Exklusiv

Und nun, Herr Elgeti? Oddo Seydler verdreifacht das Defizit

17. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Mit „Mifid2“ ist das ja so eine Sache: Einerseits stellt die neue Wertpapier-Richtlinie ganze Geschäftsmodelle von Brokern, Beratern und Analysehäusern in Frage. Andererseits dient das Brüsseler Machwerk dann aber auch gern mal als willkommene Entschuldigung für völlig verhauene Ergebnisse (oder, lieber Herr Hans-Walter Peters?).

Letzteres kann man der Oddo Seydler Bank, am Finanzplatz Frankfurt ein wichtiger Dienstleister im Wertpapiergeschäft, immerhin  nicht vorwerfen. Nur ein einziges Mal taucht das Wort „Mifid“ überhaupt auf im Geschäftsbericht 2018, den Finanz-Szene.de dieser Tage ausgewertet hat (obwohl ihn der Broker auf seiner Website noch gar nicht veröffentlicht hat. Immer diese Geheimnistuerei …)

Dass „Mifid“ im Abschluss nicht als Entschuldigung angeführt wird, ändern freilich nichts daran, dass das Geschäftsmodell von Oddo Seydler trotzdem aktuell nicht richtig zu funktionieren scheint.  Mit ihren 63 Mitarbeitern hat die Bank den (von der Mutter indes übernommenen) Verlust zum Vorjahr verdreifacht auf nunmehr 4,8 Mio. Euro.

Vorgenommen hatte man sich einen Anstieg der Nettobankerlöse um 10%. Herausgekommen ist ein mehr als halbierter (!) Rohertrag, der von 21,4 Mio. auf 10,1 Mio. Euro sank. Dieser Einbruch lässt sich zwar auch mit dem Rückzug aus bzw. Verschieben von einigen Segmenten erklären (der Bericht nennt hier Corporate Finance, Research und Securities Sales). Gleichwohl sanken die Verwaltungsaufwendungen aber nur von 21,1 Monaten auf 14,5 Mio. Euro. Die schwache Börse tat ein übriges.

Wie nun weiter?

Formal gehörte das Institut zum Ende des Geschäftsjahres noch der Oddo BHF. Die Frankfurter Franzosen hatten Seydler 2015 übernommen, aber 2017 schon wieder zum Verkauf gestellt. Bereits vor einem Jahr erzielte Oddo BHF eine Einigung mit einer Investorengruppe rund um den schillernden Unternehmer Rolf Elgeti, der die Bank wieder zu einem Vollanbieter unter den Wertpapierhäusern ausbauen will.  Das Inhaberkontrollverfahren läuft indes noch.

Das laufende Jahr wird im Prognosebericht denn auch gleich zu einem Übergangsjahr erklärt, in dem ein „ausgeglichenes Ergebnis“ möglich sei. Und in dem man dann – wir fanden diese Formulierung putzig – „im Lichte der in 2019 zu gewinnenden Erkenntnisse […] in den darauffolgenden Jahren wieder nachhaltige Erträge nach Kosten für seine Aktionäre erzielen“ könne.

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