Kurz gebloggt

Die Ertragsprobleme der Deutschen Bank im Privatkundengeschäft

16. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank hat – worauf via Twitter der Bloomberg-Kollege Steven Arons aufmerksam machte – in dieser Woche ein spannendes Dokument (PDF) online gestellt  Aus dem geht nämlich hervor, wie das 2017er, das 2018er und das diesjährige Sechsmonats-Ergebnis ausgefallen wären, wenn zu dieser Zeit bereits die neue Segment-Struktur gegolten hätte (also die, die sich die Bank im Juli verpasst hat).

Zur Einordnung: Die neue Struktur sieht vier Bereiche vor:

  • das Investmentbanking, nunmehr isoliert
  • die neue Unternehmensbank, in dem die Transaktionsbank (bislang gemeinsam ausgewiesen mit dem Investmentbanking) sowie das deutsche Geschäft mit Firmenkunden gebündelt werden
  • das Privatkundengeschäft (nunmehr ohne die kleineren Firmenkunden)
  • das Asset Management

Diese vier Einheiten bilden die Sparten, auf die wir uns in der folgenden Übersicht konzentrieren (und einfach mal unverschämt die interne Bad Bank und sonstige Gedöns außen vor lassen)

Blicken wir zunächst auf die Verteilung der Mitarbeiter auf diese Bereiche inklusive der Back-Office-Stellen:

Mitarbeiter Deutsche Bank per 30.6.2019 (in neuer Segmentstruktur)

Mitarbeiter
Investmentbank 19.979
Unternehmensbank 13.889
Privatkundenbank 44.039
Asset Management 4.508

Damit wird deutlich, dass die Privatkundenbank an ihrer prominenten Rolle (selbst ohne die Geschäftskunden, die zum Teil umgruppiert wurden) gemessen am „Headcount“ kaum einbüßt; auf sie entfallen rund 53% der Mitarbeiter – allerdings vor der eingeleiteten Restrukturierung.

Hier ein Blick, wie sich die Erträge der Sparten in der neuen Struktur entwickelt haben im Jahr 2018 zum Vorjahr sowie im ersten Halbjahr …

2018 vs. 2017 H1 2019 vs H1 2018
Investmentbank -10% -13%
Unternehmensbank -2% 0%
Privatkundenbank -1% -6%
Asset Management -14% 1%
Ganze „Core Bank“ (neu) -4% -7%

… woraus deutlich wird, dass die Deutsche Bank auch in der neuen Struktur in allen Bereichen außer dem Asset Management Schwierigkeiten hat, ihre Erträge zu verteidigen. Teils ist die Schrumpfung zwar einkalkuliert, teils aber auch schlicht ein Verlust an Geschäft.

Und schließlich ein Blick auf die Rentabilität der Bereiche, gemessen anhand der Eigenkapitalrendite nach Steuern:

2017 2018 H1 2019
Investmentbank 3,7% 2,3% 2,6%
Unternehmensbank 8,9% 9,7% 0,2%
Privatkundenbank 0,6% 3,6% -2,4%
Asset Management 10,7% 19,0% 15,9%

Zwei Dinge lassen sich hieraus (nochmals deutlich) ablesen:

  1. die zumindest gemessen am Kapital unverändert hohe Rentabilität des Asset Managements, aber auch …
  2. die Probleme des Privatkundengeschäfts (wenngleich hier 2019 Einmaleffekte hineinspielen)

Wobei: Die Deutsche Bank zieht die neuen Linien mutmaßlich nicht ohne strategisches Kalkül für den laufenden Restrukturierungsprozess. Das heißt, gerade die Zuordnung von Back Office-Positionen bietet Spielräume, Sparten glänzen zu lassen oder eben nicht. Die jüngsten Spekulationen, dass es beim geplanten Stellenabbau  das deutsche Privatkundengeschäft in besonderem Maße treffen könnte (die Deutsche Bank bezeichnet dies als Spekulation, nichts sei entschieden), erhalten durch das Tableau jedenfalls Nahrung.

Daher noch ein letzter genauer Blick in die Innereien des neuen Segments „Privatkunden“:

Erträge Privatkundensparte Deutsche Bank, Veränderung (nach neuer Segmentstruktur)

2018 vs. 2017 H1 2019 vs H1 2018
Privatkundengeschäft Deutschland 4% -6%
Privatkundengeschäft International -1% -3%
Wealth Management -14% -4%
Zinsüberschuss 2% 0%
Provisionsüberschuss -6% -3%

Man sieht: Ohne Geschäftskunden verliert die Privatkundensparte noch markanter an Erträgen. Ob in diesen Zahlen nun Kalkül steckt oder nicht – auf den neuen Privatkundenchef Manfred Knof wartet viel Arbeit.

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