26/02/19: Kosten-Wahnsinn bei der Haspa, Horrorverlust für Fidor, Wirecard

26. Februar 2019

Kommt die Haspa jemals wieder von ihrer exorbitant hohen Cost-Income-Ratio runter?

„Haspa macht sich fit für die Zukunft“ – so hat die Hamburger Sparkasse ihre Pressemitteilung zu den 2018er-Zahlen betitelt. Was man dazu wissen muss: Die größte deutsche Sparkasse macht sich seit anderthalb Dekaden andauernd fit für die Zukunft. 2005 lagerte sie ihre IT an die damalige „Finanz IT“ aus (Ziel: „jährliche Einsparungen von 50 Mio. Euro“); 2010 wechselte sie plötzlich zu SAP (Ziel: „eine moderne und auf langfristigen Einsatz ausgerichtete IT-Plattform“); und nun geht es zur „Finanz Informatik“ (Ziel, das hat Vorstandschef Vogelsang tatsächlich so gesagt: „Economies of Scale“). Was hat die Selbstertüchtigung gebracht? Die Cost-Income-Ratio, die in den Nullerjahren mal bei 60% lag (und auf 55% runter sollte), hat sich inzwischen bei 77-83% verfestigt; selbst sein vor fünf Jahren für 2018 formuliertes Ziel („auf nahe 70% kommen“) hat Vogelang deutlich verfehlt (es sind jetzt 78,9%). Besserung? Ist nicht in Sicht. Ein paar Grafiken gefällig? Voilà: Finanz-Szene.de

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News

Die Krise bei Fidor hat 2017 ungeahnte Ausmaße erreicht, wie aus dem Ende vergangener Woche im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht (einen ausführlichen Artikel hierzu finden Sie heute Früh in der „Börsen-Zeitung“. Wir bitten die dortigen Kollegen uns zu glauben, dass wir die Fidor-Zahlen tatsächlich schon kannten – und nicht erst gestern Abend bei der Lektüre der „BÖZ“-Online-Ausgabe darauf aufmerksam wurden und jetzt so tun, als hätten wir sie gekannt). Jedenfalls: Offenbar hat sich die Münchner Fintech-Bank mit Kreditengagements in Großbritannien dermaßen verspekuliert, dass sich der Vorsteuerverlust auf 110 Mio. Euro summierte. Damit wäre das Eigenkapital (das zum Jahreswechsel 2016/17 bei 52 Mio. Euro lag) geradezu pulverisiert worden, hätte die französische Fidor-Mutter BPCE nicht 90 Mio. Euro in die Rücklagen eingezahlt. Dazu muss man wissen, dass die Franzosen die 2016 übernommene Fidor in ebenjenem Jahr schon einmal mit 42 Mio. Euro Eigenkapital gestärkt hatten. Und: Wie im Nachtragsbericht des 2017er-Abschlusses steht, wurde 2018 sogar noch eine weitere Kapitalerhöhung über 37 Mio. Euro fällig. Unterm Strich: Sicher besser, dass die Zeichen zwischen BPCE und Fidor bereits wieder auf Trennung stehen. Und falls es Sie interessiert, hier die GuV auf einen Blick: Finanz-Szene.de

Ähem, dürfen wir noch mal auf die Haspa-Zahlen zu sprechen kommen? Also: Der Jahresüberschuss betrug 2018 exakt 70 Mio. Euro, womit die größte deutsche Sparkasse (wir lieben dieses Synonym, obwohl wir gar nicht sicher sind, ob es überhaupt noch stimmt …) bei knapp der Hälfte dessen angekommen ist, was Mitte der Nullerjahre unterm Strich drin war. Fast noch interessanter als diese Langfrist-Betrachtung finden wir allerdings eine kurzfristige Entdeckung, die wir gemacht haben: Nachdem die Haspa in ihren Halbjahreszahlen noch einen Einbruch des Zinsüberschusses von 11% auswies, sind es im Gesamtjahr plötzlich nur noch minus 1,7%. Mit anderen Worten: Wenn man nur mal die zweite Jahreshälfte 2018 mit der zweiten Jahreshälfte 2017 vergleicht, dann hat die Haspa ihr Zinsergebnis zuletzt massiv gesteigert. Mal gespannt, ob man erfährt, wie das möglich war, wenn die Haspa irgendwann im Frühjahr ihren Geschäftsbericht online stellt. Haspa-Pressemitteilung

Da fällt uns übrigens ein Freund des Hauses ein, der uns dieser Tage erzählte, er beobachte bei vielen Sparkassen und Volksbanken, dass sie Wertpapiere deutlich über pari kauften und den entsprechenden Schlag, den das dann in der Kaufperiode in der GuV verursacht, in Kauf nähmen, weil man mit den Papieren in den folgenden Berichtsperioden entsprechend das Zinsergebnis ein bisschen aufpäppeln könne. Soll aber jetzt nicht heißen, dass wir dies der Haspa unterstellen, zumal der kräfige Anstieg des Zinsergebnisses im zweiten Halbjahr ja damit nicht erklärt wäre.

Herrlich, diese (vermeintlichen) Wendungen in der Causa Wirecard, oder? Wobei die Bafin gestern uns gegenüber klargestellt hat, dass die angeblich geplante Short-Attacke auf den Zahlungsdienstleister (siehe Montagsausgabe des „Handelsblatts“) nicht ursächlich gewesen sein für das letzte Woche ausgesprochene Leerverkaufsverbot – sondern:  Das Verbot hätte man ohnehin ausgesprochen, so die Bafin.

Und für alle, die den jüngsten Wirecard-Aufreger nicht mitgekriegt haben: Glaubt man dem „Handelsblatt“, dann sollen Short-Angreifer versucht haben, britische Medien mit Millionensummen dazu zu bewegen, einen Kurssturz der Wirecard-Aktie herbeizuschreiben. Die „HB“-Kollegen berufen sich hierbei auf die StA München und die Bafin, wobei sich die Bafin wiederum auf die StA München beruft, und die StA München wiederum auf Wirecard. Und Wirecard? Beruft sich, wenn wir es richtig verstehen, auf die Short-Angreifer. Die nämlich haben den Darstellungen zufolge nicht nur versucht, die britischen Medien zu bestechen, sondern umgekehrt auch Wirecard zu erpressen (Motto: Wenn ihr zahlt, wird es keine negative Berichterstattung geben). Aus unserer Sicht klingt das alles völlig plausibel und maximal glaubhaft.

Kurzmeldungen: Die Sparkassen führen nach eigenen Angaben „sehr positive Gespräche mit Apple, um herauszufinden, wie wir Apple Pay für alle unsere Kunden einführen können“ (dpa/Wiwo) +++ Die Teambank (also der Geno-Player, der hinter Easycredit steht) hat ihren Forderungsbestand 2018 um  um 6,7% auf 8,2 Mrd. Euro gesteigert (Börsen-Zeitung, Pressemitteilung) +++ Nach diversen Ankündigungen und etlichen Verzögerunen (siehe unsere Newsletter vom 29. September und vom 17. November 2017) ist der Online-Ratenkredit-Spezialist Qlick (eine Tochter der nicht mit Easycredit zu verwechselnden Easybank, die zur Bawag gehört, die wiederum Cerberus gehört) dann doch mal livegegangen (Handelsblatt/Paywall) +++ Die Deutsche-Bank-App „Yunar“ hat in den ersten drei Wochen „eine fünfstellige Zahl“ von Downloads erreicht und wird künftig von Berlin aus entwickelt (Wirtschaftswoche) +++ Die Baader-Bank hat 2018 tiefrote Zahlen geschrieben und will sich nun von Teilbereichen trennen (Börsen-Zeitung)

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während ein anderes US-Onlineportal, nämlich Quartz, vorrechnet, dass trotz dieses Booms sämtliche amerikanische und europäische Fintechs 2018 nur unwesentlich mehr Geld eingesammelt haben als Ant Financial (also der Fintech-Riese aus China) ganz allein. Quartz 

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… war am Freitag unsere Geschichte über das Frankfurter Fintech Traxpay, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste. Finanz-Szene.de

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