Kurz gebloggt

Die Bilanz der deutschen Sparkassen – ein ziemliches Mysterium

10. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Huch, da waren wir dieser Tage dann doch ein bisschen erschrocken, als wir feststellten, wie diametral unsere eigene Interpretation der Sparkassen-Zahlen („Gewinneinbruch“) von denen leicht etablierterer Wettbewerber abweicht („Sparkassen hängen Privatbanken ab“, „Sparkassen verdienten mehr als 2017“ …). Nun können Sie sich vorstellen, dass man beim DSGV von unserer Lesart nicht begeistert war. Und doch – nachdem wir das Ganze nochmal fein säuberlich aufgedröselt haben (und zwar unter Zuhilfenahme der Rechenmethodik aus der Bundesbank-Ertragslage-Statistik), würden wir ganz zaghaft behaupten wollen, dass das mit dem Einbruch (man kann auch weniger harsch sagen: Rückgang …) per se stimmt. Und wenn man ganz fies rechnet, dann beträgt dieser Rückgang relativ gesehen sogar fast 30%.

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Nun wendet der DSGV allerdings ein, dass sich das „operative Ergebnis“ ja nur unwesentlich verschlechtert habe – denn der von uns diagnostizierte Rückgang sei ja in erster Linie (und da hat der DSGV zweifelsohne Recht …) auf „Abschreibungen auf Wertpapiere“ in Höhe von 1,4 Mrd. Euro zurückzuführen. Diese aus unserer Sicht verblüffend hohe Summe (1,4 Mrd. Euro …) provoziert nun aber ganz eigene Fragen: 1.) Wo kommen diese Verluste her? Antwort: Nach unserem Verständnis kompliziert gesagt aus Spezialfonds, die zur Liquiditätsreserve gehören. Und einfach gesagt: aus Aktien. 2. Frage) Wenn ein Rückgang der Aktienmärkte um grob gesagt 10%-15% bei den Sparkassen Verluste in Höhe von zwei Dritteln des Überschusses verursacht – was ist dann erst los, wenn die Börse mal so richtig bebt? Überraschende Antwort: Vielleicht könnten die kommunalen Institute das ganz locker verkraften … Denn nun zur extrem spannenden letzten Frage, also der 3.) Wenn die 2018er-Baisse Abschreibungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro verursacht hat – müsste es dann in den Jahren zuvor, als die Börsenkurse fast unaufhaltsam stiegen, nicht gigantische Zuschreibungen gegeben haben?

Kurz gesagt: Hat es nicht! Denn saldiert man die Abschreibungen und Zuschreibungen der Jahre 2010-2018, dann kommt man auf ein Minus von 1,6 Mrd. Euro – und das, obwohl der Dax im selben Zeitraum um 75% gestiegen ist. Wo sind diese Gewinne hin? Müsste man die nicht irgendwo sehen? Oder anders gefragt: Kann es sein, dass der ach so fürchterlich darbende deutsche Sparkassensektor (Niedrigzins, Digitalisierung, Pensionslasten …) die Börsenhausse der letzten Jahre genutzt hat, um üppigste stille Reserven zu bilden, ohne dass die Öffentlichkeit groß was davon mitbekommen hätte?

Und noch ein Mysterium: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass die Sparkassen, egal was da draußen im Lande und in der Welt los ist, letztlich immer auf einen Jahresüberschuss von ziemlich exakt 2 Mrd. Euro kommen (jedenfalls ist das seit 2010 so). Bei einer einzelnen Sparkasse würden wir sagen: Nun gut, die schiebt sich ihre GuV halt immer so zurecht, dass es am Ende so aussieht, als wäre sie ein Hort der Stabilität. Aber bei den aggregierten Zahlen von rund 400 Sparkassen? Da muss Schwarm-Intelligenz im Spiel sein, anders ist es nicht zu erklären. Oder?

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