Analyse

Deutsche-Bank-Vorstände meiden eigene Aktie seit Jahren

3. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Dürfen wir uns in Sachen Deutsche-Bank-Kursdrama (die Aktie notiert nunmehr unter 6 Euro und damit dem tiefsten Kurs seit mindestens 1957) und Commerzbank-Kursdrama (die Aktie büßte gestern den 12. Tag in Folge zum vorherigen Handelstag ein) einmal des Stilmittels der rhetorischen Frage bedienen? Ja? Gut. Dann stellen wir hiermit einmal eine offene Frage an alle Vorstandsmitglieder von Deutscher Bank und Commerzbank:

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Wenn der aktuell dramatisch kollabierte Kurs den wahren Wert Ihrer Bank nicht spiegelt, warum kaufen Sie dann nicht wie verrückt eigene Aktien aus ihren nicht eben schmalen Gehältern?

Falls Sie heute früh keine Lust auf längere Texte haben, mit denen wir Sie zuletzt öfters malträtiert haben, können wir Ihnen die Lage auch per „Küchenzuruf“ beantworten: Offenbar glauben weder bei der Deutschen Bank noch bei der Commerzbank die Vorstände an eine dramatische Unterbewertung. Denn bei der Commerzbank halten die Vorstände basierend auf den Transaktionen der letzten knapp zehn Jahre zusammen nicht einmal 4% der Gesamtvergütung des letzten Geschäftsjahres in eigenen Aktien. Und bei der „Deutschen“? Sind’s zwar immerhin gut 18%. Allerdings wurden den Managern diese Aktien auch über das konzerneigene Vergütungsprogramm gewährt (um nicht zu sagen: aufgezwungen).

Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Insiderkäufe von  Deutsche-Bank-Vorständen seit 2015, als das Kursdebakel so richtig Fahrt aufnahm?  Null Aktien für zusammen null Euro.

Bei der Commerzbank seit 2015? Lumpige 26.000 Aktien für insgesamt rund 260.000 Euro, wobei uns dabei über verschlungene Wege der Hinweis ereilte, diese Käufe seien auch nicht ganz freiwillig erfolgt, sondern Bedingung eines alten Vergütungsplans gewesen. Offiziell sagt man bei der Commerzbank dazu: nichts. Aber hatte gestern auch tatsächlich wichtigeres zu tun.

Im Detail hier die Ergebnisse, wie es um den direkten Aktienbesitz bei den beiden Frankfurter Groß bzw. Problembanken bestellt ist:

  • Bei der Commerzbank erwarben drei Vorstandsmitglieder – Martin Zielke, Stephan Engels, Michael Reuther – seit 2011 insgesamt 49.200 Aktien auf direktem Wege. Aktueller Kurswert: rund 300.000 Euro. Zwar haben die Vorstände auch Anspruch auf eine aktienbasierte variable Vergütung – diese wird aber in bar gewährt. Zumal sich die Abhängigkeit vom Aktienkurs in Grenzen hält: Der Gesamtaufwand für die aktienbasierten Vergütung im Geschäftsjahr 2018 betrug laut Vergütungsbericht lediglich 340.000 Euro. Wenn wir uns hier die spitze Bemerkung erlauben dürfen: Offenbar verfolgen die Topmanager des Instituts in Sachen Vermögensaufbau andere Prioritäten. Ausweislich des Geschäftsberichts haben sie sich von der Commerzbank nämlich Kredite „hauptsächlich für Immobilienfinanzierungen“ (und mit Laufzeit bis 2051) in Höhe von 3,5 Mio. Euro ausreichen lassen, ein Plus von gut 300.000 Euro zum Vorjahr trotz Tilgungen von ebenfalls 300.000 Euro.
  • Auch bei der Deutschen Bank fließt die relative Kursentwicklung der Aktie in die variable Vergütung mit ein. Ferner werden seit dem Geschäftsjahr 2017 die Langfristkomponenten der Vergütung ausschließlich in Form von  aktienbasierten Vergütungselementen gewährt. Was auf Folgendes hinausläuft: Beim größten Geldhaus hierzulande hielten alle Vorstandsmitglieder zusammen laut Geschäftsbericht per Februar 2019 insgesamt 457.000 Aktien des eigenen Instituts. Aktueller Kurswert: 2,7 Mio. Euro. Sie besitzen allerdings aus der aktienbasierten Vergütung Anwartschaften über weitere 1,3 Mio. Aktien, aktueller Kurswert: 7,6 Mio. Euro. Das klingt nach viel Holz. Entspricht aber in der Summe (2,7 + 7,6 = 10,3) auch lediglich 18% der Gesamtvergütung für den Deutsche-Bank-Vorstand 2018 von 55,7 Mio. Euro.

Die letzten meldepflichtigen „Insiderkäufe“ eines Deutsche-Bank-Vorstandsmitglieds außerhalb der variablen Vergütung datieren übrigens aus dem Jahr 2014. Erstaunlich vor diesem Hintergrund, dass CEO Christian Sewing vor zwei Wochen erklärte, „niemand ist enttäuschter als ich darüber, wie wir an der Börse abschneiden“. Und:  „Ich werde nicht nachlassen und alle Kräfte einsetzen, unseren Aktienkurs nach oben zu bringen“. Und dann sagte er noch,  dass sich das Potenzial seines Hauses „im Aktienkurs heute noch nicht“ widerspiegele, aber „wir alles daran setzen (werden), dass sich das ändert“.

Aber ist dem wirklich so? Wir jedenfalls würden unseren Text unverschämterweise auch gern mit einer offenen Frage beenden:

Könnte es womöglich sein, dass sich die Vorstände von Deutscher und Commerzbank bei ihrer Arbeit von diversen Zielen leiten lassen (z.B. den Laden am Leben zu halten, um die Anleihegläubiger bedienen zu können) – aber eher nicht von dem Ziel, mit aller Macht den Aktienkurs zu steigern?

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