Kurz gebloggt

Das Problem der Deutschen Bank, reduziert auf wenige Zahlen

31. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Quartalszahlen! Dürfen wir Ihnen einmal ganz kurz vorrechnen, was das im Falle der Deutschen Bank heißt? Das sind vier DIN-A4-Seiten Pressemitteilung, eine 43-seitige Power-Point-Präsentation, ungefähr zwei Stunden Conference Calls und eine Präzisierung in einem gigantischen Excel-Sheet, das nach unserer Zählung 9.190 Datenzellen enthält.

Einerseits sollte man als Journalist für diese Masse an Material dankbar sein. Andererseits: Vielleicht lenken die vielen Details auch ab von der Frage, um die es eigentlich geht: Geben die Q3-Zahlen bereits Hinweise, ob das neue Geschäftsmodell (weniger Investmentbanking, mehr „sichere“ Erträge) funktioniert bzw. funktionieren kann?

Um es kurz zu machen: Ja, diese Hinweise gibt es. Aber sie sind nicht sehr ermutigend.

Machen wir analytisch mal nicht zu kompliziert, sondern konzentrieren uns auf Erträge und Kosten mit besonderem Fokus auf die sogenannte Kernbank – also auf jene Bereiche, die die Deutsche Bank dauerhaft betreiben will, namentlich:

  • die Unternehmensbank
  • die Privatkundenbank
  • das (gestutzte) Investmentbanking
  • und das Asset Management.

Zur Erinnerung: Die Kosten dieser Kernbank sollen bis 2022 von aktuell 23 Mrd. Euro pro Jahr auf nur noch rund 17 Mrd. Euro sinken, während die Erträge (zuletzt 23,5 Mrd. Euro) gleichzeitig steigen sollen. War von dieser Marschroute in Q3 schon irgendwas zu erkennen?

Nein: In der Kernbank insgesamt sanken die Erträge gegenüber dem Vorjahresquartal um 4% – derweil die Kosten (wohlgemerkt bereinigt um die  Restrukturierungs-Aufwendungen) um 1% stiegen.

Schauen wir uns das Ganze nun für die vier Teilbereiche der neuen Kernbank an:

Entwicklung Kosten und Erträge Q3 2019 vs. Q3 2018 Deutsche Bank, ohne Restrukturierungsaufwendungen

Quelle: DB

Die Grafik zeigt – bei aller Vorsicht mit punktuellen Vergleichen von nur einem Quartal und Saisonalitäten – folgendes:

  • In der „Unternehmensbank“ mit dem kompletten Firmenkundengeschäft stiegen in Q3 die Erträge (wir vergleichen immer mit dem  Vorjahresquartal …) um 6%. Zugleich schossen die Kosten allerdings  mit  13% doppelt so schnell in die Höhe.
  • In der Privatkundenbank inkl. Postbank (siehe auch unsere Analyse hier)  sanken die Erlöse um 2%, die Kosten aber nur um 1%
  • In der Investmentbank fielen die Erträge um 5%, die Kosten (auch hier bereinigt) nur um 2%
  • Und schließlich sanken im Asset Management (DWS) im dritten Quartal die Erträge um 4%. Dagegen stiegen die Kosten um 3% (die DWS selbst kommt in ihrer Berichterstattung auf andere „bereinigte“ Zahlen, siehe unsere Analyse hier)

Mithin: In keiner der vierten Sparten hat die Deutsche Bank schon die Richtung eingeschlagen, die man doch eigentlich einschlagen will – nämlich zumindest etwas höhere Erträge bei zugleich markant niedrigeren Kosten.

Klar – die Deutsche Bank kann durchaus auch Erfolge vorweisen: Die Zahl der Mitarbeiter fiei (so trüb das für die Betroffenen ist) unter 90.000. Zudem geht der Abbau von Risikopositionen in der internen „Bad Bank“ rasch vorwärts. So sind die risikogewichteten Aktiva bereits wenige Wochen nach der Installation der Abbaubank auf 56 Mrd. Euro gesunken. Ende 2018 waren es (rechnerisch) noch 72 Mrd. Euro gewesen.

Aber was nutzt das, wenn aus dem Kerngeschäft (= aus der Kernbank) keine positiven Signale kommen. Sehen auch die Investoren so. Die Aktie verlor gestern 6,9% auf 6,70 Euro.

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