Analyse

Als er kam, ging’s bergab: Die UBS-Bilanz des Martin Blessing

29. August 2019

Von Christian Kirchner

Am 1. September 2016 trat Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing seinen Job als Vorstand der Schweizer Großbank UBS an. Was glauben Sie – welche Aktie hat sich seitdem besser entwickelt: die seines neuen Arbeitgebers die seines alten?

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Die Commerzbank, trotz eines Kursrutschs von 24%. Denn bei der angeblich ach so tollen UBS waren es sogar 27%.

Dabei hatte Blessing, so hieß es damals, in seinem neuen Job endlich mal in die Offensive kommen wollen. Stattdessen wird er die UBS Ende dieses Jahres schon wieder verlassen, wie gestern offiziell verlautete.

Was steckt dahinter? Galt nicht die UBS als Post-Lehman-Musterbank, weil sie das Investmentbanking radikal zusammenstrich und stattdessen auf die sichere und profitable Vermögensverwaltung setzte? Und Blessing gar als künftiger CEO, war er doch 2016 gerade erst 53 Jahre alt …

Tatsächlich liegen bei Blessings jetzigem Abgang schlichte Performancegründe nahe. Ende 2017 stieg der Deutsche zum Co-Chef des Global Wealth Management (GWM) auf. Seitdem verantwortet er das Geschäft gemeinsam mit US-Chef Tom Naratil. Die GWM-Sparte steht für zwei Drittel der UBS-Gewinne. Seit Blessings Amtsbeginn, ob man da nun eine Kausalität sehen will oder nicht, geht’s mit dem Bereiche stetig bergab:

Kennzahlen  Global Wealth Management UBS seit dem Antritt Blessings als Co-Chef Anfang 2018

Gewinn vor Steuer in Mio. USD Cost-Income- Ratio
Q1 / 2018 1,196 73%
Q2 / 2018 1,009 76%
Q3 / 2018 936 77%
Q4 / 2018 808 80%
Q1 / 2019 873 78%
Q2 / 2019 886 78%

Quelle: Quartalsberichte, in USD

Vergleich man nun explizit Nordamerika (also Naratils Reich) mit den Regionen, die Blessing verantwortete, dann ergibt sich sogar folgendes Bild:

Gewinn vor Steuern USA/Rest der Welt der Sparte Global Wealth Management

Quelle: Quartalsberichte, in USD, gerundet

…. was heißt: in den USA konnte die UBS ihre Gewinne halbwegs verteidigen. In Blessings Reich hingegen … Sie sehen’s ja selbst.

Dabei rechnet man ihm bei der Commerzbank immer noch an, die Bank durch ihre existenzielle Krise 2008-2009 geführt zu haben – eine Krise, an der Blessing selbst keine Schuld trug: Kurz nach seinem Antritt 2008 bekam die Coba die Dresdner Bank aufgedrückt. Und Tage später ging dann Lehman pleite, und bei der Commerzbank türmten sich plötzlich die Lasten. Der Staat sprang ein, Blessing arbeitete (wegen der Staatshilfe regulatorisch bedingt) jahrelang zum Discount-Tarif – und verabschiedete sich 2016 mit einer Bank, die wieder eine schmale Dividenden zahlte. Aber dann eben auch von seinem Nachfolger Martin Zielke kurz nach der Amtsübernahme zum Sanierungsfall erklärt wurde.

Pikanterie am Rande: Öffentlich ist die UBS in den vergangenen Monaten mehrfach aggressiv auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gegenüber Journalisten aufgetreten. Im Juli sprach sie in einem (inzwischen gelöschten) Tweet an ihre rund 400.000 Follower von einer „beschämenden Berichterstattung“ durch den FT-Journalisten Stephen Morris.

Im Januar schon nahm sich UBS-CEO Sergio Ermotti persönlich das „Manager Magazin“ vor und erklärte, ein Bericht enthalte nicht die „Wahrheit“ und sei „verzweifelt“ und „inakzeptabel“.

Was die Kollegen berichtet hatten?

Dass die UBS einen Nachfolger für Blessing suche.

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