Kommentar

Bad Bank der Deutschen Bank: Klingt radikal, ist es aber nicht

17. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Aha, die Deutsche Bank plant laut einem Bericht der „FT“ also eine „Bad Bank“ für Wertpapiere – vor allem Derivate – in Höhe von 50 Mrd. Euro. Zudem, so heißt es, plane das größte deutsche Geldhaus Einschnitte bis hin zur Schließung des außereuropäischen Handels mit Aktien und Zinsen: Das klingt nach einem harten Durchgreifen und tiefgreifenden Maßnahmen.

In Wirklichkeit sind beide Schritte nicht so radikal, wie es den Anschein hat: Analysten von JP Morgan haben erst kürzlich durchgerechnet, welchen Effekt eine „Bad Bank“ für Derivate hätte, die das „Exposure“ der Deutschen Bank über 50 Mrd. Euro senken würde. Klares Urteil der Experten: Die Bad Bank sei „nicht die Antwort“. Sie brächte lediglich eine Verbesserung der Eigenkapitalrendite – also der Kennziffer, um die es bei der Operation in erster Linie geht – von 0,14 Prozentpunkten. Zum Vergleich: 8 bis 10 Prozent erzielen große europäische Wettbewerber, 4 Prozent peilt die Deutsche Bank hier an, 1,7 Prozentpunkte wird sie laut Analystenschätzungen in diesem Jahr nur erreichen.

Die Analysten von JP Morgan schoben übrigens auch nach, was ein kompletter Ausstieg aus dem Aktien- sowie dem Zinshandel außerhalb Europas einbrächte. Das ist näherungsweise der in der „FT“ zitierte Plan. Und auch der, den die HV-Rede von Christian Sewing nahegelegt hat, denn in der Aufzählung, welche Bereiche „performen“, fehlten diese Einheiten. Das Ergebnis jedenfalls: Unter dem Strich stiege die Eigenkapitalrendite mit der Schließung um 0,57 Prozentpunkte.

Zieht man also beide Effekte zusammen, ergäbe sich ein Effekt von rund 0,7 Prozentpunkten bei der Eigenkapitalrendite. Das ist nicht einmal ein Drittel der Lücke, die noch immer zwischen den Analystenschätzungen für 2019 und den im länderübergreifenden Vergleich alles andere als ambitionierten Ziel von 4% bei der Eigenkapitalrendite klafft.

Kurz: Es sind beides nicht die Schritte, die die Deutsche Bank in Sachen Ertrag wieder flottmachen können. Erst Recht nicht angesichts der Tatsache, dass 2019 kein gutes Jahr für die Investmentbanking-Abteilungen aller Banken werden wird und die Ebbe aktuell alle Boote in Sachen Ertrag sinken lässt.

Vor allem aber bleibt eine Frage weiter offen: Wie will die Bank eine umfangreiche Restrukturierung bezahlen? Geht das aus Bordmitteln? Muss sie dafür noch einmal, trotz des rekordtiefen Kurses, ihre Aktionäre anpumpen? Die Einheiten lassen sich nicht so einfach schließen, zunächst muss die Bank zwischen 100 und 150 Prozent der geplanten jährlichen Ersparnisse durch Schließungen erst einmal in Cash auf den Tisch legen. Wird ihr das gelingen, ohne ans Tafelsilber zu gehen (wie etwa die DWS) oder ohne die Kapitalausstattung auf ein bedenkliches Niveau fallen zu lassen?

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