09/04/19: Das „Ernest-Projekt“ der Coba, IT-Chaos bei Fidor, Bafin vs. N26

8. April 2019

Exklusiv: Geheimprojekt „Ernest-App“ – Die Commerzbank testet Vertragsmanager

Zwei Jahre ist es her, dass die Hypo-Vereinsbank die Digitalisierung des Retail-Bankings auf ein neues Level heben wollte. Dazu investierte sie in ein Berliner Fintech namens Moneymap – und versprach ihren Kunden, sie würden mithilfe des Moneymap-„Vertragsmanagers“ jetzt ganz viel Geld sparen. Die Idee dahinter: Das Tool durchforstet das Girokonto nach Hinweisen auf überteuerte Verträge (etwa für Strom- oder Gas) und schlägt dem Kunden dann preiswertere Anbieter vor. Auf Euphorie jedoch folgte Ernüchterung: Die Kunden ignorierten Moneymap, der Dienst wurde eingestellt. Das Thema Vertragsmanager schien damit vorerst tot. Bis jetzt. Denn nun arbeitet die Commerzbank nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ an einer quasi identischen Anwendung. Projektname: „Die Ernest App“ (Ernest wie Hemingway und App wie App). Was konkret hat die Commerzbank vor? Und wie gehen die anderen hiesigen Banken (also etwa die „Deutsche“, die Sparkassen oder die ING) mit dem Thema um? Hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

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News

Oha, da fährt die Bafin aber schwere Geschütze gegen N26 auf – wobei sie das natürlich nicht direkt tut, sondern via „Handelsblatt“: Dort ist heute Morgen zu lesen, anlässlich einer Sonderprüfung im vergangenen Jahr habe die Bafin u.a. „Missstände bei der Personalausstattung sowie beim Management von ausgelagerten Aufgaben und bei der Technik“ kritisiert. N26 sei aufgefordert worden, die Schwächen schnellstmöglich abzustellen. Andernfalls, so die Aufseher laut HB, stehe „als ultimative Drohung eine Deckelung des Einlagengeschäfts im Raum“ Wie gesagt: Oha! Handelsblatt (News/Paywall), Handelsblatt (Interview mit B26-Chef-Stalf/Paywall)

Exklusiv – Kunden meutern gegen Fidor: Von Donnerstagmorgen bis gestern Nachmittag (also viereinhalb Tage) wartete einer unserer Leser auf eine eigentlich taggleiche Überweisung (von Fidor-Konto zu Fidor-Konto) in vierstelliger Höhe. Kein Einzelfall. Denn in den vergangenen Tagen türmten sich im Fidor-Forum und in Internetportalen wie „Allestörungen.de“ die Beschwerden von Kunden, denen Ähnliches widerfahren war. Wie kann das sein, dass eine Bank, die als digitaler Vorreiter gilt, tagelang ihrer Kernfunktion nicht nachkommt? Hier das Ergebnis unserer Recherchen: Finanz-Szene.de

Über die Spitzenmanager hiesiger Banken hat Christine Novakovic mal gesagt (was freilich auch schon wieder einige Jahre her ist) „Natürlich gibt es auch [in Deutschland] in Vorständen eine Menge Leute, die sich nicht verstellen und mit denen man auch Spaß haben kann. Aber häufiger sind die anderen, die sich im Job aufbrausend und herrschsüchtig geben, die echte Kotzbrocken sind – und privat die nettesten Menschen.“ Jedenfalls: Wie gestern zuerst das „HB“ berichtete, wird Deutschland-Chef Thomas Rodermann die UBS verlassen. Der Grund? Angeblich Frau Novakovic. Hier unser „Kurz gebloggt“: Finanz-Szene

Gibt es in Sachen „Deutsche Commerz“ eigentlich einen neuen Stand, seit wir Freitagfrüh das letzte Mal für Sie da waren? Nein, das nicht. Aber: In großen Artikeln u.a. im „Spiegel“ und in anderen Medien fand sich der ein oder andere interessante neue Aspekt zum Thema, zudem haben sich einige Beteiligte (in durchaus interessanter Weise) geäußert. Wir haben das Allerwichtigstes einfach mal für Sie zusammengefasst (Lesezeit: 60 Sekunden, also verkraftbar): Finanz-Szene

Und wieder mal ein Beleg für eine unserer Lieblingsthesen – nämlich dass Deutschlands Versicherer in Sachen Digitalisierung irgendwie fetter unterwegs sind als Deutschlands Banken: Talanx steigt mit 12 Mio. Euro beim Berliner Company Builder „Next Big Thing“ ein, zu dessen Ventures u.a. eine Firma gehört, die die Verwaltung großer Wohnungsbestände digitalisieren will. Hat eine hiesige Bank überhaupt schon mal eine zweistellige Millionensumme in irgendein Fintech oder irgendwas Fintech-Ähnliches investiert? Handelsblatt (Paywall)

Kurzmeldungen: Die Apobank will sich (noch) unabhängiger vom klassischen Bankgeschäft macht – und eine Dienstleistungs-Plattform für die Gesundheitswirtschaft aufbauen (Reuters) +++ Die Sparkassen und das Land Niedersachsen sind sich in Sachen NordLB-Rettung nach einigem Hin und Her nun doch einig (BÖZ) +++ Den alljährlichen EZB-Stresstest hat diesmal nur eine von europaweit gut 100 geprüften Banken nicht bestanden. Um wen es sich handelt, verschwiegen die Aufseher. (Handelszeitung) +++ Keine Woche ohne BdB-Kampagne. Ginge es das letzte Mal um „Basel IV“, ist jetzt (mal wieder) der EZB-Strafzins an der Reihe (bankenverband.de) +++ Hübsche kleine Blamage für die Coba: Das neue Bezahlsystem in der Frankfurter Commerzbank-Arena kommt von der Deutschen Bank (eintracht.de)

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Linktipps

Nach der „Financial Times“ geht nun auch die „Süddeutsche Zeitung“ mit Wirecard hart ins Gericht: In einer ellenlangen Reportage mit dem schönen Titel „Der Phönix aus Aschheim“ zeichnen die Kollegen das angebliche „Non-Event“ in Singapur detailliert nach (immer vorausgesetzt, was in dem Artikel steht, stimmt tatsächlich und ist z.B. nicht einfach nur so erfunden …) – und stellen eine explosive Frage in den Raum: „Versucht der Konzern, Kritiker in seinen Reihen sowie außerhalb systematisch zu diskreditieren?“ SZ (Paywall)

Warum will ausgerechnet der Mann, der (auf den ersten Blick) von der „Deutschen Commerz“ am wenigsten zu erwarten hätte, diesen Zusammenschluss am allermeisten? Ein Kurzporträt des Coba-Chefs Martin Zielke. SZ

Wenn die deutschen Banken jetzt an einer „in-App“-Lösung für die Girocard arbeiten, ist das eigentlich die richtige Entscheidung. Bloß: Noch sind ganz schön viele Fragen offen! Paymentandbanking

Aus der Szene

Die erste Staffel der ZDF-Serie „Bad Banks“ kam am Finanzplatz Frankfurt nicht nur wegen einer akkuraten Recherche von Arbeitsbedingungen (Mäuse im Händlersaal) und Investmentbanker-Sprüchen („Du hast uns die Scheiße eingebrockt. Du badest Sie auch aus“) gut an- sondern auch aufgrund klug gewählter Drehorte. Zumindest was den letzten Punkt angeht, scheint die zweite Staffel nahtlos anzuknüpfen. Schauplatz des aktuell laufenden Drehs war nämlich (wie „Finanz-Szene.de“ – wir schwören: zufällig, nicht als Gast –  mitbekam) das „Zum Bitburger“ in der Hochstraße, eine von Bankern gern besuchte ehemalige „Händlerkneipe“, die sich rühmt,  das Bier fließe in atemberaubendem Tempo und mit exakt 5,8 Grad Celsius aus einem aufwändig verlegten Rohrsystem.

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Analyse zu den (angeblichen) Plänen der Unicredit, sich die Commerzbank einzuverleiben. Finanz-Szene

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