Analyse

So stehen die DZ Bank und ihre Töchter im Einzelnen da

5. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Dass die DZ Bank zwar gut, aber nicht ganz so überragend dasteht, wie gern behauptet wird, haben wir Ihnen an dieser Stelle ja schon dargelegt (-> „Die Wahrheit über die DZ Bank“, -> „Der nächste DZ-Bank-Schock“). Indes: Das 2018-Ergebnis bleibt selbst hinter den bereits heruntergedimmten Erwartungen zurück. Um 24% auf nur noch knapp 1,4 Mrd. Euro fiel der Gewinn vor Steuern; bereinigt man das Ganze um die Risikovorsorge, so brach das Ergebnis sogar um 46% ein. Interessant ist nun, wie die neue Doppelspitze Fröhlich/Riese die Resultate begründet – nämlich v.a. mit „negativen Bewertungseffekten infolge der Kapitalmarktentwicklung“. Diese Diagnose ist einerseits zutreffend. Andererseits: Dass die DZ Bank (die doch eine brave „Verbundbank“ sein will …) ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise und ein halbes Jahrzehnt nach der Eurokrise noch immer eine Angina kriegt, wenn der Kapitalmarkt mal hüstelt – hätte man so auch nicht unbedingt gedacht. Hier die Detailanalyse:

Die DZ Bank AG

Die eigentliche Bank hat auf den ersten Blick mal wieder einen wesentlichen Teil zum Vorsteuergewinn des DZ-Bank-Konzerns beigetragen – nämlich 522 Mio. Euro. Wie in unserer großen Analyse im vergangenen Oktober gezeigt, ist dieser Befund allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn: Hierin eingerechnet sind Beteiligungserträge, die aus den anderen DZ-Bank-Gesellschaften (wie der R+V oder Union Investment) stammen. Auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“ beziffert ein Banksprecher diese Erträge für 2018 auf 456 Mio. Euro – womit die eigentliche DZ Bank also nur noch 66 Mio. Euro erwirtschaftet hätte. Ferner ist zu berücksichtigen, dass selbst dieses Ergebnis nur zustande kam, weil Risikovorsorge in Höhe von 140 Mio. Euro aufgelöst wurde (bzw. aufgrund von IFRS-Bestimmungen aufgelöst werden musste) und durch den Verkauf von Wertpapieren ein Ergebnisbeitrag von rund 100 Mio. Euro zustande kam. Bevor wir jetzt aber schon wieder in Versuchung geraten zu behaupten, die eigentliche DZ Bank sei operativ nicht profitabel: Wenn man sauber rechnen wolle, so der Sprecher, dann müsse man auch berücksichtigen, dass die Holdingfunktion eben nicht nur Beteiligungserträge ermögliche, sondern auch Kosten verursache. Und zwar exakt: 242 Mio. Euro. So oder so – eine Cashcow ist die DZ Bank jedenfalls nicht.

Union Investment

Der genossenschaftliche Fondsdienstleister hielt nicht nur die Assets under Management konstant, sondern bleibt ein überaus solider Ertragslieferant (was übrigens erklären dürfte, warum Union-Investment-Chef Reinke als künftiger Deka-Chef gehandelt wird). Nach 610 Mio. Euro im Vorjahr reicht es diesmal zu 502 Mio. Euro. Der Rückgang? Ist quasi 1:1 damit zu erklären, dass viele Union-Fonds im vergangenen Jahr eher dürftig abschnitten. Folge: Statt 122 Mio. Euro Performance-Fee (so viel waren es nämlich noch 2017) flossen der Union Investment diesmal nur mickrige 16 Mio. Euro zu. Und falls jetzt jemand fragt, ob dieser Befund dem Deka-Reinke-Gerücht nicht gleich wieder die Plausibilität nimmt – nicht unbedingt! Schließlich ist Herr Reinke biographisch und typologisch ja kein Stock-Picker, sondern Vertriebsprofi.

R+V

Der Versicherungskonzern trug 413 Mio. Euro zum Ergebnis bei – und damit nur noch gut halb so viel wie im Jahr zuvor. Die DZ Bank erklärt, dieser ja doch ziemlich markante Rückgang sei „fast vollständig“ auf eine Normalisierung des Kapitalanlage-Ergebnisses zurückzuführen. Nehmen wir einfach mal so zur Kenntnis.

Schwäbisch-Hall

Die Bausparkasse hat nach 334 Mio. Euro im Jahr zuvor diesmal 295 Mio. Euro Gewinn gemacht, was wir – wenn man bedenkt, wie es anderen Bausparkassen so geht – ziemlich ordentlich finden.

DZ Privatbank

Von Fondsanbieter, Versicherer und Bausparkasse zurück zu den Banken innerhalb des DZ-Bank-Konzerns – und damit zu den Problemfällen: Die DZ Privatbank, die vor einigen Jahren ja schon einmal eine Abschreibung von erstaunlichen 274 Mio. Euro verursachte, hat 2018 ein Minus von 151 Mio. Euro eingefahren. Die Gründe? Haben die Kollegen von der „Börsen-Zeitung“ schon vor einigen Monaten aufgelistet: Die genossenschaftliche Privatbank hinkt ihren Zielen (was zum Beispiel die Zahl der Kunden und die Assets under Management angeht) schlicht weit hinterher.

DZ Hyp

Ach ja, da war ja was – ein immer noch 4 Mrd. Euro schweres Abbauportfolio aus EU-Peripherieanleihen, das 2018 maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der Gewinn des genossenschaftlichen Hypothekenfinanzierers um zwei Drittel auf nur mehr 232 Mio. Euro abgesackt ist. Nun sind das natürlich Effekte, die sich (Stichwort: Fair-Value-Bewertung) wieder ins Gegenteil verkehren können, wenn sich vor allem in Italien die Lage wieder beruhigt. Bloß – was, wenn das Gegenteil der Fall ist?

DVB Bank

Und was macht die größte der DZ-Baustellen? Kurz gesagt, hatte die DVB Bank vor zwei Jahren schon derart viel Risikovorsorge gebildet, dass 2018 nach menschlichem Ermessen gar nicht mehr soviel hinzukommen konnte. Für einen Verlust von 130 Mio. Euro hat’s trotzdem noch gereicht.

Teambank

Nicht alles, was zum DZ-Konzern gehört und eine Bank ist, steckt in der Schubalde mit der Aufschrift „Sorgenkinder“.  Die Teambank – also der genossenschaftliche Konsumentenfinanzierer – lieferte brave 145 Mio. Euro Ergebnisbeitrag, ein nur minimaler Rückgang verglichen mit dem Vorjahr.

VR Smart Finanz

Die mittlerweile umbenannte, einstige VR Leasing landete 2018 bei einer schwarzen Null. Gemessen daran, welche Probleme speziell diese Tochter früher mal gemacht hat, ein gutes Ergebnis.

Die triste Wirklichkeit hinter der bilanziellen Fassade der DZ Bank

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing