Analyse

Warum der Sparkassen-Gewinn (fies gerechnet) um fast 30% eingebrochen ist

7. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Huch, da waren wir gestern Morgen dann doch ein bisschen erschrocken, als wir festgestellt haben, wie diametral unsere eigene Interpretation der Sparkassen-Zahlen („Gewinneinbruch“) von denen minimal etablierterer Wirtschaftsmedien abgewichen ist („Sparkassen hängen Privatbanken ab“, „Sparkassen verdienten mehr als 2017“ …). Nun können Sie sich vorstellen, dass man beim DSGV von unserer Lesart nicht begeistert war. Und doch – nachdem wir das Ganze gestern nochmal fein säuberlich aufgedröselt haben (und zwar unter Zuhilfenahme der Rechenmethodik aus der Bundesbank-Ertragslage-Statistik), würden wir ganz zaghaft behaupten wollen, dass das mit dem Einbruch (man kann auch weniger harsch sagen: Rückgang …) per se stimmt. Und wenn man ganz fies rechnet, dann beträgt dieser Rückgang  relativ gesehen sogar fast 30%. Glauben Sie nicht? Voilà:

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Wir gehen aus von der eigenen Darstellung des DSGV bei seiner Bilanz-PK:

  • Beginnen wir mit den 10,0 Mrd. Euro „operatives Betriebsergebnis vor Bewertung“ (so die Terminologie des DSGV). Das sind grosso modo Zinsüberschuss plus Provisionsüberschuss minus Personal- und Sachkosten
  • Davon gehen 4,1 Mrd. Euro „Bewertungsaufwand“ ab, sodass man auf ein „Ergebnis nach Bewertung von 5,9 Mrd. Euro“ kommt. Zum Vormerken hier schon einmal, wie sich dieser „Bewertungsaufwand“ laut DSGV-Präsentation auf die verschiedenen Posten aufteilt:
  • Vom „Ergebnis nach Bewertung“ gehen dann noch einmal 0,9 Mrd. Euro ab. Dabei handelt es sich laut DSGV um das „neutrale Ergebnis“ (damit sind z.B. außerordentliche Aufwendungen gemeint, wobei unsere Mutmaßung ist, dass es irgendwas mit Pensionsverpflichtungen zu tun haben könnte, dass diese Aufwendungen so hoch sind, wie sie sind)
  • Jedenfalls: Nach Abzug des neutralen Ergebnisses landen wir bei 5,0 Mrd. Euro „Ergebnis vor Steuern“, von denen 2,8 Mrd. Euro Steuern abgehen, sodass unterm Strich ein Jahresüberschuss von 2,2 Mrd. Euro steht.

Die Bundesbank berechnet den Gewinn der HGB-Banken nun, indem sie einmal „Vorsteuergewinn + Einstellungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken“ rechnet, und einmal, indem sie „Nachsteuergewinn + Einstellungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken“ rechnet. Bei diesem Fonds (auch als „340g“ bekannt) handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Rücklagenposition, mit der die HGB-Banken auf Kosten des ausgewiesenen Gewinns ihr Kapital stärken können. Nach unserem Verständnis findet sich diese Position in der unteren der beiden abgebildeten DSGV-Grafiken unter dem Stichwort „Vorsorgereserven“ (wobei gestern leider nicht abschließend zu klären war, ob es sich bei den Vorsorgereserven wirklich komplett um „340g“-Rückstellungen handelt; es gibt nämlich auch stille Reserven nach „340f“, die von der Bundesbank unberücksichtigt bleiben).

Jedenfalls: Geht man davon aus, dass es sich bei den Vorsorgereserven um „340g“-Rücklagen handelt, dann beträgt der 2018er-Vorsteuergewinn der deutschen Sparkassen nach Bundesbank-Methodik  7,7 Mrd. Euro, was im Vergleich zum Vorjahr (9,7 Mrd. Euro) einen Rückgang von 20,6% bedeutet. Und nach Steuern? Sind es 4,9 Mrd. Euro verglichen mit 6,8 Mrd. Euro, also ein Rückgang  von 27,9%.

Ist das schlimm, gar dramatisch? Nö. Aber das haben wir ja auch nicht behauptet.

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