Leserblog

Warum nicht mal die Chinesen wollen, dass die Chinesen die NordLB bekommen

20. August 2018

In unserem Newsletter am Freitag haben wir uns unter der Überschrift „Der Ausverkauf der deutschen Banken“ mit dem (angeblichen) Interesse chinesischer Banken an der NordLB beschäftigt.

Einer unserer Leser hat sich den Fall genauer angeschaut – und kommt zu folgender interessanten Einschätzung:

Die Chinesen werden seit mehreren Jahren immer wieder als Heilsbringer hochgehalten (u.a. bei der WestLB, der HSH Nordbank oder der DVB). Oftmals angeblich aufgrund ihres Interesse an Schiffsfinanzierungen und/oder weil sie Zugang zum deutschen Mittelstand suchen. Die Frage allerdings bleibt, wie ernst ein solches Interesse wirklich sein kann – und ob es nicht eher im Interesse oder in der Hoffnung der Eigentümer liegt, dass solche Gedankenspiele lanciert werden. Denn mit solchen Geschichten kann der Öffentlichkeit signalisiert werden, dass die Bank einen Marktwert hat – und es sich nicht nur um ein Milliardengrab handelt. Darüber hinaus mag die Spekulation um den Einstieg eines chinesischen Investoren helfen, am Ende einen Verkauf an einen Finanzinvestor wie Cerberus zu vertreten. Denn die öffentliche Meinung läuft in solchen Fällen ja meiste auf folgende Formel hinaus: Im Zweifel lieber die Heuschrecken als die Chinesen.

Rein inhaltlich betrachtet ist darüber hinaus zu sagen: Die Chinesen betreiben Schiffsfinanzierungen als Absatzfinanzierung zur Stützung der Auslastung Ihrer eigenen Werften – und zur Ausweitung der Marktanteile im Schiffsbau. Daher haben sie gar keinen Grund, ein bestehendes Portfolio zu kaufen. Wenn etwas an der NordLB wirklich interessant für chinesische Investoren sein kann, dann das Team der Spezialisten – aber dafür nimmt man einen Headhunter und kauft nicht gleich die ganze Bank. Zugang zum deutschen Mittelstand wiederum brauchen die Chinesen nur, wenn sie ein Unternehmen kaufen wollen. Geschäftskontakte für Vertrieb, Dienstleistung und Kooperation haben sie bereits selber – und zum Kaufen benötigen sie Unternehmensbörsen oder gute Kontakte zu M&A-Beratern, aber wiederum: keine eigene Bank.

Die „Chinesen wollen bei der NordLB“-Einsteigen-Spekulationen dürften wohl eher ein Schaukampf sein. Man sollte eher auf die Finanzinvestoren wetten.

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