Kurz gebloggt

Sturz von 0,6% auf 0,0%: Deutsche Banken mit Refi-Sensation

1. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Sollten Sie den Monatsbericht der Bundesbank als schwere Kost empfinden, lassen Sie sich von uns sagen: Der ist sogar noch recht gut verdaulich.

Denn all das, was selbst für den Monatsbericht zu trocken ist, wandert in sogenannte „Statistische Beihefte“, etwa das „Statistische Beiheft 2“ zur Kapitalmarktstatistik. Und in dem vergangene Woche erschienenen aktuellen Beiheft findet sich auf Seite 36 in der Tabelle Nummer 71 in der letzten Zeile eine interessante Zahl, die der Kollege André Kühnlenz auf „Twitter“ ausgegraben hat.

Und zwar die „0,0“.

Was die Zahl beschreibt? Die aktuelle Emissionsrendite aller neu emittierten Bank-Schuldverschreibungen.

Mit anderen Worten: Die zinsstöhnenden deutschen Banken sind erstmals an dem Punkt angekommen, an dem sie Geld am freien Kapitalmarkt umsonst aufnehmen. Und zwar im Schnitt über alle Institute und Laufzeiten hinweg und nicht nur für das Geld, das kurzfristig am Geldmarkt oder bei der Notenbank aufgenommen wird.

Von welchem Volumen wir hier reden? Von rund 74 Mrd. Euro. So viel Geld haben Deutschlands Banken im Juli (das ist der Monat, auf das sich das aktuelle Beiheft bezieht) zum – im Schnitt – Nulltarif aufgenommen.

Emissionsrendite von Bankschuldverschreibungen (insgesamt) und Hypothekenpfandbriefen (in Prozent; seit Jahresbeginn)

Quelle: Bundesbank

Nun kann man fragen: Ist das spektakulär? Denn ist nicht gemeinhin bekannt, dass die Zinsen nun mal extrem niedrig oder gar in manchen Bereichen (Geldmarkt, Pfandbriefe, Bundesanleihen) schon unter Null sind?

Wir finden: Ja, das ist spektakulär! Besonders wenn man sich (siehe obige Tabelle) klarmacht, dass Pfandbriefe noch im Mai, Schuldverschreibungen sogar noch im Juni zu einer Durchschnittsrendite von 0,6% emittiert worden waren.

Fragen jedenfalls wirft der Renditerutsch allemal auf. Denn: Wenn die Renditen neu emittierter Bankschuldverschreibungen zwischen Oktober 2018 und Juli 2019 (den letzten verfügbaren Zahlen) um 0,8 Prozentpunkte gesunken sind – warum sind dann die effektiven Jahreszinsen von 5-jährigen Immobilienkrediten nur gut halb so stark gesunken im gleichen Zeitraum? Und warum sind die Zinsen von Ratenkrediten und Dispozinsen quasi unverändert geblieben, wie aus Daten der Finanzberatung FMH hervorgeht? Klar: Die Risiken steigen konjunkturell, das lassen sich die Banken (zu recht!) bezahlen. Aber könnte der Befund nicht trotzdem auch unsere Lieblingsthese vom (Versuch) der Margenausweitung stützen, so gut es eben über das Neugeschäft geht?

Und jetzt noch mal ganz einfach gedacht: Was sagt es über eine Branche aus, wenn schon zinsloses Fremdkapital keine ausreichende Hilfe mehr ist, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu präsentieren, sondern sich in mehrjährige Restrukturierungen zu flüchten, wie dass die Commerzbank und die Deutsche Bank gerade tun?

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