Leserblog

Sparkasse lockt Kunden für 0,3% Rendite ins Nachrang-Risiko

5. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Was hat es mit der „Anlage zum Offenlegungsbericht“ auf sich, die wir zufällig auf der Website der Sparkasse Erlangen entdeckt hatten? Diese Frage stellten wir – getarnt als „kleines Quiz“ – am vergangenen Freitag unseren Leserinnen und Lesern.

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Die Rückmeldungen waren wieder mal reichlich. Drum hier die Auflösung (die wir aus den diversen Antworten generiert und dann zusammengeschnitten haben):

  • „Bei der Anlage handelt es sich um eine Auflistung nachrangiger Sparkassen-Kapitalbriefe, die als aufsichtliche Eigenmittel (Tier-2-Kapital) angerechnet werden.“
  • „Insbesondere die erste Spalte der Auslistung ist interessant, da sie den (Teil-)Betrag ausweist, der aufsichtsrechtlich als Eigenmittelbetrag anrechenbar ist.“
  • „Da die CRR (Anm. der Red.: also die sog. Kapitaladäquanz-Verordnung) die Auflistung sämtlicher Eigenmittelinstrumente erfordert, kam man wohl nicht umhin, diesen extrem informativen Anhang zu veröffentlichen.“
  • „Das sind Anlageprodukte (zumeist als Schuldverschreibung mit Nachrang ausgestaltet) für die eigenen Kunden.“
  • „Das ist ein bisschen wie Lehman-Zertifikate, also nicht nur Refi sondern auch Kapitalstärkung.“
  • „Ob eine Sparkasse solche Produkte an Privatkunden verkaufen sollte, steht auf einem anderen Blatt.“ Denn: „Die Anrechnung als aufsichtliche Eigenmittel impliziert ein deutlich höheres Risiko, als dies z.B. bei einer Sparanlage der Fall ist. Aufsichtliche Eigenmittel können nämlich viel leichter für Verluste herangezogen werden. Es reicht im Grunde aus, dass die Aufsicht das Institut als ’nicht mehr lebensfähig‘ einstuft.“
  • Nun lasse sich natürlich argumentieren, „dass die Sparkassen generell ein risikoarmes Geschäftsmodell haben und sich zudem über die Institutssicherung gegenseitig helfen“ …
  • … trotzdem „sollte die Verzinsung allerdings einen deutlichen Aufschlag im Vergleich zu risikoarmen Produkten bieten.“
  • „Dass genau dies nicht der Fall ist, zeigt folgender Vergleich: „Laut Tabelle wurden 10-jährige Nachränge der SK Erlangen im Dezember 2017 mit einem Kupon von 0,3 % begeben. Zum Vergleich: Ende 2017 lag die Rendite für Nachranganleihen der LBBW (Laufzeit Sep-26) bei rund 2 %.“
  • „Da das Argument mit der Institutssicherung ja auch für die Landesbanken gilt, ist der Vergleich zwischen der SK Erlangen und der LBBW meines Erachtens einigermaßen fair. Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Sparkasse bei institutionellen Anlegern ein solches Instrument nur zu deutlich höheren Kosten hätte platzieren können.“
  • „Von der fairen Verzinsung mal abgesehen, sollte so ein Nachranginstrument wahrscheinlich nicht an die eigene Privatkundschaft verkauft werden, da diese das Risiko nicht vernünftig einschätzen können. Die europäische Wertpapier-Aufsicht ESMA sieht das übrigens genauso: „The distribution of debt financial instruments issued by institutions to retail clients, including the practice of ‘self-placement’ – whereby institutions place the debt financial instruments that they themselves (or other group entities) have issued with their own client base – may raise significant consumer protection issues (…).“ Hier der Link zur Quelle (Esma/PDF).

Die Sparkasse Erlangen bestätigte gegenüber Finanz-Szene.de, dass es sich bei den aufgelisteten Wertpapieren um nachrangige Sparkassen-Kapitalbriefe handelt. Zu den Kritikpunkten an den Papieren wollte sie sich nicht äußern.

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