Newsletter 27/09/17: BNP Paribas, Retailbanking-Erträge, Fintech-Pleite

27. September 2017

Deutschlands neue Großbank (die eigentlich aus Frankreich kommt)

Die Margen sind dünn in der Unternehmensfinanzierung – und viel besser wird’s nicht werden, wenn Firmen wie Compeon jetzt auch noch das Interhyp-Prinzip von der Baufi auf das Firmenkundengeschäft übertragen. Indes: Die BNP Paribas scheint all das nicht zu stören. Mit üppigem Selbstbewusstsein kündigte Deutschland-Chef Lutz Diederichs gestern an, bis 2020 unter die Top-5-Banken bei Dax-Unternehmen und unter die Top-3 bei der Mittelstandsfinanzierung aufsteigen zu wollen. Die Erträge, die jetzt schon bei bemerkenswerten 1,5 Mrd. Euro liegen, sollen bis dahin auf mehr als 2 Mrd. Euro steigen. Und noch bemerkenswerter: Die bisherige Untergrenze (die BNP wollte eigentlich nur Unternehmen ab 250 Mio. Euro Umsatz finanzieren) soll plötzlich nicht mehr gelten. Fragt sich nur, ob die forschen Töne dafür sprechen, dass sich die BNP demnächst auch noch die Commerzbank schnappt. Oder nicht eher dagegen.

Finance Magazin, Börsenzeitung (Paywall)

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Die Pleite des Nice-to-have-Fintechs

Es waren zwei einfache Fragen, die „Finanz-Szene.de“ vor 14 Tagen der Outbank-Chefin Anya Schmidt stellte: Inwieweit sei der neulich verkündete Neustart eigentlich durchfinanziert? Und wann brauche Outbank ein frisches Funding? Schmidt war professionell genug, keine Stellung zu nehmen. Denn: Was hätte lügen denn gebracht? Und: Noch bestand ja Hoffnung auf eine Last-Minute-Rettung durch die Berliner Quirin-Bank. Um es kurz zu machen: Die Hoffnung hat sich vorerst zerschlagen, Outbank stellte gestern Insolvenzantrag. Dass es zu keiner Einigung mit Quirin kam, lag wohl auch an der komplexen Eigentümerstruktur bei Outbank (denn vermutlich wollten die Berliner nur dann Geld geben, wenn die Herren hinter Outbank dies auch getan hätten). Nicht auszuschließen allerdings, dass das Dachauer Fintech aus der Insolvenz heraus doch noch einen Retter findet. Denn dass die Multibanking-App von Outbank eigentlich ein schönes Produkt ist – das sagen viele. Die Frage ist: Lässt es sich auch monetarisieren? t3n, Gründerszene, Outbank-Stellungnahme

News

Retail-Erträge sinken unter 50 Mrd. Euro: Der Kuchen im deutschen Privatkundengeschäft wird immer kleiner, rechnet die Beraterfirma ZEB vor. Vergangenes Jahr seien die Erträge auf nur noch 49,7 Mrd. Euro gefallen – bis 2020 sei mit einem weiteren Rückgang auf 45,6 Mrd. Euro zu rechnen. Handelsblatt

Tarifstreit bei der Postbank spitzt sich zu: Nachdem auch die dritte Verhandlungsrunde ergebnislos endete, kündigt Verdi einen „Erzwingungsstreik“ an. Was auch immer das genau sein mag – es klingt eher nicht nach Deeskalation. Fondsprofessionell

Volksbank Berlin schiebt nächstes Fintech an: Also – mangelnden Digitalisierungswillen kann man den Spree-Genossen nun wahrlich nicht unterstellen. Diesmal geht es um eine Vorfinanzierungs-Plattform namens Vai, in die die Voba und andere Seed-Investoren stolze 5,5 Mio. Euro pumpen. Was vielleicht ein ganz klein bisschen stutzig machen könnte: Gründer von Vai ist Garry Krugljakow, der mit der P2P-Payment-App Cookies scheiterte. Aber Vorfinanzierung und Payment sind ja gottseidank nicht das Gleiche. Wirtschaftswoche

Und noch ein neues Finanz-Startup (Herr Barkow, das wievielte, haben Sie noch den Überblick???): Es heißt Taxfix, hat sich der Digitalisierung der Steuererklärung verschrieben – und bekommt zum Start zwei Mio. Euro (ob ein gewisser Jens Sp. zu den Investoren zählt, war in der Kürze der Zeit leider nicht zu klären). Wirtschaftswoche

Achtungserfolg für Sparkassen-Acquirer: BS Payone hat einen – wenn wir es richtig verstehen: heißbegehrten – Payment-Auftrag der Deutschen Bahn an Land gezogen. IT-Finanzmagazin

Lesetipps

Pleitewelle bei Fintechs? Das „Handelsblatt“ widmet sich heute auf den Seiten 1, 4 und 5 einer – so jedenfalls die plausible These – zu erwartenden Pleitewelle bei Finanz-Startups. Für alle, die die Printausgabe so früh noch nicht zur Hand haben sollten: Der Kronzeuge für die Geschichte, nämlich Finanzinvestor Chris Flowers, hatte sich vor zwei Wochen in der Online-Ausgabe dergleichen Zeitung und Anfang 2016 im „Wall Street Journal“ schon sehr ähnlich geäußert. Vielleich taugen die beiden Stücke ja als Ersatz-Lektüre. Handelsblatt, WSJ.com (Paywall)

Karriere

Nun wollen wir aus den Verschiebungen im Vergütungsbericht einer einzelnen deutschen Bank keinen Großtrend ableiten. Aber: Vielleicht nicht ganz uninteressant (auch vor dem Hintergrund der BNP-Paribas-Meldung oben), dass bei HSBC Trinkaus die Firmenkundenbanker plötzlich mehr verdienen als die Einstecktuchbanker aus der Vermögensverwaltung. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die Probleme der Commerzbank bei der Digitalisierung des Firmenkundengeschäfts. Finanz-Szene.de

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