Leser-Blog

Was zur Kapitalsituation der DZ Bank noch zu sagen wäre …

17. Oktober 2018

Unsere gestrige Berichterstattung zur DZ Bank hat zwar viele positive Reaktionen hervorgerufen – allerdings schrieb uns ein Leser (bei dem es sich um einen hochrangigen Manager einer großen deutschen Bank handelt, die nicht die DZ Bank ist), auch wenn die Analyse insgesamt „interessant“ und „erfrischend“ gewesen sein, so hätten wir in Bezug auf die Kapitalsituation „den Kollegen bei der DZ Bank etwas Unrecht getan“. Hier, warum der Leser das so sieht:

„Im Konzern – und das ist, was die Aufsicht primär interessiert – werden die Anteile an den Unternehmen genauso herauskonsolidiert wie die Beteiligungserträge. Übrig bleibt das „echte“ Eigenkapital in den Gesellschaften. Das ist „hartes Eigenkapital“ – eingezahlt oder erwirtschaftet. Für die aufsichtliche Rechnung werden andere „weiche“ Posten wie z. B. immaterielle Vermögensgegenstände oder nicht realisierte Gewinne (Überbewertung) auch abgezogen. Das kann man gut in der Kapitaldarstellung des Offenlegungsberichtes 2017, S. 29/30, erkennen (hier das entsprechende PDF).

Anzeige

Das Handelsrecht lässt Ausweise zu, die nicht allen Qualitätsansprüchen genügen – daraus kann man aber keinem Institut einen Vorwurf machen. Deshalb gibt es ja auch eine separate aufsichtsrechtliche Kapitalermittlung, die über „prudential filter“ dies bereinigt. Auch für aktive latente Steuern gibt es Grenzen. Oberhalb der Grenze wird der Betrag vom Kapital abgezogen – unterhalb mit 250% bei den Aktiva angerechnet und fließt so als Belastung in die Kapitalquote ein (250% Risikogewicht entspricht einem Kredit im externen Rating CCC – also auch nicht übermäßig optimistisch). Insoweit würde ich nicht sehen, dass die DZ Bank Gruppe ein Qualitätsproblem beim Kapital hat.

Auf der Ebene der AG (und damit nach HGB) verschieben sich Positionen – z. B. Fond für allg. Bankrisiken statt Kapitalrücklage –, aber im Grund ist es vergleichbar. Weiche Positionen werden eliminiert oder sind mit Kapital zu unterlegen. Bliebe die Frage, ob die Beteiligungen werthaltig sind und im Zweifel veräußerbar sind. Die Bewertung will ich nicht vornehmen, aber ich würde darauf hinweisen wollen, dass dem Buchwert der Gesellschaften das jeweilige Eigenkapital und die Ertragskraft gegenüberstehen und dies regelmäßig zu überprüfen ist. Ausweislich des Konzerns ist ja auch genügend EK dezentral vorhanden.

Für einzelnen Gesellschaften wie die DG Hyp wurde ein Waiver genehmigt – hier muss z. B. die DG Hyp keine Mindestanforderungen an Kapital mehr erfüllen, weil sich die Aufsicht überzeugt hat, dass Kapital frei transferierbar ist. Dies könnte z. B. über eine Kapitalherabsetzung, Sonderausschüttung oder die Übernahme von Risiken erfolgen, um die Mutter zu entlasten. Umgekehrt kann die DZ „beliebig“ viel einschießen. Das geht offensichtlich nicht für alle Gesellschaften, aber es ist nicht nur der Anteilsverkauf, der zur Mobilisierung des Kapitals möglich ist.

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing