Exklusiv

Die Gehaltsexzesse bei der Krisentochter der DZ Bank

23. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Fangen wir an mit dem, was nicht neu ist. Nämlich, dass es der DZ-Bank-Tochter DVB Bank nicht außerordentlich gut geht. 130 Mio. Euro Miese standen für 2018 zu Buche .Was gegenüber den knapp 800 Mio. Euro Verlust im Vorjahr immerhin ein Fortschritt war. Folglich kappt die Bank Stellen und verkauft zahlreiche Teilbereiche, etwa den Bezahldienstleister Logpay, das Finanzierungsgeschäft für Eisenbahngüter und noch einiges mehr.

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Reicht das für die Bank mit noch immer rund 20 Mrd. Euro Bilanzsumme?

Der dieser Tage veröffentliche Konzernabschluss liefert Einblicke, wie schlimm es um die DVB Bank jenseits bereits kommunizierter Verluste wirklich stehen muss. So verdoppelte sich die Quote der Eigenkündigungen im vergangenen Jahr auf 12,4%, jeder achte Mitarbeiter schmiss also hin. Tatsächlich sank die Beschäftigtenzahl um 10% auf 553 Mitarbeiter.

Von denen wiederum konnte – auch das lässt sich dem Geschäftsbericht entnehmen – viele nur durch eine ordentliche (bzw. außerordentliche) monetäre Incentivierung zum Bleiben bewegt worden. Verständlich, in einer Bank, in der „die Produktivität und Effizienz“ (…) „durch strukturelle Anpassungen und Optimierung interner Arbeitsabläufe“ verbessert werden soll, ist das Arbeiten nicht ganz so angenehm.

Folge: Trotz der deutlich gesunkenen Mitarbeiterzahl stiegen Löhne und Gehälter um 24% auf 95,5 Mio. Euro. Und zwar „bedingt durch Rückstellung für Bonuszahlungen und Halteprämien.“  Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Restrukturierungs-Programms und geplanten Anteils- und Portfolio-Veräußerungen wurde im September ein sogenanntes Retention-Programm aufgelegt. Zum Jahresbeginn 2020 sollen dann rückwirkend für das Jahr 2019 Halteprämien „für einen ausgewählten Kreis an DVB-Mitarbeiter gezahlt werden“, bei denen man also schon mal finanziell vorbaut.

Nun ist uns natürlich  durchaus bekannt, dass bei Restrukturierungen aus Sicht von Unternehmen gerne mal die falschen Hände hochgehen, wenn die Frage kommt, wer denn gerne (gegen Zahlung einer Abfindung) freiwillig gehen würde, Und man umgekehrt die Outperformer braucht, um den Laden auch in schwierigen Zeiten am Laufen zu halten.

Dennoch sind wir, was die Ausmaße dieser Effekte angeht, gelinde gesagt verblüfft. So stiegen Löhne und Gehälter von im Schnitt 125.000 Euro pro Mitarbeiter binnen eines Jahres – inklusive Durchhalteprämie – auf icht weniger als 171.000 Euro. Die Personalaufwendungen ingesamt addierten sich sogar auf 200.000 Euro pro Kopf, wogegen selbst die Deutsche Bank wie ein Lohndrücker wirkt.

Gern hätten wir hierzu noch mehr erfahren. Und wurde allerdings beschieden, aktuell herrsche eine „völlige Kommunikationssperre“, die Meldungen sprächen „für sich“.

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