Kurz gebloggt

Waren sich Deutsche und Commerzbank jemals über den Zeitplan einig?

3. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Die Deutsche Bank und die Commerzbank sind sich Medienberichten zufolge (plötzlich) uneins über den Zeitplan für ihre Fusionsgespräche. Wobei die Frage erlaubt sei: Waren sie sich jemals einig?

Eine kurze Chronologie der Ereignisse:

Sonntag, 17. März: Die Deutsche Bank gibt per Ad-hoc-Mitteilung die Aufnahme von offiziellen Fusionsgesprächen bekannt. Bis spätestens Ende April sollen die Gespräche zu einem konkreten Ergebnis führen, heißt es an diesem Tag aus Finanzkreisen.

Montag 18. März: Schon in zwei bis drei Wochen werde feststehen, ob es zu einer Due Diligence kommt, wird Commerzbank-Chef Martin Zielke von verschiedenen Medien übereinstimmend zitiert; Zielke soll die Aussage in einer Telefonkonferenz mit dem Aufsichtsrat getätigt haben. „Finanz-Szene.de“ fasst die Meldungen am nächsten Morgen wie folgt zusammen: Die Buchprüfung als solche soll dann weitere vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen – parallel würden die Vorstände in konkrete Verhandlungen einsteigen, sodass es möglicherweise schon bis Ende April, spätestens aber im Laufe des Mai zu einer grundsätzlichen Entscheidung kommt.

Freitag, 22. März: Hatte es Anfang der Woche noch geheißen, erst Anfang/Mitte März werde feststehen, ob es überhaupt zu einer Due Diligence kommt, schreibt die „Börsen-Zeitung“ nun plötzlich: „Unterdessen hat die Due Diligence in beiden Häusern bereits begonnen. Ergebnisse müssen bald vorliegen, sollen die Aktionäre auf den Hauptversammlungen im Mai über einen Zusammenschluss abstimmen.“

Mittwoch, 27. März: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner skizziert bei einer Veranstaltung in Liechtenstein den Zeitplan für die Fusionsverhandlungen. Am nächsten Morgen heißt es bei „Finanz-Szene.de“:  „Die Deutsche Bank hat den Zeitplan für die mögliche Fusion mit der Commerzbank gestern nochmals konkretisiert: Demnach soll der Vorstand bei der Vorlage der Q1-Resultate am 26. April bereits „konkrete Überlegungen“ präsentieren, sagte der knuffige AR-Chef Achleitner gestern bei einer Veranstaltung in Vaduz.“

Mittwoch, 3. April:  Am frühen Morgen berichtet zunächst die „Wirtschaftswoche“: In den Gesprächen um eine Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank könnte schon am nächsten Dienstag (9. April) eine erste Vorentscheidung anstehen. Laut einem Vorstandsrundschreiben will der Commerzbank-Vorstand bei seiner regulären Sitzung an diesem Tag über weitere Gespräche mit der Deutschen Bank entscheiden.“ Am Abend berichten dann die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf einen Insider, womöglich werde die Commerzbank sogar schon früher – nämlich am Sonntag – über den Fortgang der Gespräche eine Entscheidung fällen.

Was man nun betonen muss:

  • Die einzige offizielle Aussage zum Zeitplan ist (soweit wir das richtig erinnern) die von Achleitner gewesen
  • In einer hektische Nachrichtenlage wie der der letzten Wochen gehen auch schon mal Dinge durcheinander, gerade bei einem schwer fassbaren Thema wie dem „Zeitplan“
  • Das gilt auch für einzelne Begrifflichkeiten: Was wird sondiert, wann gesprochen, wann verhandelt? Oder: Sollte man schon von einer „Due Diligence“ sprechen, wenn die eine Seite in die Bücher der anderen mal hineingucken darf? Oder erst dann, wenn ebenjene Bücher regelrecht durchleuchtet werden?

Und doch bleibt als Eindruck zurück: So richtig einige über das Procedere scheinen sich die Deutsche Bank und die Commerzbank von Anfang an nicht gewesen zu sein.

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