Analyse

Der große Überblick über die Privatbanken-Bilanzen 2018

3. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Wir bei Finanz-Szene.de haben in den letzten Wochen die Geschäftsberichte von einem Dutzend Privatbanken aus den letzten Jahren geflözt. Und sind auf ein häufig wiederkehrendes Muster gestoßen. Es geht ungefähr wie folgt:

  • Das letzte wirklich starke Jahr liegt in der Regel bereits ein Weilchen zurück
  • Die Institute kommen einfach nicht von ihren Kosten runter, was in der Regel auf IT-Investitionen, Regulierung und Restrukturierung geschoben wird
  • Folglich sind die Cost-Income-Ratios viel, viel zu hoch
  • Nicht wenige der untersuchten Institute werden kreativ, sobald sie sich beim Überschuss der Nulllinie zu nähern drohen. Schließlich reagiert die in der Regel gut betuchte Klientel allergisch, wenn die Damen und Herren ihres Geldes laut Geschäftsberichte mit Selbigem nicht gut umgehen können. Da sind dann der Kreativität in Form von Immobilien-Schubsereien, Spartenverkäufen, Aufwertungen und Anwachsungen keine Grenzen gesetzt.

Genug der abstrakten Vorrede, steigen wir ein in die konkreten Zahlen. Denn die liegen inzwischen für die meisten (großen) Privatbanken fürs abgelaufene Geschäftsjahr vor – auch für die, die bei unserer großen Privatbanken-Sause neulich noch gefehlt haben.

Vergleichen wir zunächst, wie sich die kumulierten Zins- und Provisionsüberschüsse in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben (also 2018 zu 2013): die stiegen immerhin zusammen um 12 Prozent oder 144 Mio. Euro…

Überschüsse der Banken 2013-2018

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte 14 Banken

…wobei, für die Branche nicht unüblich, die Zinsüberschüsse um 18% gefallen, die Provisionsüberschüsse indes um 25% gestiegen sind (woran vor allem die Expansion von Berenberg großen Anteil hatte).

Blicken wir hier in die Innenreien der Privatbankenlandschaft: Wie hat sich der Zinsüberschuss entwickelt 2018 gegenüber 2013?

 

Zinsüberschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Berenberg 32 53 66
Ellwanger & Geiger 2 2 0
von der Heydt 1 1 0
Bethmann 66 59 -11
Hauck&Aufhäuser 27 24 -11
Donner&Reuschel 57 50 -12
Fürst Fugger 7 6 -14
Bank Schilling 17 14 -18
Lampe 56 38 -32
MM Warburg 72 45 -38
Merck Fink 7 4 -43
Fürst Castell’sche 25 13 -48
Metzler 20 3 -85

 

…und wie der Provisionsüberschuss?

Provisionsüberschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Bethmann 50 97 94
Hauck&Aufhäuser 71 135 90
Fürst Fugger 17 24 41
Metzler 140 196 40
Bank Schilling 13 17 31
Donner&Reuschel 44 55 25
Fürst Castell’sche 12 15 25
Berenberg 234 279 19
Ellwanger & Geiger 4 4 0
von der Heydt 1 1 0
MM Warburg 132 121 -8
Merck Finck 47 43 -9
Lampe 87 78 -10

 

Das Dumme ist nur: Im gleichen Zeitraum 2013-2018, in dem die Zins- und Provisionsüberschüsse um rund 140 Mio. Euro gestiegen sind, sind die Verwaltungsaufwendungen um mehr als das Doppelte gestiegen – nämlich rund 300 Mio. Euro….

Verwaltungsaufwendungen Privatbanken 2013 bis 2018

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte

… und das annähernd „durch die Bank“…

Verwaltungsaufwendungen in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Berenberg 235 372 58
Hauck&Aufhäuser 114 163 43
Bethmann 96 135 41
Metzler 144 180 25
Fürst Fugger 20 23 15
Lampe 128 146 14
Merck Finck 54 60 11
Donner&Reuschel 90 95 6
Ellwanger & Geiger 14 14 0
Fürst Castell’sche 27 27 0
von der Heydt 3 3 0
Bank Schilling 26 25 -4
MM Warburg 180 173 -4

 

… was, man ahnt es, zu einem deutlichen Einbruch des kumulierten Überschusses um rund 100 Mio. Euro bzw. knapp 60% beigetragen hat….

 

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte

…dem sich auch nur wenige Institute entziehen konnten…

 

Überschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Hauck&Aufhäuser 7 31 343
Fürst Fugger 2 5 150
Ellwanger & Geiger 3 3 0
von der Heydt 0 0 0
Bank Schilling 4 4 0
Lampe 21 15 -29
Fürst Castell’sche 5 3 -40
Berenberg 66 23 -65
Donner&Reuschel 6 2 -67
Metzler 7 2 -71
Bethmann 6 1 -83
Merck Fink 10 0 -100
MM Warburg 23 -15 -165

 

Kurzum: Rasch steigende Kosten bei nur langsam steigenden Erträgen  haben  eine Reihe von Instituten in die Nähe der „Nulllinie“ gedrückt, die oft nur kreativ verteidigt werden kann: Hier die Übersicht der wichtigsten Kennziffern aller großen Privatbanken mit bereits vorgelegten Zahlen, sortiert nach dem 2018er Überschuss nach Steuern und Gedöns (wie Abgaben) in Mio. Euro….

Zins-Überschuss Provisions-überschuss Kosten Überschuss 2018
Hauck&Aufhäuser 24 135 163 31
Berenberg 53 279 372 23
Lampe 38 78 146 15
Fürst Fugger 6 24 23 5
Bank Schilling 14 17 25 4
Ellwanger & Geiger 2 4 14 3
Fürst Castell’sche 13 15 27 3
Metzler 3 196 180 2
Donner&Reuschel 50 55 95 2
Bethmann 59 97 135 1
Merck Fink 4 43 60 0
von der Heydt 1 1 3 0
MM Warburg 45 121 173 -15

Quelle: Geschäftsberichte; Differenz bei Summe rundungsbedingt

…was wiederum heißt: Auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus mit rekordniedrigen Kreditausfällen und annähernd Vollbeschäftigung erwirtschaften drei Viertel der „echten“ Privatbanken gerade einmal (wenn überhaupt) eine schwarze Null.

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