Dokumentation

Die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn auf unsere Fragen

11. Juni 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Im unserem Artikel „Sparkasse Köln-Bonn: Bilanz-Akrobatik oder Bilanz-Drama?“ beschreiben wir, wie sich das Ergebnis der zweigrößten deutschen Sparkasse zwischen 2014 und 2018 massiv verschlechtert hat. Ist die Entwicklung dramatisch, oder ist sie es nicht? Und wie haben wir gerechnet, wie rechnet die Sparkasse Köln-Bonn selbst?

Finden Sie hier – damit beide Sichtweisen umfänglich wiedergegeben werden – unsere Fragen und die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn:

Unsere Fragen

Wir haben eine Analyse der Bilanz der SK Köln-Bonn vorgenommen  und wollen über die Ergebnisse in unserer Ausgabe nächsten Dienstag berichten. Die Kernerkenntnis ist unsererseits, dass das operative Ergebnis aus dem Kerngeschäft seit 2014 dramatisch zurückgegangen ist, nämlich von 118 Mio. Euro auf minus 1 Mio Euro. [nachträgliche Anm.: Die entsprechende Tabelle findet sich hier] Konkret haben wir nun folgende Fragen:

Frage 1: Haben wir uns an irgendeiner Stelle verrechnet bzw. widersprechen siehe dieser Kernerkenntnis?
Frage 2: Wie setzen sich die sonstigen betrieblichen Erträge (zuletzt 179,5 Mio. Euro) zusammen? Enthalten sind [nachträgliche Anm.: neben Mieterträgen und der Auflösung von Rückstellungen] rund 17 Mio. Euro aus der Vereinnahmung alter Sparkonten und und 22 Mio. Euro aus dem Verkauf der Immobilie in Bonn. Frage: Wo kommen die übrigen rund 40 Mio. Euro her?
Frage 3: Die sonstigen Rückstellungen schwellen von Jahr zu Jahr an, zugleich lösen Sie aber seit Jahren in großen Umfang Rückstellungen auf. Was hat es damit auf sich? Weil: Von außen sieht es eindeutig so aus, als würden Sie sozusagen Rückstellungen nur bilden, um so bald darauf auflösen zu können.
Frage 4: Die Bildung sonstiger Rückstellungen muss ja „irgendwo“ Aufwand verursachen. Würden Sie uns verraten, wo? Findet sich das in den „anderen Verwaltungsaufwendungen“? Oder in den „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“? Oder steht das in irgendeiner Form in Zusammenhang mit dem Heben stiller Reserven?
Frage 5: Welche Rolle spielt die Bildung/Auflösung stiller Reserven generell in Ihrer Bilanz in den vergangenen Jahren?

Die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn

Frage 1:

Ihre Analysen basieren auf den HGB-Bilanzen der Sparkasse KölnBonn. Die von Ihnen entwickelte Kennzahl „operatives Ergebnis vor sonstigen betrieblichen Erträgen und Aufwendungen“ [nachträgliche Anm.: Hierbei handelt es sich um jene Kenngröße, die im Finanz-Szene.de-Artikel „bankoriginäres Ergebnis“ genannt wird] halten wir für nicht sachgerecht, da sie Teilaspekte der Geschäftstätigkeit außer Acht lässt.

Das HGB-Schema verwendet explizit die Begriffe „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ und „außerordentliche Erträge / Aufwendungen“. Wenn das HGB-Schema herangezogen wird, müsste zumindest auf diese Positionen abgestellt werden.

Die Entwicklung der normalen Geschäftstätigkeit (HGB) stellt sich in der Sparkasse KölnBonn wie folgt dar (unter Berücksichtigung der Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken nach § 340 g HGB):

2014 2015 2016 2017 2018
Zuführungen 340g HGB 35 15 8 15 20
Ergebnis d. norm. Geschäftstätigkeit 90 102 73 45 61

Wir halten jedoch insbesondere zu Zwecken einer sachgerechten periodischen Unterscheidung von operativem und außerordentlichem Ergebnis die Verwendung des sogenannten „Betriebsvergleichsschemas“ für angemessener.

Dies wird an folgenden zwei Beispielen deutlich:

Beispiel 1: In den Jahresabschlüssen 2017 und 2018 hat die Sparkasse KölnBonn wesentliche Rückstellungen für strategische Initiativen, insbesondere für eine in 2017 avisierte weitere planmäßige Personalreduktion, gebildet. Diese Rückstellungen werden gemäß HGB dem Personalaufwand zugeordnet, obwohl sie kein operatives Ergebnis darstellen. Im Betriebsvergleichsschema erfolgt dagegen sachadäquat ein Ausweis im neutralen Ergebnis.

Beispiel 2: Die Sparkasse KölnBonn hat aus Effizienzgründen definierte Leistungspakete an Tochtergesellschaften ausgelagert. Zur Erfüllung der Aufgaben werden Sparkassenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an die Tochtergesellschaften abgestellt. Die Personalkosten für diese Beschäftigten finden sich im Personalaufwand der Sparkasse wieder. Auch die Erstattungen der Tochtergesellschaften an die Sparkasse sind Bestandteil des operativen Geschäftes. Gemäß HGB erfolgt jedoch ein Ausweis unter den sonstigen betrieblichen Erträgen. Gemäß Betriebsvergleichsschema reduzieren diese Erstattungen dagegen sachgerecht den Personalaufwand.

Zur Abbildung eines aussagekräftigen operativen Ergebnisses publizieren und steuern die Sparkassen ihre Jahresabschlusszahlen daher seit Jahren branchenweit in Form des Betriebsvergleichsschemas. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die Stellungnahme des DSGV im Zuge Ihrer Berichterstattung vom 15.03.2019.

Das Ergebnis vor Steuern sowie das Jahresergebnis nach HGB und Betriebsvergleich können übergeleitet werden. Entsprechende Gegenüberstellungen werden in der Sparkasse KölnBonn für jeden Jahresabschluss erstellt.

Die Entwicklungen der Ergebnisse der Sparkasse KölnBonn nach Betriebsvergleichsschema stellen sich wie folgt dar:

2014 2015 2016 2017 2018
Ergebnis nach Bewertung 113 87 88 76 66
Neutrales Ergebnis -9 14 -16 -32 -6
Ergebnis vor Steuern 104 101 72 44 60

Unabhängig von der Darstellungsart hat sich das Ergebnis aus dem Kerngeschäft der Sparkasse seit 2014 rückläufig entwickelt, es liegt aber weiterhin auf einem soliden Niveau. Von daher widersprechen wir explizit ihrer „Kernerkenntnis“, dass das operative Ergebnis aus dem Kerngeschäft seit 2014 dramatisch zurückgegangen sei.

Maßgeblich ist dies branchenweit auf die Niedrigzinspolitik der europäischen Zentralbank zurückzuführen. Die Sparkasse KölnBonn hat auf diesen Trend reagiert und ein umfassendes Strategieprojekt aufgesetzt, welches die nachhaltige Verbesserung der Ertragslage durch den Ausbau der Digitalisierung sowie der Optimierung der Prozesse im Kundengeschäft inklusive der Beratung zum Ziel hat.

Frage 2:

Ein Großteil des nicht näher erläuterten Betrags der sonstigen betrieblichen Erträge stammt aus der oben genannten Erstattung von Personalaufwendungen aus den Personalüberlassungen an Tochtergesellschaften, aus aperiodischen Zinseffekten von steuerlichen Sachverhalten und auf die in der GuV genannten Effekte aus Währungsumrechnung.

Frage 3:

Rückstellungen sind für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden. Es gilt das sogenannte handelsrechtliche Vorsichtsprinzip und es bedarf einer entsprechenden Grundlage.

Im Zusammenhang mit einem EU-Verfahren hat die Sparkasse KölnBonn in der Vergangenheit insbesondere für Rechtsrisiken Rückstellungen gebildet. Diese Sachverhalte wurden in den letzten Jahren sukzessive abgearbeitet. Im Rahmen der zum Teil auch gerichtlichen Abarbeitung sowie diverser, für die Sparkasse positiver Rechtsprechungen, wurde ein Teil der Rückstellungen aufgelöst bzw. in Anspruch genommen. Die Auflösungen bzw. Inanspruchnahmen der gebildeten Rückstellungen sind handelsrechtlich zwingend geboten.

Frage 4:

Die Rückstellungen werden gemäß den Rechnungslegungsvorschriften gebildet. Je nach dem der Rückstellung zugrunde liegenden Sachverhalt erfolgt dies, gemäß HGB-Schema, hauptsächlich im allgemeinen Verwaltungsaufwand bzw. im sonstigen betrieblichen Aufwand. Gemäß Betriebsvergleichsschema werden die Rückstellungen sachgerecht, zum Beispiel für strategische Maßnahmen im neutralen Ergebnis ausgewiesen. Ein Zusammenhang mit der Hebung / Auflösung stiller Reserven besteht nicht.

Frage 5:

Stille Reserven werden bei uns streng nach den Anforderungen der Rechnungslegungsvorschriften gebildet.

Die Sparkasse KölnBonn dotiert, wie im Anhang zum Jahresabschluss ausgeführt, branchenüblich stille Reserven im Sinne der Risikovorsorge für allgemeine Bankrisiken nach § 340f HGB. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Vorsorgereserven nach § 340f HGB nicht offenlegen.

Ansonsten bestehen insbesondere im Wertpapierbereich aufgrund der Bewertungsvorschriften nach § 253 HGB stille Reserven und auch Lasten in überschaubarem Rahmen.

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