba, Fintechs des Jahres, Amazon ist schon eine Bank

Liebe LeserInnen, wir wissen, dass Sie einen „Fintech-Newsletter auch mit Banking-Nachrichten“ abonniert haben, keinen „Banking-Newsletter fast ohne Fintech-Nachrichten“. Aber: Manchmal ist die News-Lage halt so, wie sie ist. Drum: Wenn Sie den ganzen Kladderadatsch zur Deutschen Bank und zur Commerzbank brav lesen, dann gibt’s hintenraus auch noch ein bisschen Fintech, versprochen!

Bis zu 26 % Minus in nur zwei Monaten: Gibt die Börse die deutschen Banken auf?

Nach dem Kurseinbruch der Deutschen Bank am Mittwoch hat es gestern auch die Commerzbank erwischt. Die Papiere der Gelbbank verloren 6,2 % an Wert und notierten zum Handelsschluss bei nur noch 11,19 Euro – der schwächste Kurs seit sechs Monaten. Für die Blaubank ging es derweil weiter bergab, sie verlor nochmals 3,0 % an Wert, die Pfandbriefbank büßte 3,8 % ein, die Aareal 2,0 %.  Zum Teil sind diese Verluste  der allgemeinen Unsicherheit an den Märkten dieser Tage zuzuschreiben (Handelskonflikt, Konjunktursorgen). Doch davon abgesehen drängt sich der Eindruck auf, dass viele Investoren der Deutschen Bank und der Commerzbank einen raschen Turnaround schlicht nicht mehr zutrauen (Hallo Herr Cryan, hallo Herr Zielke). Indiz: Die Aktie der Blauen ist in den vergangen zwei Monaten um 26 % abgerutscht, die der Gelben um 17 %. Was Herr Moltke zum Q1 der Dt. Bank gesagt hat, hatten wir ja gestern berichtet. Was sagt denn Herr Engels zum Q1 der Coba? Offenbar nicht viel (siehe sechster Absatz im Börsenbericht der FAZ).

Deutsche-Bank-Aktie, Commerzbank-Aktie

Die T-Frage der Commerzbank: Wie viel Tafelsilber ist eigentlich noch übrig?

Und wo wir schon mal dabei sind: Anfang nächster Woche wird die Commerzbank ihren 2017er-Geschäftsbericht  veröffentlichen – nicht der schlechteste Anlass, sich mal mit den außerordentlichen Erträgen zu befassen. Die machten 2017 nämlich 43 % des sog. „operativen Ergebnisses“ von 1,3 Mrd. Euro aus; und 2016 waren es sogar 59 %. Noch interessanter wird die Sache, wenn man auf das Konzernergebnis guckt (das die Restrukturierungen berücksichtigt). 2016 lag es bei 279 Mio. Euro, 2017 bei 156 Mio. Euro. Denkt man sich davon nun die außerordentlichen Erträge weg (831 Mio. Euro in 2016 und 557 Mio. Euro in 2017), dann sind die Zahlen plötzlich nicht mehr schwarz, sondern rot. Kurzum, was passiert, wenn die Einmaleffekte mal nicht mehr so günstig ausfallen wie zuletzt? Und was ist eigentlich noch an Tafelsilber übrig, wenn man bedenkt, was zuletzt alles abgestoßen wurde. Sehen Sie hier unsere große Tabelle, in der wir die vielen Einmalerlöse der vergangenen 24 Monate einfach mal fein säuberlich aufgedröselt haben: Finanz-Szene.de

News

Zurück von der Commerzbank zur Deutschen Bank: Der Asset Manager der Blaubank, also die DWS, wird heute zu 32,50 Euro an die Börse gehen. Da nicht 25 % der Aktien platziert werden (was war nochmal mit der dollen Überzeichnung?), sondern nur 22,5 %, beläuft sich der Emissionserlös auf 1,4 Mrd. Euro (statt der ehedem mal erhofften 2,0 Mrd. Euro). Was man fairerweise hinzufügen sollte: Der Zeitpunkt für den IPO (siehe der heutige Aufmacher) hätte schlechter auch kaum sein können. Zum fehlenden Glück gesellt sich also auch noch das Pech. Handelsblatt

Und wieder zur Commerzbank: Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, die Coba arbeite (übrigens nicht von Frankfurt, sondern von Lodz aus) an einer „internationalen Onlinebank“, um Privatkunden im europäischen Ausland zu bedienen. Ob die Plattform  umgesetzt werde, sei aber noch unklar. Dafür müsse „vor allem die Finanzierbarkeit geprüft werden“. Woran man in diesem Kontext leider erinnern muss: Als die Coba Anfang der Nullerjahre schon einmal von einer internationalen Onlinebank träumte (und zwar in Gestalt der Comdirect, die damals u.a. nach Frankreich und Italien expandierte), ging das Ganze krachend schief. Wirtschaftswoche, Spiegel Online (Archiv-Artikel aus 2002)

Und noch (ein drittletztes) mal Commerzbank (und jetzt schon mit leichten Fintech-Einsprengseln!): Als wäre der gestrige Tag nicht aufregend genug gewesen, hat die Gelbbank (btw: Was würden wir dafür geben, wenn es ein vernünftiges Synonym für „Commerzbank“ gäbe …) gestern zwei neue Digitalprodukte (Fintech!) für das Firmenkunden-Geschäft vorgestellt, nämlich einmal einen Online-Betriebsmittelkredit und zum zweiten einen komplett digitalen Beratungsprozess für das Zins- und Währungsmanagement. Klar ist: Das ist unbedingt nicht das, was die Investoren dieser Tage interessiert – aber das spricht ja nicht gegen die Initiative. Und, dass man vom letzten großen digitalen Firmenkunden-Projekt der Coba („Main Funders“) irgendwie nie mehr was gehört hat, ist zwar bemerkenswert – spricht aber auch nicht gegen die neue Initiative. (übrigens: Der Commerzbanker, der die Initiative gestern vorstellen durfte, war Dominik Steinkühler, der frühere Lendico-Chef, sprich: Fintech!) Finance Magazin (sehr lesenswert)  

Wie die Baufinanzierung immer stärker aus der Filiale ins Netz (bzw. auf die Plattformen) abwandert (Fintech!): Erinnern Sie sich noch an die Meldung von vergangener Woche, wonach die PSD-Banken inzwischen 61 Prozent ihres Baufinanzierungs-Volumens über Plattformen wie Europace abwickeln? Dazu passt, dass der Münchner Baugeldvermittler Interhyp (ein Ur-Fintech!) sein Finanzierungsvolumen 2017 um zehn Prozent und seinen Marktanteil um einen Punkt auf 8,4 Prozent gesteigert hat. Pressemitteilung

Solarisbank und  Billie als „Fintechs des Jahres“ ausgezeichnet: … wobei wir aus Transparenzgründen darauf hinweisen, dass „Finanz-Szene.de“ der Jury angehörte und dass wir (auch wenn das vielleicht zuviel der Transparenz ist) durch unsere Punktvergabe durchaus zu genau diesem Ausgang beigetragen haben. Aber eigentlich finden wir natürlich alle Fintechs super, auch Auxmoney, das einen der beiden Publikumspreise gewonnen hat. Der andere ging an Savedroid. Paymentandbanking

Das Frankfurter Semi-Fintech Ayondo nimmt (einen neuen) Anlauf an die Börse ... und zwar an die in Singapur. Börsen-Zeitung

Und noch zwei Personalien, die nur die Banker im engsten Sinne interessieren, die wir aber als kleine Provokation heute auch unseren Fintech-Lesern vorsetzen: Beim Spkarkassenverband Hessen-Thüringen hat sich Gerhard Grandke (laut „Börsen-Zeitung“ eine „Persönlichkeit mit bundesweiter Strahlkraft“) breitschlagen lassen, eine gefühlt 28. Amtszeit auf sich zu nehmen, bei der bisweilen Soap-Opera-reifen Investment-Boutique Mainfirst wird Ebrahim Attarzadeh künftig eine Doppelspitze mit Björn Kirchner bilden. Börsen-Zeitung (Grandke-Heiligsprechung hinter Paywall), Fondsprofessionell (Mainfirst-Meldung).

Linktipps

Wer braucht schon eine Banklizenz? Sieben Beispiele, wie Amazon jetzt bereits Bankgeschäfte betreibt. American Banker

Plattform oder Pipeline? Ein paar sehr grundsätzliche, leicht akademische Gedanken zur Zukunft des Bankings im digitalen Zeitalter. Bankstil

Selbes Themenfeld, etwas zupackenderer Ansatz: Rene C. Keller, CIO der Deutschen Bank, skizziert „Vier Handlungsfelder für die Bank der Zukunft“. Der Bank-Blog

Keine Ahnung, warum wir das hier jetzt verlinken (vermutlich, weil wir allmählich in ein Alter kommen, in dem früher alles besser war) … äh, und was verlinken wir? Ach ja, einen extrem anheimelnden Dresdner-Bank-Spot aus dem Jahr 1997, den derselbe Kollege ausgegraben hat, der sich (siehe oben) die akademischen Gedanken gemacht hat. Bankstil

Zurück in die schlechte Zeit. Neulich hatten wir Ihnen ja gezeigt, was die Deutsche Bank bei Instagram macht … heute erklärt Ihnen Herr Przibylla, was seine Bank, nämlich die Commerzbank, bei WhatsApp macht. Whatsbroadcast.com

Und dazu zumindest so ein bisschen passend: Wie die Commerzbank begründet, warum sie als offenbar erstes großes deutsches Unternehmen die Werbung bei Facebook gestoppt hat. Handelsblatt

Warum an der Kasse (fast) niemand mit dem Smartphone zahlt (der Artikel bezieht sich zwar auf die Schweiz, wo die Gemengelage – Stichwort „Twint“ – eine besondere ist, aber der ein oder andere Aspekt ist sicher auch aus deutscher Perspektive interessant). Watson

Und wem unsere Linktipps mal wieder zu gestrig, altbacken und unvollständig sind …, den verweisen wir wie immer freitags auf die coole, zeitgemäße, umfangreiche „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern der von Peter Barkow in die Welt gesandte Tweet zur Causa Savedroid vs. Fraspa. Twitter

23/03/18: Bankaktien im freien Fall, Das Tafelsilber der Coba, BayernLB – wie geht das denn?

Bis zu 26 % Minus in nur zwei Monaten: Gibt die Börse die deutschen Banken auf?

Nach dem Kurseinbruch der Deutschen Bank am Mittwoch hat es gestern auch die Commerzbank erwischt. Die Papiere der Gelbbank verloren 6,2 % an Wert und notierten zum Handelsschluss bei nur noch 11,19 Euro – der schwächste Kurs seit sechs Monaten. Für die Blaubank ging es derweil weiter bergab, sie verlor nochmals 3,0 % an Wert, die Pfandbriefbank büßte 3,8 % ein, die Aareal 2,0 %.  Zum Teil sind diese Verluste  der allgemeinen Unsicherheit an den Märkten dieser Tage zuzuschreiben (Handelskonflikt, Konjunktursorgen). Doch davon abgesehen drängt sich der Eindruck auf, dass viele Investoren der Deutschen Bank und der Commerzbank einen raschen Turnaround schlicht nicht mehr zutrauen (Hallo Herr Cryan, hallo Herr Zielke). Indiz: Die Aktie der Blauen ist in den vergangen zwei Monaten um 26 % abgerutscht, die der Gelben um 17 %. Was Herr Moltke zum Q1 der Dt. Bank gesagt hat, hatten wir ja gestern berichtet. Was sagt denn Herr Engels zum Q1 der Coba? Offenbar nicht viel (siehe sechster Absatz im Börsenbericht der FAZ).

Deutsche-Bank-Aktie, Commerzbank-Aktie

Die T-Frage der Commerzbank: Wie viel Tafelsilber ist eigentlich noch übrig?

Und wo wir schon mal dabei sind: Anfang nächster Woche wird die Commerzbank ihren 2017er-Geschäftsbericht  veröffentlichen – nicht der schlechteste Anlass, sich mal mit den außerordentlichen Erträgen zu befassen. Die machten 2017 nämlich 43 % des sog. „operativen Ergebnisses“ von 1,3 Mrd. Euro aus; und 2016 waren es sogar 59 %. Noch interessanter wird die Sache, wenn man auf das Konzernergebnis guckt (das die Restrukturierungen berücksichtigt). 2016 lag es bei 279 Mio. Euro, 2017 bei 156 Mio. Euro. Denkt man sich davon nun die außerordentlichen Erträge weg (831 Mio. Euro in 2016 und 557 Mio. Euro in 2017), dann sind die Zahlen plötzlich nicht mehr schwarz, sondern rot. Kurzum, was passiert, wenn die Einmaleffekte mal nicht mehr so günstig ausfallen wie zuletzt? Und was ist eigentlich noch an Tafelsilber übrig, wenn man bedenkt, was zuletzt alles abgestoßen wurde. Sehen Sie hier unsere große Tabelle, in der wir die vielen Einmalerlöse der vergangenen 24 Monate einfach mal fein säuberlich aufgedröselt haben: Finanz-Szene.de

News

Zurück von der Commerzbank zur Deutschen Bank: Der Asset Manager der Blaubank, also die DWS, wird heute zu 32,50 Euro an die Börse gehen. Da nicht 25 % der Aktien platziert werden (was war nochmal mit der dollen Überzeichnung?), sondern nur 22,5 %, beläuft sich der Emissionserlös auf 1,4 Mrd. Euro (statt der ehedem mal erhofften 2,0 Mrd. Euro). Was man fairerweise hinzufügen sollte: Der Zeitpunkt für den IPO (siehe der heutige Aufmacher) hätte schlechter auch kaum sein können. Zum fehlenden Glück gesellt sich also auch noch das Pech. Handelsblatt

Und wieder zur Commerzbank: Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, die Coba arbeite (übrigens nicht von Frankfurt, sondern von Lodz aus) an einer „internationalen Onlinebank“, um Privatkunden im europäischen Ausland zu bedienen. Ob die Plattform  umgesetzt werde, sei aber noch unklar. Dafür müsse „vor allem die Finanzierbarkeit geprüft werden“. Woran man in diesem Kontext leider erinnern muss: Als die Coba Anfang der Nullerjahre schon einmal von einer internationalen Onlinebank träumte (und zwar in Gestalt der Comdirect, die damals u.a. nach Frankreich und Italien expandierte), ging das Ganze krachend schief. Wirtschaftswoche, Spiegel Online (Archiv-Artikel aus 2002)

Und noch ein (drittletztes) mal Commerzbank: Als wäre der gestrige Tag nicht schon aufregend genug gewesen, hat die Gelbbank (btw: Was würden wir dafür geben, wenn es ein vernünftiges Synonym für „Commerzbank“ gäbe …) gestern zwei neue Digitalprodukte für das Firmenkunden-Geschäft vorgestellt, nämlich einmal einen Online-Betriebsmittelkredit und zum zweiten einen komplett digitalen Beratungsprozess für das Zins- und Währungsmanagement. Klar ist: Das ist unbedingt nicht das, was die Investoren dieser Tage interessiert – aber das spricht ja nicht gegen die Initiative. Und, dass man vom letzten großen digitalen Firmenkunden-Projekt der Coba („Main Funders“) irgendwie nie mehr was gehört hat, ist zwar bemerkenswert – spricht aber auch nicht gegen die neue Initiative. Finance Magazin (sehr lesenswert)  

Ist an den BayernLB-Zahlen irgendwas faul? Nein, natürlich nicht. Und wer würde Vorstandschef Riegler die 677 Mio. Euro Konzerngewinn missgönnen, die er gestern der Presse präsentieren durfte. Falls allerdings eine Anmerkung erlaubt sei: Wenn das Zinsergebnis der Helaba (siehe unsere gestrige Ausgabe) um 11% sinkt – wie kann es dann sein, dass das Zinsergebnis der BayernLB um 12,5 % steigt (und im Kapitalmarktgeschäft sogar um 255%, siehe Seite 15 der IR-Präsentation).  Schon klar: Wie fast  immer, wenn es von der BayernLB was Positives zu berichten gibt, lautet ein Teil der Antwort „DKB“ (siehe Seite 14 der Präsentation). Aber zum guten Ergebnis dürfte wohl beigetragen haben, dass die BayernLB offenbar in größeren Stil eigene Schuldscheine vorzeitig gekündigt hat (wozu sich in der Präsentation freilich kein Hinweis findet). IR-Präsentation (PDF)

Apropos: Aus besagter Präsentation geht hervor, dass die DKB mittlerweile 3,7 Millionen Kunden hat. Beachtlich.

Wie die Baufinanzierung immer stärker aus der Filiale ins Netz (bzw. auf die Plattformen) abwandert: Erinnern Sie sich noch an die Meldung von vergangener Woche, wonach die PSD-Banken inzwischen 61 Prozent ihres Baufinanzierungs-Volumens über Plattformen wie Europace abwickeln? Dazu passt, dass der Münchner Baugeldvermittler Interhyp sein Finanzierungsvolumen 2017 um zehn Prozent und seinen Marktanteil um einen Punkt auf 8,4 Prozent gesteigert hat. Pressemitteilung

Und noch zwei Personalien, die nur die Finanzplatz-Menschen im engsten Sinne interessieren: Beim Sparkassenverband Hessen-Thüringen hat sich Gerhard Grandke (laut „Börsen-Zeitung“ eine „Persönlichkeit mit bundesweiter Strahlkraft“) breitschlagen lassen, eine gefühlt 28. Amtszeit auf sich zu nehmen, bei der bisweilen Soap-Opera-reifen Investment-Boutique Mainfirst wird Ebrahim Attarzadeh künftig eine Doppelspitze mit Björn Kirchner bilden. Börsen-Zeitung (Grandke-Heiligsprechung hinter Paywall), Fondsprofessionell (Mainfirst-Meldung).

Linktipps

Wer braucht schon eine Banklizenz? Sieben Beispiele, wie Amazon jetzt bereits Bankgeschäfte betreibt. American Banker

Plattform oder Pipeline? Ein paar sehr grundsätzliche, leicht akademische Gedanken zur Zukunft des Bankings im digitalen Zeitalter. Bankstil

Selbes Themenfeld, etwas zupackenderer Ansatz: Rene C. Keller, CIO der Deutschen Bank, skizziert „Vier Handlungsfelder für die Bank der Zukunft“. Der Bank-Blog

Keine Ahnung, warum wir das hier jetzt verlinken (vermutlich, weil wir allmählich in ein Alter kommen, in dem früher alles besser war) … äh, und was verlinken wir? Ach ja, einen extrem anheimelnden Dresdner-Bank-Spot aus dem Jahr 1997, den derselbe Kollege ausgegraben hat, der sich (siehe oben) die akademischen Gedanken gemacht hat. Bankstil

Zurück in die schlechte Zeit. Neulich hatten wir Ihnen ja gezeigt, was die Deutsche Bank bei Instagram macht … heute erklärt Ihnen Herr Przibylla, was seine Bank, nämlich die Commerzbank, bei WhatsApp macht. Whatsbroadcast.com

Und dazu zumindest so ein bisschen passend: Wie die Commerzbank begründet, warum sie als offenbar erstes großes deutsches Unternehmen die Werbung bei Facebook gestoppt hat. Handelsblatt

Warum an der Kasse (fast) niemand mit dem Smartphone zahlt (der Artikel bezieht sich zwar auf die Schweiz, wo die Gemengelage – Stichwort „Twint“ – eine besondere ist, aber der ein oder andere Aspekt ist sicher auch aus deutscher Perspektive interessant). Watson

Und wem unsere Linktipps mal wieder zu gestrig, altbacken und unvollständig sind …, den verweisen wir wie immer freitags auf die coole, zeitgemäße, umfangreiche „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs

Klickfavorit

… war gestern der von Peter Barkow in die Welt gesandte Tweet zur Causa Savedroid vs. Fraspa. Twitter

Die T-Frage der Commerzbank: Wie viel Tafelsilber ist noch übrig?

Von Heinz-Roger Dohms

Anfang nächster Woche wird die Commerzbank ihren 2017er-Geschäftsbericht  veröffentlichen – nicht der schlechteste Anlass, sich mal mit den außerordentlichen Erträgen zu befassen. Die machten 2017 nämlich 43 % des sog. „operativen Ergebnisses“ von 1,3 Mrd. Euro aus; und 2016 waren es sogar 59 %. Noch interessanter wird die Sache, wenn man auf das Konzernergebnis guckt (das die Restrukturierungen berücksichtigt). 2016 lag es bei 279 Mio. Euro, 2017 bei 156 Mio. Euro. Denkt man sich davon nun die außerordentlichen Erträge weg (831 Mio. Euro in 2016 und 557 Mio. Euro in 2017), dann sind die Zahlen plötzlich nicht mehr schwarz, sondern rot.

Kurzum, was passiert, wenn die Einmaleffekte mal nicht mehr so günstig ausfallen wie zuletzt? Und was ist eigentlich noch an Tafelsilber übrig, wenn man bedenkt, was zuletzt alles abgestoßen wurde. Sehen Sie hier unsere große Tabelle, in der wir die vielen Einmalerlöse der vergangenen 24 Monate einfach mal fein säuberlich aufdröselt haben:

Erlös*
Verkauf der Unternehmenszentrale 225 Q3 2017
Wertaufholung Heta-Anleihen 135 Q4 2016
Verkauf von Immobilien 133 Q4 2016
Auflösung Joint-Venture mit BNP Paribas 131 Q3 2017
Verkauf Anteile an Visa Europe 123 Q2 2016
Verkauf Anteile an Concardis 89 Q3 2017
Wertaufholung im Bereich Public Finance 68 Q1 2016
Sonderdividende Euro Kartensystem GmbH 44 Q1 2016
Verkauf von Anleihepositionen 43 Q1 2016
Verkauf der Commerzbank Luxemburg (Cisal) 25 Q3 2016
Sonstige Bewertungseffekte in 2016 328
Sonstige Bewertungseffeke in 2017 44
Summe: 1388
* bzw.: GuV-Effekt in Millionen Euro
Quellen: Quartalsberichte, Präsentationen

 

An uns (den Medien), liebe Deutsche Bank und liebe DWS, hat es ganz sicher nicht gelegen …

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn die Deutsche Bank aus dem IPO-Prozess der DWS irgendetwas Positives mitnehmen kann – dann, dass es an medialem Rückenwind (von wem auch immer der gesät wurde) nicht gemangelt hat. Das begann mit der Geschichte, die DWS sammle „wieder kräftig Kundengeld ein“ (HB, 25.1.) – dabei reichten die 2017-Zuflüsse bei weitem nicht aus, um die 2016er-Abflüsse zu kompensieren.

Weiter ging es mit der Story, Nippon Life wolle sich mit „annähernd 10%“ an der DWS beteiligen  (FAZ, 6.3.); letztlich waren es dann doch nur 5%. Schön auch: „Blackrock könnte sich an DWS-Börsengang beteiligen“ (HB, 6.3.). Oder: Orderbücher „wenige Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist bereits gefüllt“ (BÖZ, 15.3.). Der Höhepunkt dann diese Woche, als Reuters, BÖZ, HB und FAZ quasi parallel  von einer (deutlichen) „Überzeichnung“ der Emission berichteten.

Dabei kam nur wenige Stunden später der Moment, in dem Finanz-PR auf Wirklichkeit traf. Preisspanne: 32 bis 33 Euro. Maximaler Emissionserlös: 1,65 Mrd. Euro (statt der angestrebten 2,0 Mrd. Euro). Das mag unterm Strich okay sein. Aber es klafft doch eine gefühlte Lücke zwischen dem, was wochenlang zu lesen war, und dem, was jetzt ist.

22/03/18: Savedroid vs. Fraspa, Apple Pay ist da, Gini, Deutsche-Bank-Schock

An uns (den Medien), liebe Deutsche Bank und liebe DWS, hat es ganz sicher nicht gelegen …

Wenn die Deutsche Bank aus dem IPO-Prozess der DWS irgendetwas Positives mitnehmen kann – dann, dass es an medialem Rückenwind (von wem auch immer der gesät wurde) nicht gemangelt hat. Das begann mit der Geschichte, die DWS sammle „wieder kräftig Kundengeld ein“ (HB, 25.1.) – dabei reichten die 2017-Zuflüsse bei weitem nicht aus, um die 2016er-Abflüsse zu kompensieren. Weiter ging es mit der Story, Nippon Life wolle sich mit „annähernd 10%“ an der DWS beteiligen  (FAZ, 6.3.); letztlich waren es dann doch nur 5%. Schön auch: „Blackrock könnte sich an DWS-Börsengang beteiligen“ (HB, 6.3.). Oder: Orderbücher „wenige Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist bereits gefüllt“ (BÖZ, 15.3.). Der Höhepunkt dann diese Woche, als Reuters, BÖZ, HB und FAZ quasi parallel  von einer (deutlichen) „Überzeichnung“ der Emission berichteten. Dabei kam nur wenige Stunden später der Moment, in dem Finanz-PR auf Wirklichkeit traf. Preisspanne: 32 bis 33 Euro. Maximaler Emissionserlös: 1,65 Mrd. Euro (statt der angestrebten 2,0 Mrd. Euro). Das mag unterm Strich okay sein. Aber es klafft doch eine gefühlte Lücke zwischen dem, was wochenlang zu lesen war, und dem, was jetzt ist.

Manager Magazin (mit der News zur Preisspanne)

Moltke bringt mit Gewinnwarnung die Deutsche-Bank-Aktie zum Einsturz

Und als wäre die Lage nicht schon trist genug gewesen (Boni-Aufregung, DWS-Enttäuschung, Winter-Einbruch) – auch das noch: Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke hat gestern mit einer Art Gewinnwarnung die Aktie seines Arbeitgebers mal so richtig ins Rutschen gebracht. Um bis zu 7% (!) lagen die Papiere im Minus, nachdem von Moltke auf einer Investorenkonferenz erzählt hatte, wegen des starken Euros und höherer Refinanzierungskosten rechne sein Institut mit Belastungen von rund 450 Millionen Euro. Nun herrschte gestern bis in die Abendstunden hinein Verwirrung, inwiefern die Aussagen überhaupt einen Neuigkeitswert hatten. So sprach der Analyst Stuart Graham von „Fake News“, da die Währungseffekte längst bekannt gewesen seien. Doch so oder so: Auch diese Geschichte wirft kein gutes Licht auf die Deutsche Bank. SZ, Handelsblatt, Aktienkurs

News

Das Frankfurter Fintech Savedroid stichelt/polemisiert öffentlich gegen die Frankfurter Sparkasse: So stellt sich die Sache für uns jedenfalls dar, nachdem wir Twitter konsultiert haben, Zeugen vernommen haben, mit dem Savedroid-Chef telefoniert haben (was nicht so einfach war, weil er in der S-Bahn und wir auf dem Spielplatz waren) und versucht haben, mit der Fraspa-Sprecherin zu telefonieren (die aber nichts sagen wollte). Worum geht es konkret: Erst hat die Fraspa offenbar das Konto von Savedroid gekündigt. Der Grund, unserer Vermutung nach: Weil auf ebendieses  Konto auch Gelder aus dem Savedroid-ICO geflossen sind (und ICOs sind aus Sicht der Fraspa vermutlich so eine Sache …). Darob war der Savedroid-Chef dann offenkundig so unamüsiert, dass er das Kündigungsschreiben (bzw. dessen obere Hälfte) gestern bei einer Veranstaltung in Berlin an die Wand projiziert hat. Sonst ist nix passiert? Nö. Warum wir dann berichten? Weil es ein bemerkenswertes Novum ist, von einem Hamburger Spielplatz aus eine Frankfurter Kindergarten-Story zu recherchieren.

Wer nach einem Beleg sucht, wie brutal sich der Niedrigzins dann doch in die Bilanzen zumindest einiger deutscher Banken hineinfrisst …, der sollte sich einfach mal Seite 6 der IR-Präsentation zu den gestern vorgelegten Helaba-Zahlen anschauen. Denn grafisch sieht so ein Minus von 11% noch krasser aus, als es sich hingeschrieben liest. Hinzu kommt eine satte Abschreibung auf den Firmenwert der  Frankfurter Sparkasse (siehe Seite 8), sodass man gar nicht berechnen will, wie schlecht die 2017er-Zahlen ausgefallen wären, wenn nicht das Handelsergebnis im positiven Sinne explodiert wäre (Seite 7). IR-Präsentation (PDF), Reuters (mit Ausblick auf 2018)

Erneute Groß-Razzia bei M.M. Warburg: Laut „Handelsblatt“ haben rund 50 Ermittler am Dienstag und Mittwoch Büros der Hamburger Privatbank  sowie Wohnungen von Gesellschaftern durchsucht. Der Hintergrund, so das HB:  Der Verdacht auf „schwere Steuerhinterziehung“ im Zusammenhang mit Cum-Ex und Cum-Cum habe sich offenbar „nicht abgeschwächt, sondern verstärkt“. Wenn man bedenkt, wie rigoros Warburg die massiven Vorwürfe immer zurückgewiesen hat (und auch weiterhin zurückweist), bleibt als Eindruck zurück, dass die Sache nur extrem bitter enden kann. Für die Staatsanwaltschaft. Oder für de Bank. Handelsblatt (Paywall)

Beyond.de

Die Neuordnung des Payment-Markts in der DACH-Region erfolgt … Mitte dieses Jahres. Bis dahin nämlich will der Schweizer Finanztechnologie-Konzern SIX seine milliardenschwere Zahlungsdienste-Tochter verkauft haben, wie gestern verlautete. Zur Erinnerung: Zu den Interessenten gehören auch die Finanzinvestoren Bain und Advent, die SIX mit der deutschen Concardis verschmelzen könnten. Reuters/HB

Linktipps

 

Ist Fintech das Einfallstor für Finanzbetrügereien aller Art und ungeahnten Ausmaßes? Dies zumindest scheint ein hochrangiger britischer Richter zu befürchten. FT (Paywall)Rede im Original

Wie man in Deutschland Apple Pay nutzen kann (und zwar ohne dass Apple seinen Bezahldienst in Deutschland eingeführt hätte). Paymentandbanking

Klar, die Digitalisierung beschäftigt die Bank-CEOs … aber noch mehr Gedanken machen sie sich einer Studie zufolge über Cybercrime und (immer noch) über Regulierung. IT-Finanzmagazin, Handelsblatt

„Immer neue Ausreden“: Die Deutsche Bank habe nicht nur ein Umsetzungs-, sondern sehr wohl auch ein Strategieproblem, schreibt Daniel Schäfer heute Früh im Handelsblatt (Paywall).

„Es reicht“: FAZ-Kollege Braunberger sieht die Sache ähnlich wie HB-Kollege Schäfer. FAZ

Interessantes Stück heute über Hans-Dieter Kemler, den (einigermaßen) neuen Kapitalmarktvorstand der Helaba, dem der Ruf vorauseilt, sich mit Digitalisierung tatsächlich auszukennen, was vielleicht nicht die Kernkompetenz in seiner Position sein sollte, ja aber auch nicht schaden kann. FAZ (Seite 20)

Gestern Abend, als wir schon halb aus der Tür waren, um den ersten Kneipenbesuch seit Mai letzten Jahres zu absolvieren, morst uns doch tatsächlich via Linkedin der „Strategy Executer“ des Fintechs Gini  an, ob wir nicht das soeben gelaunchte „Demoprodukt für den Volldigitalen Kreditantrag auch ohne X2SA“ verlinken wollen. Antwort an den jungen Mann: „Finanz-Szene.de“ verlinkt grundsätzlich und selbstverständlich nur nach intensiver journalistischer Prüfung des Neuigkeitswerts. Außer in Ausnahmefällen. Gini

Karriere

Diese 100 Fragen … werden Jobaspiranten in Vorstellungsgesprächen bei Banken in Deutschland und der Schweiz gestellt (natürlich nicht alle in ein- und demselben Gespräch). efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern das Interview mit dem Markenchef der Commerzbank. Horizont

22/03/18: Deutsche-Bank-Schock, Zinsdesaster bei der Helaba, Die PR der DWS

An uns (den Medien), liebe Deutsche Bank und liebe DWS, hat es ganz sicher nicht gelegen …

Wenn die Deutsche Bank aus dem IPO-Prozess der DWS irgendetwas Positives mitnehmen kann – dann, dass es an medialem Rückenwind (von wem auch immer der gesät wurde) nicht gemangelt hat. Das begann mit der Geschichte, die DWS sammle „wieder kräftig Kundengeld ein“ (HB, 25.1.) – dabei reichten die 2017-Zuflüsse bei weitem nicht aus, um die 2016er-Abflüsse zu kompensieren. Weiter ging es mit der Story, Nippon Life wolle sich mit „annähernd 10%“ an der DWS beteiligen  (FAZ, 6.3.); letztlich waren es dann doch nur 5%. Schön auch: „Blackrock könnte sich an DWS-Börsengang beteiligen“ (HB, 6.3.). Oder: Orderbücher „wenige Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist bereits gefüllt“ (BÖZ, 15.3.). Der Höhepunkt dann diese Woche, als Reuters, BÖZ, HB und FAZ quasi parallel  von einer (deutlichen) „Überzeichnung“ der Emission berichteten. Dabei kam nur wenige Stunden später der Moment, in dem Finanz-PR auf Wirklichkeit traf. Preisspanne: 32 bis 33 Euro. Maximaler Emissionserlös: 1,65 Mrd. Euro (statt der angestrebten 2,0 Mrd. Euro). Das mag unterm Strich okay sein. Aber es klafft doch eine gefühlte Lücke zwischen dem, was wochenlang zu lesen war, und dem, was jetzt ist.

Manager Magazin (mit der News zur Preisspanne)

Moltke bringt mit Gewinnwarnung die Deutsche-Bank-Aktie zum Einsturz

Und als wäre die Lage nicht schon trist genug gewesen (Boni-Aufregung, DWS-Enttäuschung, Winter-Einbruch) – auch das noch: Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke hat gestern mit einer Art Gewinnwarnung die Aktie seines Arbeitgebers mal so richtig ins Rutschen gebracht. Um bis zu 7% (!) lagen die Papiere im Minus, nachdem von Moltke auf einer Investorenkonferenz erzählt hatte, wegen des starken Euros und höherer Refinanzierungskosten rechne sein Institut mit Belastungen von rund 450 Millionen Euro. Nun herrschte gestern bis in die Abendstunden hinein Verwirrung, inwiefern die Aussagen überhaupt einen Neuigkeitswert hatten. So sprach der Analyst Stuart Graham von „Fake News“, da die Währungseffekte längst bekannt gewesen seien. Doch so oder so: Auch diese Geschichte wirft kein gutes Licht auf die Deutsche Bank. SZ, Handelsblatt, Aktienkurs

News

Wer nach einem Beleg sucht, wie brutal sich der Niedrigzins dann doch in die Bilanzen zumindest einiger deutscher Banken hineinfrisst …, der sollte sich einfach mal Seite 6 der IR-Präsentation zu den gestern vorgelegten Helaba-Zahlen anschauen. Denn grafisch sieht so ein Minus von 11% noch krasser aus, als es sich hingeschrieben liest. Hinzu kommt eine satte Abschreibung auf den Firmenwert der  Frankfurter Sparkasse (siehe Seite 8), sodass man gar nicht berechnen will, wie schlecht die 2017er-Zahlen ausgefallen wären, wenn nicht das Handelsergebnis im positiven Sinne explodiert wäre (Seite 7). IR-Präsentation (PDF), Reuters (mit Ausblick auf 2018)

Erneute Groß-Razzia bei M.M. Warburg: Laut „Handelsblatt“ haben rund 50 Ermittler am Dienstag und Mittwoch Büros der Hamburger Privatbank  sowie Wohnungen von Gesellschaftern durchsucht. Der Hintergrund, so das HB:  Der Verdacht auf „schwere Steuerhinterziehung“ im Zusammenhang mit Cum-Ex und Cum-Cum habe sich offenbar „nicht abgeschwächt, sondern verstärkt“. Wenn man bedenkt, wie rigoros Warburg die massiven Vorwürfe immer zurückgewiesen hat (und auch weiterhin zurückweist), bleibt als Eindruck zurück, dass die Sache nur extrem bitter enden kann. Für die Staatsanwaltschaft. Oder für de Bank. Handelsblatt (Paywall)

Beyond.de

Die Neuordnung des Payment-Markts in der DACH-Region erfolgt … Mitte dieses Jahres. Bis dahin nämlich will der Schweizer Finanztechnologie-Konzern SIX seine milliardenschwere Zahlungsdienste-Tochter verkauft haben, wie gestern verlautete. Zur Erinnerung: Zu den Interessenten gehören auch die Finanzinvestoren Bain und Advent, die SIX mit der deutschen Concardis verschmelzen könnten. Reuters/HB

Falls es irgendwer nicht mitbekommen haben sollte: Die Fed hat gestern Abend (deutscher Zeit) die Zinsen erhöht. Spiegel-Online

Linktipps

„Immer neue Ausreden“: Die Deutsche Bank habe nicht nur ein Umsetzungs-, sondern sehr wohl auch ein Strategieproblem, schreibt Daniel Schäfer heute Früh im Handelsblatt (Paywall).

„Es reicht“: FAZ-Kollege Braunberger sieht die Sache ähnlich wie HB-Kollege Schäfer. FAZ

Interessantes Stück heute über Hans-Dieter Kemler, den (einigermaßen) neuen Kapitalmarktvorstand der Helaba, dem der Ruf vorauseilt, sich mit Digitalisierung tatsächlich auszukennen, was vielleicht nicht die Kernkompetenz in seiner Position sein sollte, ja aber auch nicht schaden kann. FAZ (Seite 20)

Ist Fintech das Einfallstor für Finanzbetrügereien aller Art und ungeahnten Ausmaßes? Dies zumindest scheint ein hochrangiger britischer Richter zu befürchten. FT (Paywall)Rede im Original

Wie man in Deutschland Apple Pay nutzen kann (und zwar ohne dass Apple seinen Bezahldienst in Deutschland eingeführt hätte). Paymentandbanking

Klar, die Digitalisierung beschäftigt die Bank-CEOs … aber noch mehr Gedanken machen sie sich einer Studie zufolge über Cybercrime und (immer noch) über Regulierung. IT-Finanzmagazin, Handelsblatt

Gestern Abend, als wir schon halb aus der Tür waren, um den ersten Kneipenbesuch seit Mai letzten Jahres zu absolvieren, morst uns doch tatsächlich via Linkedin der „Strategy Executer“ des Fintechs Gini  an, ob wir nicht das soeben gelaunchte „Demoprodukt für den Volldigitalen Kreditantrag auch ohne X2SA“ verlinken wollen. Antwort an den jungen Mann: „Finanz-Szene.de“ verlinkt grundsätzlich und selbstverständlich nur nach intensiver journalistischer Prüfung des Neuigkeitswerts. Außer in Ausnahmefällen. Gini

Aus der Szene

Das Frankfurter Fintech Savedroid stichelt/polemisiert öffentlich gegen die Frankfurter Sparkasse: So stellt sich die Sache für uns jedenfalls dar, nachdem wir Twitter konsultiert haben, Zeugen vernommen haben, mit dem Savedroid-Chef telefoniert haben (was nicht so einfach war, weil er in der S-Bahn und wir auf dem Spielplatz waren) und versucht haben, mit der Fraspa-Sprecherin zu telefonieren (die aber nichts sagen wollte). Worum geht es konkret: Erst hat die Fraspa offenbar das Konto von Savedroid gekündigt. Der Grund, unserer Vermutung nach: Weil auf ebendieses  Konto auch Gelder aus dem Savedroid-ICO geflossen sind (und ICOs sind aus Sicht der Fraspa vermutlich so eine Sache …). Darob war der Savedroid-Chef dann offenkundig so unamüsiert, dass er das Kündigungsschreiben (bzw. dessen obere Hälfte) gestern bei einer Veranstaltung in Berlin an die Wand projiziert hat. Sonst ist nix passiert? Nö. Warum wir dann berichten? Weil es ein bemerkenswertes Novum ist, von einem Hamburger Spielplatz aus eine Frankfurter Kindergarten-Story zu recherchieren.

Karriere

Diese 100 Fragen … werden Jobaspiranten in Vorstellungsgesprächen bei Banken in Deutschland und der Schweiz gestellt (natürlich nicht alle in ein- und demselben Gespräch). efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern das Interview mit dem Markenchef der Commerzbank. Horizont