Kurz gebloggt

Commerzbank: Der „Mittelspurkriecher“ blinkt. Doch leider nach rechts …

8. August 2019

Von Christian Kirchner

Erinnern Sie sich noch an unser Stück von Anfang Mai? Da nannten wir die Commerzbank mit Martin Zielke am Steuer etwas spöttisch den „Mittelspurkriecher“ unter den Banken:  Zu langsam für links. Und zu selbstbewusst, um dorthin zu wechseln, wo man eigentlich hingehört – nämlich nach rechts.

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Betrachtet man die gestrigen Quartalszahlen, lässt sich zweierlei diagnostizieren.

Erstens: Die Bank tuckert immer noch auf der mittleren Spur. Hier die (gerundeten) Erträge in den letzten sechs Quartale (vor Sondereffekten)

2,2 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,1 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,1 Mrd. Euro (Q2/2019)

Hier die (gerundeten) Kosten:

1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro (Q2/2019)

So weit, so gähn.

Doch, zweitens: Die Bank blinkt!!! Und zwar – wie von uns gestern schon befürchtet, aber offenbar trotzdem zur Überraschung bzw. zum Entsetzen der Investoren (Kurs gestern: -7%): nach rechts!!!  Denn: Laut Quartalsbericht ist die für 2019 prognostizierte „leichte Zunahme des Konzernüberschusses“ (aus den bekannten Gründen: Wirtschaftslage, geopolitische Entwicklung) „deutlich ambitionierter geworden“.

Weniger verwinkelt ausgedrückt: Das wird wohl nix mehr mit dem Gewinnziel!

Dabei müsste es beim Gewinn ja ohnehin nicht nur „leicht“, sondern kräftig nach oben gehen, soll die taumelnde Commerzbank-Aktie (notiert auf Dreijahrestief) mal wieder klettern. Auf Basis des letztjährigen Gewinns beträgt die Kapitalrendite der Bank ja gerade einmal gut 3%.

Man muss es nicht überkomplex machen, um zu erkennen, worin das Problem der Bank liegt: In der besten aller Konjunkturwelten – Wirtschaftswachstum, niedrige Arbeitslosigkeit, extrem niedrigen Kreditausfälle – sind die Erträge zuletzt nicht gestiegen. Und machte die Bank bei den Kosten kaum Fortschritte.

Nun ist die beste aller konjunkturellen Welten indes passé. Und die Coba merkt, dass zu den bekannten Problemen (der Zinsüberschuss steht unter Druck, der Provisionsüberschuss kann diesen Rückgang nicht kompensieren) ein fast schon vergessenes Phänomen kommt: steigende Kreditausfälle. Im ersten Halbjahr musste die Commerzbank bereits wieder 260 Mio. Euro und damit rund 100 Mio. Euro mehr für die Risikovorsorge aufwenden als im ersten Halbjahr 2018. Auch wenn das Institut diesen Anstieg unter „Einzelfälle“ abzuheften versucht.

Tatsächlich frisst die Summe der Einzelfälle  alle mühevollen Kostenersparnisse gegenüber dem Vorjahr (120 Mio. Euro) annähernd auf.

Und sonst?

  • Der Bank ist das Kunststück gelungen, das Zinsergebnis zum Vorquartal (+3%) und Vorjahresquartal (+7%) leicht zu steigern, offenbar dank einer Mischung aus niedrigeren Finanzierungskosten und steigenden Kreditvolumina.
  • Dröselt man das (offenbar von der IT-Pannenserie kaum beeinflusste) Netto-Neukundenwachstum auf, welches die Commerzbank inklusive Comdirect ausweist, die Comdirect aber auch individuell, ergibt sich folgendes Bild: Noch im Q1 gewann die Direktbank-Tochter Comdirect netto 84.000 neue Kunden, die Commerzbank 39.000. Im zweiten Quartal hingegen verzeichnete die Comdirect „nur“ 44.000 neue Kunden, die Commerzbank hingegen 64.000.
  • Zur IT-Pannenserie als sich äußerte sich die Bank übrigens im Zuge einer Q&A-Session nur vage – es habe sich um eine „falsche Eingabe“ gehandelt. Was immer das heißen mag.

Für den Herbst hat Commerzbank-Chef Martin Zielke eine neue Strategie angekündigt. Hält der Aktienkursverfall an und trüben sich die Konjunkturdaten weiter im aktuellen Tempo ein, könnte es womöglich auch etwas schneller gehen.

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