Warum Achleitner sich selber schadet, wenn er Sewing widerspricht

29. April 2019

Von Christian Kirchner

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Frankfurt. Eine davon: Bei Commerzbank und Deutscher Bank wird Meinungspluralismus jetzt ganz groß geschrieben. Erklärte Commerzbank-Chef Martin Zielke vor dem Zusammenbrechen der Fusionsgespräche noch, „Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“ , so ist die Coba jetzt plötzlich „alleine stark genug“, wie Zielke am Sonntag in der „WamS“ erklärte.

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Derweil bei der Deutschen Bank: Kündigte Vorstandschef Christian Sewing am Sonntag einen möglichen Strategieschwenk im Investmentbanking an, nur um einen Tag später von seinem Aufsichratschef Paul Achleitner korrigiert zu werden. Der nämlich erläuterte in der „FT“  man müsse im teuren und zuletzt sogar defizitären Investmentbanking keineswegs die Strategie ändern. Es gehe vielmehr um die „Execution“, also um die Ausführung (wobei Achleitner bekanntermaßen, auch wenn er Deutsch spricht, nicht „Ausführung“ sagt, sondern „Äcksekjuschen“).

Jedenfalls: Wenn die Vergangenheit eines lehrt, dann, dass Achleitner, wenn er sich per Interview zu Wort meldet, eine Agenda verfolgt. Mal zählte er seinen damaligen CEO Anshu Jain an, weil jeder ersetzbar sei (Wiwo, 2015), mal trat er gegen scheidende CEOs wie bei John Cryan nach, weil es mit der Geschwindigkeit gehapert habe (FAZ, 2018), mal kündigte er per Interview schon mal vorsorglich an, er selber trete nicht zurück (FAS, 2018).

Und diesmal? Erläuterte Achleitner in der „FT„,  man müsse im teuren und zuletzt sogar defizitären Investmentbanking keineswegs die Strategie ändern. Es gehe viel mehr um die „Execution“, also um die Ausführung. Und das alles, nachdem tags zuvor sein Vorstandschef Christian Sewing in der FAS zum Thema Investmentbanking gemeint hatte, wenn sich die Dinge nicht nachhaltig verbesserten, „werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“

Nun könnte man die meinungspluralistischen Aussagen Sewings und Achleitners als kommunikative Lappalie abtun. Tatsächlich aber illustrieren beide Aussagen, in welch tiefen Problemen die Deutsche Bank steckt. Ein Aufsichtsratschef, der mal wieder in der alte Muster verfällt, dass die Strategie (unter seiner Ägide) ja eigentlich ganz okay sei, aber es nur an der Umsetzung hapere. Und ein Vorstandschef, der zumindest kurzfristig keinen Plan präsentiert, wie er denn strategisch weitermachen will, obwohl Analysten (kleine Auszüge hier) und Investoren danach gieren. Dabei sollten allen Beteiligten schon die initialen Reaktionen – weiter sinkender Kurs, weiter steigende Risikoprämien – eine Warnung sein.

Eines aber hat sich verändert in den letzten Monaten: Achleitners Position ist inzwischen deutlich geschwächt. Bei Christian Sewing handelt es sich um den dritten Vorstandsvorsitzenden während seiner 2012 gestarteten Amtszeit. Weitere Personal-und Strategierochaden unter seiner Führung als Aufsichtsratschef werden sich die Großaktionäre kaum bieten lassen, Achleitners Verbleib ist eng mit SewingsErfolg oder Misserfolg verbunden. Egal, ob es an der Strategie oder der Umsetzung liegt.

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