Kurz gebloggt

Wie die FT den Flirt zwischen Deutscher Bank und Coba aufarbeitet

2. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Gelegentlich gibt es Texte, die es Wert sind, selbst von einem Newsletter-Spezialisten, wie wir es sind, nicht nur einfach verlinkt zu werden. Die gestern in der „FT“ erschienene Aufarbeitung der Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank mit dem Titel „How the dream of creating a German banking champion died“ ist so einer, und das in mehrerer Hinsicht. 

Zum einen ist es natürlich gut zu wissen, dass bei der Commerzbank stets ein „Apfelsecco“ kalt steht und es sich dabei um einen Favorit von Martin Zielke handelt. Oder dass der Sewing-Vertraute Frank „The Tank“ Kuhnke, Chief Operating Officer der Deutschen Bank, seinen Mittel-Spitznamen offenbar einem rustikalen Kommunikationsstil verdankt.

Zum anderen ist das Stück aber auch deshalb so was die der „Lesetipp des Monats“, weil es die Linien in den Verhandlungen noch einmal präzise nachzeichnet. Demnach war Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner – natürlich vorausgesetzt, die FT-Kollegen berichten dies auch akkurat – nicht etwa nur Fusionsbefürworter. Sondern er habe die Idee überhaupt erst in Umlauf gebracht – und zwar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar. (So beschrieben auch im „Spiege“l 10/2019). Und das, nachdem er laut FT monatelang Politiker und Aktionäre von dem Fusionsvorhaben zu überzeugen versucht hat. Wenig missverständlich beschreibt ihn der Artikel auch als jemanden, der davon geträumt habe, einen historischen Deal in der deutschen Bankenlandschaft zu schmieden.

Während wiederum sein Vorstandsvorsitzender Christian Sewing derjenige gewesen sein soll, der alles am vergangenen Mittwoch habe platzen lassen. Nachdem er bereits zuvor monatelang „ad nauseam“ erklärt hatte, Priorität habe es, das eigene Haus in Ordnung zu bringen.

Als Gründe nennt die FT, dass man 6 bis 8 Mrd. Euro an frischem Kapital hätte auftreiben müssen und die fusionierte Bank dennoch nach allen Jobverlusten bestenfalls einstellige Kapitalrenditen erwirtschaftet hätte. Und: dass es mit dem „Trick“, sich den Badwill der Commerzbank – also ein Börsenwert/Kaufpreis unterhalb des ausgewiesenen Eigenkapitals – bilanziell zunutze zu machen, wohl doch nicht so einfach gewesen wäre (siehe auch unser eigener kleiner Schnipsel am Montag dieser Woche).  Ein „Top-Regulierer“ wird gar zitiert, die Banken hätten sich die Fusion schlicht nicht leisten können – was wiederum die Deutsche Bank bestreitet.

Was lernt man aus dem Stück, mal abgesehen davon, dass es ein Plädoyer ist, für guten Journalismus zu bezahlen, etwa mit einem FT-Abo?

Zum Beispiel dies hier: Wenn wirklich stimmen sollte, dass die Deutsche Bank für den Deal gar nicht das nötige Kleingeld hatte, dann ist auch fraglich, ob sie sich einen Strategieschwenk ohne Kapitalerhöhung leisten kann – etwa eine Restrukturierung und radikale Schrumpfung des Investmentbankings. 

Oder auch dies hier: Trifft die Aufarbeitung zu, ist Christian Sewing keineswegs ein Vorstandschef von seines Aufsichtsratschefs Achleitners Gnaden. Wenn es stimmt, dass alle anderen gewichtigen Beteiligten – neben Achleitner v.a. Zielke und natürlich, offenbar besorgt über die taumelnden Aktienkurse, Berlin – die Fusion grundsätzlich befürwortet haben, dann hat sich Sewing mit seinem „Nein“ emanzipiert.

Und geht einen nicht einfachen Weg. Denn ein Argument wurde immer wieder herumgereicht, warum am Ende doch damit zu rechnen sei, dass beide Banken fusionieren: Der Zusammenschluss hätte allen Beteiligten mindestens drei weitere Jahre Zeit  eingebracht. Drei Jahre, die man zu einer Übergangsphase hätte deklarieren können, ehe es dann endlich Synergien und belastbare, gute Ergebnisse gibt. Nun müssen beide Vorstandschef beweisen, dass es auch anders (und vor allem: schneller) geht.

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