Analyse

Warum Deutsche Bank und Coba an der Börse abgestraft werden

11. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Drei Wochen sind um, seit die Commerzbank ihre neue Strategie vorgestellt hat. Und zwei Monate, seitdem die Deutsche Bank Gleiches tat. Ein hinreichend langer Zeitraum, damit sich die Aktienkurse haben austarieren können. Oder anders gesagt: Inzwischen lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, wie gut die Pläne an der Börse angekommen sind.

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Oder besser gesagt: wie schlecht.

Kursentwicklung Deutsche Bank und Commerzbank seit Verkündung der neuen Strategie

Kursentwicklung Deutsche Bank und Commerzbank

Quelle: Comdirect, ab Vortagesschlusskurs Strategieverkündung (Commerzbank: 20.9., Deutsche Bank: 7.7.)

Nun könnte man sagen, nun ja, liegt halt am trüben Gesamtmarkt. Und hatte da nicht die EZB jüngst signalisiert, die Zinsen dürften noch über Jahre extrem niedrig, wenn nicht negativ bleiben – was die Banken der Eurozone belastet?

Der Blick auf das relative Abschneiden zu anderen Bankaktien der Eurozone relativiert die Malaise indes nur teilweise …

Relative Kursentwicklung Deutsche Bank und Commerzbank zum Euro Stoxx Banks seit Verkündung der Strategie

Kursentwicklung Deutsche Bank und Commerzbank

Quelle: Comdirect, ab Vortagesschlusskurs Strategieverkündung (Commerzbank: 20.9., Deutsche Bank: 7.7.)

… und das ist vor allem in einer Hinsicht bemerkenswert: Deutsche Bank wie Commerzbank rüsten sich mit zwei ganz unterschiedlichen Kommunikationsstrategien gegenüber Investoren (und letztlich auch Mitarbeitern) für die Herausforderungen der kommenden Jahre. Die Deutsche Bank betreibt „High Balling“, wie es Investmentbanker nennen. Dagegen verfolgt die Commerzbank eine eindrückliche Form des „Low Balling“.

Zu deutsch: Die Blauen versprechen sehr den Investoren viel, die Gelben sehr wenig.

Im einzelnen (und die Zahlen beziehen sich jeweils „sauber“ auf die Banken in ihrer jeweils neuen Struktur, das heißt bereinigt um die geplanten Verkäufe und Schließungen):

  • Die Deutsche Bank kündigt an, ihre Kosten bis 2022 um massive 23% zu senken – die Commerzbank bis 2023 lediglich um 10%
  • Die Deutsche Bank glaubt, trotz dieser drastischen Einsparungen die Erträge im gleichen Zeitraum von aktuell 23 auf dann 25 Mrd. Euro steigern zu können (wobei ihr beides, also Sparen und Erträge steigern, seit einem Jahrzehnt durchweg misslingt). Die Commerzbank äußert sich sicherheitshalber gar nicht erst zu konkreten Ertragserwartungen
  • Die Deutsche Bank strebt für 2022 eine Eigenkapitalrendite von 8% an, die Commerzbank stellt 4% ab 2023 in Aussicht

Zwei Banken, zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen – die Reaktion der Börse indes fällt auf beide etwa gleich kritisch aus. Das heißt: Die Investoren schätzen die Fähigkeit der beiden Banken, Kapitalrückzahlungen an Investoren über Dividenden und Aktienrückkäufe zu leisten, für die Zukunft niedriger ein als vor der jeweiligen Strategieverkündigung.

Aber warum ist das so? Wühlt man sich durch die Analystenkommentare zu beiden Strategien, zeichnen sich im wesentlichen drei Linien ab:

  • Da wäre –  erstens – der wettbewerbsintensive deutsche Markt mit seinem dreigliedrigen Bankensystem, an dem keine Strategie etwas ändern könne. Darauf zielt etwa die Analyse von HSBC, die der Deutschen-Bank-Aktie ein Kursziel von 6,30 verpasst (bei einem aktuellen Kurs von: 6,34 Euro). Und: Die Abhängigkeit beider Institute vom deutschen Heimatmarkt nimmt nicht ab, sondern zu: Die Commerzbank stößt ihre polnische Tochter mBank ab, die Deutsche Bank stutzt ihr internationales Investmentbanking zusammen.
  • Da wäre – zweitens – das wirtschaftliche Gesamtbild: Die Zinsen bleiben auf absehbare Zeit extrem niedrig, die Kreditausfallrisiken nehmen zu. Eher unwahrscheinlich, dass die Makro-Lage den Umbauprozess unterstützt. So argumentiert etwa das Bankhaus Metzler in Zusammenhang mit der Deutschen-Bank-Aktie (Kursziel: 5 Euro): Ausgerechnet zum Start seines tiefgreifenden Umbaus müsse das Institut „auch noch mit Gegenwind durch äußere Umstände klarkommen“. Das Management könne im Zuge der Umstrukturierung einige „tief hängenden Früchte ernten“, wie etwa durch die Schließung verlustbringender Sparten, doch die Erträge mittelfristig wieder zu beleben, dürfte schwer werden.
  • Und da wäre – drittens – die Tatsache, dass beide Institute eine bescheidene Erfolgsbilanz im Erreichen der eigenen Ziele haben. Bei der Commerzbank stehen drei Strategien in zehn Jahren zu Buche (Übersicht: hier), bei der Deutschen Bank gar sechs (Übersicht hier). Den tiefen Fall der Aktienkurse bremsen konnte keine. Die Ratingagentur Fitch begründete die Herabstufung des Ausblicks der Kreditwürdigkeit auf „negativ“ bei der Commerzbank explizit damit, dass die Bilanz des Managements bei früheren Umbauprogrammen durchwachsen sei – und man in den kommenden Jahren wenig Spielraum für Fehler habe.

Und dann gibt es noch einen „Flüstergrund“ für das zuletzt schwache Abschneiden beider Aktien: die verschwundene M&A-Fantasie. Der nationalen Großbanken-Fusion haben beide Institute im April eine Absage erteilt. Bliebe die Möglichkeit grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse, allen voran für die Commerzbank, deren Risikoprofil für einen möglichen Käufer etwas überschaubarer ist als das das Deutschen Bank mit 1400 Mrd. Euro Bilanzsumme.

Aber das Fenster für grenzüberschreitende Fusionen? War ohnehin nie weit offen. Dafür sorgten die immer noch nicht vollendete Bankenunion und ein regulatorischer Flickenteppich in der Euro-Zone.

Jetzt dürfte es geschossen sein. Große Deals lassen sich den Eignern kaum verkünden, wenn es gleich von mehreren Seiten (Zinsen, Konjunktur, Kreditausfälle) beginnt, in die Bilanz zu regnen. Und dass genau dies die Perspektive ist, für die man sich rüstet – das ist der Kern der Botschaft insbesondere der Commerzbank unter Martin Zielke seit drei Wochen: Es werde ein Sturm „da draußen“ aufziehen, für den man sich nun rüste. So etwas signalisiert niemand, der sich (noch) ernsthaft Hoffnung macht, Ziel eines M&A-Deals zu werden.

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