Leserblog

Leser-Blog: Im Revisionsbericht ist „ausreichend“ ein anderes Wort für „sehr gut“

3. September 2018

Im Newsletter vom 24. August berichteten wir über das „verheerende Zeugnis“, dass die Interne Revision dem Management der NordLB ausgestellt hat. Grundlage hierfür war ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“, in dem es hieß, in keinem der Revisionsberichte (die der Redaktion offenbar zugespielt wurden) „vergeben die Prüfer eine bessere Note als ‚ausreichend‘, einige sind gar mit ‚mangelhaft‘ überschrieben. Unter den Gesamtnoten folgen seitenlange Listen von Versäumnissen und Schlampereien“.

Hierzu merkt nun ein Leser, der selber jahrelang in der Führung einer mittelgroßen Bank saß, folgendes an:

„Das Prädikat „ausreichend“ ist das beste, dass ich je erzielen konnte. Selbst wenn der Prüfer über meine Lösungen voll des Lobes war (und selbst wenn er mir bestätigte, dass mit meinen Lösungen zur Risikosteuerung bessere Ergebnisse erzielt werden konnten, als er sie bisher kannte), ging die Beurteilung nie über diese Note hinaus. Mängel zu finden, ist Aufgabe des Prüfers. Und so findet er sie stets. Ich kann von keiner Prüfung ohne Mängel berichten unnd kenne einen solchen Prüfungsausgang von Kollegen auch nicht. Häufig entsprangen die Mängel nicht unbedingt meiner „Schlamperei“, sondern eher dem Weltbild des Prüfers, das sich aus aufsichtsrechlichen Äußerungen speist und dabei Wendungen und Windungen im Hirn des Prüfers durchläuft, bei denen der gesunde Menschenverstand und ein im Alltagsbewußtsein reproduzierbares Weltbild auf der Strecke bleiben können. Im Übrigen sind die Mängel häufig klassifiziert. Erst ab einer bestimmten Mangelklasse spricht selbst der wackerste Prüfer von einer Beeinträchtigung der ordnungsgemäßen Geschäftsführung.“

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