Exklusiv

Hohe Verluste, Ziele verfehlt: Die üblen Zahlen von Merck Finck

27. August 2019

Von Christian Kirchner

Klappern gehört bekanntlich auch in feinen Privatbank-Kreisen zum Handwerk. Anders ist nicht zu erklären, dass das Münchener Geldhaus Merck Finck seit einem Jahr ein wahres Feuerwerk der guten Nachrichten verbreitet. Im Januar war von einer „Wachstumsoffensive“ die Rede, weil 20 neue Mitarbeiter kommen sollten.  Ein paar Tage später verkündete das Traditionshaus „neue Mitarbeiter für Frankfurt“, dann „Verstärkung für den Standort Aachen“, dann den Ausbau der Präsenz im Rheinland, später 15 neue Mitarbeiter in ganz Deutschland.

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Noch im Januar berichtete darüber hinaus „Bloomberg“ und kurz darauf die „Börsen-Zeitung“, Merck Finck sei quasi auf „Shopping-Tour“ und habe eine Liste von Übernahmezielen, nachdem 2018 wieder Nettozuflüsse verzeichnet worden seien. Die verwalteten Mittel? Wollte man binnen fünf Jahren verdoppeln. Das waren freilich nicht die ersten Meldungen dieser Art. Denn schon im vergangenen Sommer hatte es bereits geheißen, der „Turnaround“ sei geschafft, Merck Finck prüfe unter anderem Akquisitionen sowie die Anwerbung von Teams.

Expansion, Wachstum, Übernahmen, Verdopplung, Ausbau, Neueinstellungen – so geht das nun also schon seit Monaten bei den noblen Privatbankiers, die im nächsten Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum feiern.

Wie es bei Merck Finck in Wirklichkeit aussieht, darüber gibt der jüngst erschienene 2018er-Abschluss Auskunft. Nämlich: düster, um es milde zu formulieren. Und in Sachen Auskunftsbereitschaft über die Zahlen: zappeduster.

Vorgenommen hatte man sich laut Jahresabschluss einen ohnehin eher schmalen operativen Gewinn von 2 Mio. Euro. Geworden ist es dann ein operativer Verlust von 10 Mio. Euro, auch weil die geplanten Erträge und die Höhe des verwalteten Vermögens um rund 20% (!) verfehlt wurden. Das ist selbst gemessen am Zustand der Peer Group eine Performance, die ihresgleichen sucht.

Wie konnte das passieren? Die Bank spricht in ihrem Geschäftsbericht von „Abgängen von wichtigen Beratern insbesondere in den Niederlassungen Düsseldorf und Hamburg“. Die haben, wie in der Branche üblich, offenbar auch zahlreiche Kunden mitgenommen. Statt wie geplant 10,6 Mrd. Euro verwaltete die Bank zum Jahresende lediglich 8,5 Mrd. Euro und arbeitete mit einer selbst für die Branche irre hohen Cost-Income-Ratio von 120% nach bereits 101% im Vorjahr (also jenem Jahr, das laut Vorstandschef Schellenberg „den Turnaround“ markierte).

Die 10 Mio. Euro operativer Verlust sind indes noch nicht alles. Zieht man noch das bankenübliche Gedöns aus Risikovorsorge, sonstigen Zu- und Abflüssen und Abgaben dazu, musste die Muttergesellschaft „die negativen Ergebnisbeiträge durch Ertragszuschüsse in Höhe von 15,8 Mio. € ausgleichen“, wie es im Geschäftsbericht wörtlich heißt.

Einer, der sich von den blumigen Ausführungen über Wachstum und Digitalisierung nicht blenden lassen dürfte, ist Jürg Zeltner. Der hat es vor einigen Tagen zur Prominenz gebracht, weil er neues Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Bank werden soll.

Hauptberuflich wird sich Zeltner aber unter anderem auch mit der Zukunft von Merck Finck beschäftigen müssen. Denn deren Muttergesellschaft ist die KBL-Gruppe, ein Privatbanken-Konglomerat mit Unterstützung eines Großaktionärs aus Katar. Und seit Mai 2019 einem neuen Chef: Ex-UBS-Mann Zeltner.

Was wird nun aus Merck Finck? Unter dem KBL-Dach hausen nicht weniger als acht Banken. Unter Zeltners Regie soll Anfang 2020 europaweit einen neuen Markenauftritt entstehen, wie das Schweizer Portal „Finews.ch“ vor zwei Wochen berichtete. Wie es mit den Standorten, zentralen Aufgaben und auch den Markennamen weitergeht, dürfte spannend werden.

Wesentliche Kennziffern Merck Finck 2018 (gerundet, in Mio. Euro)

GuV in Mio. € 2018 2017
Zinsüberschuss 4 4
Provisionsüberschuss 43 49
Erträge aus dem laufenden Bankgeschäft 50 57
Verwaltungsaufwand -60 -57
Operatives Ergebnis -10 0
Risikovorsorge 1 2
Ergebnis aus Finanzanlagen 0 2
Saldo sonstige betriebliche Erträge/sonstige betriebliche Aufwendungen 0 -10
Saldo außerordentliche Erträge/außerordentliche Aufwendungen 16 7
Zuführung Fonds für allgemeine Bankrisiken -6 0
Jahresüberschuss 0 1
Mitarbeiter 259 288

Quelle: Geschäftsbericht

Was sagt der Geschäftsbericht von Merck Finck nun zu den Planungen für dieses und die nächsten Jahre? Nicht viel. Im Ausblick präzisiert die Bank kein Ertrags- oder Vermögensziel. Kein Wort von der einst angekündigten Verdopplung des verwalteten Vermögens.

Eher abstrakt ist die Rede von einer „deutlichen Verbesserung der wesentlichen finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren“, zugleich schränkt man aber ein, dass „ein Teil der Maßnahmen, die 2019 umgesetzt werden, ihre volle Wirkung erst in den Folgejahren entfalten“.

Man rechne „mit einem sukzessiven Ausbau der Geschäftsbeziehungen, einem kontinuierlichen Wachstum der Assets under Management und somit einer Steigerung der Erträge und einer verbesserten Cost-Income-Ratio“, heißt es reichlich unpräzise.

Verbesserung Wachstum, Ausbau, Steigerung – das übliche Vokabular eben.

Was sagt die Bank jenseits des testierten Worts und der testierten Zahlen zu alledem? Finanz-Szene.de übersandte Merck Finck gestern vier Fragen:

  • woran die massiven Ergebnisverfehlungen liegen
  • ob es einen Vollzug bei den angekündigten Übernahmen gibt
  • ob abschätzbar sei, was die Planungen in Sachen Marktauftritt für den Standort/die Standorte von Merck Finck in Deutschland heißen und
  • ob Merck Finck ein Update zu Höhe der Assets, Ertragslage und der Cost-Income-Ratio geben kann

Merck Finck wollte dazu keine Stellung nehmen und teilte mit, bei Fragen wende man sich bitte an die KBL (was wir natürlich tun werden), das Thema Übernahme sei aber „nach wie vor aktuell“.

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