Kurz gebloggt

Die seltsame Incentivierung der Comdirect-Vorstände

3. September 2019

Von Christian Kirchner

Gelegentlich plagt uns fürchterliche journalistische Neugier. Zum Beispiel wären wir gern mal dabei gewesen, wenn Comdirect-CEO Walter bei Commerzbank-Chef Zielke und Privatkundenvorstand Mandel  in den letzten Jahren vorstellig war, um mit ihnen über die Dienstleistungs-Verträge zwischen Mutter und Tochter zu sprechen. Oder über die Neukundenakquise. Oder darüber, wie weit Quickborn überhaupt gehen darf, ohne dass Frankfurt „Stopp“ ruft.

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Der Hintergrund unseres Interesses: Die Incentivierung des Herrn Walter (und der übrigen Comdirect-Vorstände) in den vergangenen Jahren kann als durchaus kreativ bezeichnet werden. Vor allem unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten. Denn aktuelle und frühere Comdirect-Obere erhielt seit 2014 zwar üblich anmutende „Aktien-Incentives“ in Höhe von 1,2 Mio. Euro bei Gewährung …

… allerdings, und hier wird es unüblich: nicht auf Basis des Aktienkurses der Bank, für die sie arbeiten. Sondern von der Mutter. Die Comdirect-Vorstände profitieren also bei ihren Boni nicht, wenn es der Comdirect und damit der Comdirect-Aktie gut geht. Sondern wenn es der Commerzbank und deren Aktie gut geht.

Wörtlich heißt es im Vergütungsbericht seit Jahren:

„Jeweils 50% der LTI- sowie der STI Komponenten werden als Barauszahlung und 50% nach einer sechsmonatigen Sperrfrist auf Basis von Aktien der Commerzbank AG vergütet.“

[Anmerkung: „LTI" steht für „Long-Term Incentives", „STI" steht für „Short-Term Incentives"]

Hier, welcher Comdirect-Vorstand seit 2014 wie viel erhielt (alle Zahlen jeweils in tausend Euro, Wert bei Gewährung) 

Aktien-Short Term Incentives
2014 2015 2016 2017 2018
Arno Walter 34 54 46 40
Martina Palte 32 35 30 26 5
Holger Hohrein 43 41 13
Sven Deglow 12 30 26
Dietmar von Blücher 10 19 20
Matthias Hach 19
Aktien-Long Term Incentives
Arno Walter * 51 81 70 60
Martina Palte 23 45 39 7 21
Holger Hohrein 29 27 20
Sven Deglow 8 45 39
Dietmar von Blücher 15 28 31
Matthias Hach 21
Total
Arno Walter 436
Martina Palte 263
Holger Hohrein 173
Sven Deglow 160
Dietmar von Blücher 123
Matthias Hach 40
2014-2018 1195

 

Quelle: Geschäftsberichte 

Nun könnte man dies als Lappalie abtun und sich auf den Standpunkt stellen, dass das, was gut für die Tochter ist, ja auch der Mutter hilft. Und man darf auch so viel Anstand und Verantwortung von einem Vorstand erwarten, dass niemand bewusst seinen direkten Arbeitgeber schröpft zugunsten der Ergebnisse der Mutter – beispielsweise wenn es um die Frage geht, welche Dienstleistungen man zu welcher Verrechnung intern bezieht oder wer die kostspielige Neukundenakquise übernimmt.

Ein Geschmäckle hat die Konstruktion dennoch. Denn wie das Ergebnis der Commerzbank ausfällt und mithin auch die Aktie läuft, darauf haben Comdirect-Vorstände nur mittelbar Einfluss. Die Commerzbank ist gemessen an der Bilanzsumme 17x so groß und gemessen an der Mitarbeiterzahl 31x so groß wie die Comdirect.

Die Comdirect sagt dazu: Hintergrund sei eine konzerninterne Vereinheitlichung der Incentivierungsprogramme im Jahr 2011 gewesen – in der man sich nun mal für die Commerzbank als Basis entschieden hätte.

Rückblickend wäre den ehemaligen und aktuellen Comdirect-Vorständen übrigens zu wünschen gewesen, ihre Vergütung würde sich bei Gewährung am eigentlichen Arbeitgeber orientieren . Denn für die Comdirect-Aktie steht über die letzten fünf Jahre ein Plus von 20% zu Buche.

Und für die Commerzbank-Aktie? Ein Minus von 60%.

Kursentwicklung Commerzbank + Comdirect in Euro über fünf Jahre

Quelle: boerse.de; jeweils Jahresschlusskurse +  letzter Kurs (2019)

Aber wie heißt es? Wenn es nicht schnell genug geht, wechsele die Pferde.

Ab diesem Jahr wird daher laut Beschluss der Hauptversammlung den „Incentives“ der Comdirect-Vorstände auch die Comdirect-Aktie zugrundegelegt.

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