Kurz gebloggt

Deutsche Commerz: Die neuesten Entwicklungen auf einen Blick

8. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Gibt es in Sachen „Deutsche Commerz“ eigentlich einen neuen Stand, seit wir Freitagfrüh das letzte mal für Sie da waren? Nein, das nicht. Aber: In großen Artikeln u.a. im „Spiegel“ und in der „Wirtschaftswoche“ fand sich der ein oder andere interessante neue Aspekt zum Thema, zudem haben sich einige Beteiligte (in durchaus interessanter Weise) geäußert übers (lange) Wochenende. Wir haben das Allerwichtigstes einfach mal für Sie zusammengefasst: Finanz-Szene.de

Bei der erwogenen Fusion geht es sich nicht um die Schaffung eines „Nationalen Champions“, sondern darum, die sieche Deutsche Bank zu retten, heißt es im Spiegel. Ferner sei auch eine Kapitalerhöhung notwendig, für die der Staatsfonds von Katar bereit stünde. Zwar spräche weiter wenig für die Fusion, gleichwohl sei ein Weg zurück kaum noch möglich, gerade für die Deutsche Bank: Am 26. April dürfte sie düstere Zahlen vorlegen, ihr Umbau stocke unübersehbar, so dass die Flucht in die Fusion wenigstens noch Zeit gewinne. Plan B seien drastische Einsparungen. Der mögliche Gewinner einer Fusion? Sei ausgerechnet der oberste Investmentbanker und Topverdiener Garth Ritchie, der laut dem „Spiegel“ Blaubank-CEO Christian Sewing hinter sich weiß. Der mögliche Verlierer? Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der – so das Magazin – nach einer Schamfrist Platz für Commerzbank-CEO Martin Zielke als Aufsichtsratschef machen müsste.

Apropos düsteres erstes Quartal: Offenbar geht es nur noch um die Frage, wie düster das Quartal lief. Ziemlich düster, schätzen die Analysten der UBS auf Basis der vorliegenden Daten zum ersten Quartal (nicht-öffentliche Studie). Demnach schätzt die Bank, dass die Deutsche Bank gegenüber dem Vorjahresquartal im Handel mit Währungen und Anleihen 28 Prozent weniger Erlöse verbucht habe (Gesamtmarkt: minus 11 Prozent), bei Aktienplatzierungen 21 Prozent weniger (Gesamtmarkt: minus 7 Prozent) und in der Investmentbanking-Division sieben Prozent weniger (Gesamtmarkt: minus ein Prozent). Olaf Storbeck weist derweil auf Twitter darauf hin, dass aktuell kein einziger von 15 Deutsche-Bank-Analysten mehr daran glaube, dass die Bank 2019 ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite von vier Prozent erreiche.

Commerzbank-Chef Martin Zielke macht im unternehmenseigenen Intranet derweil Werbung für die Fusion. „Es braucht Zeit, um Marktanteile substanziell zu steigern. Deswegen prüfen wir parallel auch Optionen für externes Wachstum, die sich bieten“, erklärte in einem Gespräch mit sieben ausgewählten Commerzbank-Mitarbeitern im Intranet: Zielke hält unverändert an der Position fest, man könne aus der Ertragskrise nur herauswachsen. Die anhaltend niedrigen Zinsen und die damit einhergehenden niedrigen Margen und steigende Kosten ließen keine andere Wahl. „Nur mit deutlich höheren Marktanteilen werden sich die notwendigen Investitionen rechnen“, so Zielke laut dem „Finanz-Szene.de“ vorliegenden Intranet-Eintrag.

Too big too fail? 2300 Milliarden Euro kumulierte Bilanzsumme? Sind keine Hürden für eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Sagt einer, der es wissen muss: Thorsten Pötzsch, Exekutivdirektor der Finanzaufsicht Bafin, im Interview der Börsen-Zeitung. Konkrete Banknamen nannte er zwar keine, erklärte aber: Größe allein sei „kein Abwicklungshindernis“.

Europäische Bankenaufsehersehen das ganze offenbar kritischer – und wollen laut „Handelsblatt“ einen detaillierten Plan für den Personalabbau, um zu prüfen, ob sich der Deal betriebswirtschaftlich rechnet.

Gewinner einer möglichen Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank dürften ausgerechnet die gut bezahlten Investmentbanker der Deutschen Bank sein, die Verlierer die einfachen Angestellten – das legt die „Süddeutsche Zeitung“ überzeugend dar. Denn bei einem Zusammenschluss fielen die Arbeitsplätze vor allem dort weg, wo es große Überschneidungen gibt – in den kombiniert 2500 Filialen in der Fläche sowie in den Zentralen. Nicht zur Disposition steht – auch nach offiziellen Unternehmensangaben – hingegen das Investmentbanking-Geschäft in den USA. Das Kalkül der Fusionsbefürworter: Durch den Zusammenschluss mit der braven Commerzbank könnten die Refinanzierungskosten der neuen Superbank sinken – u.a weil sich die Bonitätsnote verbessert und die fusionierte Bank mehr aus stabilen Geschäftsfeldern einnimmt. Das wiederum erhöht die Gewinnmargen im klassischen Kreditgeschäft, aber auch im Handel mit Wertpapieren.

Allerdings müsste sich das fusionierte Institut auch kritische Fragen gefallen lassen: etwa, ob der Bund als Aktionär des fusionierten Instituts die Gehaltsexzesse der Deutschen Bank mitträgt: Bei den „Blauen“ verdienen 607 Mitarbeiter mehr als 1 Mio. Euro. Oder auch, ob die Investmentbanker tatsächlich Zugriff nicht nur auf die Spareinlagen der Postbank und der Deutschen Bank, sondern auch auf jene der Commerzbank-Kunden bekämen.

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