Kahlschlag bei Frankfurter Investment-Boutique Equinet

27. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Es gibt Institute, die reden über „harte Einschnitte“ im Investmentbanking, setzen sie aber nicht um. Dazu gehört schon seit einer Weile die Deutsche Bank.

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Und es gibt welche, die setzen sie um, reden aber nicht drüber. In diese Kategorie fällt die erst rund 20 Jahre alte Frankfurter Investmentboutique Equinet, die im Dezember 2018 an die norwegische Pareto verkauft wurde. Denn nach Finanz-Szene.de-Informationen* erhielten vergangene Woche 20 der (vor der Übernahme) 66 Mitarbeiter vor allem auf der Seite des Aktiengeschäfts die Kündigung.

Der Grund für die Maßnahmen? Und mutmaßlich auch für den Verkauf kurz vor dem Jahreswechsel? Lässt sich im Pareto-Geschäftsbericht 2018 auf Seite 16 nachlesen: Demnach erwirtschaftete Equinet 2018 nur noch 10,6 Mio. Euro Erträge nach noch 18,6 Mio. im Jahr zuvor – ein Minus von 43%. Dabei war 2017 schon ein schwieriges Jahr, das Equinet mit einem Bilanzverlust von 1,1 Mio. Euro abschloss.

Damals hieß es, man habe das „bislang beste M&A-Geschäftsjahr“ erlebt. „Aufgrund erschwerter Marktbedingungen“ sei es jedoch „in Bezug auf das Kapitalmarktgeschäft auch eines der Schlechtesten“ gewesen“.

Insider sehen in Equinet, das vor allem auf die Aktienseite und das Finanzierungs- und Kapitalmarktgeschäft kleinerer Unternehmen (Small/Midcaps) spezialisiert ist, ein typisches Opfer der Mifid-II-Regulierung: Diese bürde den Häusern zunächst regulatorische Kosten auf, beschränke aber (etwa beim Research) die Refinanzierung, da Research-Dienstleistungen nun gesondert bezahlt werden müssen und nicht länger querfinanziert werden dürfen. Das stellt insbesondere kleinere Häuser, die den Anspruch haben, Investmentbaning-Vollanbieter zu sein, vor Probleme.

Das Unternehmen bestätigte die Kürzungen auf Anfrage von Finanz-Szene.de und erklärte, man ordne „in der deutschen Niederlassung die Geschäftsaktivitäten neu“ und stelle sich „vor dem Hintergrund der weitreichenden Marktveränderungen durch Mifid II optimal auf“. Dabei nütze man „gezielte Synergien“ in der ganzen Pareto-Guppe.  Für die Kunden von Pareto Securities Deutschland ändert sich somit durch die Umstrukturierung nichts.

*Anm.: 28. Mai, 12.40 Uhr: Wie wir gerade erst erfuhren, hat gestern auch „Die Vorstandswoche“ über die Vorgänge bei Equinet berichtet. Hätten wir das da schon gewusst, hätten wir den Artikel nicht als „Exklusiv“ ausgeflaggt und auf die Kollegen verwiesen.

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