Kurz gebloggt

Die Folgen des Jobmassakers bei der Deutschen Bank

1. Juli 2019

Von  Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Erinnern Sie sich noch an unsere Berichterstattung vom 25. April? Nein? Wir aber: Unter der Überschrift „Warum die Deutsche Bank einen Großumbau braucht“ schrieben wir damals:  „Der Ansatz von Vorstandschef Sewing (das Universalbank-Modell fortführen, auf radikale Einschnitte verzichten) stößt an seine Grenzen. Die Deutsche Bank kann eben nicht weiterwurschteln in der Hoffnung, dass sich alles fügen wird mit der Rentabilität.“

Zwei Monate sind seitdem vergangen. Und was ist seitdem passiert? Unter anderem hat sich das Zinsumfeld binnen kürzester dramatisch verschlechtert, wie wir zuletzt wiederholt und geradezu alarmistisch analysiert hatten (siehe v.a. unser Stück vom 12. Juni). Was dazu beigetragen haben mag, dass der Großumbau nun tatsächlich kommt. Wobei man besser von einem Massaker spricht. Denn 15.000 bis 20.000 Jobs sollen wegfallen, wie am Freitagnachmittag bekannt wurde.

Was sind die Folgen? Und welche Details sind übers Wochenende noch bekannt geworden? Hier unser stichwortartiges „Kurz gebloggt“:

  • Die 15.000 bis 20.000 Jobs (wenn’s denn wirklich so viele werden) sind ohne jeden Zweifel eine echte Hausnummer. Zumal sich die Zahl an den momentan 91.500 Stellen bemessen soll. Was in den letzten Monaten bereits abgebaut wurde, ist offenbar nicht drin  (übrigens: Als erstes hatte am Freitag das „Wall Street Journal“ über den geplanten Jobabbau berichtet.)
  • Zur Veranschaulichung: Das Corporate & Investmentbanking hat 38.000 Vollzeitstellen. Wenn man nun davon ausgeht, dass der Großteil des Jobabbaus diesen Bereich betrifft (wobei ja auch bei der Postbank noch einmal deutlich mehr Stellen wegfallen sollen als bislang bekannt), dann sagt das eigentlich alles über die relativen Dimensionen.
  • JP Morgan schätzt, dass das globale Aktiengeschäft (und das ist das Segment, wo am stärksten geholzt werden soll) etwa 600 Mio. Euro Verlust p.a. verursacht (1,8 Mrd. Euro Erträge, 2,4 Mrd. Euro Kosten). Das zeigt, dass es gute Gründe für das harte Vorgehen gibt.
  • Zumal das laufende Geschäftsjahr Jahr (übrigens nicht nur wegen des bereits erwähnten Zins-GAUs) ein katastrophales zu werden droht. Siehe hierzu unsere Grafik zu den rapide sinkenden Analystenschätzungen, gerade was das I-Banking betrifft …
  • … und siehe auch die Statistiken, wonach in diesem Jahr die Erlöse im Aktiengeschäft (obwohl die Aktienmärkte ja sehr ordentlich laufen) branchenweit um 25% eingebrochen sind. Wobei die Deutsche Bank in den League Tables weiterhin zurückhängt. Siehe: https://www.refinitiv.com/en/products/deals-intelligence
  • Die große Frage ist: Braucht die Deutsche Bank jetzt nicht doch eine Kapitalerhöhung? Als Faustregel gilt: Die Restrukturierungskosten betragen zunächst einmal 100-150% der jährlichen Einsparungen. Will die Deutsche Bank also Kosten in einem Maß rausnehmen, das die Rendite mal so richtig pusht, dann muss sie hierfür dem Vernehmen nach 5 Mrd. Euro auf den Tisch legen. Mindestens. Wo sollen die herkommen, wenn nicht über eine Kapitalerhöhung? DWS-Teilverkauf? Riskant, weil sich die Deutsche Bank damit eines bislang sicheren Erlösstroms berauben würde. Also einfach hoffen, dass der Cashflow halt doch irgendwie reicht? Riskant, riskant! Denn in dem Fall könnten die Kapitalquoten dann doch ganz schön unter Druck geraten.
  • Natürlich bringt die geplante Maßnahme auch Risiken jenseits der Kapitalfrage mit sich. So  werden die Einschnitte im I-Banking Überschwapp-Effekte auf andere Geschäftsbereiche zur Folge haben. Lässt sich das kalkulieren? Schwierig. Aber zweifelsohne wird die Anziehungskraft der Deutschen Bank auch in ihrem Heimatmarkt bzw. in Europa leiden, wenn sie in den USA nur noch ein sehr kleiner Player ist. Das könnte auch und gerade für Corporate Finance gelten.
  • Plausibel ist vor diesem Hintergrund, was das „HB“ (Paywall) heute morgen schreibt: „Der Abbau werde wohl über mehrere Jahre gestreckt. So ließen sich auch die Kosten für Abfindungen, Vorruhestandslösungen und Sozialpläne kapitalschonend verteilen.“
  • Gleichwohl scheint es an der Dringlichkeit der Pläne wenig Zweifel zu geben. So heißt es in dem Artikel ebenfalls, der Aufsichtsrat solle noch in dieser Woche über den Jobabbau entscheiden.
  • Und was heißt das alles für die Besetzung des Vorstands? Das zuletzt bereits vom „Manager Magazin“ entworfene Szenario (Investmentbanking-Chef Garth Ritchie hört auf, CEO Sewing übernimmt seinen Job erst einmal mit) gewinnt an Wahrscheinlichkeit. Um Sewing zu entlasten, so schreiben die „FAZ“ und wiederum das „HB“ heute Früh, könnten Transaction-Banking-Mann Stefan Hoops und Ritchies bisheriger Mark Fedorcik das Investmentbanking als Doppelspitze operativ führen – allerdings ohne Vorstandsrang.

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