Kurz gebloggt

5% short! Wer gegen die Deutsche Bank wettet und warum

27. August 2019

Von Christian Kirchner

Bei der Deutschen Bank läuft’s eigentlich ganz gut. Seit Tagen schon wackelt kein Vorstand. Die Aktie hat den Absturz gestoppt (+11% seit dem Kurstief vor zwei Wochen). Und was den Frankfurter Krisenvoyeurismus angeht – der richtet sich momentan eher auf die Commerzbank.

Eine gute Gelegenheit also, endlich mal zu arbeiten (und die anstehende Restrukturierung voranzutreiben), ohne sich zugleich um mäkelnde Journalisten und nölende Analysten kümmern zu müssen.

Doch halt – ein Problem ist da ja doch noch. Und das wird die Deutsche Bank nun schon seit Wochen nicht los: Milliardenschwere angelsächsische Hedge-Fonds wetten im großen Stil gegen Aktie des größten Geldinstitute der Republik. Inzwischen sind knapp 5% (!) aller Deutsche-Bank-Aktien meldepflichtig leerverkauft. Wie hoch die Zahl genau ist, weiß niemand. Mutmaßlich dürfte sie aber noch etwas höher sein, da die Fonds ihre Positionen nur dann anzeigen müssen, wenn sie mehr als 0,5% ausmachen (oder kürzlich ausmachten).

Hier die letzten meldepflichtigen Positionen;

Name letzte Leerverkaufsposition
AQR Capital Management 2,40%
Marshall Wace 0,86%
Caxton Associates 0,62%
World Quant 0,59%
Capital Fund Management 0,49%
Summe 4,96%
Stand: 27.8.2019, Quelle: Bundesanzeiger

Bei einem Börsenwert von aktuell 13,3 Mrd. Euro haben die 5% leer verkauften Aktien einen Wert von gut 660 Mio. Euro.

Zur Einordnung: Beim kontrovers diskutierten Zahlungsdienstleister Wirecard sind aktuell lediglich 1,3% der Aktien vom gleichen Phänomen betroffen (Wert: 230 Mio. Euro). Und höhere Quoten an leerverkauften Aktien als bei der Deutschen Bank gibt es hierzulande in der Breite momentan allenfalls bei Industriewerten, bei denen sich Sorge vor einem scharfen Abschwung mit individuellen Problemen kreuzen – etwa Bilfinger, Leoni, Aixtron, Heidelberger Druck oder Thyssen-Krupp.

Was also treibt die Leerverkäufer um? Simpel gesprochen: Die Wette auf weiter fallende Kurse. Dass die Leerverkäufer ihre Positionen selbst dann nicht glattstellten, als die Kurse vor der jüngsten Minimalerholung fielen und fielen, spricht eine deutliche Sprache: Ganz offensichtlich sehen die Hedge-Fonds die Aktie auch auf aktuellem Kursniveau nicht als unterbewertet oder auskorrigiert an.

Hinzu kommt: Hinter den Leerverkaufs-Positionen stehen keine kurzfristigen No-Name-Zocker, sondern bekannte Investoren.

  • AQR Capital Management ist das Vehikel u.a. des US-Investors Cliff Asness, das sich auf empirische Kapitalmarktforschung spezialisiert hat und knapp 200 Mrd. US-Dollar verwaltet. AQR hat die mit Abstand größte Shortpositionen – und diese seit Herbst 2016, damals zu noch deutlich zweistelligen Kursen, auf- und sukzessive ausgebaut.
  • Marshall Wace ist ein britischer Hedge-Fonds, der sich auf Arbitrage-Strategien spezialisiert hat, sprich: Shortpositionen einer Aktie stehen meist Longpositionen anderer gegenüber, und der Fonds wettet auf die relative Kursentwicklung. Welcher Aktien und Indizes genau, Ist Betriebsgeheimnis. Marshall Wace ist ebenfalls schon länger short bei der Deutschen Bank (erste meldepflichtige Position: Februar 2016), anders als …
  • Caxton Associates, die erst im April 2019 als meldepflichtige Leerverkäufer auftauchten. Dabei handelt es sich um jenen Hedge-Fonds, der in den 80er Jahren von dem Trader Bruce Kovner gegründet wurde und weltweit Makrowetten mit dem Fokus auf Trendfolge eingeht – plausibel, denn bei der Deutschen Bank-Aktie geht es ja jetzt schon seit einer Weile trendstark in den Kurskeller.
  • World Quant und Capital Fund Management sind eher kleinere Hedge-Fonds mit ein- bzw. niedrigem zweistelligen Milliarden-Anlagevermögen. Auffällig: World Quant hält weitere kleinere Leerverkaufspositionen in deutschen zyklischen Aktien wie Thyssen-Krupp, Salzgitter, Koenig & Bauer, das Gleiche gilt für Capital Fund Management (Thyssenkrupp, Eon, Salzgitter). Das legt nahe, dass die Hedge-Fonds nicht auf individuelle Themen bei der Deutschen Bank setzen, sondern offenbar eine eher skeptische Haltung gegenüber deutschen Werten mit individuellen Problemen generell haben.

Und bei der Commerzbank? Da muss man zwar bis Herbst nun unter verschärftem Druck des Kapitalmarkts eine neue Strategie ausklamüsern. Immerhin: Leerverkäufer hat die Bank aber nicht am Hals. Seit Jahren taucht allenfalls sporadisch mal eine Adresse mit einer Mini-Position auf.

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