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Deutsche Banken: Gut zum Kunden. Aber zu faul zum Vertrieb

11. Juni 2019

Von Robert Haselsteiner *)

Liebe Redaktion von Finanz-Szene.de, in Ihrem Faktencheck „Woran krankt das deutsche (Groß-)Bankentum wirklich“ gehen Sie der Frage nach, warum die Geldhäuser hierzulande weniger profitabel sind als anderswo in Europa. Ich würde zu der Analyse gerne noch ein paar Ergänzungen vornehmen.

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  1. In keinem anderen Land wurden Gebühren so konsequent abgeschafft bzw. reduziert wie in Deutschland. Beispiel Hypotheken: Alles, was der Kunde heute noch zahlt, sind Zins und Tilgung. Früher gab es dagegen Bearbeitungsgebühren, Gutachtengebühren, Kontoführungsgebühren, Gebühren bei Tilgungswechsel etc.. In vielen anderen Ländern gibt es solche Gebühren immer noch – während der Konkurrenzdruck so etwas hierzulande abgeschafft hat.  Gut für die Kunden. Aber für die Banken bedeutet das natürlich Einnahmenverluste.
  2. In keinem anderen Land sind die Spreads im Kreditgeschäft so knapp bemessen. Auch das ist gut für die Kunden. Aber schlecht für die Banken.

Woher kommen die niedrigen Spreads?

  • ein Sparkassensektor der nicht ökonomisch preisen muss (weil er keine Shareholder hat, die Druck machen, bzw. weil er einen   „öffentlichen“ Auftrag verfolgt)
  • ein starker genossenschaftlicher Sektor, der ebenfalls aggressiv preisen kann, weil er auf billigen Einlagen sitzt und keine kapitalmarktbasierte GuV zu fahren brauche (weil am Ende der Auftrag lautet, den Genossen nicht nur als Gesellschafter, sondern vor allem als Kreditnehmer zu unterstützen)
  • ein Landesbankensektor (Gott sei Dank inzwischen viel kleiner), der über kein anderes Geschäftsmodell verfügt als eng gepreistes Lending Business, bei dem er nur über Preis konkurriert

Unterm Strich ist die Kreditvorsorge in Deutschland also extrem günstig und die dahinterstehende Dienstleistung (also das „Banking“) kostet den Kunden fast nichts.

Ist das schlimm? Zumindest kann ich nicht nachvollziehen, warum manche Politiker jetzt über die niedrige Profitabilität der deutschen Banken jammern. Denn: Will die Politik stattdessen ein amerikanisches System, in dem jede Bankdienstleistung viel Geld kostet, Margen bei den Kreditzinsen und insbesondere bei Kreditkarten-Überziehungen extrem hoch sind und als Folge die Banken sehr, sehr gut verdienen? Mir jedenfalls ist ein System lieber, in dem das Geld beim Bankkunden bleibt, anstatt an  die Shareholder und Manager zu fließen.

Es gibt allerdings noch ein paar weitere Punkte, die zu es erwähnen gibt – und die teilweise auch in der UBS-Studie, auf die Sie sich beziehen, angesprochen werden:

  1. Warum haben die deutschen Bank nie geschafft, aus Sparern Anleger zu machen? Weil sie nie eine konsequente Wertpapierstrategie entwickelt haben und einfach auch nie verstanden haben, dass diese Themen verkauft werden müssen. Das haben die Banken lieber den AWDs, den OVBs und den DVAGs überlassen. Wertpapiere selbst verkaufen? Dazu waren sich die Banken immer zu fein. Daher auch die niedrigen Provisionseinnahmen, verglichen mit Banken in anderen Ländern.
  2. Warum gehen Kunden in anderen Ländern in die Filialen? Weil die offen sind ! Die tägliche Öffnungszeit bei einer deutschen Filialbank (und die Sparkassen sind die schlimmsten) liegt oft bei nur fünf Stunden. Und das zu Tageszeiten, zu denen die Menschen normalerweise arbeiten müssen. Wie will die Kreditbranche das Kundengeschäft steigern, wenn sie keine „Touchpoints“ mehr hat?
  3. Viele Institute haben katastrophale strategische Fehler begangen.
  • Das beginnt bei der Deutschen Bank, deren Vorstände (z.B. Herr Ackermann) sich von den amerikanischen und englischen Söldnertruppen, die sie eingekauft (oder mit Bankers Trust übernommen) hatten, schlicht gesagt  über den Tisch haben ziehen lassen. Die Deutsche Bank wurde sozusagen von innen ausgeraubt, und jetzt liegt da eine wertlose Hülle herum. Dagegen wurden klassischen Bankgeschäft die Chancen zuhauf liegen gelassen. Beispiel: Warum hat die Deutsche Bank in den Nullerjahren in keine – über mehrere europäische Länder erstreckte – Direktbank aufgebaut? Damit hätte sie ihre  damals noch perfekte Marke geleveragt – wie es stattdessen zum Beispiel die ING Direct getan hat, unter anderem hierzulande mit der Diba. In Italien, Spanien oder auch Osteuropa hätte die Deutsche Bank massiv Marktanteile gewinnen können. Stattdessen fuhr sie im Heimatmarkt einen Zickzack-Kurs  mit DB24, MaxBlue usw. (über den Zickkack-Kurs, den in der gleichen Zeit die Postbank hingelegt hat, schweige ich mal lieber …).
  • Und bei der Commerzbank? War der Merger mit der Dresdner ja noch verzeihbar. Aber die Hypothekenbanken in einem Anflug von Größenwahn in die Commerzbank hineinzumergen und sie damit fast zu versenken – dieser Fehler war geradezu epochal. Dass der damalige Vorstandschef Klaus-Peter Müller, nachdem er diesen Wahnsinn zu verantworten hatte,  danach noch ein Jahrzehnt lang den Aufsichtsrat derselben Bank führen darf … So etwas ist vermutlich nur in Deutschland möglich.

*) Robert Haselsteiner ist Co-Gründer der später an die ING verkauften Interhyp und heute Co-Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft HW Capital, die diverse Fintech-Beteiligungen hält 

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