Kurz gebloggt

LBBW und HSBC: Wie wenig vom Zinswunder übrig bleibt

28. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Der Disclaimer vorweg: Weil gestern echt wenig Zeit war (jedenfalls bei uns hier), sind wir in die Halbjahresberichte von LBBW und HSBC Deutschland nicht wirklich tief eingestiegen (wobei die HSBC ohnehin nur ein paar dürre Zeilen für die Öffentlichkeit bereithielt).

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Falls man allerdings davon ausgeht, dass das, was man auf den ersten Blick gesehen hat, die Wirklichkeit einigermaßen sauber widerspiegelt – dann sind die Zahlen hochinteressant und bestätigen zwei Trends, die wir in den vergangenen Wochen (z.B. hier und hier) ja schon mal angedeutet hatten:

  1. Die Risikovorsorge, die jahrelang kein Thema war, wird allmählich wieder eines.
  2. Unseren Banken (siehe auch die Sechs-Monatszahlen von „Deutscher“ und „Coba“) gelingt es auf fast schon wundersame (oder sagen wir besser: auf kontraintuitive) Art und Weise, an ihren Zinsergebnissen zu drehen.

Sehr schön zeigt sich das an der LBBW, die auf ihrer Homepage dankenswerterweise auch die Halbjahresberichte der vergangenen Jahre bereithält. Dadurch dauerte es keine drei Minuten um festzustellen, dass der Zinsüberschuss zuletzt vier Jahre in Folge geschrumpft war (einmal sogar um 14%) – nur um nun zum ersten Mal wieder zu steigen, und zwar um 1,9% auf 811 Mio. Euro.

Zinsergebnis der LBBW per 30. Juni, prozentuale Veränderung im Vergleich zum Sechs-Monats-Ergebnis des jeweiligen Vorjahres

2015 -14,2%
2016 -6,1%
2017 -2,1%
2018 -0,1%
2019 1,9%

Für die deutsche HSBC haben wir einen ähnlichen Mehrjahres-Vergleich auf die Schnelle nicht erstellen können. Allerdings darf man davon ausgehen, dass auch die Düsseldorfer Briten in den vergangenen Jahren mit dem Zinsergebnis das ein oder andere Mal gehadert haben werden – während es diesmal um satte 10% auf 113 Mio. Euro raufging.

Wie kommt’s?

Dieser Tage  hatte wir ja die Vermutung geäußert, dass die deutschen Banken den kapitalen Zinsrutsch der vergangenen Monate genutzt haben, um ihre Margen zumindest für den Moment ein bisschen nach oben zu schieben – schlicht, indem die günstigen Refikosten nur bedingt weitergegeben werden.

Wir würden ja vermuten, dass es bei HSBC und LBBW genau so gewesen ist, auch wenn die Pressemitteilung der deutschen HSBC in dieser Hinsicht wenig Erhellendes bietet (stattdessen wird im gleichen Satz, in dem der 10-prozentige Anstieg verkündet wird, fast habituell behauptet, der Zinsüberschuss habe unter dem Niedrigzins „gelitten“) und die Bank auf Nachfrage den „Verdacht“ einer Margenausweitung zurückweist.

Offenherziger ist da der Halbjahresbericht der LBBW, in dem es heißt: „Dabei waren insbesondere im Geschäft mit Mittelstandskunden und Großunternehmen stabile Finanzierungsmargen zu verzeichnen“ (wir sind so frei, „stabil“ einfach mal mit „leicht steigend“ zu übersetzen).

Interessanterweise waren die Zinsergebnisse nicht das Einzige, was stieg. Auch bei den Provisionen legten sowohl die LBBW (sogar um 6,5%) als auch die HSBC Deutschland (5,2%) zu. Dass die Ergebnisse alles in allem dennoch bescheiden ausfielen – das wiederum lag: an der Risikovorsorge. Bei derLBBW stieg sie markant von 33 Mio. Euro auf 63 Mio. Euro, noch deutlich schlimmer (jedenfalls in Relation zum Kreditportfolio) traf es die HSBC. Sie hatte letztes Jahr zwischen Januar und Juni durch die Auflösung von Risikovorsorge noch 2,6 Mio. Euro „verdient“. Diesmal hingegen wurde das Ergebnis um satte 29,2 Mio. Euro belastet. In der Pressemitteilung ist sogar von „hohen Einzelwertberichtigungen“ die Rede. Uff.

Was das alles unterm Strich heißt? Dass die Lage so mäßig bis trist ist wie sie es seit Jahren schon ist, freilich nicht nur in Stuttgart und Düsseldorf: Die LBBW hat auf Sechs-Monats-Sicht aus 265 Mrd. Euro Bilanzsumme kümmerliche 219 Mio. Euro Nachsteuergewinn herausgeschabt (also 0,08%), bei HSBC Trinkaus (wie man früher sagte) waren es 30,9 Mio. Euro Überschuss aus 28,1 Mrd. Euro Bilanzsumme (also 0,10%). So sind die Zeiten.

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