Privatbanken-Serie, Teil II

Metzler macht all das richtig, was die anderen falsch machen

24. September 2019

Von Christian Kirchner und Thomas Borgwerth

Eine langweilige Bank, die mit langweiligen Geschäften langweilige Gewinne macht – früher wäre das keine Geschichte gewesen.

Im deutschen Privatbankenmarkt des Jahres 2019 hingegen … ist es fast eine Sensation. Schließlich bewegt sich Metzler (das ist die Bank, die wir meinen) in einem Wettbewerbsumfeld, in dem rote Zahlen in der jüngeren Vergangenheit ansonsten gerne einmal mit dem Verkauf von Töchtern (Berenberg), der Einmalerträgen aus Fondsabwicklungen (Bethmann) oder Immobilien-Schubsereien (Donner & Reuschel) vermieden werden.

Doch der Reihe nach: Im Zuge unserer kleinen Privatbanken-Serie haben wir uns dieser Tage also endlich mal die Bilanzen von Metzler vorgeknöpft. Die Recherche-These: Vielleicht ist es beim Frankfurter Traditionsinstitut ja so wie bei anderen Privatbanken auch – vielleicht basiert der Jahr für Jahr stolz vorgezeigte Überschuss ja auch bei Metzler in Wahrheit nicht auf soliden Geschäften. Sondern auf  trickreichen Manövern. Indes – wie sehr wir auch gesucht haben, gefunden haben wir: nichts.

Stattdessen: Hat Metzler die letzten Jahre so solide gewirtschaftet, dass die Eigenkapitalquote inklusive Rücklage und unter Abzug des Treuhandvermögens seit 2013 von 5,0% auf 9,1% gestiegen ist.

Ein Blick auf die  wesentlichen Kennziffern (Handy bitte querhalten) …

2013 2014 2015 2016 2017 2018
Bilanzsumme 4493 3956 3922 3710 3922 3863
Zinsüberschuss 17 16 14 11 5 3
Provisionsüberschuss 140 150 183 176 193 196
Verwaltungskosten 139 154 154 160 175 180
Mitarbeiter 750 766 782 800 855 850
Total Assets 52 58 64 74 76 74
operativer Gewinn 26 0 14 31 17 8
Jahresüberschuss 2 2 2 2 2 2

… illustriert, dass zwar auch bei Metzler die Kosten steigen, und zwar seit 2013 um satte 41 Mio. Euro. Hinzu kommt: Der Zinsüberschuss geht branchentypisch ebenfalls zurück. Allerdings weiß Metzler diese Problem durch einen steigenden Provisionsüberschuss zu kompensieren. Folge: Die Überschüssen aus Zinsen und Provisionen stiegen addiert um 40 Mio. Euro und damit quasi genau so stark wie die Kosten. Dass der Überschuss trotzdem nur bei notorischen 2 Mio. Euro liegt? Kommt daher, dass der größte Teil des erwirtschafteten Geldes brav in die Rücklagen fließt.

Fragt sich, woher die soliden Ergebnisse kommen. Hierzu verraten die bemerkenswert minimalistischen Abschlüsse wenig. Allerdings liegen zwei Gründe auf der Hand. Erstens: Metzler setzt sich anders als die Konkurrenz seit vielen Jahren konsequent aufs Aktiengeschäft – und zieht diese Haltung auch in widrigen Zeiten durch. Zweitens. Anders als die Konkurrenz fokussiert sich Metzler auf Asset Management, Capital Markets, Corporate Finance und Private Banking – und hält sich am Kredit-und Einlagengeschäft nicht auf.

Früher war das eine fragwürdige Selbstbeschränkung. schließlich brachte das Einlagengeschäft dicke, risikolose Gewinne. Heute hingegen werfen Einlagen praktisch nichts mehr ab – und der Wettbewerb im Kreditgeschäft wird immer härter. Nachdem Metzler zuletzt das Projektgeschäft abgestreift hat, betragen die Forderungen gegenüber Kunden nur noch kümmerliche 100 Mio. Euro. Verglichen mit der darbenden Peer-Group sind das nicht mal Peanuts.

Diese Fokussierung will Metzler beibehalten: Im Mai gaben die Hessen bekannt, die letzten Leinen ins Privatkunden-Geschäft zu kappen. Die Depotverwaltung für Retail-Kunden wie Maklerpools und unabhängigen Finanzberater wurde verkauft.

Alles gut also? Naja, der operative Gewinn sinkt tendenziell. Aber: Einbrechen tut er nicht. Noch ein Plus: Risikobehaftete Aktiva spielen in der Bilanz kaum eine Rolle. Was wiederum heißt: Metzler dürfte für die meisten Eventualitäten, die da draußen drohen, gewappnet sein.

Bemerkenswert übrigens: Die Vorstände heißen aktuell Harald Illy, Michael Klaus, Emmerich Müller und Gerhard Wiesheu.

Und die Vorstände vor fünf Jahren? Hießen ebenfalls Harald Illy, Michael Klaus, Emmerich Müller und Gerhard Wiesheu.

Wobei, damals waren es noch zwei Vorstände mehr, einer davon war Friedrich von Metzler persönlich, der inzwischen 76 Jahre alt ist. Vier statt sechs Vorstände. Und das bei einer Bank, deren Mitarbeiterzahl im gleichen Zeitraum von 750 auf 850 gestiegen ist.

Auch diese Form der Enthaltsamkeit findet sich in Banken-Deutschland ansonsten eher selten.

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