Kommentar

Ist Friedrich Merz wirklich der „Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland“?

24. Januar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Monatelang haben wir die Personalie Friedrich Merz bei „Finanz-Szene.de“ ganz einfach ignoriert. Und dann schreiben wir doch mal einen einzigen Satz – nämlich dass Merz jetzt wieder Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland werde, wie es ja überall zu lesen war am vergangenen Wochenende. Und schon kriegen wir von einem unserer geschätzten Leser eins auf den Deckel.

Denn: Das mit dem Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland sei nun wirklich übertrieben. Das klinge ja so, als habe Merz da eine ganz, ganz wichtige Position inne. Was aber definitiv nicht der Fall sei, so der Leser.

Und in der Tat: Wenn man sich das Ganze mal genauer anschaut, dann scheint Herr Merz der Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland eher in dem Sinne zu sein wie, sagen wir, der Obmann für die vereinseigenen Tischtennis-Abteilung der Chef des FC Bayern München ist.

Vermutlich wussten Sie, im Gegensatz zu uns, das längst, liebe übrige Leserinnen und Leser. Falls nicht, hier eine kurze Aufdröselung:

  • Also, die Einheit, die von Friedrich Merz seit Anfang 2016 beaufsichtigt wird, das ist die in München ansässige BlackRock Asset Management Deutschland AG
  • Das scheint aber nicht die Gesellschaft zu sein, für die die coolen und wichtigen Jungs (und Mädels) von Blackrock arbeiten. Denn wenn man danach geht, was auf der Website, auf Linkedin und auf den Visitenkarten steht, dann ist die deutlich fettere Entität hierzulande die BlackRock Investment Management (UK) Limited German Branch.
  • Nun sind „cool“ und „wichtig“ natürlich schwer zu fassende Begrifflichkeiten. Und auf Linkedin und diverse Visitenkarten wollen wir auch nicht allzu sehr vertrauen. Werden wir also konkreter …
  • Im Jahresabschluss der von Merz beaufsichtigten BlackRock Asset Management Deutschland AG ist zu lesen, sie sei der „Anbieter der iShares ETFs in Deutschland“. Leute, die sich in der Branche auskennen, sagen uns, dass es sich bei dieser Gesellschaft gewissermaßen um den Nachfolger des einstigen deutschen ETF-Emittenten Indexchange handele, den Barclays 2006 zunächst übernommen und ein Jahr später dann mit der iShares-Einheit fusioniert hatte (bevor iShares 2009 schließlich an Blackrock ging).
  • Was die von Merz beaufsichtigte Truppe eigentlich macht, ist uns nach Lektüre des Jahresabschlusses nicht ganz klar. Was aber auffällt: Die Truppe ist enttäuschend klein. 2017 arbeiteten für die BlackRock Asset Management Deutschland AG gerade mal 16 Leute. Zur Einordnung: Insgesamt arbeiten für den US-Vermögensverwalter hierzulande mehr als 150 Leute.
  • Ohnehin stellt man sich ja die Frage, was es bei solch einer 16-Mann-Einheit, die irgendwas mit ETFs macht, überhaupt zu beaufsichtigen gibt
  • Viel kann es jedenfalls nicht sein. So heißt es im Jahresabschluss der BlackRock Asset Management Deutschland AG: „Der Aufsichtsrat verschaffte sich in zwei Sitzungen, einer Telefonkonferenz und zwei Quartalsberichten auf der Grundlage von schriftlichen sowie mündlichen Berichterstattungen des Vorstandes ein umfassendes Bild von der Situation der Gesellschaft.“
  • Auch die Gehaltsstruktur der BlackRock Asset Management Deutschland AG deutet nicht darauf hin, dass Friedrich Merz hier ins Innerste des globalen Finanzkapitalismus vorgedrungen ist (obwohl wir ihm das natürlich von Herzen gönnen würden). Die vier Vorstände teilten 2017 Gesamtbezüge in Höhe von 1,054 Mio. Euro untereinander auf, auf die vier Aufsichtsräte entfielen im Schnitt 94.250 Euro

Das alles soll nicht heißen, dass Friedrich Merz in seinen übrigen, eher informell gearteten Rollen, die er für Blackrock hierzulande dem Vernehmen nach angeblich ausfüllt …

  • Lobbyist
  • Türöffner
  • Gesandter
  • Consigliere

…  nicht trotzdem ein sehr, sehr, sehr wichtiger Mitarbeiter ist. Aber darum ging es dem Leser ja auch nicht. Sondern nur darum, dass wir nicht mehr so bedeutungsschwer raunen sollen, er sei der Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland.

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