Analyse

DWS: Diese fünf alarmierenden Trends offenbaren die Q3-Ergebnisse

30. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Gut ein Jahr ist DWS-Chef Asoka Wöhrmann nun im Amt. Und hat in dieser Zeit enorm an Bedeutung gewonnen, ohne irgendwas dafür tun zu müssen. Denn: Vor einem Jahr deckte die DWS-Beteiligung gerade mal  20% des Börsenwerts der Deutschen Bank ab. Heute sind es: 33%.

Die Schwäche der Mutter ist die Stärke der Tochter. Und von deren Chef Wöhrmann.

Fragt sich nur: Was haben die DWS und ihre neuer Vordermann in den zurückliegenden zwölf Monaten eigentlich selber getan, um ihren Bedeutungsgewinn innerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns zu rechtfertigen? Antwort: Nun ja, nicht so wahnsinnig viel, es sei denn, die Stabilisierung des Geschäfts und der Mittelzuflüsse ist trotz hervorragender Rahmenbedingungen (=steigende Aktienmärkte) bereits ein Erfolg. Im Gegenteil, die gestern vorgelegten Q3-Zahlen offenbaren fünf alarmierenden Trends:

1.)  Die Kosten sinken zwar – aber nur, wenn man sie um Einmalkosten bereinigt

Die Kosten sinkt gegenüber dem Vorjahresquartal um 2% auf 389 Mio. Euro gesunken. Klingt zunächst einmal gut, zumal Wöhrmann mit dem Anspruch angetreten war, die Cost-Income-Ratio zu senken. Blöd nur: Die  Erträge sind im gleichen Zeitraum etwas stärker gesunken – mit der Folge, dass der Gewinn  gegenüber dem Vorjahr um 5% zurückging.

Hinzu kommt: Bei den Kosten wird munter „adjusted“ (bereinigt“), das Wort taucht in der DWS-Präsentation gleich 21-mal auftaucht. So blieben, wie der Fußnote auf Seite 10 der Präsentation zu entnehmen ist, die Kosten für Abfindungszahlungen und Rechtsstreitigkeiten außen vor.

2.) Der Margenverfall beschleunigt sich

Als die DWS Anfang vergangenen Jahres für ihren Börsengang warb, arbeitete sie nach eigenen Angaben mit einer Marge von 32 Basispunkten. Das damalige Ziel: 30 Basispunkte mittelfristig verteidigen. Und nun, zwei Jahre später? Ist die DWS bei 29 Basispunkten angekommen. Bezogen auf die sieben Anlage-Segmente hinweg (Aktien, Anleihen, Multi Asset usw.) sind die Margen im Q3 in fünf Segmenten zum Vorquartal gesunken und stagnieren in zwei.

3.)  Im Passiv-Geschäft ist alles noch viel schlimmer

Sollte noch jemand an der Wucht der Preiskrieg im ETF-Geschäft zweifeln – in der gestrigen DWS-Präsentation findet sich auf Seite 9 der Beleg. Anfang 2018 (also vor dem Börsengang) lag die Marge im Passivgeschäft noch bei 26 Basispunkten. Inzwischen sind es 20. Man stelle sich mal vor, ein Handwerker müsste für seine  Dienstleistung heute 23% weniger verlangen als vor zwei Jahren.

4.) Das Geld fließt in die dünnmargigen Produkte

Okay, dass die DWS in diesem Jahr überhaupt Netto-Zuflüsse verzeichnet (bislang, wenn wir richtig addiert haben: 12,9 Mrd. Euro), ist ja schon ein gewaltiger Fortschritt. 2018 hatten Investoren noch 23 Mrd. Euro abgezogen …

Indes: Die Nettozuflüsse entfallen saldiert zu 100% (!) auf das Passivgeschäft, also auf den Bereich, in dem die Margen am dramatischsten fallen.

5.) Die Gewinne steigen trotz Rückenwind von den Märkten nicht

Letzten Endes ist ein Asst Manager ja immer nur so gut wie der Kapitalmarkt. Was das betrifft, gibt es in laufenden Jahr wenig zu meckern. Aktien steigen, Anleihen steigen – und damit auch automatisch das Vermögen, auf dass die  DWS Gebühren berechnen kann, über die Zuflüsse hinaus (und zwar um 90 Mrd. auf 752 Mrd. Euro).

Dennoch ist der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal eben nicht signifikant angestiegen, sondern wird vom Margendruck aufgezehrt. Womöglich ist dies das alarmierendste Signal von allen.

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