04/10/18: Kreditboom in Q2, Wirecard bald 100 Mrd. € wert?

3. Oktober 2018

Huch, was hat dieser Kreditboom denn jetzt zu bedeuten? Um 8,3% sind in Q2 die neu vergebenen Darlehen an Unternehmen und Selbstständige gestiegen, heißt es im aktuellen KfW-Kreditmarktausblick, aus dem das „Handelsblatt“ heute Morgen aus habituellen Gründen exklusiv zitieren darf. Noch spannender als das Wachstum als solches (über das wir uns als Freunde unserer heimischen Banken natürlich olafscholzmäßig freuen!), ist freilich die Frage: Woher kommt’s? Die Volkswirte der Deutschen Bank, die dieser Tage Ähnliches beobachtet hatten wie nun die KfW, meinen grob zusammengefasst: „Alles dufte da draußen.“ Die Staatsbanker hingegen kommen zu einer fast schon gegenteiligen These: Alles so unsicher da draußen (gerade was die Frage angeht, wie lange die Zinsen niedrig bleiben), dass sich die Unternehmen zur Sicherheit mit Liquidität vollsaugen. Handelsblatt (Paywall)

Wirecard strebt Marktkapitalisierung von mehr als 100 Mrd. Euro an: Dieses erstaunliche Ziel gibt Vorstandschef Markus Braun heute Morgen in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ aus. Dazu beitragen soll – wenn wir es richtig verstehen, was wir, wenn es um Wirecard geht, aber nur selten tun – die Ausweitung des Geschäftsmodells in Richtung klassisches Banking. Nachdem der bayerische Dax-Neuling im Frühjahr schon angekündigt hatte, Kredite vergeben zu wollen (siehe „Finanz-Szene.de“ vom 28. Mai), soll nun das hauseigene Bezahlsystem „Boon“ in Richtung Smartphone-Konto weiterentwickelt werden. HB (Paywall)

Am Dientag hatten wir ja schon angedeutet, dass die Fake-News-Attacke auf Kontist mutmaßlich das Ziel hatte, eine kurz vor dem Abschluss stehende  Funding-Runde zu torpedieren … Jedenfalls: Wenige Stunden nach unserer Berichterstattung hat Kontist die Finanzierung dann auch öffentlich verkündet. Hauptinvestor ist die Freiburger Haufe Group, was insofern sinnig erscheint, als Kontist eine Konto-App für Freiberufler und Selbständige anbietet, während Haufe mit Lexware für dieselbe Klientel die passende Buchhaltungs-Software im Angebot hat. Laut Kontist-Chef Christopher Plantener hat das Funding ein Volumen von „deutlich mehr“ als 5 Mio. Euro, Haufe erhält einen (mutmaßlich signifikanten) Minderheitsanteil. Pressemitteilung (PDF)

Carsten Maschmeyer wird quasi zum Co-Investor der Deutschen Bank: … was so kam, dass der AWD-Gründer am Dienstagabend in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ankündigte, 1 Mio. Euro in das Frankfurter Fintech Dwins („Finanzguru“) zu investieren, an dem sich im vergangenen Jahr schon die größte Bank des Landes mit damals knapp 25% beteiligt hatte. Auch wenn der Werbeeffekt der ganzen Nummer vermutlich ähnlich viel wert sein dürfte wie das eigentliche Funding (und kostenlos on top kommt), wollen wir uns der euphorischen Berichterstattung anderer Medien nicht uneingeschränkt anschließen. Denn: Mehrere Fintechs, deren Geschäftsmodelle in eine ähnliche Richtung wie das von Dwins  gingen (also grob gesagt irgendwas mit Banking-App bzw. Personal Finance Manager  bzw. Vertragsmanager), konnten sich am Markt nicht wirklich durchsetzen. Siehe -> Outbank, siehe ->Moneymap, siehe -> Figo vor dem Pivot. Gründerszene

Vielleicht sollten wir manchmal ein bisschen weniger auf die Factoring-Fintechs gucken – und ein bisschen mehr auf die klassischen Factoring-Unternehmen. Zum Beispiel auf den umtriebigen Baden-Badener Anbieter Grenke, der sein Factoring-Neugeschäft von Januar bis September um 18,4% im Vergleich zum Vorjahr gesteigert hat und sein Leasing-Neugeschäft (übrigens die deutliche größere Sparte) sogar um 22,9%. DGAP

Die Aktien des größten europäischen Marketplace-Lenders Funding Circle sind gestern zum Börsenstart um ein Viertel eingebrochen: … was nicht nur für die in Berlin ansässige Deutschland-Tochter des Londoner Fintechs eine schlechte Nachricht ist, sondern indirekt auch für den Düsseldorfer Konkurrenten und hiesigen Marktführer Auxmoney. Denn der erwägt ja bekanntlich, ebenfalls an die Börse zu gehen. Sollte es (zumindest im Hinterkopf der Gründer) schon grobe Preisvorstellungen gegeben haben, dann dürften diese (freilich ebenfalls nur im Hinterkopf) nun ein bisschen heruntergeschraubt werden. BBC

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