Exklusiv

Warum die EZB schwarz sieht für Europas Banken

3. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Neue Woche, alte Probleme für Deutsche Bank und Commerzbank: Während die Blaubank-Aktie auf den tiefsten Stand seit mindestens 1957 fiel und unter 6 Euro schloss, ging es mit der Commerzbank-Aktie gestern den 12. Tag in Folge (!!!) gestern abwärts. Was erneut zur Frage führt: Was ist da los?

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Wenn uns unsere Quellen nicht anlügen, dann steckt hinter dem jüngsten Kursrutsch ein kleiner Hammer, den die Europäische Zentralbank zwar schon am vergangenen Mittwoch schwingen ließ – was medial aber irgendwie nicht so durchgedrungen ist. Denn: Es wurde zwar verschiedentlich über die jüngste Ausgabe des halbjährlichen EZB-Finanzstabilitätsreports berichtet. Indes: Die heikelste Aussage des Berichts ist über das lange Wochenende offenbar erst peu à peu ins Bewusstsein der Bankenaktionäre durchgesickert.

Und zwar: Die europäischen Notenbanker schreiben in dem Bericht ziemlich unverblümt, dass es mit der Profitabilität der Banken in der Eurozone in diesem Jahr nochmal richtig schön nach unten gehen wird. Und man vielleicht-möglicherweise-eventuell und unter der Voraussetzung, dass es 1.) keine Rezession gibt, 2.) die Arbeitslosigkeit weiter sinkt und 3.) die Zinsen steigen …  dann trotzdem erst 2021 (!) das 2018er-Rentabilitätsniveau wieder erreichen könnte (also im besten Fall).

Warum die Warnung, dass 2018 womöglich das Hoch war? Dazu trägt vor allem der deutlich trübere makroökonomische Ausblick (Folge: steigende Kreditrisiken) und die niedrigen Zinsen (Folge: geringere Zinserträge) bei. Das Spiel, vor allem mit höheren Kreditvolumina den sinkenden Zinserträgen zu begegnen, dürfte nunmehr aus sein.

Was heißt das unter dem Strich? Dass die Kapitalrenditen der Banken der Eurozone laut EZB von 6,2% Ende 2018 auf 5,5% 2019 fallen dürften.

 

Noch kein großes Ding, könnte man meinen.

Nun kommen allerdings die Tücken des Basiseffekts ins Spiel. Natürlich nennt die EZB keine Institute beim Namen (wobei man ahnen kann, wer dazu gehört, wenn sie schreibt: „There was a high persistence of weak performances, with many institutions remaining in the below-median ROE group for at least three of the last four years“).

Jedenfalls: Die Deutsche Bank kam 2018 ja eh nur auf einen RoE von 0,5%, bei der Commerzbank waren es  3,4%. Heißt: Überträgt man die EZB-Annahmen 1:1 auf die Deutsche Bank und die Commerzbank und lässt alle anderen bankspezifischen Veränderungen außen vor, dann würde, natürlich recht vereinfacht gesprochen, aus der blauen Bank eine defizitäre Bank werden, während die gelbe Bank nochmal ein Fünftel ihrer ohnehin dünnen Profitabilität einbüßt.

Malen wir hier schwarz? Mitnichten. Denn nochmal konkret. Es geht hier nicht um einen „Worst Case“. Sondern und ein „Basisszenario“: Die EZB unterstellt für die Eurozone dabei steigende Zinsen am kurzen (-0,3% auf 0,0% 2021) wie am langen  Ende (1,0 auf 1,5% 2021), ferner eine weiter sanft sinkende Arbeitslosenquote (von 8,2% in 2018 auf 7,5% in 2021) und Wirtschaftswachstums von 1,1%, 1,6% und 1,5% in den Jahren 2019, 2020 und 2021.

Uff.

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