Postbank: Gebühren-Exzesse gegen sinkende Erträge

17. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass bei der Postbank die Dinge auch nicht so laufen, wie sie laufen könnten? War zwar streng genommen schon der Präsentation der Deutsche-Bank-Jahreszahlen zu entnehmen. Stand aber so weit hinten, dass es irgendwie kaum jemandem aufgefallen ist (zumal es bei den Deutsche-Bank-Jahreszahlen ja in erster Linie immer um die Deutsche Bank geht).

Also: Die Deutsche Bank Privat- und Firmenkundenbank verzeichnete zwar einen auf den ersten Blick 2018 imposanten Ergebnisanstieg zum Vorjahr (+50%). Der war war dann aber doch eher Sondereffekten zu verdanken: Ein paar Einmalkosten des Vorjahres fielen weg, eine „Optimierung des Immobilienportfolios“ kam hinzu. 254 Mio. Euro „sonstiges Ergebnis“ fielen bei der Marke Postbank an. Was wiederum hieß: „Ohne diese Effekte lag der Ergebnisbeitrag unserer beiden Marken Deutsche Bank und Postbank im wesentlichen stabil auf dem Niveau des Vorjahres“, so die Formulierung im gesonderten Geschäftsbericht der Privat- und Firmenkundenbank.

Blicken wir genauer auf die Marke Postbank: Was aus dem Geschäftsbericht auch hervorgeht: dass es mit dem Zinsüberschuss nach Risikovorsorge der nach eigenen Angaben immer noch 13 Mio. Kunden starken Postbank 2018  nicht vorwärts ging.

Und, was dann doch überraschend kommt: Auch mit dem  Provisionsüberschuss – eigentlich der große Hoffnungsträger – konnte das Bonner Institut nichts reißen. Hier sank der Überschuss um 2%, wofür das Management einen „neu verhandelten Vertrag mit der Deutschen Post AG“ verantwortlich macht. Dabei rühmte sich die Postbank noch im Vorjahr, die „Neuorganisation der Kontomodelle“ und die „Wertpapieroffensive mit positiver Kundenresonanz“ hätten den Ertragsmix besser balanciert und die Zinsabhängigkeit gesenkt.

Und nun? Sollen’s offenbar die Gebühren richten. Denn die Kontogebühren – so hat’s die Postbank in den vergangenen Tagen ihren Kunden mitgeteilt und das „Hamburger Abendblatt“ schon am 11.6. entdeckt – sollen zum 1. Oktober steigen, und zwar nicht zu knapp. Die Wertpapiergebühren sind bereits per Ende Mai nach oben geschossen – und zwar binnen neun Monaten für typischer Ordergrößen privater Anleger via Internet um sagenhafte 100%.

Im einzelnen:

  • Die Grundgebühr des Kontomodells „Giro Plus“ verteuert sich von 3,90 auf 4,90 Euro (+26%). Dabei handelt es sich um das populäre Modell, das bei Gehaltseingang noch bis 2016 kostenlos angeboten wurde und dann  mit 3,90 Euro bepreist wurde
  • Beleghafte Überweisungen werden bei drei der vier angebotenen Kontomodellen zwischen 33% und 92% teurer und kosten dann einheitlich 1,90 Euro
  • Das Konto „Giro Extra Plus“ bleibt ab 3.000 Euro Gehaltseingang kostenfrei, verteuert sich ansonsten aber um 10% auf 10,90 Euro
  • eingeführt (2x auf 0,90 Euro) beziehungsweise erhöht (1x, um 66% auf 2,50 Euro) wird zudem zudem eine Gebühr, falls das Call-Center ohne Sprachcomputer für Überweisungen/Daueraufträge genutzt wird
  • Die Zusendung des 14-täglichen/monatlichen „vollen Finanzstatus“ kostet künftig 2,50 Euro, ein Plus von 32%.

Wobei das nur das ist, was die Postbank offiziell kommuniziert. Das neue Preis- und Leistungsverzeichnis liegt Finanz-Szene.de noch nicht vor.

Zudem hat die Postbank nicht nur – wie kürzlich angekündigt – eine „Wertpapieroffensive“ gestartet, sondern auch eine Gebührenoffensive im Wertpapiergeschäft. Bereits per 20. Mai wurden die Orderkosten für Depots erhöht, ohne dass die Öffentlichkeit groß Notiz davon genommen hätten (gefunden hatten wir den Hinweis bei brokervergleich.de): Unverändert bleiben lediglich die Mini-Order bis 1.200 Euro Volumen mit dann 9,90 Euro Gebühr. Für alle höheren Ordervolumina steigen die Gebühren – je höher der Orderbetrag, desto stärker – zwischen 20 und 40%.

Was insofern erstaunlich ist, als dass die Postbank vor gerade einmal neun Monaten die Ordergebühren (vorher, nachher) bereits kräftig angehoben hatte. Die Gebühren für typische Privatanleger-Ordergrößen haben sich damit laut Finanz-Szene.de-Überschlag binnen gerade einmal neun Monaten bei der Postbank verdoppelt – ein erstaunliches Verständnis einer „Wertpapieroffensive“, von der Postbank-Mann Frank Strauß sprach. 

Die Tabelle zeigt die fällige Provision* in Euro für die entsprechenden Ordergrößen

Ordergröße bis 30.9.18 ab 1.10.18 seit 20.5.19 Veränderung 30.9.18 -> 20.5.19
2.500 Euro 9,95 14,95 17,95 + 80%
5.000 Euro 14,95 19,95 29,95 + 100%
10.000 Euro 19,95 29,95 39,95 + 100%

* zzgl. Courtage, fremder Spesen, Clearing-Gebühren für inländische Wertpapiere und Porto, plus ggf. 3 Euro zusätzlich bei Telefonorder

Was aus unserer Sicht für unsere hier im Mai postulierte These spricht: dass Banken und Broker sich gerne digital geben, aber auf das fehlende Kunden- und Orderwachstum der anlagescheuen Deutschen dann doch analog reagieren – mit Gebührenerhöhungen.

Überhaupt geht es auch bei der Postbank, glaubt man dem bereits im März veröffentlichen Geschäftsbericht, eher um Verteidigung als um Offensive.  Ein „moderat geringeres Ergebnis vor Steuern“ erwartet man demnach für 2019. „Bei Fortsetzung des positiven Trends sowie in der Kostenbasis“ allerdings.

Und vermutlich auch ohne die 254 Mio. Euro „sonstiges Ergebnis“, die bei der Marke Postbank 2018 anfielen.

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