Analyse

Warum die Commerzbank-Aktie seit Wochen verdroschen wird

5. August 2019

Von Christian Kirchner

Die Ertragssorgen bei der Commerzbank nehmen täglich zu – das zumindest spiegelt die Aktienkursentwicklung der Commerzbank im Vorfeld der Quartalszahlen am Mittwoch wider. An sechs der letzten sieben Tage gab es Kursverluste – alleine gestern gab der Kurs 4% nach auf ein neues Jahrestief. Seit dem Abbruch der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank hat die Commerzbank-Aktie damit knapp 30% eingebüßt. Was sind die wesentlichen Gründe für diesen Einbruch?

Anzeige
  • Die Commerzbank galt als mögliches Übernahmeziel für ausländische Institute wie die ING oder Unicredit. Keine dieser Übernahmepläne hat sich jedoch materialisiert, seit die Deutsche Bank die Fusionsgespräche hat platzen lassen. Stattdessen wächst die Skepsis, ob grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen im aktuellen regulatorischen Rahmen (ohne vollständige Bankenunion) überhaupt sinnvoll sind. Zudem haben praktisch alle potenziellen Käufer mit eigenen (Ertrags-) Problemen zu kämpfen – in diesem Umfeld ist es schwer, den eigenen Aktionären eine Übernahme einer margenschwachen deutschen Großbank zu „verkaufen“.
  • Dass ausbleibende Übernahmeofferten weniger eine Frage des Preises denn der Rahmenbedingungen sind, illustriert auch die Marktkapitalisierung: Aktuell ist die Commerzbank mit nur noch 7,2 Mrd. Euro bewertet. Zieht man heran, dass alleine die Anteile der an der polnischen mBank (Wert des Anteils: 2,4 Mrd. Euro) und der Direktbankentochter Comdirect (1,1 Mrd. Euro) zusammen 3,5 Mrd. Euro wert sind, verbleibt für die übrige Commerzbank ein rechnerischer Wert von gerade mal noch 3,7 Mrd. Euro. Darin enthalten sind noch zahlreiche Fintech-Beteiligungen mit zuletzt erfreulicher Entwicklung. 
  • Mit der Tochter Comdirect konkurriert man gleichwohl laufend um Neukunden – und dort kommen seit Jahren weder Gewinne noch Aktienkurs in die Gänge. In den ersten sechs Monaten 2019 sank laut der vergangene Woche vorgelegten Zahlen der Gewinn zum Vorjahr um 9% trotz anhaltendem Kundenwachstum.
  • Zur Angst vor weiter sinkenden Zinssenkungen gesellen sich Befürchtungen, die konjunkturelle Flaute könnten für steigende Kreditausfälle sorgen dürfte. Denn zum einen ist die Commerzbank stark im deutschen Firmenkundenmarkt verwurzelt; und zum anderen hatten vergleichbar aufgestellte europäische Wettbewerber zuletzt bereits von höheren Ausfällen berichtet. So musste zuletzt die Credit Agricole ihre Risikovorsorge um 60% auf 360 Mio. Euro hochschrauben – was wiederum zu einem um 15% gesunkenen Quartalsgewinn beitrug. Bei der Commerzbank rechnen Analysten bislang für das zweite Quartal (dessen Ergebnisse am morgigen Mittwoch veröffentlicht werden) mit einem Risikoergebnis von „nur“ minus 151 Mio. Euro (fürs Gesamtjahr sind es moderate minus 544 Mio. Euro). Damit würde die Coba im Q2 sogar besser abschneiden als 2018. Bloß: Die Konjunktur hat sich in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Vor allem im Automobilsektor und hier besonders bei den Zulieferern stehen ganze Geschäftsmodelle in Frage, die Pleiten häufen sich.
  • Die Commerzbank machte zuletzt vor allem mit einer Kette von IT-Pannen auf sich aufmerksam – was weder dem Vertrauen von Kunden noch Analysten oder Investoren zuträglich war.

Für Spannung ist also gesorgt, wenn die Coba am Mittwoch früh ihre Zahlen veröffentlicht. Analysten rechnen mit einem Gewinn in der Spanne zwischen 180 Mio. und 310 Mio. Euro. 

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing