22/02/19: Wirecard rudert zurück, Ein Lob der Coba!, Ärger für die DZ Bank

22. Februar 2019

Huch: Wirecard rudert im Streit mit der „Financial Times“ offenbar ein Stück zurück

Mmhh, hatte es vor zwei Wochen nicht geheißen, Wirecard gehe „rechtlich gegen (die) FT und (ihre) unethische Berichterstattung vor„. Und nun? In einem Interview, dass Vorstandschef Markus Braun der „FAZ“ gegeben hat, liest sich das heute Morgen dann doch ein wenig anders. Frage der Kollegen: „Gehen Sie gerichtlich gegen die ‚Financial Times‘ vor […]?“ – Antwort Markus Braun: „Wir prüfen, ob die Form der Berichterstattung angemessen war, gerade im Hinblick darauf, wie wir gegen die Verleumdung von Mitarbeitern vorgehen können.“ – Man prüft bloß? – Und auch das „Nichts an dem heute veröffentlichten Artikel ist wahr“-Diktum (es war bezogen auf den dritten der drei inkriminierenden „FT“-Berichte …) wird in dem Interview heute Morgen zumindest nicht explizit wiederholt. Stattdessen sagt Braun an einer Stelle: „Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war.“ Das kommt jetzt doch überraschend! Oder vielleicht ja auch nicht … FAZ (Paywall)

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Die Geschichte eines deutschen Fintechs, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste

Wenn Sie heute Morgen ein bisschen zu „Fintech“ rumgoogeln – dann werden Sie womöglich auf die Nachricht stoßen, dass das Frankfurter Fintech Traxpay den Handelsriesen Edeka als Kunden gewonnen hat. Frage: Dürfen wir Ihnen die Story hinter der Meldung näherbringen? Die ist nämlich bemerkenswert, finden wir. Sie erzählt eine Menge über das Fintech-Phänomen im Allgemeinen und den Fintech-Standort Deutschland im Besonderen. In der Nuss-Schalen-Version: Traxpay wurde 2009 gegründet. Hatte eine gute Idee. Fand den perfekten Partner. Verlor ihn. Irgendwann ging der Gründer. Der neue CEO wurde „CEO of the year“. Aber das war nur Make-up. Das Unternehmen stand vor dem Aus, musste gerettet werden, legte einen wilden Pivot hin, der Gründer kam zurück. Und nun, zehn Jahre nach dem Start? Sieht es so aus, als habe Traxpay unvermittelt doch noch den Durchbruch geschafft. Hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

News

Gleich nochmal Wirecard: Die Bafin hat in einem Gespräch mit der „Zeit“ eine, wie soll man sagen?, sehr griffige Begründung dafür gegeben, dass Leerverkäufe der Wirecard-Aktie seit Beginn dieser Woche verboten sind. Und zwar: „Es wurden Nachrichten, deren Wahrheitsgehalt nicht geklärt ist, in den Wert der Aktie eingepreist, als seien sie wahr.“ Heißt das, dass die Finanzaufsicht zu einzelnen Dax-Werten jetzt Fundamentalanalysen anfertigt, um herauszufinden, auf welchem Kursniveau Nachrichten mit unklarem Wahrheitsgehalt angemessen eingepreist sind und auf welchem nicht? Wäre unter sozialen Gesichtspunkten eine hervorragende Idee. Dann können die ganzen Sell-Side-Analysten, die wegen Mifid II arbeitslos werden, ja einfach bei der Bafin anheuern. Die Zeit

Vermutlich haben Sie die Geschichte, dass die Deutsche Bank ein 2007 erworbenes US-Muni-Bonds-Paket 2016 mit einem Verlust von 1,6 Mrd. Dollar verkauft hat, gestern schon irgendwo gelesen. Dann bleibt uns ja nur noch übrig, Sie zu fragen: Völlig irre, das alles, oder? Andererseits: Irgendwo müssen die herben Verluste, die das größte Geldhaus der Republik über die Jahre angehäuft hat, ja herkommen. Dank solcher Artikel wird’s wenigstens mal greifbar: 1,6 Mrd. Dollar mit Kommunalanleihen – warum nicht?! Wall Street Journal (Paywall), Süddeutsche

Exklusiv – DZ Bank erleidet Schlappe vor Gericht: Das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken muss den ehemaligen Minderheitsaktionären der Tochter DVB nach dem Squeeze-out statt der offerierten 22,60 Euro je Aktie jetzt plötzlich 29,87 Euro je Aktie bezahlen. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden, wie „Finanz-Szene.de“ in Erfahrung gebracht hat. Zwar sollte die finanzielle Mehrbelastung (wir vermuten: ein einstelliger Millionenbetrag) zu verkraften sein – ärgerlich allerdings ist das Ganze trotzdem, zumal man sich in der DZ Bank eigentlich sicher war, die Minderheitsaktionäre angemessen und rechtmäßig entschädigt zu haben. „Wir prüfen die Einlegung von Rechtsmitteln“, sagte ein Sprecher.

Dürfen wir noch mal auf das 30-Mio.-Euro-Funding für das Berliner Finanz-Startup Mambu von Anfang der Woche zu sprechen kommen? Weil: Wir hatten das Thema aus Zeitmangel wirklich sehr, sehr klein gefahren. Und zu unserer Verwunderung haben es die – in Sachen Fintech ansonsten ja durchaus interessierten – großen Wirtschaftsmedien sogar komplett links liegen lassen. Drum, eine nachtägliche Würdigung: 1.) Ja, bei 30 Mio. Euro wird inzwischen nur noch gegähnt. 2.) Aber Mambu ist ja reinstes B2B – darum haben wir es hier (wenn man die Solarisbank mal ausklammert) mit der höchsten Finanzierung zu tun, die ein deutsches B2B-Fintech je erhalten hat. 3.) Da wir uns mit Mambu nie beschäftigt haben, können wir zum Geschäftsmodell nix sagen. Aber: Wer „Irgendwas mit Back-end“ macht und dafür diese Summe einstreicht, wird so verkehrt nicht unterwegs sein. Fazit: ein Fintech, dass man sich vermutlich merken sollte.

Und vielleicht sollte man dann auch erwähnen, dass die Commerzbank bei beiden deutschen (bzw. semideutschen) Fintechs, die diese Woche dick gefunded haben (nämlich Iwoca und eben Mambu) schon sehr frühzeitig investiert war – ein Hinweis, den Sie durchaus selbstkritisch verstehen dürfen. Denn wenn wir uns recht erinnern, hatte unsere Berichterstattung in den vergangenen Monaten zwei-, dreimal die Tendenz, alles ganz, ganz toll und hellsichtig zu finden, was eine ING, eine Allianz, eine Aegon oder eine BBVA im Fintech-Bereich so machen, um dann gegenzuschneiden, dass die deutschen Banken irgendwie nix gebacken kriegen in dem Beritt. Die Beispiele Mambu und Iwoca stützen, gelinde gesagt, unsere ach so tolle These nicht unbedingt.

Kurzmeldungen: Die deutsche Zertifikate-Branche hat ihr Volumen 2018 mit 63,0 Mrd. Euro weitgehend stabil gehalten, wobei zwei Drittel des Geschäfts auf Sparkassen und Genosektor entfielen (DDV-Statistik/PDF, BÖZ/Paywall) +++ Die Commerzbank hat testweise gemeinsam mit Siemens und Continental eine Blockchain-basierte Commercial-Paper-Transaktion erfolgreich abgewickelt (Pressemitteilung) +++ Die Hamburg Commercial Bank (also die Ex-HSH) hat das Geschäftsjahr 2018 mit einem kleinen Vorsteuergewinn abgeschlossen (Welt) +++ Apple und Goldman Sachs wollen eine gemeinsame Kreditkarte rausbringen (Quartz)

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Beschränkt sich Digitalisierung allein auf die Technik? Sicher nicht! Agilität, KI und Blockchain werden die Transformation der Finanzdienstleister bestimmen – genauso aber Kreativität und ein Kulturwandel in den Organisationen. Mehr dazu auf der Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ mit spannenden Vorträgen, Workshops und „FinTechs on Stage“. www.fs-verlag.de/fdl

Linktipps

Die große Fintech-Geschichte in „Capital“ aus dem Herbst ist jetzt online frei verfügbar: Wer sie noch nicht gelesen hat … Capital

Swift hat sein „Know your customer“-Register für Unternehmen geöffnet. Warum das auch für (Korrespondenz-)Banken eine gute Nachricht sein kann: IT-Finanzmagazin 

Wir sollen Ihnen, bitteschön, nicht mehr mit Bitcoin kommen? Jetzt seien Sie doch nicht so engstirnig! Sondern schauen einfach mal, was der Blogger-Kollege Friedemann Brenneis zum „Lightning Network Trust Chain“-Projekt zu sagen hat: coinspondent.de

Diese Banken befeuern die Fintech-Revolution: Ein Porträt (nicht nur hierzulande) unbekannter US-Finanzinstitute, die den Whitelabel-Kram für die Squares, Stripes, Robinhoods usw. machen: CNBC

Klickfavoriten

… waren gestern quasi gleichauf die überraschenden Erkenntnisse zur Gewinnkraft der deutschen Kreditwirtschaft (Finanz-Szene.de) und das,  nun ja, noch ausbaufähige Wachstum des Deutsche-Bank-Robos „Robin“ (Finanz-Szene.de). Die Vertragsverlängerung des Fußballspielers Alexander Heinze brachte es übrigens auf >300 Klicks. Und um die vielen, vielen Leser-Mails in der „Causa Heinze“ zu beantworten: Nein, der junge Mann hat nichts mit Banking und Fintech zu tun. Es gibt allerdings ein paar Menschen da draußen, für die das trotzdem die News des Monats war. Darunter einer, der Ihnen hiermit ein schönes Wochenende wünscht! Bis Dienstag, herzlichst, Heinz-Roger Dohms

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