Deutsche Bank macht 2018 nachträglich zum Verlustjahr

17. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank erklärt im Zuge ihrer Umstrukturierung das Geschäftsjahr 2018 nachträglich zu einem Verlustjahr – das vierte in Folge. Dies geht aus den am Dienstag veröffentlichten sogenannten „Pro-Forma-Ergebnissen“ früherer Quartale hervor, die auf der neuen Segmentstruktur beruhen. Ursprünglich hatte die Deutsche Bank für das vergangene Jahre einen Netto-Gewinn von 267 Mio. Euro ausgewiesen. Nun steht in der neuen Rechnung ein Verlust von 52 Mio. Euro zu Buche.

Der Unterschied rührt daher, dass die Deutsche Bank ihren Gewinn bislang mit dem Betrag auswies, bevor Zinszahlungen für Coco-Bonds genannte Nachranganleihen zu leisten waren. So wurde es der Öffentlichkeit auch im Februar 2019 präsentiert. Dieses Vorgehen ist zulässig und auch durchaus üblich, da die Coco-Anleihen nicht zwangsweise mit Zins- und Tilgungszahlungen bedient werden müssen, sondern nur dann, wenn dafür ausreichend Mittel vorhanden sind. In ihrer neuen Struktur indes zieht die Bank es nun vor, den Gewinn nach den Zinszahlungen für jene Nachranganleihen auszuweisen. Diese betrugen 2018 insgesamt 319 Mio. Euro.

Hintergrund des ganzen Procederes: Die Deutsche Bank wird momentan umgebaut, die Geschäftsbereiche neu verteilt. Durch den neuen Zuschnitt der Segmente wären die künftigen Ergebnisse aber nicht mehr mit den früheren vergleichbar gewesen; darum hatte das Institut diese Woche seine Zahlen für Anfang 2017 bis 2019 sozusagen nochmal präsentiert – aber diesmal unter Berücksichtigung der neuen Struktur (siehe auch hierzu unsere gestrige Analyse). Im Zuge dieser Neuberechnung weist die Deutsche Bank nun also auch ihrem 2018er Gewinn ein zweites Mal aus – nun allerdings nach neuer Definition. Ehrlich gesagt war uns dieser Punkt in dem voluminösen Zahlengewirr zunächst entgangen – bis uns der „Bloomberg-Reporter“ Steven Arons gestern freundlicherweise via Twitter darauf aufmerksam machte:

https://twitter.com/StevenArons/status/1184793834477236227?s=20

Die Deutsche Bank begründet die Neudefinition mit neuen Bilanzierungsregeln. An den Zahlen als solchen ändere sich freilich nicht. Tatsächlich ist die Höhe der Zinszahlungen für das Nachrangkapital keine Überraschung. Die entsprechende Rechnung, wie der Gewinn nach Abzug ausgefallen wäre, konnte jeder Analyst und Investor auch schon seit Veröffentlichung der 2018er-Zahlen Anfang Februar vornehmen. Symbolisch ist die neue Berechnung freilich trotzdem bemerkenswert. Schließlich hat de Deutsche Bank damit nun in vier (!) aufeinander folgenden Jahren offiziell Verluste erlitten – obwohl die Bank und insbesondere Vorstandschef Christian Sewing bislang stolz auf die scheinbar  ersten schwarzen Zahlen seit 2014 verwiesen hatte.

Siehe ein Auszug aus Sewings HV-Rede:

„Meine Damen und Herren, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag – wir haben 2018 viel erreicht. Und das bei heftigem Gegenwind (…) Wir haben trotz all dieser Ereignisse die Deutsche Bank wieder zurück in die Gewinnzone geführt.“

Wenn man es positiv sehen will: Sollte es gut laufen, kann Sewing die Textpassage bei einer der nächsten HVs recyceln. 2019 allerdings noch nicht. Da dürfte es wegen der Umbaukosten nämlich den nächsten Verlust geben. Es wäre der fünfte in Serie.

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