Exklusiv

Diesen Sparkassen könnte es heute an den Kragen gehen

31. Januar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

… okay, das ist natürlich eine reißerische Headline. Und in dem Moment, da wir sie niedertippten, überkam uns auch schon das schlechte Gewissen. Denn wir wollen ja niemandem Unrecht tun. Gleichwohl: So wie es aussieht, wird sich der öffentlich-rechtliche Bankensektor heute auf eine Auffanglösung für die NordLB verständigen. Was für die niedersächsischen Sparkassen bedeutet: Zu den 400 Mio. Euro, die sie zuletzt bereits auf ihre bestehenden Anteile abschreiben mussten, kommen on top noch mal grob geschätzt 350 Mio. Euro für die Rekapitalisierung. Nun besteht kein Zweifel, dass der deutsche Sparkassensektor als Ganzes hammermäßig kapitalisiert ist (mehr dazu in unserer morgigen Ausgabe). Aber gilt das auch für die niedersächsischen Sparkassen? Und gilt es für jede einzelne?

Kurzum: Hier unser mühsam recherchierter Überblick über die Kapitalausstattung jeder einzelnen niedersächsischen Sparkasse. Und falls die Connaisseure jetzt sagen, die stillen Reserven könnt Ihr doch gar nicht sehen … doch, doch – annäherungsweise können wir das!

Ach ja: Bevor Sie jetzt gleich runterscrollen zur großen Tabelle, wollen wir Ihnen noch ein paar kleine Lesehilfen mit auf den Weg geben:

  • In der linken Spalte finden Sie die 42 niedersächsischen Sparkassen. Sie halten zusammen gut 26% an der NordLB. Wir haben die Institute nach ihrer Größe (=Bilanzsumme) geordnet. Die Bilanzsumme in Mrd. Euro finden Sie ganz rechts.
  • In der mittleren Spalte finden Sie die harte Kernkapitalquote in Prozent, rechts daneben die Gesamtkapitalquote (also inklusive Nachrangkapital)
  • Am spannendsten ist aus unserer Sicht die zweite Spalte von links. Dort haben wir die sogenannten Kreditrisikoanpassungen in Mio. Euro aufgelistet. Diese Kennziffer findet sich nicht im Jahresabschluss, wohl aber im Offenlegungsbericht (was wir bis letzte Woche, ehrlich gesagt, selbst nicht wussten).
  • Warum sind die Kreditrisikoanpassungen wichtig? „Weil diese Kennziffer Rückschlüsse auf die Reserven nach HGB §340f zulässt“, sagt Guido Versondert von der Schweizer Ratinagentur Independent Credit View, die zahlreiche Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Regionalbanken hierzulande analysiert.
  • Das Interessante: Die Reserven nach HGB §340f sind stille  Rücklagen, die man von außen eigentlich nicht sieht. Bei den Kreditrisikoanpassungen handelt es sich nun aber um eine Teilmenge der 340f-Reserven. Das heißt, mithilfe des Offenlegungsberichts sieht man die stillen Rücklagen also doch, zumindest teilweise.
  • Exemplarisch: Wenn die Sparkasse Hannover 50 Mio. Euro Kreditrisikoanpassungen ausweist, dann verfügt sie über 340f-Reserven in mindestens dieser Höhe.
  • Manche Institute machen keine Angaben zu ihren Kreditrisikoanpassungen. „In einigen Fällen dürfte dies schlicht bedeuten, dass die entsprechende Sparkasse keine stillen Reserven besitzt“, sagt Versondert. „Allerdings gibt es mit Sicherheit auch Sparkassen, deren gesamte 340f-Reserven höher sind als die ausgewiesenen Kreditrisikoanpassungen.“
  • Versondert analysiert die Kapitalausstattung der deutschen Sparkassen seit vielen Jahren. Daher kann er aus der langfristigen Entwicklung weiterer Parameter (Steuerquote, Offenlegung stiller Rücklagen etc. pp.) zusätzliche Rückschlüsse auf die tatsächliche Höhe der 340f-Reserven ziehen. Seine Vermutung: Die niedersächsischen Sparkassen verfügen zwar über mehr stille Reserve als jene 333 Mio. Euro, die sich ergeben, wenn man die Kreditrisikoanpassungen aller Institute addiert. Allerdings: Allzu groß sei die Kluft zwischen den 333 Mio. Euro und den gesamten stillen Reserven nicht, vermutet Versondert.  Er geht davon aus, dass die 340f-Rücklagen alles in allem bei 400 bis 500 Mio. Euro liegen. Nicht viel angesichts der eingangs skizzierten Wertberichtigungen und der Auffanglösung für die NordLB.
  • Einige eher schwach kapitalisierte Sparkassen würde die Rettung der NordLB darum extrem hart treffen. Zwar lässt sich nicht definitiv sagen, bei welchem Institut das Kapital knapp werden könnte (weil die Rechnung, wie beschrieben, auch unbekannte Größen hat). Aber: Bei einer Sparkasse, deren harte Kernkapitalquote, sagen wir, näher an 11-12% als an 15-16% liegt, und die obendrein zu ihren Kreditrisikoanpassungen keinerlei Angaben macht, kann man schon mal auf böse Gedanken kommen.
  • Fairerweise muss man allerdings hinzufügen: „Selbst diese Sparkassen dürften trotz Rettung über dem Mindesterfordernis von 4,5% beim harten Kernkapitalquote – bzw. inklusive Puffer: 5.76% bleiben“, so Versondert. Umkippen wird also (erst einmal) keine niedersächsische Sparkasse. Aber auf einige brechen ungemütlich Zeiten an …

Die Tabelle:

KR-Anpassung in Mio. Harte KK-Quote in % Gesamt-kapital-Quote in % Bilanz-Summe in Mrd.
Hannover 50 13,8 14,5 15
Oldenburg 14,5 14,5 9,6
Hildesheim Goslar Peine 16,6 16,6 7,3
Osnabrück 0 14,4 15,9 6,5
Weser-Elbe 28,2 11,3 14,5 3,9
Harburg-Buxtehude 26,9 14 15,2 3,8
Gifhorn-Wolfsburg 21 14 15,6 3,6
Emsland 25,5 12,5 15,4 3,6
Syke 28,6 12 14,5 3,4
Göttingen 12 13,1 3,1
Verden 20,7 13,3 16,1 2,8
Lüneburg 13,7 13,7 2,7
Celle 19,5 19,5 2,6
LeerWittmund 12,3 12,3 2,6
Schaumburg 15,6 15,7 19,1 2,4
Hameln-Weserbergland 14,2 15,7 2,2
Aurich-Norden 17,3 11,2 14 2,2
Uelzen Lüchow-Danneberg 15,5 13,1 14,9 2,1
Nordhorn 10 17,1 18 1,8
Stade-Altes Land 14,4 14,4 1,8
Diepholz 15,8 13,9 16,1 1,8
Nienburg 12,4 13,7 1,8
Stade 13,5 13,5 1,8
Bersenbrück 11,9 14,3 17 1,6
Northeim 10 14,6 15,6 1,4
Melle 15,2 15,2 1,3
Rotenburg-Osterholz 5,5 16,4 18,9 ?
Walsrode 14,5 14,5 1,2
Soltau 19,5 21 1,1
Cuxhaven 6,2 11,9 13,3 0,9
Osterode am Harz 18,7 18,7 0,8
Wilhelmshaven 5,2 16,8 18,5 0,7
Duderstadt 0 12,8 12,8 0,7
Emden 3 13,7 16,1 0,7
Scheeßel 4,2 11,8 15 0,6
Einbeck 3,6 15,1 17,3 0,6
Bad Pyrmont 3,1 18,1 19,4 0,5
Wunstorf 4,1 13,8 15,6 0,5
Münden 0,75 11,9 18,7 0,4
Burgdorf 16,5 16,5 0,4
Barsinghausen 14,33 14,33 0,4
Bad Sachsa 17 17,5 0,1

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