Exklusiv

Deutsche Bank erhöht Devisen-Gebühren um bis zu 178%

4. Juli 2019

Von Christian Kirchner

Wenn es um das Geschäft mit Währungen geht, platzt die Deutsche Bank meist vor Stolz. Kein Wunder: Bei Devisen-Transaktionen aller Art gehört das Institut zu den Top-5 weltweit und ist in Deutschland die klare Nr. 1. Die dazugehörige hauseigene Transaktionsbank wurde von Vorstandschef Christian Sewing  noch auf der HV Ende Mai als „Herzstück“ geadelt, welches die „Nummer eins bei Euro-Zahlungen weltweit“ sei. „Wir wickeln mehr als 5% des weltweiten Währungshandels ab“, so Sewing damals stolz.

Was man gleichwohl auch sagen muss: Die Ambitionen der Deutschen Bank beschränken sich nicht nur auf den globalen Devisenhandel – sondern sie erstrecken sich auch auf Entgeltfragen. Weil endlich die Provisionseinnahmen steigen müssen, Wettbewerb hin oder her. Und die, die’s bezahlen sollen: Sind nur wenige Wochen nach dem Gebühren-Hämmerchen bei der Postbank erneut die Millionen Privat- und Firmenkunden der blau-gelben Großbank.

Denn: Nach Informationen von Finanz-Szene.de will die Deutsche Bank zum 1. November in exakt dem Bereich die Preise ankurbeln, in dem sie eigentlich Skalenvorteile bieten müsste – den Fremdwährungen. Betroffen sind alle Privat- und Geschäftskunden des Instituts mit Ausnahme der Postbank. Das reicht vom Reisenden, der in London Geld abhebt über den Anleger mit Wertpapieren in Fremdwährungen bis hin zum Mittelständler, der eine Lieferanten-Rechnung zum Beispiel in US-Dollar oder Schweizer Franken begleichen muss. Die Änderung ergeben sich aus einem in diesen Tagen versandten Schreiben an die Kunden sowie aus den Details des neuen Preis- und Leistungsverzeichnisses ab 1. Juli.

Konkret geht es um die sogenannten Auf- und Abschläge, die die Bank auf den täglichen Referenzkurs einer Währung als interne Gebühr verrechnet.  Sie fällt zusätzlich – quasi im „Hintergrund“ – zu den üblichen Transaktionskosten an. Diese Auf-und Abschläge steigen bei den 40 betroffenen (und damit allen wesentlichen) Währungen basierend auf aktuellen Wechselkursen um Schnitt um rund 30% – und in der Spitze, nämlich bei Transaktionen in Schweizer Franken, sogar um 178%.

Dem Privatkunden, bei dem es letztlich um ein paar Cent Transaktionsgebühr mehr geht, mag das noch egal sein.  Betroffen sind aber beispielsweise auch Wertpapierkunden in der Portfolioberatung oder im Wealth Management (siehe hier) – nämlich wenn sie Transaktionen in Fremdwährungen ausführen oder Zinsen und Dividenden in einer anderen Währung kassieren. Hier geht es dann schnell mal um zwei- oder gar dreistellige Euro-Beträge, die künftig mehr fällig sein können.

Darüber hinaus erfasst die Maßnahme auch Geschäftskunden, die zum Beispiel Überweisungen oder Daueraufträge in Fremdwährungen aufgeben. Und hier schlägt dann eben doch zu Buche, dass die Deutsche Bank die Aufschläge (beim rechnerischen Kauf fremder Währungen) und Abschläge (beim Verkauf) ausgerechnet bei den Währungen jener Länder verteuert, mit denen deutschen Firmen traditionell viel Geschäft machen – also britisches Pfund (plus 122%), US-Dollar (plus 72%), japanischer Yen (plus 175%) und, wie erwähnt, der Schweizer Franken (plus 178%)

Drei Rechenbeispiele auf Basis der aktuellen Wechselkurse: die Abhebung von 200 US-Dollar in New York über eine klassische Debitkarte verteuert sich demnach alleine über die neuen Aufgelder (ohne alle anderen Abhebegebühren) um 34 Cent. Der Erwerb von in britischen Pfund notierten Aktien an der Börse London über 10.000 Pfund kostet dann 27 Euro mehr. Und die Überweisung von 100.000 Franken kostet indes – selbst ohne andere Spesen – künftig rund 260 Euro mehr.

Die Deutsche Bank bestätigte auf Nachfrage die neuen Konditionen ab 1. November, erklärte aber, man passe sich damit lediglich den Marktgegebenheiten an. „Die Preise für Fremdwährungs-Transaktionen hat die Deutsche Bank viele Jahre stabil gehalten – seit Einführung des Euro im Jahr 2001“, erklärte ein Sprecher. Ferner würden Kunden mit einem hohen Anteil von Transaktionen im Wertpapier- oder Firmenkundengeschäft meist individuelle Konditionen verhandeln.

Wie viele Kunden genau betroffen sind und wie groß das betroffene Transaktionsvolumen sei, konnte die Bank auf Anfrage nicht mitteilen. Die neuen Konditionen seien aber „mindestens marktüblich, wenn nicht besser, gerade mit Blick auf die sonst üblichen Kosten bei Fintechs und anderen Zahlungsabwicklern“

Die massiven Erhöhungen der Devisengebühren erschließen sich indes nur durch Nachrechnen. Denn in den vergangenen Tagen erhielten die Privat- und Firmenkunden eine Mitteilung, in der es hieß, die Bank nehme eine „Anpassung der Preise in Fremdwährungsgeschäften“ vor. Dort greife, so das Schreiben, ein Preismodell, „welches marktkonformer die verschiedenen Währungen hinsichtlich deren Verfügbarkeit, Konvertierbarkeit und Abwicklungskosten“ berücksichtige. Und: Mal verändere sich „das Preisniveau einer Währung zu Ihren Gunsten“, in anderen Fällen dann „zu unseren Gunsten“.

Es folgt im Schreiben eine lange Tabelle, in der die Anpassungen der Auf- und Abgelder auf den Referenzkurs absolut in Kursstellen der jeweiligen Landeswährung dargestellt werden.

alt neu
Australien (AUD) 0,0115 0,0075
Bahrain (BHD) 0,008 0,009
Bulgarien (BGN) 0,039 0,04
China (CNH) 0,124 0,12
Dänemark (DKK) 0,02 0,035
Großbritannien (GBP) 0,0018 0,004
Hongkong (HKD) 0,128 0,13
Indien (INR) 1,4 1,6
Israel (ILS) 0,0882 0,085
Japan (JPY) 0,2 0,55
Jordanien (JOD) 0,0155 0,016
Kanada (CAD) 0,0056 0,007
Katar (QAR) 0,08 0,085
Kenia (KES) 2,22 2,5
Kroatien (HRK) 0,15 0,15
Kuwait (KWD) 0,0066 0,007
Marokko (MAD) 0,214 0,25
Mauritius (MUR) 0,78 0,8
Mexiko (MXN) 0,2364 0,3
Neuseeland (NZD) 0,0259 0,008
Norwegen (NOK) 0,024 0,044
Oman (OMR) 0,0085 0,009
Pakistan (PKR) 2,23 3,25
Polen (PLN) 0,05 0,065
Rumänien (RON) 0,088 0,1
Russland (RUB) 0,975 1,1
Saudi-Arabien (SAR) 0,082 0,085
Schweden (SEK) 0,03 0,048
Schweiz (CHF) 0,0018 0,005
Serbien (RSD) 2,4 2,5
Singapur (SGD) 0,0194 0,023
Sri Lanka (LKR) 2,9 4
Südafrika (ZAR) 0,18 0,24
Thailand (THB) 0,72 0,75
Tschechien (CZK) 0,385 0,4
Tunesien (TND) 0,043 0,07
Türkei (TRY) 0,035 0,1
Ungarn (HUF) 4,596 5
USA (USD) 0,0029 0,005
Ver. Arab. Emirate (AED) 0,065 0,085

Quelle: Deutsche Bank Kundenanschreiben vom 28.6.2019

Errechnet man daraus die prozentuale Veränderung der Auf/Abschläge und sortiert diese anhand der Veränderung, ergibt sich folgendes Bild:

Veränderung in % alt neu
185,7 Türkei (TRY) 0,035 0,1
177,8 Schweiz (CHF) 0,0018 0,005
175,0 Japan (JPY) 0,2 0,55
122,2 Großbritannien (GBP) 0,0018 0,004
83,3 Norwegen (NOK) 0,024 0,044
75,0 Dänemark (DKK) 0,02 0,035
72,4 USA (USD) 0,0029 0,005
62,8 Tunesien (TND) 0,043 0,07
60,0 Schweden (SEK) 0,03 0,048
45,7 Pakistan (PKR) 2,23 3,25
37,9 Sri Lanka (LKR) 2,9 4
33,3 Südafrika (ZAR) 0,18 0,24
30,8 Ver. Arab. Emirate (AED) 0,065 0,085
30,0 Polen (PLN) 0,05 0,065
26,9 Mexiko (MXN) 0,2364 0,3
25,0 Kanada (CAD) 0,0056 0,007
18,6 Singapur (SGD) 0,0194 0,023
16,8 Marokko (MAD) 0,214 0,25
14,3 Indien (INR) 1,4 1,6
13,6 Rumänien (RON) 0,088 0,1
12,8 Russland (RUB) 0,975 1,1
12,6 Kenia (KES) 2,22 2,5
12,5 Bahrain (BHD) 0,008 0,009
8,8 Ungarn (HUF) 4,596 5
6,3 Katar (QAR) 0,08 0,085
6,1 Kuwait (KWD) 0,0066 0,007
5,9 Oman (OMR) 0,0085 0,009
4,2 Serbien (RSD) 2,4 2,5
4,2 Thailand (THB) 0,72 0,75
3,9 Tschechien (CZK) 0,385 0,4
3,7 Saudi-Arabien (SAR) 0,082 0,085
3,2 Jordanien (JOD) 0,0155 0,016
2,6 Bulgarien (BGN) 0,039 0,04
2,6 Mauritius (MUR) 0,78 0,8
1,6 Hongkong (HKD) 0,128 0,13
0,0 Kroatien (HRK) 0,15 0,15
-3,2 China (CNH) 0,124 0,12
-3,6 Israel (ILS) 0,0882 0,085
-34,8 Australien (AUD) 0,0115 0,0075
-69,1 Neuseeland (NZD) 0,0259 0,008

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des Kundenschreibens

In insgesamt 35 Währungen mit Preisanpassungen steigen die Auf-/Abgelder, lediglich für vier sinken sie. Im Schnitt ziehen die Auf/Abgelder um 32% an. Tatsächlich dürften die durchschnittlichen Kosten für Kunden deutlich stärker steigen, da die Deutsche Bank bei jenen Währungen, mit denen Deutschland starken Handel betreibt, die Gebühren besonders stark anhebt.

Die Deutsche Bank erklärte auf Nachfrage, insbesondere ein Rechenbeispiel mit einem sechsstelligen Überweisungsbetrag  sei „nicht repräsentativ“, da „Firmenkunden und Privatkunden, die regelmäßigen Auslandszahlungsverkehr in Fremdwährungen betreiben, andere Möglichkeiten der Preisgestaltung über individuelle Regelungen“ hätten. Man sei mit der Preisgestaltung gerade im Zahlungsverkehr zudem „immer noch sehr wettbewerbsfähig.“

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