Kurz gebloggt

Die Frau, die den UBS-Deutschland-Chef ausstach

9. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Falls es noch eines Beweises bedurft hat, dass weder stromlinienförmige Karrieren noch ein X-und-Y-Chromosomenpaar zwingende Voraussetzungen für den Gewinn interner Machtkämpfe in Banken sind, so hat ihn Christine Novakovic erbracht. Denn bei der UBS kommt es spätestens im November zu einem Wechsel an der Spitze des aus Frankfurt gesteuerten Europa-Geschäfts: Der Vertrag von Thomas Rodermann, 2015 von der Deutschen Bank gekommen, wird nicht verlängert – laut dem „Handelsblatt“, weil er einen internen Machtkamof gegen Novakovic verloren hat, der Leiterin der  Vermögensverwaltung für Europa.

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Rodermanns Posten bietet Verantwortung wie Prestige, hat doch die UBS gerade Teile ihres bislang aus London gesteuerten Geschäfts mit einer Bilanzsumme von zuletzt 36 Mrd. Euro auf die Frankfurter UBS Europe SE migriert. Laut der „NZZ“ wird Novakovic auch Nachfolgerin Rodemanns – was allerdings aus regulatorischen Gründen noch nicht offiziell sei.

Der Wechsel ist ebenso plausibel wie erstaunlich zugleich. Wie das sein kann?  Plausibel ist es, weil die heute 54-jährge Novakovic nach Stationen bei der Citibank (Deutschland-Chefin mit 37), HVB (Vorständin mit 40) und UBS Schweiz heute als Hoffnungsträgerin der UBS gilt. Und erstaunlich ist es, weil Novakovic der Bankbranche kurz vor (!) der Finanzkrise eigentlich abgeschworen hatte und lieber ein halbes Jahrzehnt lang als Kunsthändlerin arbeitete – nicht ohne eine Reihe Seitenhiebe auf ihre alte Branche zu setzen: recht häufig treffe man in Vorständen auf „Kotzbrocken“, und was in Banken laufe, sei „eine einzige Zockerei“, sie selbst wolle „nicht mehr von Quartalsbericht zu Quartalsbericht zu leben“ – ehe sie 2011 wieder ins operative Geschäft zurückkehrte bei der UBS.

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