Coba vor Totalumbau: Die mBank wird verkauft, die Comdirect integriert

20. September 2019

Von Christian Kirchner

Hammer kurz vor dem Wochenende: Die Commerzbank hat am Freitag um 15:02 Uhr die wesentlichen Eckpunkte ihrer neuen Strategie vorgestellt. Demnach soll/en

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  • netto rund 2300 weitere Stellen wegfallen
  • 200 der aktuell rund 1000 Filialen schließen
  • die Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank (Wert aktuell: rund 2,2 Mrd.  Euro) verkauft werden
  • die Direktbanktochter Comdirect auf die Commerzbank verschmolzen werden. Die freien Aktionäre der Comdirect erhalten entsprechend ein Übernahmeangebot; aktuell hält die Commerzbank rund 82% der Aktien.

Die Maßnahmen sind Teil des „Strategieprogramms 5.0“, das der Aufsichtsrat kommende Woche erst noch verabschieden muss. Die Commerzbank war rechtlich zur Veröffentlichung der Eckdaten verpflichtet, nachdem das „Handelsblatt“ wesentliche Züge des Programms bereits am Freitagnachmittag  veröffentlicht hatte. 

Mit der Ankündigung erklärt sich nach der Deutschen Bank nun auch die Commerzbank über Jahre (genauer: bis 2023) zur Großbaustelle – und das angesichts einem Heimatmarkt, der womöglich bereits an der Schwelle zu einer Rezession steht. Offenbar ist die Ertragslage des Instituts noch viel stärker gefährdet, als Analysten und Investoren angenommen hatten. Vereinfacht gesprochen verkauft die Commerzbank nun ihr Tafelsilber – die polnische mBank, die technologisch als eines der führenden Institute Europas gilt -, um mit dem Erlös die anstehende Restrukturierung sowie notwendigev Digitalisierungs-Investitionen zu stemmen. 

Die Radikalität des Plans dürfte auch in Zusammenhang mit einem kräftigen Rutsch der Commerzbank-Aktie seit dem Platzen der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank stehen. Zwischen Ende April und Mitte August verlor die Papiere in der Spitze über 40% an Wert, was die Skepsis der Investoren spiegelte, ob die Bank auch für einen möglichen konjunkturellen Abschwung (mit steigenden Kreditausfällen) und dauerhaft niedrigen Zinsen gerüstet ist. 

In der Mitteilung setzte sich die Commerzbank zudem neue Mittelfristziele bis 2023. „Nach der Umsetzungsphase der Strategie wird mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent angestrebt“, erklärte das Institut. Das liegt nur marginal über jener Rendite, die die Bank schon 2018 (3,4%) erzielt hat und sogar unter dem Wert der jüngsten Vergangenheit (Q2: 4,3%) – was belegt, in welch schwieriger Lage das Institut sich offenbar befindet.

An der Börse wurden die Umbaupläne daher auch nur lauwarm begrüßt – zumindest unter den Aktionären der Commerzbank. Am späten Nachmittag notierten die Aktien rund 1,3% im Plus. Ganz anders die Anteilsscheine der Comdirect: in Erwartung eines Übernahmeangebots durch die Commerzbank schossen die Papiere 26% nach oben auf 11,50 Euro. Die Commerzbank kündigte ein Angebot an, das eine Prämie von 25% auf den unbeeinflussten Kurs der Comdirect-Aktien vorsehe, das heißt: dem Kurs vor der Bekanntgabe der neuen Strategie.

Ein simpler Überschlag legt nahe, dass die Commerzbank aus ihrem mBank-Verkauf rund 2,2 Mrd. erlösen, aber für die noch ausstehenden Comdirect-Anteile lediglich 0,3 Mrd. Euro aufwenden müsste. Die Differenz dürfte  die von der Commerzbank geplanten neuen Investitionen und Restrukturierungen finanzieren. Vorgesehen ist insgesamt ein Investitionsvolumen von rund 1,6 Mrd. Euro. Davon sollen voraussichtlich 750 Mio. Euro auf zusätzliche Investitionen in Digitalisierung, IT-Infrastruktur und Wachstum und weitere 850 Mio. Euro für einen notwendigen Stellenabbau sowie geplante Anpassungen im Filialnetz entfallen.

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