Analyse: So viele Menschen wechseln ihr Girokonto wirklich

Von Heinz-Roger Dohms

Die Stammleser von „Finanz-Szene.de“  wissen, dass wir einigen der da draußen kursierenden Kontowechselservice-Studien nur bedingt vertrauen (bzw.: wenn sie von Yougov kommen, dann vertrauen wir ihnen gar nicht). Zwar haben wir leider immer noch keinen Weg gefunden, wie sich die  Zahl der Kontowechseler exakt ermitteln lässt.  Aber: Wir glauben, dass sich auf Basis plausibler Annahmen jetzt eine vernünftge Näherungsgröße bestimmen können.

Auf geht’s:

1.) Wie wir vergangene Woche gezeigt haben, hat die Postbank binnen zwölf Monaten brutto mindestens 550.000 Giro-Kunden verloren. Wenn wir das „mindestens“ streichen, indem wir es mit den vermuteten Sterbefällen verrechnen, kommen wir auf 500.000 bis 550.000 Kündigungen (=Kontowechseln). Bei einem Ausgangswert von 5,25 Millionen Postbank-Konten macht das ziemlich exakt zehn Prozent.

2.) Diese zehn Prozent sind aber ganz sicher keine Zahl, die sich 1:1 auf die Branche übertragen lässt. Denn:

  • Es gibt ja viele Direktbanken, die ihre Kontogebühren gar nicht erhöht haben. Hier wird die Kündigungsquote  extrem gering sein.
  • Kaum eine Bank stand öffentlich derart in der Diskussion (bzw. in der Kritik) wie die Postbank. Darum dürfte sie von Kontokündigungen stärker betroffen sein als Konkurrenzinstitute, die ähnliche Erhöhungen vorgenommen haben.
  • Hinzu kommt, dass die Postbank-Kunden im Schnitt preissensitiver sein dürften als die Sparkassen- und Volksbank-Kunden (das ist die Kehrseite der üppigen Neukunden-Boni, die das Bonner Institut einst auslobte). Auch dieser Umstand spricht dafür, dass die Kündigungswelle die Deutsche-Bank-Tochter besonders hart getroffen hat.

Pi mal Daumen dürfte die Zahl der Kontowechsler also über die gesamte Branche hinweg sehr deutlich unter zehn Prozent liegen.

3.) Dazu würde das Ergebnis der jüngsten Marktwächter-Umfrage passen, wonach die Zahl der Kontowechsler bei rund zwei Prozent liegt.

4.) Und dann könnte auch die jüngste GfK-Studie, wonach rund 40 Prozent aller Kontowechsel auf die Postbank zurückgehen, so einigermaßen stimmen. Denn wenn 40 Prozent 525.000 sind, dann wären 100 Prozent 1,31 Millionen (diese Zahl kann man dann, je nach Gusto, durch die Zahl aller Girokonten teilen – angeblich rund 100 Millionen – oder die Zahl derer, die mindestens ein Girokonto besitzen).

Die diversen Yougov-Studien, die eine Wechslerquote von neun und mehr Prozent suggerieren, sollte man hingegen vermutlich dahin kloppen, wo sie hingehören.

Exklusiv: Berliner Fintech erlangt Unicorn-Status

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Finanztechnologie-Unternehmen Hypoport AG gehört nach einem Bericht des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ nun zur raren Spezies der sogenannten „Unicorns“ – damit sind junge Unternehmen gemeint, die auf eine Bewertung von mehr als einer Milliarden Dollar kommen. Nach einem rasanten Kursanstieg in den vergangenen Monaten liegt die Marktkapitalisierung der börsennotierten Baugeldvermittlers schon seit einigen Tagen bei rund 900 Millionen Euro. Am Donnerstag lag der Börsenwert zum Handelsschluss bei exakt 884,95 Millionen Euro – das waren umgerechnet 1,041 Milliarden Dollar.

In der breiten Öffentlichkeit ist die 1999 gegründete Hypoport AG so gut wie unbekannt. Das liegt daran, dass das Unternehmen im Endkundengeschäft nicht unter seinem eigenen Namen auftritt, sondern unter dem Markennamen „Dr. Klein“.  Hypoport bietet allerdings nicht nur Baugeldvergleiche für Häuslebauer an, sondern stellt seine Technologie unter dem Namen „Europace“ auch B2B-Kunden zur Verfügung. Dazu gehören Vertriebe wie Accedo, aber auch bekannte Banken wie die Postbank, Santander oder die DKB. Auch für viele Volksbanken und Sparkassen sind die Berliner mittlerweile tätig.

2016 hatte die Hypoport AG ihren Umsatz von 139 auf 156,6 Millionen Euro gesteigert. Der Rohertrag wuchs um 19 Prozent auf 85,2 Millionen Euro, das Ebit um 21 Prozent auf 23,2 Millionen Euro.

Newsletter 29/09/19: Deutsches Unicorn, Postbank-Scoop, RegTech

Exklusiv: Postbank verliert binnen 12 Monaten rund 10 Prozent ihrer Bestandskunden

Die Postbank hat im Zuge der Gebührenerhöhung im vergangenen Herbst eine beispiellose Abwanderung von Bestandskunden verkraften müssen. Wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, verlor das Bonner Institut binnen zwölf Monaten rund 550.000 seiner zuvor 5,25 Millionen Giro-Kunden. Dabei gelang es der Deutschen-Bank-Tochter nur teilweise, die Abgänge durch die Akquise neuer Kunden zu kompensieren. So fiel die Zahl der Girokonten auch unterm Strich unter die Fünf-Millionen-Marke. Die Postbank hatte die Gebührenerhöhungen im August 2016 angekündigt und zum 1. November umgesetzt. Bislang bestritt das Institut, dass es  zu Massenkündigungen gekommen sei. Unsere Berechnungen im Detail (und was die Postbank dazu sagt) finden Sie hier:

Finanz-Szene.de

News

Wollmilch-Sau-Fintech kauft zu: Ein ziemlich smartes Geschäftsmodell, ein erstaunliches Ertragswachstum – und eine seit Jahren unfassbare Aktienperformance: Die Hypoport AG (das ist die Firma u.a. hinter dem Baugeldvermittler „Dr. Klein“) macht irgendwie nicht viel falsch (es sei denn, wir übersehen was, das kann natürlich auch sein). Nun haben die Berliner ein kleines Technologieunternehmen namens IWM Software erworben. Dabei geht es offenbar darum, das zweite Standbein (einen Marktplatz für Versicherungen) zu kräftigen. Vermutlich ist auch das nicht ganz dumm – sich beizeiten ein bisschen unabhängiger vom Immo-Boom zu machen. Handelsblatt, Aktienkurs

Deutsches Fintech-Unicorn: … Ha, da schau her! Als wir gerade im Halbschlaf (es ist hier kurz nach Vier in der Früh) den Aktienkurs verlinkt haben, fiel uns auf, dass die Marktkapitalisierung von Hypoport inzwischen bei rund 885 Mio. Euro (!) liegt. Rechnen Sie das jetzt mal in US-amerikanische Dollar um. Und was kriegen Sie? Genau: ein deutsches Fintech-Einhorn. That’s news!!!!!! (wobei: irgendein Aktienforumsmensch wird die Entdeckung garantiert schon gemacht haben). Und falls sich jetzt  Leser melden, dass Hypoport ja gar kein Fintech im eigentlichen Sinne und der Begriff „Unicorn“ ja ohnehin vorbörslichen Bewertungen vorbehalten sei … Pfffffff.

Wird die Einlagensicherung zur Einlagenrückversicherung? Wie die „Börsenzeitung“ heute Früh berichtet, werkelt die EU-Kommission schon wieder an ihren Plänen für eine Vergemeinschaftung der europäischen Sicherungssysteme herum. Dabei scheint es im Kern darum zu gehen, die Kritiker (sprich: die Deutschen) ein Stück weit zu besänftigen, indem man sich zunächst auf die Einführung einer gemeinsamen Rückversicherung beschränkt – statt gleich alles in einen Topf zu werfen. Börsenzeitung (Paywall)

Ösi-Direktbank vor Deutschland-Start: Der Easybank ist der Piefke-Markt offenbar nicht overbanked genug. Wie die Kollegen von „Fondsprofessionell“ entdeckt haben, steht das 1996 gegründete Wiener Institut unmittelbar vor dem Markteintritt in Deutschland (der übrigens schon mal angekündigt, dann aber irgendwie nicht erfolgt war). Sogar einen Markennamen und eine Webpräsenz gibt es schon. Fondsprofessionell, Homepage

Was gehörte Berenberg sonst noch alles? Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, geht es bei den Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Hamburger Investmentbank (wir berichteten) nicht nur um das TecDax-Unternehmen Pfeiffer Vacuum. Stattdessen soll der betreffende Berenberg-Mann im Namen seines Arbeitgebers zwischenzeitlich auch bei Tele Columbus und WCM Beteiligungen von jeweils mehr als zehn Prozent aufgebaut haben. Wirtschaftswoche

Was die Moody’s-Menschen zu den deutschen Banken sagen: Einerseits ein bisschen was Positives, denn der Ausblick bleibt dank der guten Konjunktur (=weiterhin niedrige Kreditausfälle) stabil. Andererseits aber auch was Negatives. Denn wenn die Zinsen zu rasch steigen, wäre das (Stichwort Zinsbindung) gar nicht gut für Sparkassen und Volksbanken. Moody’s, Börsenzeitung (Paywall)

ING Diba vertrauenswürdiger als Deutsche Bank: Diese Meldung verlinken wir – um ehrlich zu sein – erstmal nur testhalber. Wir haben nämlich leise Zweifel, ob irgendwelche Brand-Rankings unsere Leser wirklich interessieren. Aber mal sehen, was die Klick-Statistik heute Abend sagen wird. Handelsblatt

Bafin knöpft sich RegTech vor: Noch ein sachdienlicher Hinweis an alle Banken, die glauben, sie könnten den ganzen Regulierungs-Kram einfach an irgendwelche Regulierungs-Fintechs (wie z.B. Figo oder Transaction Factory) auslagern und bräuchten sich dann um nix mehr zu kümmern … Herr Hufeld sieht auch das! Börsenzeitung (Paywall)

Lesetipps

Was für ein toller Blog: Ist nicht alles ein Geben und Nehmen? Nachdem wir letzte Woche in völliger Unkenntnis unseres journalistischen Anspruchs den Innovationsblog der DZ Bank gelobt hatten, hat selbiger nun diese Woche „Finanz-Szene.de“ gelobt (sogar mit Bild). Wir sehen uns darum in der Pflicht, das Lob heute nochmal zurückzugeben: Eure (Ähem, „Ihre“) wöchentlich Link-Liste ist echt gut. Und was den Anspruch angeht: Die DZ Bank ist bekanntlich auch die Bank, die zurzeit ein richtig fettes Schiffsproblem zu managen hat. Aber das nur nebenbei. Innovationsblog

Noch was Abseitiges: Wer sich auch für Randbereiche bzw. verwandte Bereiche der deutschen Fintech-Welt interessiert – mutmaßlich interessengeleitete Leser haben und diese Woche auf Infografiken einmal zum Thema Legaltech und einmal zum Thema Loyalty hingewiesen. Tobschall.de, Paymentandbanking

Klickfavorit

… war gestern die bebilderte Dokumentation über das weltmännische Flair der Frankfurter Szene. Bild-Zeitung

In diesem Sinne: Wir machen uns jetzt ein schönes langes Wochenende, Sie hoffentlich auch. Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie uns weiter – und dann bis Mittwoch, wie immer um sechs Uhr in der Früh.

Heinz-Roger Dohms

Newsletter 29/09/19: Postbank-Scoop, Deutsches Unicorn, Ösi-Bank ante portas

Exklusiv: Postbank verliert binnen 12 Monaten rund 10 Prozent ihrer Bestandskunden

Die Postbank hat im Zuge der Gebührenerhöhung im vergangenen Herbst eine beispiellose Abwanderung von Bestandskunden verkraften müssen. Wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, verlor das Bonner Institut binnen zwölf Monaten rund 550.000 seiner zuvor 5,25 Millionen Giro-Kunden. Dabei gelang es der Deutschen-Bank-Tochter nur teilweise, die Abgänge durch die Akquise neuer Kunden zu kompensieren. So fiel die Zahl der Girokonten auch unterm Strich unter die Fünf-Millionen-Marke. Die Postbank hatte die Gebührenerhöhungen im August 2016 angekündigt und zum 1. November umgesetzt. Bislang bestritt das Institut, dass es  zu Massenkündigungen gekommen sei. Unsere Berechnungen im Detail (und was die Postbank dazu sagt) finden Sie hier:

Finanz-Szene.de

News

Wollmilch-Sau-Fintech kauft zu: Ein ziemlich smartes Geschäftsmodell, ein erstaunliches Ertragswachstum – und eine seit Jahren unfassbare Aktienperformance: Die Hypoport AG (das ist die Firma u.a. hinter dem Baugeldvermittler „Dr. Klein“) macht irgendwie nicht viel falsch (es sei denn, wir übersehen was, das kann natürlich auch sein). Nun haben die Berliner ein kleines Technologieunternehmen namens IWM Software erworben. Dabei geht es offenbar darum, das zweite Standbein (einen Marktplatz für Versicherungen) zu kräftigen. Vermutlich ist auch das nicht ganz dumm – sich beizeiten ein bisschen unabhängiger vom Immo-Boom zu machen. Handelsblatt, Aktienkurs

Deutsches Fintech-Unicorn: … Ha, da schau her! Als wir gerade im Halbschlaf (es ist hier kurz nach Vier in der Früh) den Aktienkurs verlinkt haben, fiel uns auf, dass die Marktkapitalisierung von Hypoport inzwischen bei rund 885 Mio. Euro (!) liegt. Rechnen Sie das jetzt mal in US-amerikanische Dollar um. Und was kriegen Sie? Genau: ein deutsches Fintech-Einhorn. That’s news!!!!!! (wobei: irgendein Aktienforumsmensch wird die Entdeckung garantiert schon gemacht haben). Und falls sich jetzt  Leser melden, dass Hypoport ja gar kein Fintech im eigentlichen Sinne und der Begriff „Unicorn“ ja ohnehin vorbörslichen Bewertungen vorbehalten sei … Pfffffff.

Wird die Einlagensicherung zur Einlagenrückversicherung? Wie die „Börsenzeitung“ heute Früh berichtet, werkelt die EU-Kommission schon wieder an ihren Plänen für eine Vergemeinschaftung der europäischen Sicherungssysteme herum. Dabei scheint es im Kern darum zu gehen, die Kritiker (sprich: die Deutschen) ein Stück weit zu besänftigen, indem man sich zunächst auf die Einführung einer gemeinsamen Rückversicherung beschränkt – statt gleich alles in einen Topf zu werfen. Börsenzeitung (Paywall)

Ösi-Direktbank vor Deutschland-Start: Der Easybank ist der Piefke-Markt offenbar nicht overbanked genug. Wie die Kollegen von „Fondsprofessionell“ entdeckt haben, steht das 1996 gegründete Wiener Institut unmittelbar vor dem Markteintritt in Deutschland (der übrigens schon mal angekündigt, dann aber irgendwie nicht erfolgt war). Sogar einen Markennamen und eine Webpräsenz gibt es schon. Fondsprofessionell, Homepage

Was gehörte Berenberg sonst noch alles? Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, geht es bei den Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Hamburger Investmentbank (wir berichteten) nicht nur um das TecDax-Unternehmen Pfeiffer Vacuum. Stattdessen soll der betreffende Berenberg-Mann im Namen seines Arbeitgebers zwischenzeitlich auch bei Tele Columbus und WCM Beteiligungen von jeweils mehr als zehn Prozent aufgebaut haben. Wirtschaftswoche

Was die Moody’s-Menschen zu den deutschen Banken sagen: Einerseits ein bisschen was Positives, denn der Ausblick bleibt dank der guten Konjunktur (=weiterhin niedrige Kreditausfälle) stabil. Andererseits aber auch was Negatives. Denn wenn die Zinsen zu rasch steigen, wäre das (Stichwort Zinsbindung) gar nicht gut für Sparkassen und Volksbanken. Moody’s, Börsenzeitung (Paywall)

ING Diba vertrauenswürdiger als Deutsche Bank: Diese Meldung verlinken wir – um ehrlich zu sein – erstmal nur testhalber. Wir haben nämlich leise Zweifel, ob irgendwelche Brand-Rankings unsere Leser wirklich interessieren. Aber mal sehen, was die Klick-Statistik heute Abend sagen wird. Handelsblatt

Bafin knöpft sich RegTech vor: Noch ein sachdienlicher Hinweis an alle Banken, die glauben, sie könnten den ganzen Regulierungs-Kram einfach an irgendwelche Regulierungs-Fintechs (wie z.B. Figo oder Transaction Factory) auslagern und bräuchten sich dann um nix mehr zu kümmern … Herr Hufeld sieht auch das! Börsenzeitung (Paywall)

Lesetipps

Was für ein toller Blog: Ist nicht alles ein Geben und Nehmen? Nachdem wir letzte Woche in völliger Unkenntnis unseres journalistischen Anspruchs den Innovationsblog der DZ Bank gelobt hatten, hat selbiger nun diese Woche „Finanz-Szene.de“ gelobt (sogar mit Bild). Wir sehen uns darum in der Pflicht, das Lob heute nochmal zurückzugeben: Eure (Ähem, „Ihre“) wöchentlich Link-Liste ist echt gut. Und was den Anspruch angeht: Die DZ Bank ist bekanntlich auch die Bank, die zurzeit ein richtig fettes Schiffsproblem zu managen hat. Aber das nur nebenbei. Innovationsblog

Noch was Abseitiges: Wer sich auch für Randbereiche bzw. verwandte Bereiche der deutschen Fintech-Welt interessiert – mutmaßlich interessengeleitete Leser haben und diese Woche auf Infografiken einmal zum Thema Legaltech und einmal zum Thema Loyalty hingewiesen. Tobschall.de, Paymentandbanking

Klickfavorit

… war gestern die bebilderte Dokumentation über das weltmännische Flair der Frankfurter Szene. Bild-Zeitung

In diesem Sinne: Wir machen uns jetzt ein schönes langes Wochenende, Sie hoffentlich auch. Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie uns weiter – und dann bis Mittwoch, wie immer um sechs Uhr in der Früh.

Heinz-Roger Dohms

Exklusiv: Postbank verliert in 12 Monaten rund 10 % ihrer Giro-Bestandskunden

Von Heinz-Roger Dohms

Die Postbank hat im Zuge der Gebührenerhöhung im vergangenen Herbst eine wohl beispiellose Abwanderung von Bestandskunden verkraften müssen. Wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, verlor das Bonner Geldinstitut binnen zwölf Monaten rund zehn Prozent seiner angestammten Giro-Kunden. Durch die gleichzeitige Akquise von Neukunden konnten die Verluste allerdings zum Teil kompensiert werden.

Nach eigenen Angaben  verfügte die Postbank Mitte vergangenen Jahres noch über 5,25 Millionen Girokonten. Zwölf Monate später waren es dagegen nur noch „knapp fünf Millionen“, wie dem jüngst veröffentlichten Halbjahresbericht zu entnehmen ist. Netto lag das Minus also bei über 250.000. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass die Postbank im ersten Halbjahr dieses Jahres zugleich 170.000 neue Kunden gewann – mithin büßte die Deutsche-Bank-Tochter in ihrem Bestand mindestens 420.000 Kunden ein. Hinzu kommen  die in der zweiten Jahreshälfte 2016 akquirierten Neukunden. Das waren nach früheren Angaben von Vorstandsfrau Susanne Klöß rund 130.000. Daraus ergibt sich insgesamt ein Bruttoverlust von mindestens 550.000 Kunden (wobei diese Zahl neben den Kündigungen naturgemäß auch Sterbefälle beinhaltet).

Finanz-Szene.de untersuchte für die Analyse sämtliche Geschäfts- und Zwischenberichte der Postbank seit Mitte 2015. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Kunden im März 2016 mit 5,3 Millionen ihren Höhepunkt erreichte; selbst unterm Strich hat die Traditionsbank nun also mindestens 300.000 Giro-Kunden weniger als vor 15 Monaten. Das entspricht einem Minus von mehr als fünf Prozent.

Die Postbank hatte die Gebührenerhöhungen Mitte August 2016 angekündigt und zum 1. November umgesetzt. Die Entgelte reichen von 1,90 Euro monatlich für ein reines Online-Konto bis hin zu 9,90 Euro für ein Konto mit diversen Extras. Zwar verlangen inzwischen auch viele andere Banken mehr Geld für die Kontoführung – darunter eine große Zahl an Sparkassen und Volksbanken. Allerdings war die Postbank das erstere größere Geldhaus, das wieder Gebühren einführte, nachdem die Konten zuvor für fast alle Kunden gratis waren.

„Finanz-Szene.de“ legte der Postbank die Berechnungen vor – das Institut widersprach ihnen nicht. Allerdings wies ein Sprecher darauf hin, dass die „rund fünf Millionen Kunden“, die nun mehrheitlich Kontogebühren entrichteten, für die Banken einen anderen Wert hätten als 5,25 Millionen Kunden, die mehrheitlich keine Kontogebühren gezahlt hätten. Bislang hatte die Postbank bestritten, dass es zu Massenkündigungen gekommen sei.

Newsletter 28/09/17: Sparkassen-Promi, ING Diba, „Mobile Moment“ der Dt. Bank

Exklusiv: Das pikante Mini-Investment des Promi-CEOs der Sparkassen

Als die Sparkassen vergangenes Jahr nach einem neuen Geschäftsführer für ihren Acquiring-Spezialisten B+S Card (mittlerweile „BS Payone“) suchten – da wurden sie nicht wie sonst üblich im eigenen Apparat fündig, sondern verpflichteten stattdessen einen der profiliertesten europäischen Payment-Manager, den Schweizer Niklaus Santschi. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen nun: BS Payone scheint seit Santschis Ernennung eine Art Lieblings-Kooperationspartner zu haben, nämlich ein Fintech namens Blue Code. Und jetzt raten Sie mal, wer unseren Recherchen zufolge zu den Gesellschaftern des schweizerischen Blue-Code-Hauptaktionärs BC Capital gehört? Genau, Herr Santschi (wobei der Anteil überschaubar ist, wie man fairerweise hinzufügen muss). Hier die komplette Geschichte: 

Finanz-Szene.de

News

Deutsche Bank feiert ihren „Mobile Moment“: Wie das größte deutsche Geldhaus gestern mitteilte, loggten sich am 29. August erstmals mehr Kunden via Smartphone oder Tablet ins Online-Angebot der Bank ein als vom PC aus. Pressemitteilung

Der stille Wandel der ING-Diba zur Universalbank: Von wegen nur Tagesgeld und Baufinanzierung. Die Tochter ING Wholesale wächst und wächst und hat mal wieder 20 neue Stellen ausgeschrieben, berichten die Kollegen von efinancialcareers. Und auch im Anlagebereich arrondiert die Oranje-Bank munter vor sich hin, fiel unserem Leser Ralf Breuer (er betreibt den Blog „Investabel“) dieser Tage auf. Offenbar neu im Angebot: Öko-Fonds. efinancialcareers, Investabel-Blog

Großrazzia bei deutscher UBS: Die Staatsanwaltschaft Bochum hat gestern diverse Standorte der Schweizer Großbank hierzulande durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht, UBS-Kunden könnten bei ihrer Steuererklärung Kapitalerträge verschwiegen haben. Hintergrund der Ermittlungen: Das Land NRW hat offenbar erneut eine „Steuer-CD“ angekauft. Rund 2000 UBS-Kunden sollen betroffen sein. Reuters, Wirtschaftswoche

„HSH light“ soll Schiffe versenken: Nach „Reuters“-Informationen erhöht die DZ Bank den Druck auf ihre Problem-Tochter DVB, das immer noch elf Mrd. Euro schwere Schiffportfolio möglichst rasch abzubauen. Handelsblatt

Britischer N26-Konkurrent will Deutschland erobern. Letzte Woche hatten wir bereits berichtet, dass der „Country Manager DACH“ des britischen Fintechs Revolut fröhlich rumtwittert, man sei „growing like crazy in Germany“. Was der gute Mann uns damit sagen wollte: Revolut kommt nun auch offiziell nach Deutschland. Handelsblatt, Mobilflip

Und noch eine News… die regelmäßige „Finanz-Szene.de“-Leser nicht wirklich überraschen wird: Der neue Chef des Bankhaus Lampe (bei dem es ja eigentlich mal einen prädestinierten internen CEO-Nachfolge-Kandidaten gab, oder etwa nicht?) kommt gaaanz weit von außen. Hat aber sicher nichts mit den extrem schwachen 2016er-Zahlen zu tun! Pressemitteilung

Beyond .de

Lackmus-Test für Banken-IPOs: Der ja auch in Deutschland sehr umtriebige Finanzinvestor Cerberus will die österreich Großbank Bawag in Kürze an die Börse bringen. Bis zu 30 Prozent der Anteile sollen platziert werden. Standard

Lesetipps

Warum scheiterte Outbank? Kein anderes Multibanking-Tool war eher am Markt – und kaum eine andere Finanz-App generierte so früh bereits nennenswerte Erlöse. Warum also mutierte das Erfolgs-Startup Outbank zum Pleite-Fintech? Der Consultant und Blogger Maik Klotz hat ein paar Erklärungen parat. Paymentandbanking

Wie Goldman Sachs sowohl Fintechs auch auch Retailbanken angreift: Kaum eine andere Bank investiert derart aggressiv in Finanztechnologie, wie die US-Investmentbank dies seit Jahren tut. Dazu passt, dass die Researcher von CB Insights in einer diese Woche veröffentlichten Analyse zu dem Schluss kommen, bei 46 Prozent aller momentan von Goldman ausgeschriebenen Stellen handele es sich um Tech-Jobs. Spannend ist dabei vor allem, auf welches Segment die Offensive zielt. Denn das Motto lautet: Main Street statt Wall Street. Finews, CB Insights

Klickfavorit:

… war gestern das Fintech-Bashing des Finanzinvestors Christopher Flowers. Handelsblatt

Aus der Szene

Man sollte wieder regelmäßiger die „Bild Frankfurt“ lesen. Denn dort finden sich die echten Perlen. Also: Vergangene Woche stieg (und wir haben’s völlig verpennt) im Grandhotel (!) Hessischer Hof eine „Bild-Lounge“ zur Frage „Was bringt uns der Brexit wirklich?“. Dabei wurde OB Feldmann offenbar mit den Zahlen der jüngsten „Main Finance“-Studie konfrontiert (die mit den 88.000 neuen Jobs …). Und was sagte OB Feldmann laut „Bild“ glattweg: „Die [Zahlen] scheinen frei erfunden.“ War das nun ein Witz? War es die Wahrheit? Oder ist es vielleicht einfach egal? Denn: Schauen Sie sich doch bitte mal die Bilder an, die der „Bild“-Fotograf bei der Veranstaltung schoss: Erkennt man an denen nicht, dass die Frankfurter Szene auch jetzt schon genügend weltstädtisches Flair versprüht – ganz ohne Brexit-Banker? Bild-Zeitung

Newsletter 28/09/17: Outbank-Analyse, N26-Rivale, „Mobile Moment“ der Dt. Bank

Exklusiv: Das pikante Mini-Investment des Promi-CEOs der Sparkassen

Als die Sparkassen vergangenes Jahr nach einem neuen Geschäftsführer für ihren Acquiring-Spezialisten B+S Card (mittlerweile „BS Payone“) suchten – da wurden sie nicht wie sonst üblich im eigenen Apparat fündig, sondern verpflichteten stattdessen einen der profiliertesten europäischen Payment-Manager, den Schweizer Niklaus Santschi. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen nun: BS Payone scheint seit Santschis Ernennung eine Art Lieblings-Kooperationspartner zu haben, nämlich ein Fintech namens Blue Code. Und jetzt raten Sie mal, wer unseren Recherchen zufolge zu den Gesellschaftern des schweizerischen Blue-Code-Hauptaktionärs BC Capital gehört? Genau, Herr Santschi (wobei der Anteil überschaubar ist, wie man fairerweise hinzufügen muss). Hier die komplette Geschichte: 

Finanz-Szene.de

News

Deutsche Bank feiert ihren „Mobile Moment“: Wie das größte deutsche Geldhaus gestern mitteilte, loggten sich am 29. August erstmals mehr Kunden via Smartphone oder Tablet ins Online-Angebot der Bank ein als vom PC aus. Pressemitteilung

Britischer N26-Konkurrent will Deutschland erobern. Letzte Woche hatten wir bereits berichtet, dass der „Country Manager DACH“ des britischen Fintechs Revolut fröhlich rumtwittert, man sei „growing like crazy in Germany“. Was der gute Mann uns damit sagen wollte: Revolut kommt nun auch offiziell nach Deutschland. Handelsblatt, Mobilflip

Und noch eine News … die regelmäßige „Finanz-Szene.de“-Leser nicht wirklich überraschen wird: Der neue Chef des Bankhaus Lampe (bei dem es ja eigentlich mal einen prädestinierten internen CEO-Nachfolge-Kandidaten gab, oder etwa nicht?) kommt gaaanz weit von außen. Hat aber sicher nichts mit den extrem schwachen 2016er-Zahlen zu tun! Pressemitteilung

Der stille Wandel der ING-Diba zur Universalbank: Von wegen nur Tagesgeld und Baufinanzierung. Die Tochter ING Wholesale wächst und wächst und hat mal wieder 20 neue Stellen ausgeschrieben, berichten die Kollegen von efinancialcareers. Und auch im Anlagebereich arrondiert die Oranje-Bank munter vor sich hin, fiel unserem Leser Ralf Breuer (er betreibt den Blog „Investabel“) dieser Tage auf. Offenbar neu im Angebot: Öko-Fonds. efinancialcareers, Investabel-Blog

Großrazzia bei deutscher UBS: Die Staatsanwaltschaft Bochum hat gestern diverse Standorte der Schweizer Großbank hierzulande durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht, UBS-Kunden könnten bei ihrer Steuererklärung Kapitalerträge verschwiegen haben. Hintergrund der Ermittlungen: Das Land NRW hat offenbar erneut eine „Steuer-CD“ angekauft. Rund 2000 UBS-Kunden sollen betroffen sein. Reuters, Wirtschaftswoche

„HSH light“ soll Schiffe versenken: Nach „Reuters“-Informationen erhöht die DZ Bank den Druck auf ihre Problem-Tochter DVB, das immer noch elf Mrd. Euro schwere Schiffportfolio möglichst rasch abzubauen. Handelsblatt

Beyond .de

Lackmus-Test für Banken-IPOs: Der ja auch in Deutschland sehr umtriebige Finanzinvestor Cerberus will die österreich Großbank Bawag in Kürze an die Börse bringen. Bis zu 30 Prozent der Anteile sollen platziert werden. Standard

Lesetipps

Warum scheiterte Outbank? Kein anderes Multibanking-Tool war eher am Markt – und kaum eine andere Finanz-App generierte so früh bereits nennenswerte Erlöse. Warum also mutierte das Erfolgs-Startup Outbank zum Pleite-Fintech? Der Consultant und Blogger Maik Klotz hat ein paar Erklärungen parat. Paymentandbanking

Wie Goldman Sachs sowohl Fintechs auch auch Retailbanken angreift: Kaum eine andere Bank investiert derart aggressiv in Finanztechnologie, wie die US-Investmentbank dies seit Jahren tut. Dazu passt, dass die Researcher von CB Insights in einer diese Woche veröffentlichten Analyse zu dem Schluss kommen, bei 46 Prozent aller momentan von Goldman ausgeschriebenen Stellen handele es sich um Tech-Jobs. Spannend ist dabei vor allem, auf welches Segment die Offensive zielt. Denn das Motto lautet: Main Street statt Wall Street. Finews, CB Insights

Klickfavorit:

… war gestern das Fintech-Bashing des Finanzinvestors Christopher Flowers. Handelsblatt

Aus der Szene

Man sollte wieder regelmäßiger die „Bild Frankfurt“ lesen. Denn dort finden sich die echten Perlen. Also: Vergangene Woche stieg (und wir haben’s völlig verpennt) im Grandhotel (!) Hessischer Hof eine „Bild-Lounge“ zur Frage „Was bringt uns der Brexit wirklich?“. Dabei wurde OB Feldmann offenbar mit den Zahlen der jüngsten „Main Finance“-Studie konfrontiert (die mit den 88.000 neuen Jobs …). Und was sagte OB Feldmann laut „Bild“ glattweg: „Die [Zahlen] scheinen frei erfunden.“ War das nun ein Witz? War es die Wahrheit? Oder ist es vielleicht einfach egal? Denn: Schauen Sie sich doch bitte mal die Bilder an, die der „Bild“-Fotograf bei der Veranstaltung schoss: Erkennt man an denen nicht, dass die Frankfurter Szene auch jetzt schon genügend weltstädtisches Flair versprüht – ganz ohne Brexit-Banker? Bild-Zeitung

Newsletter 27/09/17: Outbank, Cookies-Gründer, Firmenkundengeschäft

Die Pleite des Nice-to-have-Fintechs

Es waren zwei einfache Fragen, die „Finanz-Szene.de“ vor 14 Tagen der Outbank-Chefin Anya Schmidt stellte: Inwieweit sei der neulich verkündete Neustart eigentlich durchfinanziert? Und wann brauche Outbank ein frisches Funding? Schmidt war professionell genug, keine Stellung zu nehmen. Denn: Was hätte lügen denn gebracht? Und: Noch bestand ja Hoffnung auf eine Last-Minute-Rettung durch die Berliner Quirin-Bank. Um es kurz zu machen: Die Hoffnung hat sich vorerst zerschlagen, Outbank stellte gestern Insolvenzantrag. Dass es zu keiner Einigung mit Quirin kam, lag wohl auch an der komplexen Eigentümerstruktur bei Outbank (denn vermutlich wollten die Berliner nur dann Geld geben, wenn die Herren hinter Outbank dies auch getan hätten). Nicht auszuschließen allerdings, dass das Dachauer Fintech aus der Insolvenz heraus doch noch einen Retter findet. Denn dass die Multibanking-App von Outbank eigentlich ein schönes Produkt ist – das sagen viele. Die Frage ist: Lässt es sich auch monetarisieren? t3n, Gründerszene, Outbank-Stellungnahme

Deutschlands neue Großbank (die eigentlich aus Frankreich kommt)

Die Margen sind dünn in der Unternehmensfinanzierung – und viel besser wird’s nicht werden, wenn Firmen wie Compeon jetzt auch noch das Interhyp-Prinzip von der Baufi auf das Firmenkundengeschäft übertragen. Indes: Die BNP Paribas scheint all das nicht zu stören. Mit üppigem Selbstbewusstsein kündigte Deutschland-Chef Lutz Diederichs gestern an, bis 2020 unter die Top-5-Banken bei Dax-Unternehmen und unter die Top-3 bei der Mittelstandsfinanzierung aufsteigen zu wollen. Die Erträge, die jetzt schon bei bemerkenswerten 1,5 Mrd. Euro liegen, sollen bis dahin auf mehr als 2 Mrd. Euro steigen. Und noch bemerkenswerter: Die bisherige Untergrenze (die BNP wollte eigentlich nur Unternehmen ab 250 Mio. Euro Umsatz finanzieren) soll plötzlich nicht mehr gelten. Fragt sich nur, ob die forschen Töne dafür sprechen, dass sich die BNP demnächst auch noch die Commerzbank schnappt. Oder nicht eher dagegen.

Finance Magazin, Börsenzeitung (Paywall)

News

Retail-Erträge sinken unter 50 Mrd. Euro: Der Kuchen im deutschen Privatkundengeschäft wird immer kleiner, rechnet die Beraterfirma ZEB vor. Vergangenes Jahr seien die Erträge auf nur noch 49,7 Mrd. Euro gefallen – bis 2020 sei mit einem weiteren Rückgang auf 45,6 Mrd. Euro zu rechnen. Handelsblatt

Tarifstreit bei der Postbank spitzt sich zu: Nachdem auch die dritte Verhandlungsrunde ergebnislos endete, kündigt Verdi einen „Erzwingungsstreik“ an. Was auch immer das genau sein mag – es klingt eher nicht nach Deeskalation. Fondsprofessionell

Volksbank Berlin schiebt nächstes Fintech an: Also – mangelnden Digitalisierungswillen kann man den Spree-Genossen nun wahrlich nicht unterstellen. Diesmal geht es um eine Vorfinanzierungs-Plattform namens Vai, in die die Voba und andere Seed-Investoren stolze 5,5 Mio. Euro pumpen. Was vielleicht ein ganz klein bisschen stutzig machen könnte: Gründer von Vai ist Garry Krugljakow, der mit der P2P-Payment-App Cookies scheiterte. Aber Vorfinanzierung und Payment sind ja gottseidank nicht das Gleiche. Wirtschaftswoche

Und noch ein neues Finanz-Startup (Herr Barkow, das wievielte, haben Sie noch den Überblick???): Es heißt Taxfix, hat sich der Digitalisierung der Steuererklärung verschrieben – und bekommt zum Start zwei Mio. Euro (ob ein gewisser Jens Sp. zu den Investoren zählt, war in der Kürze der Zeit leider nicht zu klären). Wirtschaftswoche

Achtungserfolg für Sparkassen-Acquirer: BS Payone hat einen – wenn wir es richtig verstehen: heißbegehrten – Payment-Auftrag der Deutschen Bahn an Land gezogen. IT-Finanzmagazin

Lesetipps

Pleitewelle bei Fintechs? Das „Handelsblatt“ widmet sich heute auf den Seiten 1, 4 und 5 einer – so jedenfalls die plausible These – zu erwartenden Pleitewelle bei Finanz-Startups. Für alle, die die Printausgabe so früh noch nicht zur Hand haben sollten: Der Kronzeuge für die Geschichte, nämlich Finanzinvestor Chris Flowers, hatte sich vor zwei Wochen in der Online-Ausgabe dergleichen Zeitung und Anfang 2016 im „Wall Street Journal“ schon sehr ähnlich geäußert. Vielleich taugen die beiden Stücke ja als Ersatz-Lektüre. Handelsblatt, WSJ.com (Paywall)

Karriere

Nun wollen wir aus den Verschiebungen im Vergütungsbericht einer einzelnen deutschen Bank keinen Großtrend ableiten. Aber: Vielleicht nicht ganz uninteressant (auch vor dem Hintergrund der BNP-Paribas-Meldung oben), dass bei HSBC Trinkaus die Firmenkundenbanker plötzlich mehr verdienen als die Einstecktuchbanker aus der Vermögensverwaltung. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die Probleme der Commerzbank bei der Digitalisierung des Firmenkundengeschäfts. Finanz-Szene.de

Newsletter 27/09/17: BNP Paribas, Retailbanking-Erträge, Fintech-Pleite

Deutschlands neue Großbank (die eigentlich aus Frankreich kommt)

Die Margen sind dünn in der Unternehmensfinanzierung – und viel besser wird’s nicht werden, wenn Firmen wie Compeon jetzt auch noch das Interhyp-Prinzip von der Baufi auf das Firmenkundengeschäft übertragen. Indes: Die BNP Paribas scheint all das nicht zu stören. Mit üppigem Selbstbewusstsein kündigte Deutschland-Chef Lutz Diederichs gestern an, bis 2020 unter die Top-5-Banken bei Dax-Unternehmen und unter die Top-3 bei der Mittelstandsfinanzierung aufsteigen zu wollen. Die Erträge, die jetzt schon bei bemerkenswerten 1,5 Mrd. Euro liegen, sollen bis dahin auf mehr als 2 Mrd. Euro steigen. Und noch bemerkenswerter: Die bisherige Untergrenze (die BNP wollte eigentlich nur Unternehmen ab 250 Mio. Euro Umsatz finanzieren) soll plötzlich nicht mehr gelten. Fragt sich nur, ob die forschen Töne dafür sprechen, dass sich die BNP demnächst auch noch die Commerzbank schnappt. Oder nicht eher dagegen.

Finance Magazin, Börsenzeitung (Paywall)

Die Pleite des Nice-to-have-Fintechs

Es waren zwei einfache Fragen, die „Finanz-Szene.de“ vor 14 Tagen der Outbank-Chefin Anya Schmidt stellte: Inwieweit sei der neulich verkündete Neustart eigentlich durchfinanziert? Und wann brauche Outbank ein frisches Funding? Schmidt war professionell genug, keine Stellung zu nehmen. Denn: Was hätte lügen denn gebracht? Und: Noch bestand ja Hoffnung auf eine Last-Minute-Rettung durch die Berliner Quirin-Bank. Um es kurz zu machen: Die Hoffnung hat sich vorerst zerschlagen, Outbank stellte gestern Insolvenzantrag. Dass es zu keiner Einigung mit Quirin kam, lag wohl auch an der komplexen Eigentümerstruktur bei Outbank (denn vermutlich wollten die Berliner nur dann Geld geben, wenn die Herren hinter Outbank dies auch getan hätten). Nicht auszuschließen allerdings, dass das Dachauer Fintech aus der Insolvenz heraus doch noch einen Retter findet. Denn dass die Multibanking-App von Outbank eigentlich ein schönes Produkt ist – das sagen viele. Die Frage ist: Lässt es sich auch monetarisieren? t3n, Gründerszene, Outbank-Stellungnahme

News

Retail-Erträge sinken unter 50 Mrd. Euro: Der Kuchen im deutschen Privatkundengeschäft wird immer kleiner, rechnet die Beraterfirma ZEB vor. Vergangenes Jahr seien die Erträge auf nur noch 49,7 Mrd. Euro gefallen – bis 2020 sei mit einem weiteren Rückgang auf 45,6 Mrd. Euro zu rechnen. Handelsblatt

Tarifstreit bei der Postbank spitzt sich zu: Nachdem auch die dritte Verhandlungsrunde ergebnislos endete, kündigt Verdi einen „Erzwingungsstreik“ an. Was auch immer das genau sein mag – es klingt eher nicht nach Deeskalation. Fondsprofessionell

Volksbank Berlin schiebt nächstes Fintech an: Also – mangelnden Digitalisierungswillen kann man den Spree-Genossen nun wahrlich nicht unterstellen. Diesmal geht es um eine Vorfinanzierungs-Plattform namens Vai, in die die Voba und andere Seed-Investoren stolze 5,5 Mio. Euro pumpen. Was vielleicht ein ganz klein bisschen stutzig machen könnte: Gründer von Vai ist Garry Krugljakow, der mit der P2P-Payment-App Cookies scheiterte. Aber Vorfinanzierung und Payment sind ja gottseidank nicht das Gleiche. Wirtschaftswoche

Und noch ein neues Finanz-Startup (Herr Barkow, das wievielte, haben Sie noch den Überblick???): Es heißt Taxfix, hat sich der Digitalisierung der Steuererklärung verschrieben – und bekommt zum Start zwei Mio. Euro (ob ein gewisser Jens Sp. zu den Investoren zählt, war in der Kürze der Zeit leider nicht zu klären). Wirtschaftswoche

Achtungserfolg für Sparkassen-Acquirer: BS Payone hat einen – wenn wir es richtig verstehen: heißbegehrten – Payment-Auftrag der Deutschen Bahn an Land gezogen. IT-Finanzmagazin

Lesetipps

Pleitewelle bei Fintechs? Das „Handelsblatt“ widmet sich heute auf den Seiten 1, 4 und 5 einer – so jedenfalls die plausible These – zu erwartenden Pleitewelle bei Finanz-Startups. Für alle, die die Printausgabe so früh noch nicht zur Hand haben sollten: Der Kronzeuge für die Geschichte, nämlich Finanzinvestor Chris Flowers, hatte sich vor zwei Wochen in der Online-Ausgabe dergleichen Zeitung und Anfang 2016 im „Wall Street Journal“ schon sehr ähnlich geäußert. Vielleich taugen die beiden Stücke ja als Ersatz-Lektüre. Handelsblatt, WSJ.com (Paywall)

Karriere

Nun wollen wir aus den Verschiebungen im Vergütungsbericht einer einzelnen deutschen Bank keinen Großtrend ableiten. Aber: Vielleicht nicht ganz uninteressant (auch vor dem Hintergrund der BNP-Paribas-Meldung oben), dass bei HSBC Trinkaus die Firmenkundenbanker plötzlich mehr verdienen als die Einstecktuchbanker aus der Vermögensverwaltung. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die Probleme der Commerzbank bei der Digitalisierung des Firmenkundengeschäfts. Finanz-Szene.de

Newsletter 26/09/17: Commerzbank-Debakel, PSD2, Anti-N26-Regulierung?

Exklusiv: Wie die Commerzbank bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts versagt

Eine personelle Fluktuation wie beim Speed-Dating. Millionenschwere Investitionen, die keinen strategischen Ertrag generieren. Und ein Vorzeige-Projekt, das zum Flop zu werden droht. Recherchen von Finanz-Szene.de zeigen: Die Commerzbank kommt bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts kaum voran. Wie meinte CEO Martin Zielke doch neulich noch gleich: „Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland.“ Die Wirklichkeit sieht ein bisschen anders aus. Lesen Sie unser Trauerspiel in fünf Akten.

Finanz-Szene.de

Schwerpunkt Fintech-Regulierung

Kommen jetzt die Anti-N26-Regeln? „Im Vergleich zu traditionellen Bankeinlagen dürften die Einlagen auf Online-Konten von Fintech-Banken volatiler und weniger ’stabil‘ sein.“ So steht es in einem neuen Leitfaden der EZB. Was wollen uns die Aufseher damit sagen? Versuch einer Analyse. Finanz-Szene

Der Lobbyisten-Kampf um PSD2: Im Grundsatz ist die neue Zahlungsrichtlinie nicht mehr aufzuhalten. Um ein wichtiges Detail allerdings wird seit Monaten erbittert gestritten: Müssen die Banken den Fintechs (und sonstigen Drittanbietern) auch den „Screen Scraping“ genannten maschinengesteuerten Zugriff auf die Kontodaten erlauben?  Die FAZ fasst die Auseinandersetzung zusammen. FAZ

News

Atmosphäre der Angst in der EZB? Von wegen Beamtenjob mit üppigen Zulagen: In der Abteilung für Bankenaufsicht herrschten Angst, hoher Arbeitsdruck und eine „toxische Atmosphäre“, beklagt der Betriebsrat in einem Brief an die Chefinnen Nouy und Lautenschläger. Ein Ex-Mitarbeiter wird in der „SZ“ wie folgt zitiert: „Es wird Druck aufgebaut, freiwillig zu gehen.“ Süddeutsche

Nicht mal mehr die Metropol-Filialen sind unantastbar: Die Bankfilialen in den großen Städten galten bislang als wenigstens einigermaßen profitabel (weil: mehr Menschen = mehr Besuchsfrequenz = mehr Umsatz). Nun aber kommt ausgerechnet aus dem reichen München die Kunde, dass die dortige Stadtsparkasse mit 32 (!) ihrer Filialen angeblich kein Geld mehr verdient. 17 davon sollen nun dichtgemacht werden. Süddeutsche

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Wer dachte, in Sachen HNA ginge es nicht mehr verrückter – doch, geht es: Die „Financial Times“ berichtet, dass der Schweizer Flughafendienstleister Swissport einem „verbundenen Unternehmen“ wiederholt kurzfristige Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung gestellt habe. Dabei handelt es sich angeblich um eine Firma, die wiederum eng mit HNA verknüpft ist. Will man wirklich Boot sein, wenn das der Anker ist? Financial Times (Paywall), Alle HNA-Berichte in der FT (Paywall)

Commerzbank und KfW spielen Blockchain: Die beiden Großbanken haben gemeinsam mit dem Vermögensverwalter Meag eine Geldmarkt-Transaktion per „Distributed-Ledger-Technologie“ simuliert. Wann das Ganze auch in echt funktioniert? In ein paar Jahren soll es soweit sein. Fondsprofessionell

Sparkassen nennen Schwelle für „Light-Regulierung“: Jede Bank, deren Bilanzsumme bei unter 0,5 Prozent des nationalen BIP liegt, sollen von der „Small Banking Box“ profitieren, fordert der DSGV. In Deutschland liefe das auf einen Schwellenwert von 15 Mrd. Euro hinaus. Börsenzeitung (Paywall)

Beyond .de

Der nächste Payment-Hammer: Gibt es eigentlich noch Tage, an denen kein Milliardendeal in der europäischen Payment-Branche verkündet wird? Diesmal: Der dänische Zahlungsdienstleister Nets soll für rund fünf Mrd. Euro an den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman gehen. Wem die Konstellation bekannt vorkommt: Auch der deutsche Acquirer Concardis war jüngst von Private-Equity-Firmen übernommen worden. Handelsblatt

Schafft JP Morgan (mal eben) 2500 Jobs in Polen? Eine Bank, ein Land, 2500 neue Arbeitsplätze – das ist mal ’ne Ansage (auch wenn es „nur“ um Middle– und Back-Office-Jobs geht). Da auch andere Großbanken wie die UBS oder die Credit Suisse schon Tausende Jobs gen Polen verlagert haben, könnte dem Land bald ein Bankernotstand drohen, mutmaßt „Finews“. Financial Times (Paywall), Bloomberg, Finews

BBVA gibt es bald zu 92 Prozent mobil: Die spanische Großbank gilt als einer der europäischen Fintech-Vorreiter. Nun behauptet das Institut aus Bilbao, bis Jahresende mehr als 90 Prozent seines Retail-Produktportfolios auch per App anbieten zu können (nachdem es vor drei Jahren erst 16 Prozent gewesen seien). Finextra

Lesetipps

Wie Ex-Deutschbanker die (Fin-)Tech-Welt aufmischen: Der Vision Fund des japanischen Telekomkonzerns Softbank ist nicht nur gigantisch groß – sondern offenbar auch die neue Heimstatt vieler früherer Deutsche-Bank-Händler. Die Research-Spezialisten von CB Insights listen nun auf, in welche (Fin-)Tech-Unternehmen der 93-Mrd.-Dollar-VC-Fonds investiert hat. CB Insights

Aus der Szene

Okay, okay – sich über Finanz-PR zu mokieren, gleicht als Übung bisweilen dem Einrennen einer offenen Tür. Aber: Heute wollen wir uns ja gar nicht mokieren. Sondern bedanken. Denn beinahe hätten wir gemeldet, das börsennotierte Hamburger Fintech Naga AG habe seinen CEO entmachtet. Die Lektüre der Naga-Mitteilung belehrte uns dann jedoch eines Besseren: In Wirklichkeit will man dem armen Mann offenbar bloß die mit dem CEO-Job verbundenen Reisestrapazen ersparen. Naga-Mitteilung

Klickfavorit

… war am Freitag das Stück über den „deutschen Bill Gates“, der einst mit den Sparkassen gemeinsame Sache machte und jetzt mit seinem neuen Startup die Welt erobern will. Manager Magazin

Newsletter 26/09/17: Commerzbank-Debakel, Filialsterben 2.0, Deutsche Bank

Exklusiv: Wie die Commerzbank bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts versagt

Eine personelle Fluktuation wie beim Speed-Dating. Millionenschwere Investitionen, die keinen strategischen Ertrag generieren. Und ein Vorzeige-Projekt, das zum Flop zu werden droht. Recherchen von Finanz-Szene.de zeigen: Die Commerzbank kommt bei der Digitalisierung ihres Firmenkundengeschäfts kaum voran. Wie meinte CEO Martin Zielke doch neulich noch gleich: „Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland.“ Die Wirklichkeit sieht ein bisschen anders aus. Lesen Sie unser Trauerspiel in fünf Akten.

Finanz-Szene.de

News

Atmosphäre der Angst in der EZB? Von wegen Beamtenjob mit üppigen Zulagen: In der Abteilung für Bankenaufsicht herrschten Angst, hoher Arbeitsdruck und eine „toxische Atmosphäre“, beklagt der Betriebsrat in einem Brief an die Chefinnen Nouy und Lautenschläger. Ein Ex-Mitarbeiter wird in der „SZ“ wie folgt zitiert: „Es wird Druck aufgebaut, freiwillig zu gehen.“ Süddeutsche

Nicht mal mehr die Metropol-Filialen sind unantastbar: Die Bankfilialen in den großen Städten galten bislang als wenigstens einigermaßen profitabel (weil: mehr Menschen = mehr Besuchsfrequenz = mehr Umsatz). Nun aber kommt ausgerechnet aus dem reichen München die Kunde, dass die dortige Stadtsparkasse mit 32 (!) ihrer Filialen angeblich kein Geld mehr verdient. 17 davon sollen nun dichtgemacht werden. Süddeutsche

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Wer dachte, in Sachen HNA ginge es nicht mehr verrückter – doch, geht es: Die „Financial Times“ berichtet, dass der Schweizer Flughafendienstleister Swissport einem „verbundenen Unternehmen“ wiederholt kurzfristige Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung gestellt habe. Dabei handelt es sich angeblich um eine Firma, die wiederum eng mit HNA verknüpft ist. Will man wirklich Boot sein, wenn das der Anker ist? Financial Times (Paywall), Alle HNA-Berichte in der FT (Paywall)

Commerzbank und KfW spielen Blockchain: Die beiden Großbanken haben gemeinsam mit dem Vermögensverwalter Meag eine Geldmarkt-Transaktion per „Distributed-Ledger-Technologie“ simuliert. Wann das Ganze auch in echt funktioniert? In ein paar Jahren soll es soweit sein. Fondsprofessionell

Sparkassen nennen Schwelle für „Light-Regulierung“: Jede Bank, deren Bilanzsumme bei unter 0,5 Prozent des nationalen BIP liegt, sollen von der „Small Banking Box“ profitieren, fordert der DSGV. In Deutschland liefe das auf einen Schwellenwert von 15 Mrd. Euro hinaus. Börsenzeitung (Paywall)

DZ Bank regiert bei „HSH light“ durch: Das genossenschaftliche Spitzeninstitut strebt bei der verlustträchtigen Tochter DVB Bank einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an (wobei es genau genommen natürlich Verlustabführungsvertrag heißen müsste). (Börsenzeitung (Paywall)

Schwerpunkt Fintech-Regulierung

Kommen jetzt die Anti-N26-Regeln? „Im Vergleich zu traditionellen Bankeinlagen dürften die Einlagen auf Online-Konten von Fintech-Banken volatiler und weniger ’stabil‘ sein.“ So steht es in einem neuen Leitfaden der EZB. Was wollen uns die Aufseher damit sagen? Versuch einer Analyse. Finanz-Szene

Der Lobbyisten-Kampf um PSD2: Im Grundsatz ist die neue Zahlungsrichtlinie nicht mehr aufzuhalten. Um ein wichtiges Detail allerdings wird seit Monaten erbittert gestritten: Müssen die Banken den Fintechs (und sonstigen Drittanbietern) auch den „Screen Scraping“ genannten maschinengesteuerten Zugriff auf die Kontodaten erlauben?  Die FAZ fasst die Auseinandersetzung zusammen. FAZ

Beyond .de

Der nächste Payment-Hammer: Gibt es eigentlich noch Tage, an denen kein Milliardendeal in der europäischen Payment-Branche verkündet wird? Diesmal: Der dänische Zahlungsdienstleister Nets soll für rund fünf Mrd. Euro an den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman gehen. Wem die Konstellation bekannt vorkommt: Auch der deutsche Acquirer Concardis war jüngst von Private-Equity-Firmen übernommen worden. Handelsblatt

Schafft JP Morgan (mal eben) 2500 Jobs in Polen? Eine Bank, ein Land, 2500 neue Arbeitsplätze – das ist mal ’ne Ansage (auch wenn es „nur“ um Middle– und Back-Office-Jobs geht). Da auch andere Großbanken wie die UBS oder die Credit Suisse schon Tausende Jobs gen Polen verlagert haben, könnte dem Land bald ein Bankernotstand drohen, mutmaßt „Finews“. Financial Times (Paywall), Bloomberg, Finews

BBVA gibt es bald zu 92 Prozent mobil: Die spanische Großbank gilt als einer der europäischen Fintech-Vorreiter. Nun behauptet das Institut aus Bilbao, bis Jahresende mehr als 90 Prozent seines Retail-Produktportfolios auch per App anbieten zu können (nachdem es vor drei Jahren erst 16 Prozent gewesen seien). Finextra

Lesetipps

Wie Ex-Deutschbanker die (Fin-)Tech-Welt aufmischen: Der Vision Fund des japanischen Telekomkonzerns Softbank ist nicht nur gigantisch groß – sondern offenbar auch die neue Heimstatt vieler früherer Deutsche-Bank-Händler. Die Research-Spezialisten von CB Insights listen nun auf, in welche (Fin-)Tech-Unternehmen der 93-Mrd.-Dollar-VC-Fonds investiert hat. CB Insights

Aus der Szene

Okay, okay – sich über Finanz-PR zu mokieren, gleicht als Übung bisweilen dem Einrennen einer offenen Tür. Aber: Heute wollen wir uns ja gar nicht mokieren. Sondern bedanken. Denn beinahe hätten wir gemeldet, das börsennotierte Hamburger Fintech Naga AG habe seinen CEO entmachtet. Die Lektüre der Naga-Mitteilung belehrte uns dann jedoch eines Besseren: In Wirklichkeit will man dem armen Mann offenbar bloß die mit dem CEO-Job verbundenen Reisestrapazen ersparen. Naga-Mitteilung

Klickfavorit

… war am Freitag das Stück über den „deutschen Bill Gates“, der einst mit den Sparkassen gemeinsame Sache machte und jetzt mit seinem neuen Startup die Welt erobern will. Manager Magazin

Exklusiv: Die Digitalisierung des Commerzbank-Firmenkundengeschäfts – ein Trauerspiel in fünf Akten

Von Heinz-Roger Dohms

Wer Martin Zielke zuletzt zuhörte – der musste glauben, die Commerzbank sei in Sachen Digitalisierung jetzt ganz weit vorn. „Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland“, ließ sich der Chef der Frankfurter Großbank zitieren. Und in einer hübsch gesetzten PR-Offensive zum sogenannten „Digital Campus“ vermittelte das Institut den Eindruck, nach dem Privatkunden- werde jetzt auch das Firmenkundengeschäft mit Hochdruck technologisiert.

Nun hat die Commerzbank im Retailbereich tatsächlich unbestrittene Fortschritte gemacht. Bei der Digitalisierung des Firmenkundengeschäfts allerdings klafft zwischen Selbstvermarktung  und Wirklichkeit eine gewaltige Lücke, zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de. Ein Trauerspiel in fünf Akten:

  1. Akt – Die großen Ankündigungen 2014

Die Älteren werden sich erinnern: Eine ähnlich Ankündigungswelle wie jetzt hat die Commerzbank vor mittlerweile dreieinhalb (!) Jahren schon einmal losgetreten. Damals wurde der hauseigene Startup-Entwickler „Main Incubator GmbH“ mit dem expliziten Ziel gegründet, das Firmenkundengeschäft zu digitalisieren. In der damaligen Pressemitteilung hieß es wörtlich: Das hundertprozentige Tochterunternehmen (also der Main Incubator) „fördert und investiert in Startups mit innovativen Lösungen mit Schwerpunkt auf dem Firmenkundengeschäft“.

  1. Akt – Millionenschwere Investments, von denen nun die direkte Konkurrenz profitiert

Schon 2014 ging die Commerzbank via „Main Incubator“ zwei „strategische Investments“ ein, wie das damals hieß. Bei dem einen handelte es sich um den Münchner Datenanalyse-Spezialisten Gini, bei dem anderen um den B2B-Payment Anbieter Traxpay. Was wurde aus diesen „strategischen Investments“? Traxpay ist schon seit Monaten ins Firmenkundenangebot der NordLB integriert – nicht jedoch in das der Commerzbank. Gini wiederum war von vornherein (Stichwort „Schwerpunkt auf dem Firmenkundengeschäft“ …) ein strategisch eher seltsames Investment – denn bis heute beschränkt sich das Münchner Fintech auf den Retaibereich. Dort ist Gini freilich inzwischen mit fast jeder bekannten deutschen Bank live, von der Deutschen Bank über die HVB bis hin zur ING Diba und den Sparkassen. Aber nicht – mit der Commerzbank.

Mit anderen Worten: Die selbsternannte „disruptive Großbank in Deutschland“ hat mit ihren millionenschweren „strategischen Investments“ Fintechs gepäppelt, die nun dafür sorgen, dass die direkte Konkurrenz ihre digitalen Angebote verbessert (wobei man natürlich argumentieren kann, dass die Coba zumindest finanziell profitiert, wenn die eigenen Beteiligungen Kunden gewinnen). Auf die Frage, mit welchen „Main Incubator“-Beteiligungen die Commerzbank im Firmenkundengeschäft überhaupt live ist, heißt es: „Sowohl mit Optiopay als auch mit Bilendo gibt es Kooperationsverträge. Die Zusammenarbeit macht uns viel Freude, ist sehr konstruktiv und geht bereits über die Pilotphasen hinaus. Zudem gibt es aus dem Portfolio des Main Incubators weitere Piloten und Gespräche bezüglich potenzieller Kooperationen, die über Anwendungen im Firmenkundengeschäft hinausgehen.“

  1. Akt – Ein beispielloser personeller Aderlass

Um Strategien nicht nur ankündigen, sondern auch umsetzen zu können, braucht es ein Mindestmaß an personeller Kontinuität. Stattdessen herrscht im Firmenkundengeschäft der Commerzbank – jedenfalls da, wo es um die Digitalisierung geht – offenbar ein ständiges Kommen und Gehen. Sehen Sie selber:

  1. Akt – Glaubt der wichtigste Partner noch an die Commerzbank?

Erinnert sich noch jemand an die riesige Finanzierungsrunde für Traxpay  im September 2014? Der „Main Incubator“ trat damals als Lead Investor auf, allerdings nicht alleine, sondern mit einem gewichtigen Partner, der Software AG (hinter SAP der größte deutsche Software-Konzern). Arndt Zinnhardt, Finanzchef der Software AG, zog damals auch ins Investment-Komitee des „Main Incubators“ ein. Inzwischen hat er das Gremium  verlassen. Einen neuen Vertreter hat das Damstädter IT-Unternehmen nicht entsandt.

  1. Akt – Was ist eigentlich aus dem Vorzeigeprojekt geworden?

Mit „Main Funders“ wollte die Commerzbank das Kreditgeschäft für mittelständische Unternehmen revolutionieren. Statt die Darlehen selber zu vergeben, soll „Main Funders“ als Plattform dienen, über die Geschäftskunden mit institutionellen Fremdkapitalgebern zusammengebracht werden. Seit dem Start im Frühjahr vergangenen Jahres hat man von „Main Funders“allerdings nicht mehr viel gehört. Auf Nachfrage teilt die Commerzbank nun mit: „Bei der Main-Funders-Plattform haben wir die Erfahrung gemacht, dass bislang nicht immer alle Risikoprofile von Kreditnehmern auch passend zu den Renditeerwartungen von Investoren sind. Wir beobachten jedoch die weitere Entwicklung sehr aufmerksam und bitten zugleich um Verständnis, dass wir keine Zahlen zu dieser Plattform veröffentlichen.“

 

Analyse: Kommt jetzt die Anti-N26-Regulierung?

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist nur ein einziger Satz – aber der lässt viel Raum für Interpretationen:

„Online-Banking-Kunden verhalten sich mitunter recht preissensitiv. Sie sind eher geneigt, ihre Einlagen abzuziehen und zu einem Mitbewerber mit höheren Zinsen zu wechseln. Im Vergleich zu traditionellen Bankeinlagen dürften die Einlagen auf Online-Konten von Fintech-Banken volatiler und weniger ’stabil‘ sein.“

So steht es im Ende vergangener Woche von der EZB vorgelegten „Leitfaden zur Beurteilung von Anträgen auf Zulassung als Fintech-Kreditinstitut“.

Was wollen Europas oberste Bankenaufseher der Branche damit sagen?

  • Wird die EZB bei Fintechs, die ins Einlagengeschäft streben, deutlich genauer hinschauen als bei einer Bank, die ähnliche Aktivitäten unterhält?
  • Gilt der Satz auch für eine Fintech-Bank wie N26, die ja längst eine stinknormale Banklizenz besitzt?
  • Schon jetzt unterscheidet die Aufsicht zwischen stabilen und weniger stabilen Privatkundeneinlagen (wobei „online“ nicht das einzige, wohl aber ein entscheidendes Kriterium ist). Sollen die Fintech-Banken nun noch schlechter gestellt werden als die „normalen“ Direktbanken?
  • Und geht es am Ende „nur“ ums genauere Hinschauen – oder womöglich um deutlich höhere Liquiditäts- und/oder Eigenkapitalvorgaben?

Vielleicht sollte man den Satz nicht überinterpretieren. Aber auffällig ist schon, dass die „Financial Times“ schon Anfang letzter Woche scheinbar anlassfrei über das „systemische Risiko“ von Online-Einlagen räsonierte. Und dass „Reuters“ sich dieser Tage bei der Berichterstattung über die EZB-Pläne explizit auf das Stichwort Einlagen kaprizierte.

An Relevanz für die deutsche Fintech-Branche mangelt es der Thematik jedenfalls nicht. Neben N26 könnte das Thema indirekt auch zwei andere deutsche Groß-Startups angehen, nämlich Raisin („Weltsparen“) und Deposit Solutins („Zinspilot“). Die haben zwar selbst keine Spareinlagen auf den Büchern, schieben wohl aber Depositen in Milliardenhöhe zwischen verschiedensten Banken hin und her. Und wollte nicht auch die Deutsche Bank mithilfe von Deposit Solutions ganz groß in die Einlagenvermittlung einsteigen?

Kommt bald das erste Fintech in den Dax?

Von Heinz-Roger Dohms

… nein, diese Überschrift ist kein Gag, um auf billige Art und Weise Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Vielmehr geht es um ein konkretes, zunehmend realistisches Szenario. Der bayerische Payment-Dienstleister Wirecard (den man ja durchaus zur Kategorie der Ur-Fintechs zählen darf) ist nicht mehr weit vom Dax-30 weg. Wie weit genau, das haben wir mit Unterstützung von Uwe Streich, Kapitalmarktexperte bei der LBBW, analysiert.

1.) Was sind die Voraussetzungen, um in den Dax zu kommen?

Für den regulären Aufstieg (es gibt auch eine Schnell-Variante, die aber so unwahrscheinlich ist, dass wir sie ausklammern) muss ein Aspirant bei Marktkapitalisierung (es zählt nur der Streubesitz) und Handelsumsatz zu den 35 größten Unternehmen gehören. Zudem braucht es einen Dax-Absteiger, der in mindestens einer der beiden Kategorien aus den Top-40 herausfällt. Streich: „Der Aufsteiger muss den Absteiger also nicht nur überholen, sondern deutlich besser sein. Dadurch will die Deutsche Börse verhindern, dass sich die Zusammensetzung des Index zu oft ändert.“

2.)  Erfüllt Wirecard die Kriterien?

Fast. Nach der fulminanten Kurs-Rallye der vergangenen Monate ist der Payment-Spezialist, was die Market-Cap anbetrifft, schon auf Platz 33 vorgeprescht. In Sachen Umsatz steht Wirecard immerhin schon auf Platz 36.  Gerade letzteres ist fast sensationell. Denn beim Handelsumsatz hinken TecDax-Mitglieder normalerweise nicht nur hinter Dax-Konzernen, sondern auch hinter MDax-Unternehmen deutlich hinterher (das hat damit zu tun, das der TecDax für die meisten institutionellen Investoren weniger interessant ist; entsprechend werden auch weniger Stücke umgeschlagen). Offenbar sind es insbesondere die Privatanleger, die Wirecard zum Dax-Kandidaten machen.

3.) Gibt es einen potenziellen Absteiger?

Ja, ProSiebenSat 1. Die Aktien des Medienkonzerns sind in den vergangenen Monaten eklatant gefallen. Dadurch steht das Unternehmen in Sachen Market Cap nur noch auf Platz 34 (also hinter Wirecard). Aber wie gesagt: ProSiebenSat 1 müsste aus den Top-40 herausfallen. Ein bisschen Puffer ist noch.

4.) Hat Wirecard Konkurrenz im Aufstiegsrennen?

Ja. Die Deutsche Wohnen liegt momentan voraus. Bei der Marktkapitalisierung liegt der MDax-Konzern momentan auf Platz 26, beim Umsatz auf Platz 33. Stiege ProSieben ab, wäre nach jetzigem Stand also erstmal die Deutsche Wohnen dran. Ein weiterer potenzieller Kandidat ist Streich zufolge Bayer-Abspaltung Covestro. Deren Problem war im August-Ranking noch der relativ geringe Streubesitz von 55 Prozent. Doch vergangene Woche hat sich Bayer nochmals von fast zehn Prozent der Aktien getrennt. Für Streich heißt das: „Falls Bayer nochmals einen Stake im zweistelligen Prozentbereich platziert, würde Covestro auf Sicht zu einem Dax-Kandidaten werden.“

5.) Gibt es weitere potenzielle Absteiger?

Ja, zumindest einen: Wenn die Linde-Aktien im Zuge des Zusammenschlusses mit dem US-Unternehmen Praxair vorwiegend in den USA gehandelt werden, droht dem Gase-Hersteller auf mittlere Sicht der Abstieg aus dem Dax.

6.) Ist der Dax-Aufstieg von Wirecard also wahrscheinlich?

Wenn sich der Kurs der Ur-Fintechs weiterhin so entwickelt, wie er das in den vergangenen Jahren getan hat, dann dürfte der Sprung in den Dax nur eine Frage der Zeit sein. Dass der Aufstieg allerdings schon zum nächsten regulären Index-Entscheid im August 2018 gelingt, ist allerdings wenig
wahrscheinlich. LBBW-Experte Streich. „Nach jetzigem Stand würde ich diesem Szenario fünf Prozent geben.“

7.) Hätte Wirecard den Aufstieg verdient?

Das ist schwer zu beurteilen. Aus Sicht von Finanz-Szene.de wirft die Bilanz von Wirecard weiterhin sehr viele Fragen auf. Siehe hierzu unsere Analyse bei „Manager-Magazin.de“ aus diesem Frühjahr.