Exklusiv

Die Deutsche Bank verkommt zum Wettobjekt der Kleinanleger

27. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Was wird da draußen immer ein Bohei gemacht um das All-Star-Aktionariat der Deutschen Bank. Die Katarer? Überlegen wieder mal aufzustocken. Die Chinesen? Haben unter keinen Umständen vor, ihren Anteil zu reduzieren (was sie dann bekanntlich trotzdem dauernd tun). Cerberus? Hegt ganz, ganz große Pläne. Und Braunstein? Ähhh, wer war nochmal Braunstein? Ach ja, der seltsame 3,14%-Ami, dessen Einstieg bei der Deutschen Bank im vergangenen Herbst medial gefeiert wurde, als könne dieser völlig unbekannte Mann das wichtigste Geldinstitute der Republik durch bloßes Handauflegen vor dem Untergang bewahren.

Und wie schaut’s wirklich aus im Aktionariat der Deutschen Bank? Ziemlich ernüchternd, wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ u.a. auf Basis von SEC-Filings zeigen. Denn: 2018 haben sich die institutionelle offensichtlich im großen Stil von der Deutschen Bank verabschiedet. Und wer hat ihre Aktien übernommen? Zehntausende deutsche Kleinanleger, für die das wichtigste Geldhaus des Landes so etwas wie die Wette ihre Lebens zu sein scheint.

Glauben Sie nicht? Wollten wir zunächst auch nicht glauben. Doch dann verwies uns eine Quelle auf die sogenannten „20-F“-Filings. Dabei handelt es sich um eine Art gesonderten Jahresabschluss, den die Deutsche Bank speziell für die US-Börsenaufsicht SEC erstellen muss – und in dem sich die ein oder andere Informationen findet, nach der man im regulären Geschäftsbericht vergeblich sucht. Darunter auch: wie viele Anteilseigner die Deutsche Bank per 31. Dezember 2018 hatte. Nämlich 644.013.

Nun sagt die Zahl für sich genommen natürlich noch nicht so wahnsinnig viel aus. Spannend wird’s, wenn man die Entwicklung über die letzten Jahren nachverfolgt. Denn da zeigt sich: Jahrelang pendelte die Zahl der Aktionäre irgendwo zwischen 560.000 und 600.000 – bis sie im vergangenen Jahr plötzlich nach oben schoss.

Zahl der Deutsche-Bank-Aktionäre

Noch interessanter – finden wir jedenfalls – ist nun, wie viele Anleger aus Deutschland kommen. Hierzu finden sich in den SEC-Filings zumindest ab 2015 detaillierte Werte. Und die sehen so aus:

Zahl der Deutsche-Bank-Aktionäre aus Deutschland:

 

Das heißt: Im Horrorjahr 2018, in dem der Kurs der Deutsche-Bank-Kurs von 15,88 Euro auf nur noch 6,97 Euro abschmierte (minus 56%), stiegen hiesige Kleinanleger nicht etwas frustriert aus der blauen Aktie aus – sondern es kamen rund 50.000 neue Anleger hinzu* (das ist etwa die Einwohnerzahl Baden-Badens). Was den Befund noch erstaunlicher macht: Laut Zahl des Deutschen Aktieninstituts ist die Zahl der Aktionäre hierzulande im vergangenen um rund 400.000 auf nur noch etwa 4,5 Mio. gesunken (d.h.: Leute, die direkt in Aktien investieren)

Nun sollte man annehmen, dass die Kleinanleger – trotz ihrer großen Zahl – volumenmäßig am Ende dann doch nicht so viel ausmachen (weil ja die Katarer, die Chinesen oder der Höllenhund das Spiel bestimmten). Und in der Tat: Jahrelang lag bei der Deutschen Bank das Verhältnis „institutionelle Investoren“ vs. „private Investoren“ bei etwa 4:1. Beispiel: Ende 2017, so lässt sich dem seinerzeitigen Geschäftsbericht entnehmen, waren 81% der Aktionäre „institutionell“ und nur 19% „privat“. Und Ende 2018? Im letzte Woche vorgestellten Geschäftsbericht findet sich hierzu erstmals seit vielen, vielen Jahren keinerlei Angabe. Liegt’s daran, dass sich der Deutsche Bank die De-Professionalisierung ihres eigenen Aktionariats ein bisschen peinlich ist? Denn: In den Untiefen des Investor-Relations-Bereichs auf der Website tauchten die neuen Angaben Mitte dieser Woche dann plötzlich doch auf: Um sage und schreibe fünf Prozentpunkte ist der Anteil der privaten Investoren binnen eines Jahres hochgeschnellt (also auf 24%). Deutsche Michel statt US-Höllenhund – so schaut’s neuerdings im Aktionariat der Deutschen Bank aus.

*Wir gehen davon aus, dass die 633.991 „deutschen“ Aktionäre auch die institutionellen Investoren wie beispielsweise Family Offices umfassen. Allerdings dürften die „Instis“ unter allen Aktionären einen denkbar kleinen Anteil ausmachen, sodass wir den Umstand für unsere Darstellung einfach ignorieren.

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